Benjamin

Bimax 11.01.2012 Uni-Klinik Heidelberg

Thema: Bimax, OK-VV 6 mm, UK-RV 3 oder 4 mm (glaube ich; und wahrscheinlich auch irgendwie geschwenkt)

Hallo Forum,

nach knapp 4 Jahren Lingualspange hatte ich letzte Woche meine langerwartete Bimax. Erste Erkenntnis am Aufnahmetag: Jeder noch so lange Zeitraum geht tatsächlich irgendwann rum, nicht zu fassen. Ich habe die letzten Monate, Wochen und Tage herunter gezählt und mich wahnsinnig auf die OP gefreut.

Eine glänzende Vorbereitung sind die OP-Berichte in diesem Forum, weswegen ich nun den meinigen hinzufüge. Aus meiner Sicht bereiten Ärzte und KFOs nur unzureichend auf die OP vor, insbesondere für die ersten zwei Tage Post-OP hätte ich mir vorweg eine deutliche Warnung gewünscht.

Dienstag, 1 Tag vor der OP

9 Uhr einchecken ins Krankenhaus. Aufnahmegespräch, Anästhesie-Vorbesprechung, OP-Aufklärung mit dem KFC, Blutcheck. Alle Ampeln auf Grün.

OP Termin wurde auf Mittags gelegt mit Tendenz einer weiteren Verschiebung. Das war mir so gar nicht recht. Rest des Tages rumgelegen, gelesen und noch einmal „richtig“ gegessen. Leider im Krankenhaus, ich Ahnungsloser. Tipp: Essen stehen lassen und was Leckeres essen gehen, gerade hätte ich z.B. richtig Lust auf einen einfachen Cheeseburger von McD. Stattdessen gab’s Weißbrot mit Käse. Naja.

Ich war den ganzen Tag super gelaunt und total aufgedreht, ging noch einmal etwas spazieren und blieb lange, sehr lange vor einem silbrigen SLK 320 stehen. „Will ich nach der OP haben“ – Es war gut für mich, für die Tage im Krankenhaus so eine Art Vision im Kopf zu haben für das „danach“. Der SLK war ein exzellenter Begleiter dieser Tage.

Mittwoch, OP und die Nacht auf Intensiv

8 Uhr, Aufwachen, rumliegen, noch mindestens 4 Stunden bis zur OP. Langsam werde ich nervös. Und auf einmal so richtig. Was tue ich hier eigentlich? Sinnvolle Aktion ist gut gegen sinnloses Nachdenken, also duschen. Auf einmal geht alles ganz schnell - es poltert gegen die Tür. OP wird etwas vorverlegt, Patient möge sich beeilen. Patient rollt die Augen und bekommt Herzklopfen. Ich schaue in den Spiegel und sage meinem alten Gesicht auf Wiedersehen (ich habe tatsächlich in den Spiegel gewunken). Ich brauche Ewigkeiten, um diese absonderlichen OP-Sachen anzuziehen. Besonders die Strümpfe sind hartnäckig. Neben meinem Bett die berühmte Tablette und ein kleines Glas Wasser. Point of no return.

Die Tablette verwandelt meine Nervosität in euphorische Nervosität. Superklasse.

Ich werde in den OP gerollt von einem wortkargen Typ der den ganzen Tag nur Betten zu rollen scheint. Er stellt mich nach etwa zehn Minuten Fahrt kommentarlos in einem Raum ab. Ich soll wohl irgendwie das Bett wechseln, verstehe aber nicht wie und werde langsam ärgerlich weil ich den Ablauf nicht mehr durchblicke und keiner mit einem richtig spricht. Die ersten vernünftigen Menschen die ich an diesem Tag sehe (es werden leider so ziemlich die letzten bleiben) sind die beiden Narkoseärzte. Die sind fast noch ironischer und cooler als im Film und erklären jeden Handgriff (sehr gut). Begrüßungssekt und dann das ganz harte Zeug. Bis man weg ist, ist das echt ganz geil.

__

Ich wache auf. Erstes Gefühl: Mein Mund ist randvoll mit irgendeiner ekligen Brühe. Ich bekomme Gott sei Dank prima durch die Nase Luft (trotz Magensonde und jeder Menge Blut… also praktisch mit einem halben Nasenloch: mehr als je zuvor in meinem Leben! Es lebe die OK-VV). Aber nach einiger Zeit weiß ich nicht so Recht, wohin mit dem Zeug im Mund. Schlucken geht nicht, denn da scheint nur noch mehr klebrige Flüssigkeit zu sein. Ich winke, im Hintergrund kommt ein grobschlächtiger Typ angeschlurft. Was es denn geben würde. Ich versuche zu Sprechen, es gurgelt nur. Er meint, ich müsse schon deutlicher Sprechen (Depp der blöde). Ich verschlucke mich und huste. Er fragt: „Ahaaa, absaugen?“ Mein Sauerstoffindikator fängt an zu piepen und ich weiß auf einmal nicht mehr, wie atmen geht. Er scheint das erst mit mir diskutieren zu wollen, denn das Absaugen „wäre nicht so gut für mich“. Ich gurgle weiter, irgendwann hat er ein Einsehen, Absaugen, mein Mund ist nun halbwegs leer. Sauber.

Ich versuche zum ersten Mal zu ertasten, wo denn eigentlich meine Zähne sind. Irgendwas klemmt da quer in meinem Mund. Sollte das der Splint sein, fühlt sich das verdammt schräg und überhaupt nicht richtig an. Ich winke den Typen zu mir her, der sich stöhnend von seinem Tisch erhebt („was ist denn jetzt schon wieder?!“). Ich bitte um Stift und Papier und krakle irgendwas von „Splint passt nicht“ zusammen. Er glotzt mich an und sagt dann tatsächlich: „HÄ? Splint, Splint – was soll das sein?“.

Meine Augen werden groß und größer. Er meint weiter: „Hören Sie, ich mache das hier seit 4 Jahren, das ist alles ok“. Ich bin auf einmal völlig entkräftet, lasse meinen Kopf auf die Seite fallen – vergiss es einfach, Depp. Er vergisst es tatsächlich, geht zu seinem Tisch zurück und füllt Formulare aus. Er kommt mir vor wie ein Metzger, der gerade die Zerteilung von Schweinehälften dokumentiert.

Nach einer Weile bin ich wieder wach und kriege meinen Mund immer noch nicht richtig arrangiert, habe das Gefühl, dass mein Unterkiefer vollkommen schief ist und wage, die Hand zu heben. Der Metzger murmelt „komme gleich“. Ich atme etwas weniger, mein Sauerstoffindikator piepst, das ist ja ein witziges Spielzeug. Er sagt „atmen, Herr… äh“ (persönliche Ansprache von Patienten ist gut, man sollte nur nicht den Namen vergessen.). Die Alarmglocke meiner Nachbarin läutet nun ebenfalls, er sagt „atmen, Frau… ähhh“…. LOL, was ein Irrenhaus.

Er steht über mir, betrachtet mich ungnädig. Ich deute auf den Mund und mache ihm irgendwie mit Gesten klar, dass das so nicht geht. Er meint, er könne das eigentlich gar nicht beurteilen, da bräuchte er schon einen Arzt. DANN HOL EINEN VERDAMMT, knallt es mir durch den Kopf. Er meint, der Arzt hätte aber gerade keine Zeit. Ich schüttle den Kopf und schließe die Augen.

Wenig später steht ein Arzt neben mir, nickt, ja, klar, Splint passt nicht. Er hantiert etwas in meinem Mund herum und auf einmal passt es ganz ausgezeichnet. Ich bin sehr beruhigt. Der Metzger fühlt sich offenbar etwas schuldig, jedenfalls redet er schnell auf den Arzt sein: Der Patient (ich, hallo, ich höre mit!?) hätte ihn gezwungen (!?), abzusaugen, obwohl er den Patient (hört mit…!???) darüber informiert hätte, dass dann der Splint verrutscht (von dem er bis eben nicht wusste, dass es so etwas überhaupt gibt). Der Arzt nickt, „schon gut“, geht. Ich dämmere weg.

Ich wache auf der Intensiv wieder auf. An der Wand hängt verschwommen eine Uhr, die zeigt halb acht. Die Schwester telefoniert gerade mit meinem Vater, alles sei gut gelaufen. Sehr schön. Ein paar Stunden später ist mir sehr übel und ich klingle nach der Schwester. Ich will ihr gerade sagen, dass mir schlecht ist, als ich furchtbar husten muss und ein Schwall Blut aus meinem Mund kommt, dann noch einer. Sie schaut mich entsetzt an, sagt „oh scheiße, Blut!??“ und rennt aus dem Raum (nein, bitte nicht weggehen!?!). Ich schaue an mir herunter, sehe nur sehr dunkles Blut, bekomme keine Luft und dafür furchtbare Angst. Ich drehe mich gurgelnd auf die Seite. Die Schwester kommt zurück mit einem Pfleger, der sagt „sofort Arzt holen“.

Ich bin kurz weg, als ich wieder die Augen aufmache stehen sechs Leute (oh Gott, so viele Leute!?) um mich herum. Ich hätte nur geronnenes Blut erbrochen, bitte alle beruhigen. Ich nicke und zittere trotzdem am ganzen Körper. Im Rückblick kommt mir das alles leicht unwirklich-lustig vor, aber ich weiß, dass das die schlimmsten Minuten meines bisherigen Lebens waren und sich ziemlich real angefühlt haben. Obwohl einem klar ist, dass einem hier eigentlich nichts wirklich Schlimmes passieren kann, fühlt es sich trotzdem manchmal so an.

Donnerstag, 1. Tag Post-OP

Am Morgen geht es mir besser, die Magensonde wird entfernt (ein widerliches Ding, insbesondere wenn dieser kühle Brei einem irgendwie in den Magen tropft – bah!), dafür bekomme ich eine Kühlmaske (ein guter neuer Freund). Langsam merke ich einen dumpfen Kopfschmerz, nicht wirklich schmerzhaft, aber ein sehr klarer Indikator: da wurde gewaltig gearbeitet an meinem Schädel. Ich werde auf Station gefahren und empfinde das als etwas sehr tolles, bloß weg aus dieser Intensiv-Hölle wo alle fünf Minuten irgendwelche Glocken und Sirenen piepen und einem das Schlafen spätestens durch das sich ständig aufblasende Blutdruckmessgerät unmöglich gemacht wird.

Ich weiß gar nicht mehr, wann ich zum ersten Mal vor dem Spiegel stand und fasziniert das Hamstergesicht angeschaut habe, das mir (kein Witz) sofort sympathisch war. Geil symmetrisch! Und was sich auch immer an meiner Nase geändert hat (etwas höher / aufrechter wahrscheinlich), es gefällt mir ausgesprochen gut. Meine Nase war voll von eingetrocknetem Blut, eigentlich war mein ganzes Gesicht voll mit Blut. Ich brauchte lange, sehr, sehr lange, um die gröbsten Spuren zu beseitigen (mit grobem Papierhandtüchern und dem Gefühl von Schmirgelpapier). Irgendwann in der Prozedur kam eine sagenhaft attraktive farbige Schwester hereinspaziert und musste erst mal lachen, weil ich da so halbnackt in meinem OP-Kittel herumwankte. Sie gab mir mit einer nicht vergessenen lieben Geste solche Mulltücher. Das war VIEL besser.

Ich wollte dann nur schlafen und war total platt.

Mittagessen. Der erste Versuch: Oh Gott, das geht ja gar nicht. Ich entschied mich sofort für die Strohhalm-Methode. Der Strohhalm ließ sich elegant durch meine verbliebende Zahnlücke schieben. Die Suppe (dickflüssig, natürlich, vielen Dank für nichts) schmeckte indiskutable ekelhaft (Spargel!?) und mit unglaublicher Kraftanstrengung (saugen…) gelang es mir, in unfassbar langer Zeit (bestimmt 1 Stunde) ein paar Schlucke zu konsumieren. Danach war ich ehrlich so erschöpft, dass ich nur noch schlafen wollte. Leider hatte mir niemand gesagt, dass ich eigentlich noch Medikamente einnehmen muss, und so ignorierte ich den für mich undefinierbaren weißen Becher (ich hielt das in meiner Benommenheit für „leckeren Nachtisch“). Diese Medikamenten-Becher sollten die größte Herausforderung der nächsten Tage werden.

Irgendwann hatte ich einen deutlichen Druck auf der Blase, der kontinuierlich zunahm. Ich klingelte nach der Schwester. Sprechen empfand ich anfänglich als unmöglich, deswegen Handzeichen. Sie verstand, das müsse aber ihr männlicher Kollege übernehmen (schade, sie war blond). Nach langer Zeit kam der Pfleger. Blasenschmerzen „KANN NICHT SEIN, Sie haben einen Katheter“. Was Du nicht sagst!! Es tut trotzdem höllisch weh!!! Denke ich. Er meint, „hm… mal den Arzt holen“. Ich grummle ein „bitte schnell“ hinter ihm her, denn langsam wird es unerträglich. Nach einigen Minuten, in denen mir langsam der Schweiß auf die Stirn tritt, kommt er ohne Arzt wieder und will mal „selbst probieren“. Nach einigem Hin- und Her fließt es wieder, doch nicht lange. Leute, das ist echt schmerzhaft. Tipp: Werdet das dämliche Ding so schnell wie möglich los, koste es, was es wolle. Als der Katheter unter einem kurzen Gruselschmerz endlich beseitigt ist und ich endlich auf Toilette kann bin ich furchtbar glücklich. An Stelle des krampfenden Schmerzes tritt seelige Entspannung.

Ich liege auf dem Bett und bin auf einmal tief euphorisch. Ich merke, dass das schlimmste, auf das ich nicht mal eingestellt war, überstanden ist. Ein schönes Gefühl, der Sonne beim Wandern zuzuschauen. Überhaupt ist dieser glückliche Zustand, der mich ziemlich genau 24 Stunden nach der OP erfüllt, ein echtes Highlight. Ich habe das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben und bin (ich weiß, eitel) stolz auf die überstandene OP. Ich höre kurz Musik. Und höre Zwischenklänge in den mir so bekannten Liedern, die ich so noch nie gehört habe (ein bisschen wie beim Kiffen, erweitertes Bewusstsein – das hat sich bis heute gehalten! Voll geil!!).

Als der Rausch vorbei ist, schreibe ich SMS. Brutal anstrengend. Nach zwei SMS fühle ich mich wie nach einer 5-Stunden-Klausur.

Es gibt Abendessen, ich ahnte schon, da war noch was. Die Suppe ist grün statt weiß, schmeckt aber genauso eklig und ist (was schlimmer ist) genauso dickflüssig. Ich würde dem Verantwortlichen gerne einmal eine Bimax spendieren, um ihn danach sein „sorgfältig ausgesuchtes und auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmtes“ Essen zu servieren.

Ich versuche mich danach an den Medikamenten. Voltaren, Magenschutz, Antibiotika. Klingt sinnvoll und wichtig. Also Strohhalm ansetzen. Ein Schluck. Ich habe noch nie so einen ekligen Geschmack im Mund gehabt, salzig-bitter-beißend. Ich kann nicht anders als heftig zu Husten und alles wieder irgendwie durch den Splint zu spucken. Der Ekel ist das eine, das andere ist dieses Husten / Würgen, was verdammt schmerzhaft ist wenn man überall wund und frisch vernäht ist. Ich gebe nach dem dritten Versuch auf und schildere dem Pfleger später das Problem. Er gibt mir Voltaren als Zäpfchen (gute Alternative), Antibiotika will er sich „erkundigen“.

Die Nacht ist sehr lang und schlafen kann ich nicht richtig, immer nur so kurze 20-Minuten-Etappen. Ich bin in einer Art neutralem Zustand, nichts tut wirklich weh, nichts interessiert mich wirklich, weder müde noch wach. Meine Nase geht allerdings langsam zu, was mich zwingt, durch den Mund zu atmen. Das wiederum macht die stetig getragene Kühlmaske von meinem besten Freund zu meinem neuen schlimmsten Feind, weil ich die Mundöffnung als zu klein empfinde und ab und zu nach Luft japsend die Maske über den schmerzenden Kopf abziehen muss. Nervt. Abgesehen davon läuft der Speichel (unfassbar, wie man sabbert…) unter die Maske, was auch nicht gerade angenehm ist.

Freitag, 2. Tag Post-OP

Der Morgen. Es wird geröntgt. Ich bekomme für die Rollstuhlfahrt quer durchs Krankenhaus eine goldene Schere an einer weißen Samtkordel um den Hals gehängt für den Notfall. Pfleger: „Wie, Sie haben bis jetzt nicht immer eine Schere bei sich gehabt? Und wenn Sie sich übergeben ersticken Sie??“ Patient: „Äh…?!“

Mir geht es ab jetzt fast stündlich besser, eine Entwicklung, die sich bis heute nur unterbrochen von einigen unschönen Stunden in den Nächten fortgesetzt hat. Das Essen ist unverändert nervig und anstrengend, die Medikamente praktisch nicht runter zu bekommen. Der Pfleger signalisiert mir, dass es zur oralen Aufnahme keine Alternative gibt. Schluck oder stirb. Ich werde am Abend endlich (endlich!!) kreativ und probiere, die Medikamente mit sehr viel Zucker zu mischen. 4 Päckchen auf drei Finger breit Wasser reichen, man braucht ewig, um die Zuckermassen aufzulösen, aber man bekommt es so runter. Warum wissen Pfleger sowas nicht?

Ich lese ein paar Seiten und habe wieder diese Phase der Bewusstseinserweiterung, begreife die Schönheit des geschriebenen (Kundera / Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – LESEN!) und habe Tränen in den Augen vor Rührung. Gleichzeitig ist auch das wieder so anstrengend, das es nur für einige Seiten zu ertragen ist.

Samstag, 3. Tag Post-OP

Die Zeit plätschert dahin. Es gibt wenig Neues außer kontinuierlicher Besserung und v.a. ständigem Abschwellen. Ab jetzt lässt sich das alles sehr gut aushalten. Meine Eltern kommen zu Besuch und ich merke dann erst wieder, wie ermattet ich noch bin. Nach 30 Minuten lege ich mich wieder hin. Später dusche ich zum ersten Mal wieder richtig und schlafe danach erstmals ein paar Stunden durch.

Sonntag, 4. Tag Post-OP

Alles gut. Am Wochenende scheint die ohnehin nicht besonders hohe Betreuungsintensität noch weiter heruntergefahren zu werden, ich dämmere die Zeit so vor mich hin.

Montag, 5. Tag Post-OP

Visite. Mein KFC ist dabei und sagt: „Also, heute nach Hause!?“. Ich kann mein Glück nicht fassen. Mein Vater holt mich ab. Kurzes Entlassungsgespräch und weg. Drei Stunden später bin ich auf der Autobahn und fühle mich gesund wie nie. Zuhause kann man sich endlich vernünftig ernähren und kurieren. Meine Eltern kümmern sich toll um mich.

Dienstag, 6. Tag Post-OP

Ich fahre wieder ins Uni-Klinikum zum KFC zur Kontrolle. Zum ersten Mal den Splint und die Gummis raus. Wow, wie krass sich das anfühlt. Geil, ein richtiger Biss, ganz vorsichtig klappe ich den Mund zu. Mir wird erklärt, wie die Gummis zu hängen sind. Einmal am Tag raus damit und wechseln. Das ist mit den verbliebenden Schwellungen und Wunden nicht so einfach.

Wieder zuhause. Um 20 Uhr beginne ich, die Gummis auszuhängen. Es dauert etwa eine Stunde (aushängen!!!) weil ich mich vollständig dämlich anstelle. Danach essen, Zähne putzen. Es ist 21 Uhr. Ich beginne mit dem Einhängen. Nach ununterbrochenen Versuchen hängen um 23:30 Uhr zwei von vier Gummis (Frontbereich) und ich gebe erschöpft auf. Mehr geht heute einfach nicht.

Mittwoch, 6. Tag Post-OP

Nach endloser Fummel-Arbeit hängen irgendwann Abends alle vier Gummis, allerdings habe ich bei einem etwas geschummelt, weil ich es partout nicht bis auf den hintersten Zahn gehängt bekomme. So hängt es jetzt im Quadrat und nicht im Dreieck. Ich hoffe, meine Zähne verzeihen es mir.

Donnerstag, 7. Tag Post-OP

Nach einigen Tagen probieren habe ich die für mich optimale Ernährung gefunden:

- Frische Vollmilch mit einem Tropfen Rapsöl und aufgelösten Haferflocken

- Dazu kann man auch noch Nestle Palenum mischen, gutes Zeug, v.a. Himbeere

- Tomatensaft (hmmm! mit Zitrone, Soja-Sauce und Pfeffer!!) und Tomatensuppe

- Rinderbrühe

- Ohne Splint geht auch püriertes Chili-con-Carne, verdünnt mit Rinderbrühe

Nach einer Woche fühle ich mich sehr gut, merke aber auch, dass man schnell müde wird. Schwellungen sind natürlich noch fett, aber gehen jeden Tag zurück (man bekommt wieder einen Hals, wow). Meine Hoffnungen ruhen auf dem nächsten KFC-Termin am Dienstag, dann darf ich wohl auf den Splint verzichten. Einziges Problem momentan noch: Gummis einhängen wegen den Schwellungen und Wunden ist kein Spaß. Und fast das wichtigste: LACHEN tut höllisch weh, so dass ich diverse Fernsehsendungen definitiv nicht anschauen kann. Ich hoffe, das gibt sich bald.

So far… Allen, die es noch vor sich haben: Gutes Durchhaltevermögen in den ersten Tagen und freut Euch auf die schönen, intensiven Momente zwischendrin, die es definitiv geben wird. Das Gefühl ein paar Tage danach ist eh das geilste. Ich würde diese Erfahrung ungern noch einmal machen (… ach ja, da gibt’s ja noch die Plattenentnahme…), nehme aber unglaublich viel von diesen Tagen mit.

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Hallo Benjamin,

erstmal herzlichen Glueckwunsch zur ueberstanden OP und danke fuer den tollen und ausfuehrlichen Bericht. Obwohl Deine Schilderungen nichts beschoenigen oder verharmlosen, so musste ich ob Deiner plastischen Schilderungen doch an so mancher Stelle herzlich schmunzeln.

Ich werde am 24.2. in Heidelberg operiert und freue mich, dass bei Dir dort alles gut verlaufen ist, von ein paar kleinen Ausnahmen mal abgesehen. Wenn ich im Aufwachraum angekommen bin, werde ich es tunlichst vermeiden, den Metzger bei der Dokumentatin der zerteilten Schweinehaelften stoeren.

Ich habe mir vorgenommen, einfach ganz schnell wieder die Augen zu schliessen und zu hoffen, dass ich wieder einschlafe... im Flugzeug funktioniert das bisher immer ;-)

Ansonsten ist Milan Kundera wohl gar kein schlechter Tipp als Krankenhauslektuere. Ein sprachlich wunderschoenes Werk, das es verdient, ein zweites Mal gelesen zu werden... und wer weis, vielleicht beschert es mir aehnliche Gluecksmomente wie Dir.

Wozu hast Du eigentlich die Schere bekommen? Umd die Gummies durchzuschneiden, wenn Du erbrechen musst? Mir hat der Chirurg gesagt, dass man nach der OP nicht verschnuert waere.

Ich wuensche Dir auf jeden Fall weiterhin gute Besserung und wuerde mich freuen, noch mehr von Deinem weiteren Genesungsverlauf zu hoeren.

Liebe Gruesse

Mauto

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Hallo Mauto,

Heidelberg ist eine gute Wahl, der KFC ist sehr gut (mein KFO hält große Stücke auf ihn).

Zur MKG-Station muss ich sagen, dass die Bandbreite der Pfleger von "sehr gut" bis "katastrophal" reicht. Mit einer Bimax ist man im Verhältnis zu dem Rest der MKG-Station sehr gut dran und ich habe die ein oder andere Nacht mit meinem Zimmergenossen mitgelitten, dem es wirklich schlecht ging und der leider auch vom Pflegepersonal teilweise nicht gut behandelt wurde ("machen Sie's doch selber" wenn jemand nach Luft röchelt, ahja)... Was ich sowieso überhaupt nicht auf dem Schirm hatte war die eigene Belastung durch das Schicksal der Mitpatienten. Das ist bei mir nichtmal nur Mitleid gewesen sondern eher auch der egoistische Gedanke "hoffentlich passiert dir sowas nie" (nicht sprechen - nicht schlucken - nicht atmen können sind schon ziemlich grundlegende Sachen - spätestens jetzt werde ich auch das Gelegenheitsrauchen aufgeben, soviel hat das schon mal gebracht).

Ja, die Schere war für die Gummis. Aber wie ich auf der Intensiv gelernt habe, kann man ja auch durch Splint und Gummis erbrechen... Bei mir war vorher nicht sicher, ob ich Splint bekomme und verdrahtet werde, das kommt aber vermutlich stark auf die OP an.

Wünsche Dir alles Gute und freue mich auf Deinen OP-Bericht, vielleicht hast Du ja ne nette Schwester im Aufwachraum ,)

VG Benjamin

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Hallo Benjamin, - herzlichen Glückwunsch zur überstandenen Bimax! Freut mich, dass Du die anstrengende Zeit nun hinter Dir hast. :)

Ich hatte in Heidelberg vor guten 2 Monaten meine GNE gehabt, eine UKVV steht mir noch bevor. Vielen Dank für alles detailliert Beschriebene, hätte mir es echt nicht besser vorstellen können und musste an vielen Stellen schmunzeln. Dein Bericht ist wirklich lesenswert und hilfreich. ;)

Wünsche Dir eine gute Besserung und weiterhin alles Gute. LG, Liz.

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Hallo Benjamin,

der Chirurg hat auf mich auch einen sehr guten Eindruck gemacht, aus dem Grund habe ich mich auch fuer Heidelberg entschieden. Ausserdem denke ich mal, dass man dort auch fuer den Fall, dass irgend etwas schief gehen sollte, weitaus besser aufgehoben ist als in einer Belegklinik.

Ich stell mich jetzt einfach mal auf etwas weniger freundliches Pflegepersonal ein. Falls ich dann doch an einen netten Pfleger oder eine nette Schwester gerate, bin ich angenehm ueberrascht. Besser so herum als anders.

Dass einem die Schicksale der Zimmernachbarn belasten koennen, kann ich mir gut vorstellen. Ehrlich gesagt hatte ich daran bisher auch noch nie gedacht. Es ist sicherlich menschlich, dass man in so einem Moment auch ganz egoistische Gedanken hat und froh ist, dass es einem selbst besser geht oder man hofft, dass einem solch eine Geschichte erspart bleibt.

Hast Du im Krankenhaus Lymphmassagen bekommen oder ein Rezept fuer die Zeit daheim? Ich will mir naemlich schon vor der OP die Termine holen, damit ich das nicht erst nach der OP angehen kann. Aber wenns von der Klinik kein Rezept gibt, muss ich meinen KFO bitten, das zu uebernehmen. Oder bist Du gar nicht so geschwollen?

Liebe Gruesse

Mauto

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Hallo Benjamin,

erstmal Glückwunsch zur überstandenen Bimax!

Du hast einen genialen (männlichen :D ) Schreibstil. Das Lesen hat viel Spaß gemacht, aber natürlich sind schon krasse Situationen dabei. Wie kann man so nen unfreundlichen Pfleger auf ne Intensivstation setzen? Dazu die vielen recht ahnungslosen Pflerger/innen. Das hörte sich erst so an als seist du nicht auf ner MKG-Station gewesen. Als wärst du der erste, der Probleme mit dem Antibiotika hat.. :/ Aber zum Glück warst du selbst kreativ!

Deine Atemprobleme hören sich ebenfalls sehr schrecklich an. Davor hatte ich am meisten Angst. Wenn man dann auch noch schlecht behandelt wird, kann man ja richtig in Panik geraten..

Uäähhh das eklige Gefühl wenn man sabbert und ne Kühlmaske trägt, es ruft Erinnerungen wach.

Aber nun hast du das schlimmste überstanden und es geht nur noch bergauf! Das wichtigste was du nun brauchst ist Geduld. Erstmal alles langsam angehen.

Gute Besserung :)

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Super Bericht!!! Gut geschrieben!! Das mit den Tabletten ist echt ne Wissenschaft für sich. Die Zäpfchen fand ich allerdings noch schlimmer, als die Antibiotikatablette, da hab ich am zweiten tag post OP mit dem Arzt verhandelt ;). Tablette, statt Zäpfchen. Dackelschwellungsblick hat gesiegt!!

Und was das Gummiwechselspiel angeht, kann ich mithalten. Die Dinger auszuhängen fand ich fast noch schwieriger, als die Teile wieder an Ort und Stelle zu bekommen. Machst du das mit ner Pinzette? Damit geht es etwas leichter. Allerdings tuts auch höllisch weh, wenn man abrutscht ;).

Sobald die Schwellung weitestgehend weg ist, hast du auch Routine drin und dann gehts ganz automatisch. Nur Mut :D

Gute Besserung noch :)

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Hi Benni,

super Bericht! Ich wünschte ich hätte ihn vor meiner Bimax-OP im Juli 2011 gelesen, dann wäre ich vorbereitet aber trotzdem nicht abgeschreckt gewesen, dein Zynismus ist einfach herrlich! :)

Ich wurde auch in HD operiert (haben uns knapp verpasst, am 18.1 war meine ME) und hab ähnliche Erfahrungen mit dem Pflegepersonal, vor allem die Szene aus der Wachstation kommt mir sehr bekannt vor!

Was auch gut war: mein Chirurg zeigt mir in seinem Büro ein paar Tage post-OP Röntgenbilder. Weil es Sommer ist und die Luft in der Klinik heiß und stickig ist, macht meine Mama eine Bemerkung über die schöne kühle Klimaanlagenluft, darauf er: ich hab halt studiert!

LG, hoffe es läuft gut mit dem neuen Biss ;)

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