koenigskind

Entscheidung fälig. OP, Scharniere oder Zähne ziehen.

Hallo,

vielleicht könnt ihr mir ja helfen. Ich habe seit ca. 14 Monaten oben und unten eine feste Spange. Ich hatte/habe einen Unterbiss, meine Frontzähne oben waren stark nach hinten gekippt und mein Unterkiefer liegt zu weit zurück.

Nun hatte ich heute nach der Zwischenuntersuchung ein Gespräch mit meinem Kieferorthopäden und er hat mir für die weitere Behandlung folgende Möglichkeiten vorgeschlagen:

1. OP, bei der der Unterkiefer nach vorne geholt wird. Anschließend Spangenbehandlung mit Gummis damit der Biss wieder angepasst wird.

2. Oben die ersten Backenzähne ziehen und die Frontzähne nach hinten holen, damit der Überbiss weg ist und der Biss stimmt.

3.Scharniere einsetzen, die den Unterkiefer nach vorne ziehen.

3a. ein "kurzes" Scharnier:

http://www.ormco.com/pix/Ormco/Products/AdvanSync/advansync-typodont-225x270.jpg

3b. ein "langes" Scharnier:

http://www.dr-doerfer.de/files/herbstscharnier.jpg

Mein KO rät zu Lösung 3b. Er sagt es dauere zwar längere als 3a, ist aber effektiver und wird von vielen Patienten besser angenommen als das kurze Scharnier.

Nun weiß ich absolut nicht was ich machen soll. Ich habe 14 Tage Bedenkzeit und dann den nächsten Termin.

Habt ihr vielleicht Tipps oder Erfahrungen oder Ratschläge für mich?

Danke!

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Hallo Koenigskind!

Ich bin über deine Frage gestolpert und kann es nicht lassen eine Antwort zu schreiben, obwohl dies nicht mein Forum ist. Ich bin Kieferorthopäde aber nicht Autor dieser Seite...

Zunächst eine kleine Anmerkung: Wenn der Unterkiefer zurück liegt hat man in der Regel einen Überbiss. Die Oberkieferfrontzähne liegen demnach vor den Unterkieferfrontzähnen (in der Horizontalen). Dazu sei gesagt, dass ein Überbiss von 3 mm dem Ideal entspricht, man soll also nicht "Kante-auf-Kante" mit den Frontzähnen beissen.

Ich nehme an, dass du vielleicht von Anfang an etwas Überbiss hattest, vielleicht war es im Oberkiefer etwas eng, vielleicht sind bei Dir im Oberkiefer auch schon zwei Zähne gezogen worden (vielleicht auch nicht).

Wenn dies zutrifft, ist das eine der häufigsten Ausgangssituationen. Da kann es manchmal vorkommen, dass man im Laufe der Behandlung feststellt, dass man die Zähne zwar schön aufreihen kann, der Überbiss aber größer ist als gedacht.

Ich nehme an, dass du nach 14 Monaten mit fester Spange an diesem Punkt bist. Zähne grade aber mit Überbiss.

Hier ist es wichtig wie groß der Überbiss ist. Da von Anfang an keine OP geplant war und da dein Kieferorthopäde Dir die Variante 3 empfohlen hat, nehme ich an, dass der Überbiss nicht allzu groß ist (4-6 mm). Außerdem spielt auch das Profil Deines Gesichtes eine Rolle. Der wesentliche Unterschied zwischen der Variante OP und Herbst-Scharnier ist, dass bei der OP der Unterkiefer als ganzes "verschnoben" wird (was auch das Profil, insbesondere das Kinn verändert), während bei dem Herbstscharnier hauptsächlich der Alveolarfortsatz (der Teil des Kiefers, in dem die Zähne sitzen) bewegt wird. Eine Veränderung deines Profils ist mit dem Herbstscharnier nicht zu erwarten (und vielleicht auch gar nicht gewünscht).

Was die Variante 2 anbelangt, frage ich mich ob ich Dich richtig verstehe. Das Wort Backenzahn ist hier nicht ganz eindeutig. Es gibt Moralen, das sind die richtig großen Backenzähne (6, 7, 8) und dann gibt es Prämolaren, das sind die beiden Zähne hinter dem Eckzahn. Wenn bei Dir noch keine Zähne gezogen wurden, wird der Kollege wahrscheinlich den Zahn hinter dem Eckzahn ziehen wollen. Auch hier spielt das Profil wieder eine Rolle, denn mit dieser Variante werden deine Oberkieferfrontzähne nach hinten bewegt. Wenn die aber eigentlich richtig stehen, kann es sein, dass die Oberlippe etwas abflacht, da die Lippe ja von den dahinter liegenden Zähnen gestützt wird. Sollten im Oberkiefer bereits zwei Zähne gezogen worden sein. Würde ich nicht unbedingt noch zwei Zähne ziehen.

Zusammenfassend (und ohne alle Diagnosen im Detail zu kennen...) würde ich mich der Empfehlung deines Kieferorthopäden anschliessen.

Weil:

Variante 1 ein sehr, sehr großer Eingriff ist, der einigen Risiken birgt. Hier muss man einen kräftigen Überbiss haben, um einen solchen Eingriff zu rechtfertigen.

Variante 2 eventuell am falschen Punkt ansetzt.

Und weil in meinen Händen, die lange Version des Herbstschaniers ebenfalls besser funktioniert. Meiner Meinung nach liegt das daran, dass mit langem Arm die Kraft mehr horizontal übertragen wird. In diesem Zusammenhang von Tragekomfort zu sprechen würde ich aber nicht. Beim Herbstscharnier wirken große Kräfte und hin und wieder geht auch was an der Spange kaputt. Es wird 1-2 Wochen dauern bis du dich daran gewöhnt hast.

An deiner Stelle würde ich das mit dem Herbstscharnier versuchen. Nach 3-6 Monaten kann man oftmals gut sehen wie gut das funktioniert. Wichtig ist, dass Du Dir selber Überlegst, was Dein Ziel ist. Man muss nicht sklavisch versuchen 3mm Überbiss einzustellen (auch wenn es am stabilsten ist wenn die Frontzähne Kontakt miteinander haben). Manchmal ist es durchaus akzeptabel eine Behandlung mit 4-5mm Überbiss abzuschliessen. Ausser Deinem Kieferorthopäden sieht das vielleicht niemand.

Ich hoffe ich konnte helfen.

Viel Erfolg!

Hallo,

vielleicht könnt ihr mir ja helfen. Ich habe seit ca. 14 Monaten oben und unten eine feste Spange. Ich hatte/habe einen Unterbiss, meine Frontzähne oben waren stark nach hinten gekippt und mein Unterkiefer liegt zu weit zurück.

Nun hatte ich heute nach der Zwischenuntersuchung ein Gespräch mit meinem Kieferorthopäden und er hat mir für die weitere Behandlung folgende Möglichkeiten vorgeschlagen:

1. OP, bei der der Unterkiefer nach vorne geholt wird. Anschließend Spangenbehandlung mit Gummis damit der Biss wieder angepasst wird.

2. Oben die ersten Backenzähne ziehen und die Frontzähne nach hinten holen, damit der Überbiss weg ist und der Biss stimmt.

3.Scharniere einsetzen, die den Unterkiefer nach vorne ziehen.

3a. ein "kurzes" Scharnier:

http://www.ormco.com/pix/Ormco/Products/AdvanSync/advansync-typodont-225x270.jpg

3b. ein "langes" Scharnier:

http://www.dr-doerfer.de/files/herbstscharnier.jpg

Mein KO rät zu Lösung 3b. Er sagt es dauere zwar längere als 3a, ist aber effektiver und wird von vielen Patienten besser angenommen als das kurze Scharnier.

Nun weiß ich absolut nicht was ich machen soll. Ich habe 14 Tage Bedenkzeit und dann den nächsten Termin.

Habt ihr vielleicht Tipps oder Erfahrungen oder Ratschläge für mich?

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Deine Antwort ist so viel informativer als meine Beratungsgespräche am Anfang. Erst nach mehreren KFOs und Auflösen von Widersprüchen zwischen ihnen war ich ungefähr soweit. Vieles wurde verschwiegen, zum Teil wurde das glatte Gegenteil behauptet. z.B. dass Herbstscharniere hauptsächlich skelletal verschieben.

Ich hoffe du findest auch in Zukunft hin und wieder die Zeit für solche Beiträge!

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DANKE!

Deine Antwort hat mir sehr geholfen!

Eine Verständnissfrage noch: Das ich einen Überbiss habe ist mir klar. Mir wurde nur damals gesagt das ich zusätzlich einen Unterbiss habe. Unterbiss wurde mir dabei so erklärt, dass meine unteren Frontzähne komplett hinter den oberen verschwinden wenn ich zubeisse. Das scheint dann wohl falsch zu sein.

Danke vielmals für deine super Antwort.

Nachdem ich nun eine Nacht drüber geschlafen habe, werde ich mich wohl für die langen Scharniere entscheiden.

Beste Grüße

Antje

Hallo Koenigskind!

Ich bin über deine Frage gestolpert und kann es nicht lassen eine Antwort zu schreiben, obwohl dies nicht mein Forum ist. Ich bin Kieferorthopäde aber nicht Autor dieser Seite...

Zunächst eine kleine Anmerkung: Wenn der Unterkiefer zurück liegt hat man in der Regel einen Überbiss. Die Oberkieferfrontzähne liegen demnach vor den Unterkieferfrontzähnen (in der Horizontalen). Dazu sei gesagt, dass ein Überbiss von 3 mm dem Ideal entspricht, man soll also nicht "Kante-auf-Kante" mit den Frontzähnen beissen.

Ich nehme an, dass du vielleicht von Anfang an etwas Überbiss hattest, vielleicht war es im Oberkiefer etwas eng, vielleicht sind bei Dir im Oberkiefer auch schon zwei Zähne gezogen worden (vielleicht auch nicht).

Wenn dies zutrifft, ist das eine der häufigsten Ausgangssituationen. Da kann es manchmal vorkommen, dass man im Laufe der Behandlung feststellt, dass man die Zähne zwar schön aufreihen kann, der Überbiss aber größer ist als gedacht.

Ich nehme an, dass du nach 14 Monaten mit fester Spange an diesem Punkt bist. Zähne grade aber mit Überbiss.

Hier ist es wichtig wie groß der Überbiss ist. Da von Anfang an keine OP geplant war und da dein Kieferorthopäde Dir die Variante 3 empfohlen hat, nehme ich an, dass der Überbiss nicht allzu groß ist (4-6 mm). Außerdem spielt auch das Profil Deines Gesichtes eine Rolle. Der wesentliche Unterschied zwischen der Variante OP und Herbst-Scharnier ist, dass bei der OP der Unterkiefer als ganzes "verschnoben" wird (was auch das Profil, insbesondere das Kinn verändert), während bei dem Herbstscharnier hauptsächlich der Alveolarfortsatz (der Teil des Kiefers, in dem die Zähne sitzen) bewegt wird. Eine Veränderung deines Profils ist mit dem Herbstscharnier nicht zu erwarten (und vielleicht auch gar nicht gewünscht).

Was die Variante 2 anbelangt, frage ich mich ob ich Dich richtig verstehe. Das Wort Backenzahn ist hier nicht ganz eindeutig. Es gibt Moralen, das sind die richtig großen Backenzähne (6, 7, 8) und dann gibt es Prämolaren, das sind die beiden Zähne hinter dem Eckzahn. Wenn bei Dir noch keine Zähne gezogen wurden, wird der Kollege wahrscheinlich den Zahn hinter dem Eckzahn ziehen wollen. Auch hier spielt das Profil wieder eine Rolle, denn mit dieser Variante werden deine Oberkieferfrontzähne nach hinten bewegt. Wenn die aber eigentlich richtig stehen, kann es sein, dass die Oberlippe etwas abflacht, da die Lippe ja von den dahinter liegenden Zähnen gestützt wird. Sollten im Oberkiefer bereits zwei Zähne gezogen worden sein. Würde ich nicht unbedingt noch zwei Zähne ziehen.

Zusammenfassend (und ohne alle Diagnosen im Detail zu kennen...) würde ich mich der Empfehlung deines Kieferorthopäden anschliessen.

Weil:

Variante 1 ein sehr, sehr großer Eingriff ist, der einigen Risiken birgt. Hier muss man einen kräftigen Überbiss haben, um einen solchen Eingriff zu rechtfertigen.

Variante 2 eventuell am falschen Punkt ansetzt.

Und weil in meinen Händen, die lange Version des Herbstschaniers ebenfalls besser funktioniert. Meiner Meinung nach liegt das daran, dass mit langem Arm die Kraft mehr horizontal übertragen wird. In diesem Zusammenhang von Tragekomfort zu sprechen würde ich aber nicht. Beim Herbstscharnier wirken große Kräfte und hin und wieder geht auch was an der Spange kaputt. Es wird 1-2 Wochen dauern bis du dich daran gewöhnt hast.

An deiner Stelle würde ich das mit dem Herbstscharnier versuchen. Nach 3-6 Monaten kann man oftmals gut sehen wie gut das funktioniert. Wichtig ist, dass Du Dir selber Überlegst, was Dein Ziel ist. Man muss nicht sklavisch versuchen 3mm Überbiss einzustellen (auch wenn es am stabilsten ist wenn die Frontzähne Kontakt miteinander haben). Manchmal ist es durchaus akzeptabel eine Behandlung mit 4-5mm Überbiss abzuschliessen. Ausser Deinem Kieferorthopäden sieht das vielleicht niemand.

Ich hoffe ich konnte helfen.

Viel Erfolg!

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Hallo Niels G.,

ich bedanke mich für Deinen Beitrag. Er hat mir auch bei meiner Lösungsfindung geholfen.

HG Karla

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Hallo Niels G.,

ein super Beitrag, der auch mir geholfen hat.

Klasse!

möchtest du dich nicht öfter hier einbringen?

Liebe Grüße

Antje

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Hallo nochmal,

tut mir leid, dass meine Antwort etwas auf sich warten lies...

Um auf die Frage des Überbisses zurück zu kommen. Wie schon etwas weiter oben erwähnt, handelt es sich hier wohl um einen Tiefbiss. Wenn man es ganz genau nimmt, muss man beim Überbiss zwischen horizontalem und vertikalem Überbiss unterscheiden. Deiner Schilderung nach hast du einen vergrößerten horizontalen Überbiss und einen Tiefbiss. Im Englischen wird dies genauer durch die Begriffe overjet (horizontal) und overbite (vertikal) beschrieben. Ich hatte bei Wikipedia unter dem Begriff "Überbiss" auch mal eine Skizze reingestellt. Bei einem Unterbiss spricht man von negativem horizontalen Überbiss.

Dabei darf man nie vergessen, dass etwas Überbiss (sowohl vertikal als auch horizontal) normal ist. Wer in den Spiegel sieht und beim Zusammenbeissen seine Unterkieferfrontzähne nicht sehen kann, hat einen Tiefbiss. Das an sich muss noch nicht dramatisch sein. Wenn die Unterkieferfrontzähne mit den Oberkieferfrontzähnen Kontakt haben, kann der Biss trotzdem stabil sein. Das mit dem Kontakt kann man im Spiegel nicht sehen, dafür wären ein Paar Gipsmodelle gut.

Gruß

Niels

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