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kieferschizm

Bimaxiläre Osteotomie am 25.01.2012 im AKH Wien

24.01. Tag der Aufnahme

Erstaunlich entspannt in meiner Station angekommen, Zeug eingeräumt, wohnlich eingerichtet. Nach dem Gespräch mit der Anästhesie noch ein paar Checks, weil mein Hausarzt darauf vergessen hat, neben dem Blut - und EKG-Werten auch einen positiven Bescheid seiner OP-Freigabe beizulegen.

Weil dazwischen reichlich Freizeit war, hab ich das KH auch noch Mal verlassen und war - sämtliche Warnlaute meines Magens ignorierend - ordentlich feste Nahrung schaufeln.

Vor der Nachtruhe gabs dann noch ein Trombose-Spritzerl...

25.01. Tag der OP

...und tatsächlich, gegen jede Erwartung hab ich bis 06.00 und dem Weckruf der Schwester durchgeschlafen. Körperpflege, Trombosestrümpfe, Wurschtigkeitstabletten. Ziemlich pünktlich um 7:30 bin ich vom Pfleger mit meinem Bett zur OP-Aufnahme gerollt worden. Dort angekommen noch ein paar Minuten in der Gegend herumgelegen, mein Kollege und Filmer ist in der Zwischenzeit ebenfalls angekommen und wünscht mir noch Mal alles Gute und verspricht mir spannende Aufnahmen. Kurz darauf werde ich schon mittels eines Förderband-Mechanismus auf den kühlen OP-Tisch aufgebahrt. Ein Pfleger fragt mich, wohin ich mir meine Traumreise wünsche. Gerade noch bekomme ich mit, dass mich meine eigenen Antwort verwundert ("Am Südpol sind die Pinguine, oder? Dann will ich zum Südpol - wann hab ich sonst die Gelegenheit für so eine Reise?") und einen Augenblick später bin ich ausgeknipst.

6 Stunden später werde ich im Aufwachraum unsanft geweckt. Eine Stimme nennt laut meinen Namen, ergänzt um den Zusatz, tief einzuatmen. Ich verstehe nicht, wovon sie redet, es klingt mehr nach einem nicht zuordenbaren Geräusch. Die Stimme wiederholt ihre Bitte, wird dabei aber drängender und lauter. Nach einigen Sekunden japse ich nach Luft, ein penetranter Piepton, der mir bis dahin gar nicht aufgefallen war, beendet sein rythmisches Werk: Ich bin bei Bewusstsein.

Ich bin komplett verkabelt. Harnkatheder, Nährstoffe, Antibiotika, Schmerzmittel.

Im Zimmer angekommen, werde ich an ein Pulsgerät angeschlossen, dass jedes Mal Alarm zu schlagen scheint, sobald ich meine Augen schliesse. Und das sollte noch in den kommenden beiden Nächten, die ich aufrecht sitzend und hellwach verbracht habe, so bleiben.

26.01. 1. Tag Post-OP

Der Harnkatheder wird entfernt, kein angenehmes Gefühl. Der Chirurg kommt bei mir vorbei, und bestätigt sowohl, dass die Operation sehr gut verlaufen ist - die avisierte Strecke von 20mm im Unterkiefer wurde nicht komplett erreicht, aber doch ein gutes Stück, im Oberkiefer 2mm - aber eben auch, das meine Schwellungen sehr extrem seien und das auch derzeit meine Sauerstoffzufuhr beeinträchtigen würde.

Mein Vater besucht mich, bleibt eine Zeit lang bei mir und hält meine Hand, was so ziemlich die trötlichste Geste war, die ich mir in diesem Moment vorstellen konnte. Reden ging nicht, und zum aufschreiben fehlte mir so ziemlich jede Kraft.

Ein Pfleger fährt mich mitsamt Bett zum Röngten, dort verlasse ich zum ersten mal meine gepolsterte Unterkunft und stehe - sehr wackelig - auf eigenen Beinen. Am Nachmittag kommt sogar noch ein Mal mein Chirurg mit den Röngtenbildern und bestätigt das gute Ergebnis.

Nach einer Weile beginnt die zweite, traumlose Nacht.

27.01. 2. Tag Post-OP

Mit Sicherheit der schwerste Tag für mich, einfach weil ich mir nichts mehr gewunschen hätte als eine Minute schlafen zu können, ohne dass dieses Gerät an meinem Bett strafend losgepiepst hätte.

Außerdem kommen ständig Besuche, was mich mehr Kraft kostet, als es mich freuen würde. Am Nachmittag wird mein Splint kurz zur Reinigung entnommen, auch die Gummis werden ersetzt. Der ganze Prozess ist gleichermaßen schmerzhaft wie interessant: Meine Lippen sind so geschwollen, dass sie sich in ihrer Form nach innen bereits dem Splint und vor allem der Spange angepasst haben. Als ich dann mal von dem Gerät befreit war, fällt mir auf, wie fragil meine Kiefer noch in meinem Mund zu "schweben" scheinen. Trotzdem freue ich mich darüber, ein bisschen meine Zähne putzen zu dürfen, dann kommen Splint & Gummis leider auch schon wieder rein in den Mund.

In dieser Nacht schlafe ich zum aller ersten Mal eine halbe Stunde am Stück, und das mehrmals hintereinander.

28.01. 3. Tag Post-OP

Ab diesem Tag geht alles aufwärts. Anstatt der Nährlösung kann ich mittels Schnabeltasse zum ersten Mal selbst Proteinsäfte und kalte, klare Suppen trinken. Das Atmen fällt leichter, die Schwellungen sind ein bisschen zurück gegangen. Mittlweile spaziere ich brav durch das größte Krankenhaus Europas - die abendliche Trombosespritze entfällt.

29.01. 4. Tag Post-OP

Alles noch wenig besser als am Tag zuvor. Zähneputzen mit der Kinderzahnbürste funktioniert leidlich, aber besser als nichts. Ich verbringe meine Freizeit vorrangig mit lesen - mein iPad, das Handyladegerät (?) und meine Schuhe (?!) wurden mir ja leider während eines etwas ausgiebigeren Spaziergangs entwendet. Okay, selber schuld - hätte die Sachen ja auch einsperren können und natürlich kann ich mich nicht darauf verlassen, dass mein Zimmergenosse nicht auch mal auf die Idee kommt, seinen Standort zu wechseln. In mir keimt der Wunsch auf, nach Hause zu dürfen. Dafür fehlt aber noch ein wichtiger Schritt: Das selbstständige Schlucken von Tabletten statt der Infusionen 2x täglich.

30.01. 5. Tag Post-OP und Entlassung

Zusätzlich zu den Tabletten bekomme ich mittlerweile auch schon breiig-flüssige Nahrung. Beides funktioniert mit etwas Geduld ganz gut. Die Schnabeltasse benötige ich nicht mehr, für den Strohhalm habe ich zwar die Kraft, muss aber eine Spiegel zu Hilfe nehmen, um den "Eingang" zu finden. Alles in meinem Gesicht pendelt ständig von vollkommener Taubheit bis zu heftigen Pulsieren.

Noch einmal wird der Splint entnommen und gereinigt, diesmal verläuft alles schon deutlich schmerzfreier und routinierter ab. Wieder neue Gummis und eine dank absoluter Taubheit schmerzfreie Entfernung der Aussennähte.

Tatsächlich, nach dem Okay der Visite darf ich am Nachmittag endlich nach Hause!

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Puuuuhhhhhh.......

Und wie geht es dir heute? Tägliche Besserung zu verzeichnen?

Was ist denn mit deinem Kollegen, dem Filmer, geworden? Ist er kollabiert, oder ist es tatsächlich zu Aufnahmen gekommen? Hat er sie schon bearbeitet?

Mensch, eine meiner großen Ängste, die mich bisher von einer Behandlung abhalten, sind die des Erstickens...

Ich wünsche dir eine extrem gute Besserung!!! Du hast es schon hinter dir, das freut mich für dich!

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Zu Hause ist immer besser als in so einem Krankenhaus, dementsprechend schon wesentlich entspannter :) Tägliche Besserung...hmja, vergangene Nacht hab ich mal auf zusätzliche Polster verzichtet, was sich gleich damit gerächt hat, dass die Schwellungen heute eher stärker sind als noch am Vortag. Aber wird schon...übermorgen bin ich wieder in der Ambulanz zum Splintwechsel, mit etwas Glück kommt er ganz raus. Ich könnt mir vorstellen, dass das Leben noch ein ganzes Eck angenehmer wird, sobald ich wieder richtig sprechen kann ;)

haha, mein kollege hat mich bereits auf fb angeschrieben (er hat dort ein paar harmlose iphone-photos von meiner OP hochgeladen), und ich darf ihn zitieren:

"bzgl. filmmaterial: ich denke das willst lange nicht sehen. hab schon alpträume davon. irre was die mit dir da gemacht haben."

dazu sollte aber erwähnt werden, dass er bereits vier jahre im AKH gedreht hat, von daher also vermutlich ein bisserl was gewohnt is...ich lass ihm also zeit mit dem schnitt und der bearbeitung. sobald ich mir das in...naja, sagen wir mal einem halben jahr angeschaut hab (DVD Abend im engsten Freundeskreis und so...), werd ich das zeug auf youtube hochladen und euch den link hier reinstellen - auf eigene verantwortung.

die "angst des erstickens" war dann gar nicht so tragisch, weil man ja ohnehin rund um dir uhr überwacht wird - viel mühsamer war es, dann eben einfach gar nicht zu schlafen. die akzeptanz dieses umstandes kommt dann aber mit der höhe der schmerzmittel von selbst :)

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Hey,

gratuliere zur überstandenen OP. 20mm (oder wieviel ist es jetzt weniger geworden?) Verlagerungsstrecke sind ja schon echt ne Hausnummer! Kein Wunder, dass du da ne ordentliche Schwellung bekommen hast. Ich habe im KH leider auch sehr schlecht geschlafen, da war die erste Nacht zu Hause so eine Wohltat, da ging es mir gleich mit einem Schlag viel besser.

Das mit dem Film hört sich ja interessant an, würde mich sehr freuen, wenn du den dann zu gegebener Zeit wirklich online stellen würdest. Ich habe neulich schonmal eine kurze Sequenz einer Bimax auf Youtube gesehen, aber das war eben wirklich ein sehr kurz gefasster Zusammenschnitt.

Ich wünsche dir weiterhin gute Besserung und schnelles Abschwellen!

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kurzes update: hab heute meinen ersten kontrolltermin hinter mich gebracht, leider bleibt der splint noch eine woche - die gummis sowieso. freu mich schon, wenn ich meinen kunden nach einem anruf nicht mehr per mail erklären muss, warum ich nicht rangeh ^^

dafür hab ich die anhaltende taubheit genutzt, um mir gleich alle nähte aus dem zahnfleisch ziehen zu lassen - wären zwar selbstauflösend, aber ich hab ja wirklich schon genug zeug in mir drin.

ps.: da ja offenbar ein gar nicht so geringes interesse am filmaterial (danke auch für pns) besteht, werd ich meinen kollegen mal anhaun, dass er sich damit etwas beeilen möge. notiz: gefilmt wurde die nicht volle 4 1/2 stunden-op-strecke, sondern "nur" das prozedere rund ums oberkiefer.

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Glückwunsch zur überstandenen OP!

Täusch ich mich oder ist das jetzt ziemlich schnell nach Beginn deiner Spangenzeit losgegangen? Warst das nicht du mit der argen Weisheitszahnentfernung im Sommer? Ich hoffe, ich verwechsel da jetzt nix!

Auf jeden Fall wünsch ich dir gute Besserung, schnelles Abschwellen und bald wieder was leckeres, "normales" zum Essen!

lg andrea

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Glückwunsch zur überstandenen OP!

Täusch ich mich oder ist das jetzt ziemlich schnell nach Beginn deiner Spangenzeit losgegangen? Warst das nicht du mit der argen Weisheitszahnentfernung im Sommer? Ich hoffe, ich verwechsel da jetzt nix!

Auf jeden Fall wünsch ich dir gute Besserung, schnelles Abschwellen und bald wieder was leckeres, "normales" zum Essen!

lg andrea

dochdoch, genau der bin ich :D

"beginn" der spangenzeit würd ich das jetzt nicht nennen, eher "genau mittig". bei mir ist ja nur ein jahr gesamttragezeit geplant, und somit bin ich nach 7 monaten als spangenträger ganz gut dabei.

danke für die aufmunternden worte, wird jeden tag besser - und sobald der splint nächste woche am freitag rauskommt, gibts zumindest wieder weiche nahrung!

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Du hast einen sehr tollen Schreibstil! Hoffe dir geht's mittlerweile besser und du bist deinen Splint nun los.

Auf das Video bin ich auch sehr gespannt :D

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Okay, hier ist es nun endlich, zumindest in der Preview-Fassung.

Bitte schaut euch das wirklich nur an, wenn ihr einen starken Magen habt. Ich übernehm keinerlei Verantwortung für etwaige Albträume, Folgeschäden, etc

.

2 Personen gefällt das

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keine schimmer, was es da hat - ich schicks dir mal per pn.

mir gehts mittlerweile optimal, allerdings hatte ich erst gestern die erste von einigen folge-OPs. da ging's darum, dass durch die neu verlagerten muskelstränge im unterkiefer die oberlippe von innen nach aussen gerollt wurde, wodurch sich widerum die lippendrüsen vergrößert haben...was weiss ich, jedenfalls haben sie mir ein bissl fleisch rausgeschnitten. abgesehen von den schwellungen aber nichts dramatisches soweit.

edit: ah...jetzt gehts :)

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Wow, ziemlich krasses Video! Aber wirklich super interessant!!! Ist es nicht komisch für Dich, Dich da liegen zu sehen? ;-)

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Ist es nicht komisch für Dich, Dich da liegen zu sehen? ;-)

Interessanterweise gar nicht. Ich hab ja lange mit mir selbst gehadert, ob ich dann nicht mit posttraumatischen Belastungsstörungen daherkomm, nachdem ich mir das Video gegeben hab - aber eigentlich schau ichs mir voll kindlicher Begeisterung immer und immer wieder an. Und bei einer möglichen Chinwing gibt's dann auch eine ordentliche Über-Kopf-Kamera an der Decke des OP-Saals :)

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Wow, tolles und professionelles Video! Ich muss allerdings sagen, obwohl ich ja selber Medizinerin bin, bin ich froh dass ich das erst jetzt gesehen habe und nicht vor meiner OP. Ich glaube so genau möchte man gar nicht wissen, was die da mit einem machen, wenn man auf dem OP-Tisch liegt ;-) Ich kann mir, obwohl ich ja weiß, dass die das bei mir auch gemacht haben, irgendwie nicht vorstellen, dass man mir vor ein paar Monaten die Kiefer so auseinander gesägt hat, kommt mir irgendwie inzwischen alles total irreal vor.

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Wow das Video ist eeecht gut gemacht....die Musi nimmt dem Ganzen so ein bisschen den Schrecken!!

Aber trotzdem...Hammer-Operation!! Unfassbare Bilder............

Glaubt ma garned dass du das bist...

Lg

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vielen vielen Dank!!! :-)

Das Video ist super interessant und gut gemacht! Das nimmt mir den Schrecken. Ich gehört zu den wenigen Menschen, die gern wissen was da im Detail gemacht wird und dann weniger Angst haben.

lg

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