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Unterkiefervorverlagerung am 09.06.2011 im Unfallklinikum Berlin

Meine Operation liegt heute bereits ein Jahr zurück. Ich habe lange gezögert meinen Bericht online zu stellen, möchte dies nun aber doch noch nachholen.

Kurz zur Vorgeschichte:

Ich hatte durch exzessives Daumenlutschen im Kindesalter einen Distalbiss von 11 mm und einen unglaublich schmalen Oberkiefer. Da meine Mutter eine Phobie vorm Zahnarzt hat, wollte sie nie, dass ich eine Zahnspange bekomme. Auch hatte mich die Fehlstellung selber nicht unbedingt gestört. Es gab zwar ab und zu mal Hänseleien aber ansonsten hatte ich einen festen Freundeskreis, der keinen Anstoß an diesem Makel nahm. Da ich meinen Verlobten bereits mit 14 Jahren kennenlernte, musste ich auch nie im „Dating-Getümmel“ mithalten.

Als ich 20 war und die ersten Bewerbungsgespräche hatte, merkte ich dass viel Arbeitgeber doch sehr aufs Äußere fixiert waren. Ich suchte daraufhin das erste Mal eine Kieferorthopädin auf. Da diese aber ständig betonte, dass sie solch eine schlimme Fehlstellung noch nie gesehen hätte und die Umstellung sehr kostspielig werden würde, habe ich es bei diesem einen Besuch belassen.

Erst als ich mit Mitte 20 die Zahnärztin wechselte und diese mir zu einem Beratungsgespräch bei einem sehr kompetenten und noch jungen KFO riet, entschied ich mich nochmals eine kieferorthopädische Praxis zu betreten. Das Beratungsgespräch lief ganz ruhig ab. Er schaute sich kurz an, mit was er es zutun hatte und zeigte mir dann mit ganz vielen Modellen und Darstellungen, zum einen erst einmal, welche Fehlstellung bei mir überhaupt vorlag und welche Konsequenzen das noch haben könnte und zum anderen, welche Maßnahmen man dagegen jetzt einleiten würde. Er erklärte mir auch gleich, dass eine operative Umstellungsosteotomie unvermeidlich wäre, um ein optimales Ergebnis zu erhalten, dass die OP aber frühestens in einem Jahr erfolgen würde und ich jederzeit, selbst noch auf dem OP – Tisch, sagen könnte, dass ich den Eingriff nicht möchte (sicherlich wäre das nicht wirklich so einfach gewesen aber das hat mir die Angst etwas genommen). Nach zwei schlaflosen Nächten und einem furchtbaren Streit mit meinem Freund entschied ich mich aber trotzdem für eine Zahnspange.

Im Januar 2010 bekam ich dann weiße Damon – Brackets mit den passenden Bögen und hab die Entscheidung für eine Zahnspange nie bereut. Bis auf ein paar wunde Stellen und dem Druckschmerz während der ersten Tage hatte ich keinerlei Probleme.

Im Oktober 2010 hatte ich dann den ersten Termin im UKB. Ich hatte die Wahl zwischen dem örtlichen Krankenhaus, welches erst vor kurzer Zeit eine MKG – Station eröffnet hatte und dem UKB, wohin mein KFO schon mehrere Patienten überwiesen hatte. Da der Ruf des örtlichen Krankenhauses nicht sehr gut ist und mein Vater einen Kumpel hatte, bei dem nach einem schweren LKW – Unfall eine Gesichtshälfte komplett zertrümmert war, was die MKG – Abteilung des UKB wieder so richtete, dass man ihm heute nichts mehr ansieht, fiel meine Entscheidung natürlich zu Gunsten des UKB aus. Ich war mir da eigentlich sehr sicher, dass ich die OP nicht machen lasse, mir aber zumindest mal den Arzt dort und das Krankenhaus anschaue. Betreut wurde ich vom Professor der Abteilung. Er machte Bilder vom Kiefer und den Zähnen und erklärte mir die Operationsmethoden. Dabei sprach er immer wieder von einer OP an beiden Kiefern, was mich echt verunsicherte, da mich die Tatsache, dass bei mir eben „nur“ der Unterkiefer operiert werden sollte, überhaupt erst dorthin gebracht hatte. Die endgültige Entscheidung für oder gegen eine Bimax könnte man wohl erst während der Plan – OP fällen, wurde mir noch zu Ende des Beratungsgespräches mitgeteilt und ich sollte bitte wiederkommen, wenn mein KFO ca. 6 Monate vor Beendigung der kieferorthopädischen Behandlung sei. Ich fuhr also wieder nach Potsdam und war fest entschlossen meinem KFO zu sagen, dass ich die OP nicht machen lassen. In seiner gewohnt gelassenen Art schaffte er es aber mich zu beruhigen und mich auch ein zweites Mal ins UKB zu schicken. Besonders gut fand ich damals auch, dass ich die Möglichkeit bekam mit einer seiner Patientinnen zu sprechen, die eine Bimax gerade hinter sich gebracht hatte. Zu sehen, dass jemand vor einem sitzt, der diese OP „überlebt“ hatte und trotz all der Probleme, die sie aufzählte, diese Tortur wieder durchmache würde, fand ich beeindruckend. Ich ging also zu einem weiteren Termin ins UKB.

Dieser war relativ kurz. Die Veränderung der Zähne wurde erneut fotografiert und ich bekam einen Termin für die Plan – OP und die Umstellungsosteotomie. Als der Prof der Schwester zurief: „Bitte planen sie bei der Patientin einen Bimax – Termin“, da war ich wieder völlig verunsichert. Als ich dann noch erfuhr, dass nicht der Prof, sondern einer der Oberärzte die OP durchführen wird, war ich ein nervliches Wrack. Ich hab mir die ganze Heimfahrt den Kopf darüber zerbrochen, wieso dann nicht auch einer der Oberärzte die Beratung vor der OP übernommen hatte. Da wird man von jemandem beraten, der dann nicht die Operation durchführt!? Das fand ich echt schrecklich!!! Ich nahm mir also vor, zwar zur Plan – OP zu gehen aber sofort alles abzusagen, wenn der Arzt unsympathisch rüberkommt und wieder von einer Operation an beiden Kiefern gesprochen wird.

Am 06.06.2011 fuhr ich also wieder zum UKB. Da ich immer noch nicht wusste, welcher der beiden Oberärzte mich da nun erwartete, hatte ich vorab beide gegoogelt und eigentlich nur positive Dinge gefunden. Mein KFO hatte zuvor auch noch ein ausgiebiges Loblied auf die beiden gesungen. So furchtbar konnten sie also nicht sein. Und ja, so furchtbar war der Oberarzt dann auch nicht! Er ist vom gleichen Schlag, wie mein KFO, sehr sachlich, mit einer ruhigen Art. Ich hatte eine Vielzahl von Fragen, die er sicherlich schon hundert Mal beantworten musste. Trotzdem machte er keinen genervten Eindruck und beantwortet mir manche Fragen sogar zweimal. Besonders positiv empfand ich, dass er über die Operationen sprach, die er schon hinter sich gebracht hatte. So konnte ich sehen, dass ich nicht seine erste Patientin war, sondern dass er schon vielen Patienten, mit viel schlimmeren Fehlstellungen, zu einem positiven OP – Ergebnis verholfen hatte. Auch war nicht er derjenige, der das Gespräch beendete, sondern ich konnte entscheiden, ob die besprochenen Informationen für mich ausreichend waren. Erst als ich wirklich keine Frage mehr stellen konnte, schickte er mich zu den weiteren Untersuchungen. Endgültig von ihm überzeugt war ich, als er während der OP – Planung mit dem Prof über die Operation meines Oberkiefers diskutierte, die Entscheidung aber letzen Endes mir überließ. Die 2 mm, die meine Oberkiefer rechts hängt, sind mir selber noch nie aufgefallen und so blieb es bei der UK-VV. Die Verabschiedung an diesem Tag hat sich bildlich bei mir eingeprägt: Beim Händeschütteln sagte ich: „Nun muss ich es Donnerstag nur noch schaffen den weiten Weg herzukommen.“ Darauf er: „Naja, wenn sie nicht um 7:00 Uhr hier sind, nehmen wir sie halt später dran.“ Ganz ohne Druck oder Vorwürfe.

Und so machte ich mich am 09.06.2011 auf, zum Unfallkrankenhaus Berlin, um mir den Unterkiefer vorverlagern zu lassen:

OP – Tag

Da ich an diesem Tag gleich die Erste war, die unters Messer „durfte“, musste ich bereits um 7:00 Uhr im Krankenhaus sein. Hingefahren wurde ich von meinen Eltern, was nicht selbstverständlich war, da sie eigentlich strikt gegen eine OP waren. Ich durfte mir immer anhören, dass ich dadurch auch nicht mehr zu „Germanys Next Topmodel“ werden würde, sondern sicherlich danach mehr Probleme haben werde als vorher. Mir wurden sogar 3.000,00 € und die Übernahme der bei Absage anfallenden Kosten für die restliche kieferorthopädische Behandlung angeboten, wenn ich die OP nicht machen lasse. Nett was?!

Hatte allgemein nicht viel Unterstützung bei der Vorbereitung auf die OP. Neben der Familie waren auch alle meine Freunde und sogar mein Lebensgefährte gegen die OP. Mein Lebensgefährte ist Arzt und 15 Jahre älter als ich. Von ihm hatte ich mir eigentlich uneingeschränkte Unterstützung erhofft. Da er aber bereits gegen eine Zahnspange war, unterstützte er mich auch vor und nach der OP nicht. Er hielt es nicht einmal für notwendig mich an diesem Tag ins Krankenhaus zu begleiten.

Meine Eltern haben mich daher hingefahren und die Fahrt noch einmal genutzt, um mir Gruselgeschichten über misslungene Operationen zu erzählen. Viel habe ich davon aber nicht mitbekommen, da ich überwiegend damit beschäftigt war mich zu übergeben. Ich hatte bereits 48 h vor der OP die Nahrungsaufnahme eingestellt, da ich wusste, dass mir immer schlecht wird, wenn ich sehr aufgeregt bin. Das hinderte meinen Körper aber leider nicht daran, mich ständig Gallenflüssigkeit hochwürgen zu lassen. Man ging`s mir da schlecht! Für mich war das die erste Operation mit Vollnarkose und das machte mich echt fertig. Zum Glück beruhigte sich mein Magen kurz bevor wir auf den Parkplatz des UKBs fuhren. Ich stand also pünktlich um 7:00 Uhr auf der Station.

Dort wurde dann ein Bett in ein Patientenzimmer geschoben, wo ich mich umziehen musste und die „Leck – A*** – Tablette“ bekam. Da mein KFC bei der OP – Aufklärung meinte, dass viele Patienten durch diese Tablette bereits vor der eigentlichen Narkose einschlafen, hoffte ich, dass auch ich eine dieser glücklichen sein würde - aber nein! Nachdem ich das Teil grad so runter gekriegt hatte ohne mich erneut zu übergeben, passierte nichts. Meine Kopfschmerzen verschwanden nicht und selbst nach 15 min. raste mein Puls ohne Unterlass. Die Zeit, die ich dort noch warten musste, kam mir ewig vor.

Irgendwann ging plötzlich die Tür auf und ein Pfleger schob mich in den Flur, wo meine Eltern noch standen. Er brachte meine Sachen ins Schwesterzimmer und ich konnte mich noch kurz mit meinen Eltern unterhalten, die plötzlich doch Nerven zeigten. Meine Mutter heulte sogar. Das war mir zwar ne Genugtuung, jedoch verschlimmerte das meine Angst vor der OP noch mehr. Dann brachte mich der Pfleger in den Aufwachraum, wo ich wieder warten musste, da vor mir noch andere Patienten auf ihre OPs vorbereitet wurden. Dort wurde ich dann langsam ruhiger, zumal ich sogar was zu lachen hatte. An dem Tag arbeitet dort nämlich der „Grinch“. So hatte ich den Mann getauft, der dafür verantwortlich war, dass man aus dem Krankenbett auf den OP – Tisch kommt. Mein Gott war der unhöflich und das auch noch mit einem berlinerischen Akzent. Der ältere Herr, der vor mir dran war, konnte sich da echt was anhören. Eigentlich hätte man Mitleid haben müssen, aber in der Situation fand ich das irgendwie witzig. Ich schieb es im Nachhinein immer auf die Tablette :372: .

Und dann war ich dran. Ich krabbelte auf den OP – Tisch bekam ne warme Decke und wurde zur Narkosevorbereitung geschoben. Von da an kann ich mich nur noch lückenhaft an die Geschehnisse erinnern. Ich weiß noch, dass der junge Mann, der mir erst ne Nadel in die linke Armbeuge und dann in die rechte Hand jagte, echt niedlich war. Er sagte zudem, dass ich gar nicht aufgeregt sein könnte, wenn man die Werte so betrachte und dass meine Kopfschmerzen und die Übelkeit nach der OP verschwunden sein werden. Dann weiß ich noch, dass die Kanüle an meiner Hand gespült wurde, was ein wenig zwiebelte. Daraufhin folgten auch schon die Sauerstoffmaske und die Frage nach meiner schönsten Urlaubserinnerung. Ich konnte noch sagen, dass ich noch nie wirklich im Urlaub war und nach dem Mitleids „Ohh“, war ich dann weg.

Wach wurde ich durch die Worte: „Sie haben alles gut überstanden. Hatten sie vorher schon ne Beule?“ Was mein KFC damit meinte, sollte ich erst später herausfinden. Ich konnte im Aufwachraum die Uhr sehen. Allerdings bin ich mir nicht mehr sicher, ob da wirklich 11:45 Uhr stand. Bin dann immer wieder eingeschlafen. Richtig wach wurde ich erst, als ich schon auf dem Zimmer war und tierisch pinkeln musste. Stellte da auch mit erschrecken fest, dass meine Eltern schon wieder zurück waren. Eigentlich wollten sie sich die „Gärten der Welt“ in Marzahn ankucken und erst auf dem Nachmittag wieder kommen. Naja, egal dachte ich mir, ich muss pieseln! Meine Mutter holte dann eine Schwester, die mit den Worten: „sie dürfen noch nicht aufstehen“ und nem Schieber reinkam. Zum Glück war ich noch so benebelt, dass ich mich an die Einzelheiten der Schiebernutzung nicht mehr genau erinnern kann. Ich war mir danach aber sicher, dass ich beim nächsten Mal die Toilette benutzen würde und wenn ich mich auf dem Bauch da hinziehen müsste! Meine Mutter half mir dann beim Umziehen und ich checkte das erste Mal vorsichtig die Lage: Da war ich also und schien es überstanden zu haben. Hatte mein Testament und die Patientenverfügung also umsonst gemacht :380: . Die Kopfschmerzen und die Übelkeit waren wirklich weg und ich fühlte mich überraschend gut. Schmerzen hatte ich keine. Durch Abtasten konnte ich fühlen, dass ich angeschwollen war und mir zwei Schläuche aus den Mundwinkeln hingen, die je in einem kleinen Plastebehälter endeten. Eine Magensonde hatte ich abgelehnt, da ich genug „Vorsorgespeck“ angesammelt hatte. Ich lag in einem Einzelzimmer, worüber ich nicht grad traurig war. Ach ja und wie gesagt, meine Eltern waren wieder da. Die nervten mich dann auch gleich mit Fragen auf die ich überraschend gut antworten konnte. Es war alles nur leicht vernuschelt. Da ich doch noch ganz schön groggy war, verabschiedeten sich meine Eltern nach ca. einer Stunde wieder, mit der „Androhung“ in zwei Tagen wieder zu kommen und ich konnte noch etwas schlafen.

Wach wurde ich durch das Klopfen meiner kleinen Schwester, die auch mal sehen wollte, ob ich alles gut überstanden hatte. Kurz nach ihrem Eintreffen, schaute auch mein KFC kurz nach mir. Er verabschiedete sich mit den Worten: „Wenn sie aufstehen müssen, rufen sie die Schwester“. Er konnte ja nicht wissen, dass ich mir kurz zuvor schon meine beiden Drainagebehälter geschnappt und mich an der Wand entlang zur Toilette geschlichen hatte. Dabei hätte mich zwar locker ne Schnecke überholen können aber ich hab es ganz allein geschafft und das war mir wichtig. Meine Schwester blieb ne ganze Weile. Erst, als mir mein Abendessen (ne Tasse klare Brühe) gebracht wurde, machte sie sich auf den langen Heimweg nach Potsdam.

Bei mir wurden abends dann noch Blutdruck und Temperatur kontrolliert. Zudem musste ich meine Schmerzen auf einer Skala von 1 – 10 angeben. Da mich aber bis auf den Druckschmerz, auf den mich mein KFC bereits vorbereitet hatte, und einem leichten Stechen im linken Lungenflügel keine nennenswerten Schmerzen plagten, fiel die Auswertung sehr gering aus. Hab auch gleich mit der korrekten Zahnhygiene losgelegt. Hatte zwar nen großen Respekt vor den Drainagen und dem ganzen Gummi und Draht, den ich sehen konnte, hab aber trotzdem vorsichtig mit meiner Interspace – Zahnbürste (übrigens ne Empfehlung meiner Zahnärztin) die Zähnchen geschrubbelt und natürlich ordentlich mit der Desinfektionslösung gespült. Beim ersten Mal spülen, kam echt ne Menge Blut mit raus. Ach und ich hatte wirklich ne Beule an der Stirn. Woher sie aber genau kam, konnte mir niemand sagen.

Als das Pflegepersonal merkte, dass ich schon alleine durch mein Zimmer schlich, wurde mir gleich noch gezeigt, wo ich die neuen Kühlpackungen finde. So bin ich bereits in der ersten Nacht losgeschlurft, um mir die Packungen selber zu holen. Schlafen konnte ich sowieso nicht lange. Liege normalerweise immer auf dem Bauch, was ja nun absolut nicht drin war und dann noch dieses aufrechte Liegen - furchtbar. Zudem war das Bett viel zu klein (bin 1,86 m), so dass ich meine langen Greten immer zu einer Seite rausstrecken oder auf dem Fußteil ablegen musste. Zum Glück hatte ich ne Multimediastation (Telefon, Fernseher, Radio u. Internet) am Bett, so konnte ich mir die Zeit etwas vertreiben. Bin auch immer wieder eingeschlafen aber eben nicht für lange.

1. Tag post OP

Gegen 5:00 Uhr bin ich dann aufgestanden und hab mich vorsichtig gewaschen und die Kleidung gewechselt. Hätte so gern meine Haare gewaschen, da überall diese rötliche Desinfektionslösung war, aber das hab ich mit den Drainagen nicht hinbekommen. Die Schmerzen hielten sich immer noch in Grenzen und waren rechts schlimmer als links. Die rechte Seite war auch stärker angeschwollen und ich hatte dort nen Bluterguss am Kiefer.

Irgendwann kam dann auch wieder eine Schwester und führte die üblichen Kontrollen durch. Da mir der Kiefer rechts mehr weh tat als links, bildeten sie immer nen Durchschnittswert aus beiden Seiten.

Gegen 7:00 Uhr war dann Visite. War echt beeindruckt von dem Anblick so vieler in weiß gekleideter Menschen, angeführt von meinem KFC. Da mein Freund ne Privatpraxis hat, war ich an den Anblick von nur einem „Weißkittel“ gewöhnt. Mir wurde dann für die nächsten drei Tage ein Tropf (glaube Kortison) verordnet. Mit dem ersten kam die Schwester dann kurz danach auch schon in mein Zimmer und stöpselte mich an.

Kurze Zeit später wurde mir auch schon das Frühstück (Milchsuppe u. Joghurt) serviert. Da ich viele der OP – Erfahrungsberichte gelesen hatte, wollte ich schlau sein und ein übermäßiges Kleckern vermeiden. Ich hatte also unzählige dicke Strohhalme dabei und zog die dünnen Suppen per Halm zwischen die Zähne. Hatte nie auch nur einen Essensfleck auf der Kleidung. Allerdings sollte mir meine Zunge das Geziehe an den Strohalmen noch übel nehmen. Beim Essen ist mir dann plötzlich aufgefallen, dass die Flüssigkeit aus dem Tropf nicht mehr in meinen Arm fließt, sondern mein Blut den Schlauch hinauf zum Beutel wanderte. Ich musste also nach einer Schwester klingeln, die den Zugang spülte und mich neu anstöpselte. Leider floss der Tropfinhalt dann aus dem Zugang auf meine Hand. Hatte es geschafft den ersten von insgesamt drei Zugängen zu schrotten. Musste dann auf eine Ärztin warten, die mir einen neuen Zugang in der rechten Armbeuge legte. So konnte der Tropf doch noch geleert werden.

Kurz nach dem „Neuanschluss“ kam mein Freund mit meiner über alles geliebten Schwiegermutter (ich nenn sie immer Schwiegermonster) zu Besuch. Nach einem angewiderten Blick und einem „Schatz, wie siehst du denn aus?“ fand er auch gleich tausend Dinge, über die er meckern konnte. Angefangen von dem Bluterguss in meiner linken Armbeuge, vom ersten Narkosezugangsversuch, der Beule auf meiner Stirn, bis hin zur Qualität der Kühlbeutel. Alles war nicht gut genug und Pfusch. Er rauschte sogar raus, um sich zu beschweren. Er war mir so peinlich! Hab aber im Nachhinein rausbekommen, dass er sich zum Glück nirgends beschweren konnte, da er im Flur auf seinen Arzt – Kumpel getroffen war, an den er immer seine Cochlea-Implantat-Patienten überweist und die hatten sich wohl festgequatscht. Die positiven Erfahrungen mit dem UKB, der zumeist noch sehr jungen Patienten meines Freundes, waren auch ein Grund für meine Entscheidung mich im UKB operieren zu lassen. Nachdem er raus gerauscht war, blieb ich mit dem Schwiegermonster zurück. Sie nutze die Situation auch gleich um mich zu kritisieren: „Auch im Krankenhaus könnte man nett aussehen“, waren ihre ersten Worte. Mit: „Warum trägst du denn deinen Verlobungsring gar nicht?“, ging es dann weiter. Dazu muss ich noch sagen, dass ich für sie immer unter dem Stand ihres Sohnes war. Ich hab mich ja gegen ein Medizinstudium entschieden und stattdessen ne Steuerfachausbildung gemacht und eine Verwaltungs- und Politikstudium begonnen. Sie wollte immer, dass wir ne HNO – Dynastie gründen, der noch unsere Kinder und Kindeskinder folgen – ganz furchtbar. Für die Abrechnungen in seiner Praxis und die Steuererklärungen der gesamten Familie war ich aber immer gut genug. Wenn sie also mit ihren schlauen Sprüchen und Sticheleien loslegte, setzte bei mir eine Art Fahrstuhlmusik ein, die ihr dämliches Gelaber übertönte. So war es auch an diesem Tag, zumal mein Freund erst nach fast einer Stunde wieder ins Zimmer kam. Er musste dann auch noch den Arzt raushängen lassen und schaute sich erst einmal meinen Mund an. Seine klugscheißerischen Sprüche hab ich aber gekonnt ignoriert, zumal er nen Kieferbruch das letzte Mal vor über 15 Jahren in seiner Assistenzzeit gesehen hatte. Ich war echt froh, als er und seine Hexe von Mutter sich endlich verabschiedeten. Neben einem Kuss auf die Stirn bekam ich noch den Spruch: „Schatz du weißt ja, dass ich dich erst in der nächsten Woche wieder besuchen kann. Musstest dir ja nen OP – Termin kurz vor Pfingsten geben lassen!“, reingewürgt. Wir fahren nämlich jedes Jahr mit seiner Mutter über Pfingsten zu seinem Bruder. Und ihr könnt mir glauben, dass ich froh war, als ich wusste, dass ich zu dieser Zeit im Krankenhaus sein würde.

Den Rest des Tages hab ich damit verbracht, mich über ihn zu ärgern. Zum Glück kam mein Schwesterherz noch vorbei, so konnte ich mir Luft machen.

2. Tag post OP

Nach einer weiteren Nacht ohne viel Schlaf, war ich um 7:00 Uhr wieder gewaschen, neu gekleidet und bereit für den Aufmarsch der Ärzteschaft. Da aber Samstag war, fiel der leider aus. Das erste Highlight des Tages war also die Milchsuppe zum Frühstück.

Um 11:00 Uhr musste ich zum täglichen Konzil. Da es am Vortag geheißen hatte, dass die Drainagen an diesem Tag rauskommen, war ich schon ganz aufgeregt. Diese Vorfreude wechselt in Angst über, als ich den Raum betrat und ein kleiner Arzt, mit einer furchtbaren Erkältung, vor mir stand. Er soll dir diese Schläuche aus den Wangen ziehen?!, dachte ich die ganze Zeit. Zu meiner Erleichterung reinigte er aber nur die Nähte und verschob die Entfernung der Drainagen auf Pfingstsonntag.

Wie bereits „angedroht“, kamen meine Eltern an diesem Tag zu Besuch. Meine Mutter hatte mir Suppe gekocht und ein Haufen von kleinen Trinkpäckchen dabei. Sie dachte anscheinend, dass ich im Krankenhaus nicht richtig versorgt werde. Leider war die Suppe zu dick für den Strohhalm, so hatte mein Paps aber gleich ein leckeres Abendessen. Die Begeisterung darüber konnte man ihm vom Gesicht ablesen. Da das Wetter wirklich schön war, versteckte ich meine Drainagebehälter unter ner Trainingsjacke und wir gingen ein wenig an die frische Luft. Ich hatte echt noch Probleme mit dem Laufen. Der Weg von meinem Zimmer bis vor die Tür war gar nicht so weit. Trotzdem war ich fix und alle, als wir unten waren. Mein Paps verschaffte uns aber schnell einen Sitzplatz, indem er einige Kinder von ner Bank verjagte. Als Kinderschreck ist er wirklich super! Wir saßen dann 2 Stunden auf dieser Bank. Meine Eltern erzählten von den Geschehnissen zu Hause und mein Vater ließ uns alle noch herzhaft lachen, als er mir ein Eis aus dem Kiosk mitbrachte. Als sie wieder nach Hause fuhren, schlurfte ich im Schneckentempo zurück auf mein Zimmer. Hatte echt Mühe mich wieder umzuziehen, da meine Knie ständig zitterten. Von der Kondition her, fühlte ich mich nicht wie 29, sondern eher wie 80.

Da ich wieder nur etappenweise schlafen konnte, fing ich abends noch an etwas zu arbeiten. Ich bin Abteilungsleiterin der Buchhaltung in einem sozialen Verein und studiere auch noch. Aus diesem Grund darf ich viel von zu Hause aus arbeiten. Übers Internet kann ich auf alle wichtigen Daten zugreifen und da ich ja nen Computer am Bett hatte, konnte ich auch vom Krankenhaus aus tätig werden. Hab also einen Teil der Nacht damit verbracht Bankumsätze zu buchen.

3. Tag post OP

Da ich wusste, dass sonntags ebenfalls keine Visite ist, ließ ich mir mit der Katzenwäsche etwas mehr Zeit. Meine Haare hielten ihre Position mittlerweile auch ohne Zopfhalter, so fettig waren die. Ich hoffte also, dass die Drainagen endlich raus kommen, damit ich duschen kann.

Gegen 11:00 Uhr schlich ich langsam zum Konzilraum. Hatte übrigens in einem älteren OP – Bericht übers UKB gelesen, dass von einem „Rumlungerverbot“ direkt vor dem Raum berichtet wurde. Daran hatte sich noch nichts geändert. Die Wartenden wurden immer aufgefordert keine Ansammlungen vor diesem Raum zu bilden.

Hoffte inständig, dass nicht wieder der zierliche, kränkelnde, junge Arzt vom Vortag die Kontrolle durchführt. Und ich hatte Glück, es war ein anderer. Er reinigte die Wunden, wie gewohnt und bat die Schwester um zwei Klemmen, die an die Schläuche kamen. Nachdem er die Nähte gezogen hatte, mit denen die Drainagen in Höhe des unteren Lippenbändchens befestigt waren, drückte er meinen Kopf fest gegen den Stuhl und zog mit den Worten: „denken sie jetzt mal an was Schönes“, beide ruckartig raus. Mein Gott hat das weh getan!!! Ich hatte ja all meine Hoffnungen auf die Taubheit nach der OP gesetzt und gedacht, dass ich deshalb keinen Schmerz dabei spüren würde aber da hatte ich mich getäuscht. Mir ist richtig für ein paar Sekunden lang die Luft weg geblieben. Es dauerte auch eine ganze Weile, bis der Schmerz wieder nachließ und man konnte danach zusehen, wie der Kiefer anschwoll. Aber ich konnte endlich duschen, was ich dann auch gleich machte!

Zu Besuch kam an diesem Tag meine beste Freundin mit der ich ebenfalls ne ganze Zeit auf ner Bank vorm Krankenhaus verbrachte.

4. Tag post OP

Da es Pfingstmontag war, fiel die Visite erneut aus. Nachdem ich in der Nacht schon ganze drei Stunden am Stück geschlafen hatte, da ich keine Angst mehr haben musste mich in den Drainagen zu verheddern und endlich wieder richtige Körperhygiene betreiben konnte, fühlte ich mich schon fast wieder, wie ein normaler Mensch. Leider sah ich durch die Entfernung der Drainagen am Vortag aber nicht so aus. Der Kiefer war über Nacht stärker angeschwollen, als direkt nach der OP.

Beim Konzil hatte ich an diesem Tag endlich mal ne Ärztin, die mir endlich mal die Röntgenbilder zeigte, die einen Tag nach der OP gemacht wurden. So konnte ich also auch mal das Metall direkt bewundern, was meinen Unterkiefer jetzt zusammenhielt. Ich fragte sie, wann ich denn nun wieder nach Hause dürfte. Sie sagte, dass ich sofort gehen könnte, wenn ich unbedingt möchte, dass sie aber eigentlich gern bis morgen warten würde, um mit meinem KFC nochmal Rücksprache halten zu können. Dagegen hatte ich nichts einzuwenden, da ich mich auch nicht darum gerissen hatte nach Hause zu kommen. Im Krankenhaus musste ich mich schließlich um nichts kümmern. Kein Genörgel, kein Stress. Ich hab es sogar mal geschafft ein Buch zu lesen und das ohne das ich dazu auf Grund von Studium oder Arbeit genötigt war.

An diesem Tag kam mal wieder meine Familie zu Besuch. Meine Mutter hatte wieder kleine Milchpäckchen dabei, obwohl ich nicht mal eines der anderen getrunken hatte. Wir verbrachten die Zeit wieder an der frischen Luft.

Abends rief ich meinen Freund an und sagte ihm, dass ich am nächsten Tag eventuell nach Hause kann. Ich fragte ihn, ob er mich dann abholen würde, wohlwissend, dass er dienstags immer erst nachmittags Sprechstunde hat. Nach einer Predigt darüber, dass er diesen Eingriff keinesfalls unterstützen wollte, willigte er doch noch ein. Wir verabredeten, dass ich mich melde, wenn ich das definitive OK habe.

In dieser Nacht schlief ich fast vier Stunden. Allerdings in einer Haltung, die einem Fragezeichen gleich kam. Ich frag mich echt, wie mein Freund mit seinen 2,00 m in solch einem Bett schlafen soll.

5. Tag post OP

Kurz nach 7:00 Uhr stand zu meiner Überraschung mal wieder eine Horde von Ärzten in meinem Zimmer. Die Ärztin, die mich am Vortag beim Konzil begutachtet hatte, war ebenfalls dabei und sagte, dass mein KFC sein OK gegeben hat und ich nach dem Konzil nach Hause könne. Ich schrieb also meinem Freund, dass er mich gegen 11:30 Uhr abholen kann, duschte und packte meinen Koffer.

Das Konzil verzögerte sich an diesem Tag sehr. Ich schlich schon die ganze Zeit den Flur rauf und runter, als mich eine junge Ärztin ansprach und sagte, dass sie gleich zu mir ins Zimmer kommt. Sie fragte mich dann, wie es mir so geht. Ich sagte ihr, dass sich die Schmerzen in Grenzen halten, dass der Bluterguss an der rechten Kieferseite sehr schmerzhaft ist und dass mein Kreislauf noch nicht so richtig mitspielt. Sie erklärte mir daraufhin, dass die Kreislaufprobleme vom Blutverlust bei der OP kommen. Das verwunderte mich doch schon etwas, da mein KFC bei der OP – Aufklärung eigentlich davon sprach, dass der Blutverlust nur minimal wäre. Sie sagte mir dann noch, dass ich mir einen Termin zum Fädenziehen für Donnerstag geben lassen soll und dass ich den Entlassungsschein bei der Schwester bekomme. Ich schaute auf die Uhr und stellte fest, dass mein Verlobter schon längst da sein sollte. Da er es aber nicht war, erledigte ich noch die letzten Sachen alleine. Mit einer Verspätung von 45 min. erschien er dann aber doch noch.

Ich verabschiedete mich beim Pflegepersonal und schlich mit meinem Koffer hinter meinem Freund her zum Auto. Er drängelte sehr, da er ja ab 14:00 Uhr Sprechstunde hatte und wir noch ca. 100 km fahren mussten. Ich war es aber nicht, die sich verspätet hatte, also sollte er mal bloß keinen Stress machen! Als wir am Parkplatz ankamen, musste ich mit erschrecken feststellen, dass er sich für den Zweisitzer – Sportwagen, ohne richtigen Kofferraum, entschieden hatte, um mich abzuholen. Angeblich hatte er nicht daran gedacht, dass ich ja auch noch nen Koffer dabei habe. Er musste also ganz schön drücken, um die Koffer auf den Notsitz zu befördern. Die Extraverpflegung, die meine Mutter über die Tage mitgebracht hatte, nahm nämlich schon alleine den Platz im Kofferraum ein. War schon echt witzig ihm beim Einpacken zu zusehen!

Angefressen von der Kofferaktion bretterte er dann mit 200 Sachen über die Autobahn. Mir wurde furchtbar schlecht und bei jeder Bodenwelle hatte ich das Gefühl der Kiefer fällt mir ab. Erst als ich ihn darauf hinwies, dass ich keine Schere dabei hatte und es daher ganz schlecht wäre, wenn ich mich übergeben müsste, fuhr er langsamer. Zu Hause angekommen, brachte er mich noch bis ins Haus. Dabei trug er sogar meinen Koffer. Als er die Tür aufschloss, schob schon mein Kater „Cooper“ seinen Kopf durch den Türspalt. Der kleine Satansbraten hatte mir echt gefehlt! Mein Freund schmiss meinen Koffer aufs Bett, küsste mich und fuhr zum Dienst. Ich war also bis zum Abend auf mich allein gestellt. Ich begann damit meinen Koffer auszupacken und die Wäsche, die sich seit meiner OP angesammelt hatte, in die Maschine zu tun. Danach musste ich mich erst einmal ne Weile hinlegen und dabei geht doch nichts übers eigene Bett! Zu meinem Entsetzen hab ich auch im eigenen Bett nicht länger als drei Stunden schlafen können und danach ging es mir auch noch richtig schlecht. Hatte wieder Kopfschmerzen und immer, wenn ich aufstehen wollte, wurde mir schwarz vor Augen. Ich schleppte mich also in die Küche und machte mir einen Tee mit Traubenzucker, was wenigstens meinen Kreislauf wieder etwas stabilisierte.

Als mein Freund abends nach Hause kam, war er wirklich süß. Er hatte Blumen dabei und zeigte endlich mal wieder Interesse an mir. Er machte mir sogar etwas zu essen, wenn man heißes Wasser über Suppenpulver kippen überhaupt so bezeichnen kann. Die Stimmung kippte allerdings wieder, als er mit seiner Mutter telefonierte und sagte: „Ich war den ganzen Tag arbeiten und dann muss ich mich auch noch um den Haushalt kümmern. Sie schafft es ja nicht mal ein Essen auf den Tisch zu bringen.“

6. Tag post OP

Ich war selbst nach der Erledigung von Kleinigkeiten fix und alle. Ich schlief mehr, als das ich wach war. Meine Schwester war an diesem Tag bei uns, da ich Angst hatte alleine zu sein, wenn mein Freund in der Praxis war. Zudem geriet ich mit ihm immer wieder aneinander. Sein Lieblingssatz war: „Siehst du, das hast du jetzt davon.“ Dabei war die OP ja nicht nur ästhetisch, sondern auch für die Funktionalität sinnvoll. Er hatte auch schon Patienten behandelt, die aufgrund von Kieferfehlstellungen an einem Tinnitus leiden. Trotzdem kam er einfach nicht darüber hinweg, dass ich die OP ohne sein Einverständnis hab machen lassen.

7. Tag post OP

An diesem Tag musste ich zum Fädenziehen ins Krankenhaus. Überaschender Weise wollte mich mein Freund hinfahren. Ich dachte echt, dass er sich jetzt endlich eingekriegt hätte. Als mir dann aber im Krankenhaus mitgeteilt wurde, dass mir die Assistenzärztin die Fäden zieht, konnte er wieder nur rummeckern. Er hat dann auch lieber in der Cafeteria gewartet und mich mal wieder allein gelassen.

Das Fädenziehen ging dann sehr schnell und zwickte nur etwas. Als negativ empfand ich, dass ansonsten kein Interesse an meinen Beschwerden bestand. Durch das ständige Geziehe an den Strohhalmen und den überstehenden Splint war mein Zunge ringsherum wund und tat verflucht weh. Als ich die Ärztin bat, mal nachzusehen, sagte sie, dass sie die Fixierung nicht öffnen kann. Das fand ich echt beängstigend und mein Freund hatte gleich wieder etwas, über das er die ganze Heimfahrt philosophieren konnte.

8. Tag post OP

An diesem Tag musste ich zur Kontrolle bei meinem KFO. Er schaute sich die Wunden an und öffnete, nachdem ich von meiner schmerzenden Zunge erzählte, die Verschnürung. Man hatte ich Angst den Mund zu öffnen. auch wenn es nur Millimeter waren! Er schaute sich meine Zunge an und schmierte irgendeine dicke Salbe auf die wunden Stellen. Danach wurde es gleich besser. Zudem zeigte er mir, dass die Kiefer nur durch zwei Gummis fixiert waren und der Draht nur zur Befestigung des Splintes am Oberkiefer diente. Eine Schere brauchte ich also auch in einem Notfall gar nicht. Zwei Gummischnipser und die Verschnürung war offen. Seine ruhige Art und das Gefühl, dass endlich mal jemand Interesse an meinen Sorgen hatte, fand ich echt beruhigend. Insgesamt muss ich sagen, dass mein KFO eine super Unterstützung war. Die Zeit nach der OP war für mich nicht einfach. Der Mund verschnürt, nicht richtig essen können, ständig müde und schlapp und die ständigen Streitereien zu Hause haben mich bei jeder Kleinigkeit losheulen lassen. So fertig war ich noch nie zuvor gewesen. Da war ein nettes Wort oder ein Scherz bei den Kontrollen echt aufbauend.

27.06.2011

Musste an diesem Tag wieder ins Krankenhaus. Da ich mich mit meinem Freund zu diesem Zeitpunkt eigentlich nur noch stritt, fuhr mich meine Schwester hin.

Der Prof entfernte mir den Splint und zog mir, zu meinem Entsetzen, nochmals Fäden. Endlich konnte ich wieder Zähne putzen! Wollte gleich im Krankenhaus das erste Mal putzen. Leider war die Reisezahnbürste, die ich immer dabei hatte, zu groß für die minimale Öffnung zwischen meinen Zähnen. Wenigstens konnte den Splint ordentlich abbürsten, den ich bis zur Kontrolle nach 6 Wochen locker zwischen den Zähnen tragen sollte.

Als Dankeschön fürs Fahren hatte ich meiner Schwester ein Fastfood – Essen versprochen. Dabei hab ich mir einen Cheeseburger gegönnt, den ich in einer halben Stunde ganz langsam zerspeichelt habe. Ein Hochgenuss (zu diesem Zeitpunkt zumindest)!

30.06.2011

Mir ging es von Tag zu Tag besser. Ich war noch krank geschrieben, arbeitet aber schon wieder von zu Hause aus. Alles lief fast wie gewohnt.

Mein Freund und ich stritten immer noch nahezu jeden Tag. Die OP war dabei aber nur der Auslöser für Streitereien über Dinge, die eigentlich schon längst vergessen waren. Als er an diesem Abend nach Hause kam und wir wieder heftig stritten, holte er plötzlich aus und schlug mir ins Gesicht. Er zuckte danach zwar kurz zusammen, setzte der Sache aber noch die Krone auf, mit dem Satz: „Das hast du dir selbst zuzuschreiben.“ Ich versuchte nicht zu heulen, brüllte nur noch: „Raus hier!“ und riss die Haustür auf. Nachdem er unter einem Wechsel aus Beschimpfungen und Entschuldigungen endlich die Wohnung verlassen hatte, brach ich in Tränen aus. Ich ging ins Bad und taste meinen Kiefer ab. Die rechte Seite, auf der er mich mit ner Rückhand erwischt hatte, fing bereits an anzuschwellen. Ich hatte furchtbare Angst, dass er mir mit dem Schlag erneut den Kiefer gebrochen oder die Platte verschoben hatte.

Ich muss leider zugeben, dass es nicht das erste Mal war, das ihm die Hand ausrutschte. In den 15 Jahren, die wir zusammen waren, ist das immer mal wieder vorgekommen. Am Tag unsere Verlobungsfeier hatten wir einen furchtbaren Streit wegen seiner Mutter. Daraufhin hatte er mich so schlimm verprügelt, dass ich ein blaues Auge hatte und meine Schulter ausgekugelt war. Bloß gut, dass er Arzt ist und die Verletzungen immer selber behandeln konnte. So wurde den Bekannte und Verwandten immer erzählt, dass ich ein extrem ungeschickter Mensch bin. Und ich dumme Kuh hab es nie geschafft ihm schon früher mal die Tür zu zeigen. Ich hab sogar die Schuld für seine Ausraster immer bei mir gesucht. Außerdem hat er sich jedes Mal echt süß entschuldigt und versprochen, dass es nie wieder passiert und so bin ich geblieben. Aber nach diesem Schlag ins Gesicht war die Sache für mich zu Ende – ein für alle Mal.

Da saß ich nun heulend und mit Schmerzen auf dem Rand der Badewanne. Ich überlegt, was ich nun machen sollte. Eigentlich wollt ich am liebsten ins UKB fahren, um abklären zu lassen, ob auch wirklich nichts gebrochen oder verschoben war. Aber ich war so durch den Wind, dass ich es nicht geschafft hätte bis dorthin zu fahren. Außerdem hätte ich ja auch erzählen müssen, wieso ich Schmerzen habe und das hätt ich nicht gekonnt. Hatte noch nie jemandem gesagt, woher die Prellungen wirklich stammten. Ich nahm mir also einen Eisbeutel aus dem Kühlfach und kauerte mich ins Bett.

01.07.2011

Als ich am Morgen wach wurde, hatte ich furchtbare Schmerzen. Im Spiegel stellte ich fest, dass sich neben der Schwellung auch ein Bluterguss gebildet hatte. Ich musste an diesem Tag wieder zur wöchentlichen Kontrolle bei meinem KFO. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen ihm von dem Schlag zu erzählen aber ich verfiel wieder in alte Muster. Ich überschminkte den Bluterguss und unterdrückte die Schmerzen während der Untersuchung. Ich dachte mir, wenn da was kaputt gegangen war, würde er es schon merken und was sagen. Das einzige, das er bemängelte, war die Schwellung. Ich bekam den Rat mich weiterhin nicht zu überanstrengen und ich sollte kühlen, kühlen, kühlen.

Die Tage danach waren der Horror. Mein Gesicht sah aus, als wäre ich nochmal operiert worden und es tat verflucht weh. Dazu kamen ständige Anrufe und Besuche von meinem Freund, der versuchte sich wie immer zu entschuldigen. Als er merkte, dass es dieses Mal nicht funktionierte, fing er mit Drohungen an: „Dir glaubt sowieso keiner, wenn du das erzählst“ und „Ohne mich bist du doch nichts.“ Er setzte sogar seine Mutter auf mich an. Natürlich konnte er ihr ja nicht erzählen, warum ich ihn rausgeschmissen hatte. Er muss ihr dann irgendeinen Quatsch von einem anderen Kerl erzählt haben, so dass sie dann überall rumerzählte, dass ihr geliebter Sohn sich endlich von „der Schlampe“ getrennt hat. Es dauerte auch nicht lange, bis meine Familie davon erfuhr und so hatte ich auch noch nette Anrufe von meiner Mutter auf dem AB, mit so Sätzen wie: „Kind, du bist jetzt fast 30 und ein Arzt will dich heiraten. Sei doch nicht so blöd und werfe diese sichere Zukunft weg. Du willst doch schließlich mal Kinder haben. Wer nimmt dich denn jetzt noch, so wie du aussiehst?!“ Das war mir alles zu viel. Ich packte einige Sachen und fuhr zu meiner besten Freundin nach Berlin. Bei ihr konnte ich dann mein Herz ausschütten und das erste Mal über all den Wahnsinn sprechen.

19.07.2011

Musste an diesem Tag zur letzten Nachkontrolle ins UKB. Die Schwellung war wieder zurückgegangen und der Bluterguss war bereits gelb gefärbt und somit kaum noch sichtbar. Ein Druckgefühl und der pochende Schmerz im Kiefer waren aber noch geblieben. Ich erzählte dem Prof von den Schmerzen. Er tastete die Stellen ab und wies mich dann an, den Splint zwei weitere Wochen zu tragen, um auch wirklich sicher zu gehen, dass der Knochen gut ausheilt. Auch sollte ich noch weiterhin auf zu feste Nahrung verzichten. Er wollte eigentlich auch nochmal Rücksprache mit meinem KFC halten und sich dann melden aber auf den Anruf warte ich heut noch.

Ich fing dann in der fünften Woche nach der OP an wieder voll zu arbeiten. Als freiwillig versicherte Studentin blieb mir auch gar nichts anderes übrig. Ich hatte keinen Anspruch auf Krankengeld und irgendwie musste ich ja jetzt die Miete alleine aufbringen. Zum Glück lief die Wohnung immer nur auf meinen Namen!!! Alles andere, dass wir uns zusammen angeschafft hatten, hatte mein Ex bereits abgeholt oder sperren lassen. Aber das war mir relativ egal. Ich war so froh, dass er endlich aus meinem Leben raus war. Ich dachte die ganze Zeit darüber nach, was gewesen wäre, wenn ich ihn doch geheiratet hätte und wir Kinder gehabt hätten. Vielleicht wäre ihm ja auch bei einem Kind die Hand mal ausgerutscht!? Und ehe ich ihn dann losgeworden wäre – ganz furchtbare Vorstellung! Trotzdem fühle ich mich manchmal allein und trauere den guten Zeiten, die wir ja auch hatten, nach. Immerhin bin ich jetzt mit 30 das erste Mal in meinem Leben wirklich Single...

Aber wieder zurück zur eigentlichen Erzählung.

Ende Juli 2011 wurden die Schmerzen immer schlimmer. Essen und Zähneputzen waren eine Qual und schlafen konnte ich nur mit starken Schmerzmitteln. Bei einer Kontrolluntersuchung bei meinem KFO stellte dieser fest, dass die Schmerzen genau an der Stelle, wo die Platten saßen, am größten waren und gab mir eine Überweisung zum KFC. Ich dackelte also diesmal in die Praxis meines Chirurgen außerhalb des Krankenhauses, wo eine Röntgenaufnahme gemacht wurde, um eine Entzündung auszuschließen. Er kam dann zu der Schlussfolgerung, dass der Aufbissdruck auf 47 die Schmerzen hervorrufen würde und schliff mir die Füllung in diesem Zahn etwas runter. Aber das war es nicht. Als ich dann ca. einen Monat später wieder in seiner Praxis stand, bekam ich, wie bereits vorab schon angedroht, einen Termin zur Osteosynthesematerialentfernung. Bei meinem Glück natürlich einen Tag nach meinem 30. Geburtstag. Aber das war mir dann auch egal. Ich wollt einfach bloß mal wieder ohne Schmerzen mehr als 4 h schlafen können und dafür hab ich gern auf ne große Party verzichtet.

22.09.2011

Ich hatte wieder einmal furchtbaren Schiss vor dem Eingriff. Nach anfänglichen Problemen bei der örtlichen Betäubung legte der Chirurg dann los und mal abgesehen von den gruseligen Geräuschen und einer Stelle an der rechten Kieferseite, die nicht taub war, lief alles wie gewohnt ruhig ab. Das Ganze hatte ich mir echt schlimmer vorgestellt. Allerdings waren die folgenden Tage wesentlich schmerzintensiver, als nach der eigentlichen OP. Ich sah aus, als würde ich zwei Tischtennisbälle schmuggeln und hatte übers Wochenende auch Fieber. Für diesen Fall hatte ich zwar die Notfallnummer meines KFCs bekommen aber ihm nun auch noch sein wohlverdientes Wochenende ruinieren, wollt ich auf keinen Fall. Ich schlief also vier Tage, bis auf die Unterbrechungen wegen einem nervenden Kater und dem Druck auf der Blase, durch. Danach war das Fieber weg und man konnte zusehen, wie die Schwellung zurückging. Beim Fädenziehen eine Woche nach der Metallentfernung waren meine Wangen nur noch leicht geschwollen. Trotzdem war der Schmerz, der eigentlich durch die Entfernung des Osteosynthesematerials verschwinden sollte, immer noch da. Ich hatte an diesem Tag das Vergnügen von dem anderen KFC, der ebenfalls am UKB operiert, behandelt zu werden. Er sagte, dass ich erst einmal noch abwarten soll, da die Schmerzen jetzt auch von der Metallentfernung kommen könnten. Wenn die Schmerzen jedoch weiterhin andauern, wäre eine CT ratsam, damit eine Entzündung direkt im Kieferknochen ausgeschlossen werden kann.

Ich wartete also ab und nervte erst meinen KFO bei der nächsten Untersuchung mit dem Andauern der Schmerzen. Er taste die Stelle erneut ab und kam zu der Schlussfolgerung, dass es der Kaumuskel ist, der die Schmerzen hervorruft und gab mir ein Rezept für die Physiotherapie.

Der mir empfohlene Physiotherapeut führte eine wirklich ausführliche Anamnese durch. Nach der zweiten Sitzung stellte er fest, dass die rechte Seite des Kiefers durch die Lymphdrainage leicht anschwillt und sich erwärmt. Daraufhin besorgte er mir noch ein Rezept für die Ultraschallbehandlung, zur besseren Heilung des Kieferknochens. Nach der fünften Ultraschallbehandlung schwollen die OP-Narben an und es bildete sich ein weicher Knubbel am rechten aufsteigenden Unterkieferast. Der Physiotherapeut riet mir meinen KFO aufzusuchen, um abklären zu lassen, ob die Behandlung weitergeführt werden konnte. Dieser schaute sich die betroffene Stelle kurz an und sagte, dass es manchmal halt einfach vorkommt, dass die Narben anschwellen und es ein Zufall war, dass es nach einer Ultraschallbehandlung auftrat. Und wo ich schon mal da war, konnte er mir gleich noch mitteilen, dass mein KFC ausrichten ließ, dass ich wegen den Schmerzen meine Zahnärztin aufsuchen soll, da diese auf keinen Fall mehr von der OP stammen könnten, sondern eher von einem Zahn verursacht werden.

Mitte November 2011 saß ich dann also in der Praxis meiner Zahnärztin. Sie führte die übliche Kontrolle durch und entfernte etwas Zahnstein. Danach testete sie die Vitalität der Zähne mit diesem fiesen Kältespray, worauf die letzten vier Zähne rechts unten keinerlei Reaktion zeigten. Da 46 auch schon etwas verfärbt war, röntge sie die letzten beiden Backenzähne, um sicher zu gehen, dass dort keinerlei Entzündungen vorlagen. Und natürlich ergaben die Röntgenbilder auch keinen Befund, der die Schmerzen hätte erklären können. Sie tastete dann noch den kompletten Unterkiefer ab und fand eine kleine, aber wirklich winzig kleine Stelle, auf der rechten Innenseite der Unterkiefers, die bei Berührung weh tat. Da die Stelle beweglich war, vermutete sie einen kleinen Knochensplitter der bis dorthin gewandert war. Ich bekam also erneut eine Überweisung zum KFC.

Anfang 2012 wurde mir schließlich die Zahnspange entfernt. Ich hoffte, dass vielleicht auch sie ein Grund für den Druck in der rechten Kieferseite gewesen war, aber die Schmerzen verschwanden auch nach der Entbänderung nicht. Neben den „normalen“ Schmerzen beunruhigte mich nun auch die winzig kleine Stelle, die mittlerweile zu einem kleinen Knubbel gewachsen war. Durch die Umfangsvermehrung war die Theorie vom wandernden Knochensplitter ja nun auch hinfällig. Trotzdem drückte ich mich weiterhin erfolgreich vor einem Termin bei meinem KFC.

Zu Ostern hatte ich dann meinen ersten Urlaub in diesem Jahr. Davon konnte ich noch drei Tage genießen, bevor mir der Kiefer anschwoll und ich 40°C Fieber bekam. Da über die Feiertage kein Arzt offen hatte und das Ganze natürlich Gründonnerstagabend losging, bin ich in die örtliche Notaufnahme gefahren. Dort bekam ich ne Packung Paracetamol und wurde mit dem Verdacht auf ne Kinderkrankheit wieder nach Hause geschickt. Da ich aber als Kind fast alle Krankheiten durchgemacht hatte und zudem die Dreifachimpfung, Mumps/Masern/Röteln, regelmäßig erneuern lasse, konnte es eigentlich keine Erkrankung dieser Art sein. Als ich am Dienstag nach Ostern dann meinen Hausarzt aufsuchte, überwies dieser mich, mit dem Verdacht auf eine Entzündung, wieder an meinen KFC. Da sich mein Arbeitgeber zu dieser Zeit auf eine Qualitätsmanagementprüfung durch den TÜV vorbereitete, stellte ich meine Gesundheit hinten an und ließ ich die Überweisung verfallen, was sicherlich nicht gerade klug war.

Erst vor zwei Woche hatte ich mich überwunden und zumindest den Knubbel meinem KFC präsentiert. Er hat ihn mit einem kleinen Schnitt entfernt und ins Labor geschickt. Es handelte sich um eine Speicheldrüsenzyste, die, wie mir meine Zahnärztin beim Fädenziehen bestätigte, nicht für die Schmerzen im Kiefer verantwortlich sein kann. Eine Erklärung für die Schmerzen habe ich somit immer noch nicht …

Zusammenfassend kann ich also sagen, dass die OP ideal verlaufen ist. Ich hatte keine nennenswerten Schmerzen und die Schwellung bildete sich relativ schnell zurück. Die Entscheidung fürs UKB war definitiv die richtige. Das Pflegepersonal und die Ärzte der MKG – Station waren alle überaus freundlich und hilfsbereit. Und auch wenn die Nachsorge nicht sehr besonders gut war, würde ich mich dort jederzeit wieder behandeln lassen.

Als die Schmerzen begannen, hat sich nämlich keiner so richtig dafür verantwortlich gefühlt. Besonders enttäuscht war ich von meinem KFC, als er über meinen KFO ausrichten ließ, dass ich wegen den Schmerzen meine Zahnärztin aufsuchen soll. Das hätte man mir zumindest selber sagen können!!! Auch mein KFO reagiert mittlerweile leicht genervt, wenn ich sage, dass die rechte Kieferseite noch schmerzt. Er kneift mir dann immer in die Wange und wenn ich „Aua“ sage oder zusammenzucke, bekomm ich wieder ne Überweisung zur Physiotherapie. Dort war ich jetzt schon zu 18 Sitzungen und selbst der Physiotherapeut sagt, dass es nicht die richtige Behandlungsmethode sei.

Sicherlich bin ich auch selber daran schuld, dass sich keiner so richtig für die Schmerzen interessiert, da ich ja eine wichtige Information nie preisgegeben habe. Hätte ich meinem KFC von dem Schlag ins Gesicht während der Heilungsphase erzählt oder die blauen Flecken danach nicht vor meinem KFO verborgen, wäre ich sicherlich nochmals intensiver untersucht worden. Ich hab auch bis heute vielen meiner Freunde und vor allem meinen Eltern nicht erzählt, warum ich mich von meinem Freund getrennt habe. Ich schäme mich einfach dafür, dass ich mich von ihm hab schlagen lassen und ihn nicht schon früher zum Teufel schicken konnte.

Meine Freundin rät mir immer dazu, einfach nochmal einen Termin bei meinem KFC wahrzunehmen und ihn um eine erneute Untersuchung aufgrund des Schlages zu bitten aber das schaff ich einfach nicht. Zumal er mittlerweile auch leicht genervt auf meine Besuche reagiert. Bei der Entfernung der Speicheldrüsenzyste durfte ich nicht einmal zum Fädenziehen wieder zu ihm in die Praxis kommen, dafür sollte ich zu meiner Zahnärztin gehen.

Ich hoffe wirklich inständig, dass die Schmerzen mit der Zeit verschwinden und sich keine Spätfolgen ergeben. Ich habe bereits einen Backenzahn verloren, weil erst bei der dritten Wurzelspitzenresektion festgestellt wurde, dass die Wurzel so stark entzündet war, dass nicht nur der Zahn, sondern auch der umliegende Knochen bereits geschädigt war. Auf den Röntgenbildern konnten die Ärzte damals auch nichts Auffälliges erkennen und haben mich immer wieder mit Zahnschmerzen nach Hause geschickt.

Ich kann also nur abwarten, was noch kommt …

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Hallo permanent smile,

erst einmal gratuliere ich Dir dazu, dass Du es geschafft hast, Dich von Deinem prügelnden Freund zu trennen. Ich war zum Glück nie in dieser Situation, aber aus allem, was ich darüber gelesen habe, wird doch deutlich, dass eventuell eine Besserung der Situation eintritt, falls der Prügler einsieht, dass er ein Problem hat und aktiv daran arbeitet, aber es hört sich ja definitiv danach an, als ob Dein Ex-Freund weit davon entfernt ist, vor allem wenn er Dich danach auch noch verleumdet.

Ich kann verstehen, dass es Dir peinlich ist, jetzt noch zu sagen, dass Du befürchtest, dass Deine Schmerzen auch in Zusammenhang mit dem Schlag Deines Freundes stehen könnten, nachdem Du ein Jahr lang nichts gesagt hast. Hast Du schon mal dran gedacht, Dich an eine Beratungsstelle für misshandelte Frauen zu wenden? (Und Dich jetzt nicht kleinreden, dass andere ja viel schlimmer dran sind.) Auch wenn normalerweise wenig im Gesicht geprügelt wird, da es da ja jeder sehen kann, könnte ich mir gut vorstellen, dass diese Beratungsstellen auch Kontakte zu KCs haben, die dann auch eher dran gewöhnt sind, dass Leute erst nach einiger Zeit zu ihnen kommen. Und falls Deine Schmerzen vielleicht auch "nur" Ausdruck eines seelischen Schmerzes sind, würde ich vermuten, dass man auch dort leichter an Hilfe kommt und auch leichter über die Situation reden kannst. Und ich finde es äußerst stark von Dir, dass Du es geschafft hast, Dich weniger als 3 Wochen nach der OP aus der für Dich potentiell lebensgefährlichen Situation zu befreien.

Irene

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OOhhh, man harte Geschichte. Ich vermute schon das der Schmerz mit den Schlag deines EX-Freundes zusammen hängt. Sei froh, ihn los zu sein, was gibt es für Menschen. Hoffe für Dich die Schmerzen gehen und falls Dein Kfc Dir genervt erscheint, ziehe einen Wechsel durch. Alles Gute!

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Oh mein Gott.... ich krieg richtig Gänsehaut beim Lesen deines Berichtes.

Was war das bloß für ein arroganter Kerl und Muttersöhnchen zu gleich? OMG zum Glück hast du den abgeschossen.

Hoffe für dich das die Schmerzen bald aufhören. Und selbst nach 1 Jahr kannst du sowas wichtiges den Ärzten noch erzählen. Die fressen dich ja nicht auf.

Ich drück dir ganz fest die Daumen!

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hey ,

das mit dienem exfreund ist echt ne krasse Sache was Männer sich bei sowas denken -.-

jedesmal wenn ich sowas lese bin ich soo froh das mich mein Freund und Familie und Freunde zu 10000% unterstüzen bzw. auch ermutigen auch wenn es nicht immer selbstverständlich ist wie du berits erwähntest....

habe selber auch nen Überbiss von 13mm un konnte Anfangs gut damit leben aber mit der Zeit ist ist es immerschlimmer geworden obwohl ich nie gemobbt wurde deswegen und bin jetzt mit 20 Jahren das erste mal im Kieferordopädischer Behandlung mit geplanter UK-VV.....

wünche dir ganz ganz viel glück das du bald alles hintre dir lassen kannst und endlich abschließen kannst, würde aber auch nochmals nen KFC aufsuchen und ihm die Situation schildern, die haben in ihren Sudium schließlich auch Psychologie und wisssen das man solche Erfahrungen nicht an die große glocke hänge und verschweigt, er kann den aber nochmlas ganz anders diagostiziern und nach sachen suche die diese Schmerzen auslößen könnte die er vorher nicht in betracht gezogen heätte aufgrund der Krafteinwirkung von ausßen sowas ist wirklich WICHTIG das du sowas abklären lässt, du bist jetzt soweit gekommen und willst doch nicht aus "scharm" ( soll nicht böse gemeint sein) alles kaput machen und vil. ewig mit diesen Schmerzen und denn damit verbundenne Erinnerungen weiterleben ._. hoffe das su dich aufraffen kannst

ganz liebe grüße und viel erfolg für deinen weiteren verlauf

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Hallo!

Erstmal Glückwunsch zur überstandenen OP!

Ich finde es wirklich schade, dass deine Familie nicht hinter dir stand! Ich finde es wirklich traurig wie sich Männer aufführen können!

Bei mir haben teile meine Verwandtschaft (Cousine, Tante) das Gefühl, dass ich eine Schönheits-OP hatte, und machen mir dies unmissverständlich klar, wenn ich sie sehe...

Bezüglich deiner Schmerzen, ich würde trotzdem versuchen deinem Kfo/Kfc die Wahrheit zu erzählen, ich weiss wie schwer dies sein kann, versuche es trotzdem.

Ich wünsche dir alles Gute für deinen weiteren Weg!

Findus

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Weisst Du, beim Lesen kam mir sofort der Gedanke, dass Dein Freund so vehement gegen die OP war, weil er (wenn auch vielleicht nur unbewusst) um seine Machtstellung bei Dir fürchtete. Mit gerichteten Zähnen und UK hättest du ja mehr Selbstvertrauen aufbauen können, und der Gedanke gefiel ihm sicher nicht. Das ist leider kein Einzelfall. Gut, dass Du es geschafft hast, Dich von ihm zu trennen. Das mit den Schmerzen ist allerdings weniger schön, und ich finde es schon ein Unding, dass die Ärzte genervt reagieren und nicht versuchen, den Ursachen auf die Spur zu kommen. Finde die Idee mit der Beratungsstelle für geschlagene Frauen nicht schlecht. Es kann ja so nicht weitergehen.

In meinem Umfeld reagieren sie auch ein bisschen skeptisch, was die OP betrifft, und ich habe auch schon Sprüche gehört von Kollegen, als ich die Zahnspange bekam so vonwegen "wieso machst du denn das? Willst Du noch Miss Belgien werden?" und so weiter. Aber mittlerweile sieht man immer mehr Erwachsene, und auch Frauen in meinem Alter, Mitte-Ende 40, mit Zahnspangen. Bin im Büro auch nciht mehr die Einzige.

Hast Du es schon mit Akupunktur versucht gegen die Schmerzen? Natürlich hilft das evtl nur gegen die Symptome und die Ursache muss weiterhin erforscht werden, aber vielleicht verschafft es ja Erleichterung?

LG

Marimi

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Hallo,

vielen Dank für die unterstützenden Worte!

Seit letzten Oktober nehme ich einmal wöchentlich an einer Therapiegruppe für misshandelte Frauen teil. Diese wird von der Uni, an der studiere, angeboten. Zudem gehe ich einmal im Monat zu einer Einzelsitzung. Ich war nämlich drauf und dran den Idioten wieder in mein Leben zu lassen! Als meine Freundin das mitbekommen hatte, stellte sie mich vor die Wahl: entweder ich lass mir helfen oder ich geh zu ihm zurück aber dann brauche ich nicht mehr auf sie zu zählen. Die Sache war nicht grad einfach, da mich dieser Mann ja mehr als mein halbes Leben lang begleitet hat aber ich hab es doch geschafft!!! Wenn ich ihm jetzt begegne, grüße ich freundlich und geh an ihm vorbei. Er ist mir egal geworden. Okay, manchmal denk ich schon noch an das, was hätte sein können, schließlich wollt ich mit 30 verheiratet sein und Kinder haben. Aber ich geh mal davon aus, dass sich das in den nächsten Monaten auch verliert.

Meine Therapiegruppe war es auch, die mich ermutigt hatte meinen Erfahrungsbericht, ungeschönt und auch ein Jahr nach der OP, noch einzustellen. Sie kennen diese Geschichte nun schon eine ganze Weile und haben mir dazu geraten sie auch anderen, fremden, Leuten zugänglich zu machen. Die Leiterin der Gruppe hat sich sogar einige Zeit mit diesem Forum befasst und es für ideal befunden, da eben viele hier zumindest die OP-Erfahrung mit mir teilen und mir mit ihren Erlebnissen und Meinungen hilfreich zur Seite stehen können. Und natürlich hoffen sie, dass ich es durch die unterstützenden Worte doch noch schaffe, den Mut zu finden, um offen auf zumindestens einen meiner Ärzte zuzugehen. Einige hoffen sogar, dass meine Ärzte aufmerksam werden und auf mich zugehen aber da bin ich Realistin.

Da der Druckschmerz wirklich 24 h täglich und der stechende Schmerz, je nach Lust und Laune, auftreten und nicht nur in besonderen Streß- oder Ruhephasen, schließt die Therapeutin eine Verursachung rein durch psychische Belastung aus. Zudem hätte sich der Schmerz mittlerweile, zumindestens während des Schlafens, verringern müssen, da sich mein emotionaler Balast bereits reduziert hat. Sie sagt aber, dass der ganze Streß, auch der von Arbeit und Studium, zumindest unterstützend auf die Schmerzen einwirkt. Sollten die Schmerzen also nicht bald besser werden, lässt sich ein erneuter Besuch bei einem Spezialisten wohl nicht vermeiden.

Hatte übrigens schon einen Termin bei einem anderen KFC. In diesem Fall der Oralchirurg, der meine Weisheitszähne und den entzündeten Backenzahn entfernt hatte. Dieser hat jedoch eine Behandlung abgelehnt, als er meine Narben sah. "Bitte suchen sie den Arzt auf, der die OP durchgeführt hat. Er weiß schließlich welche Probleme eventuell aufgetreten sind.", waren seine Worte. Und darüber war ich nicht mal traurig, da ich ganz tief in mir drin weiß, dass ein erneuter Besuch bei meinem KFC die idealste Lösung wäre und er sicherlich nicht abwertend reagiert, wenn ich endlich mal sage: "Bitte schauen Sie nochmal nach, mir ist da was Schlimmes während der Heilungsphase passiert!" Aber dieser Schritt ist so unglaublich schwer ...

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Hallo,

deine Geschichte ist mir sehr zu Herzen gegangen und ich moechte Dir wirklich von ganzem Herzen dazu gratulieren, dass Du den Mut gefunden hast, Deinen Bericht mit all seinen sehr persoenlichen und fuer Dich schmerzhaften Details zu veroeffentlichen.

Als ich eben in Deiner letzten Nachricht gelesen habe, dass Du bereits professionelle Hilfe in Anspruch nimmst, war ich richtig froh und erleichtert, weil ich Dir genau das naemlich auch vorschlagen wollte. Denn sicherlich ist es ein Riesenschritt fuer Dich, dass Du Deinen Verlobten zum Teufel gejagt hast, aber schliesslich hast Du bereits Dein halbes Leben mit ihm verbracht und bist dadurch eindeutig gepraegt. Diese Verhaltensmuster musst Du erstmal durchbrechen, damit sich Dein Selbstwertgefuehl aufbauen kann und Dir so etwas nicht ein zweites Mal passiert.

Hast Du eventuell die Moeglichkeit, dass Dich jemand aus Deiner Therapie oder Deine Freundin mit zum Arzt begleitet, so dass es fuer Dich einfacher wird, das Thema Misshandlung waehrend Deiner Heilphase anzusprechen bzw. Deine Begleitung den einleitenden Satz uebernimmt?

Oder ist Dein KFC per Email zu erreichen und Du schreibst ihm, was passiert ist, so dass Du es beim Besuch nicht mehr von Dir aus ansprechen, sondern nur noch auf seine Fragen zu dem Thema antworten musst?

Dann musst Du die Suche nach den koerperlichen Ursachen Deiner Schmerzen nicht mehr auf die lange Bank schieben und hast zumindest darueber Klarheit.

Ich wuensche Dir alles Gute und wuerde mich freuen, wenn Du Deinen Weg weiterhin gehen kannst.

LG Mauto

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mensch eine heftige geschichte...

doch du musst das positive daraus mitnehmen, und zwar dass dich das ganze unheimlich gestärkt hast.

endlich hast du mal gesagt, was du willst und vor allem, was du nicht willst.

den a*** in die wüste zu schicken war sicher die beste entscheidung. und lieber zu spät als nie ;-)

die therapiegruppe ist ein guter schritt und ich hoffe du hast auch bald den mut,

die nochmal mit allen details beim kfc vorzustellen. du hast jetzt so viel geschafft, das kannste auch.

nur mut!

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Ich denke auch, dass Du es gewagt hast, diesen Schritt zu gehen und die OP machen zu lassen, gegen den Willen Deines Freundes UND auch gegen den Rat Deiner Eltern (ein nicht unwichtiges Detail) hat mit den Anstoss gegeben, Dein Leben zu leben ! Bzw. war es das erste Anzeichen dafür, dass ein Befreiungsschlag kurz bevor steht und Du fortan selbst über Dein Leben bestimmst ! Gut, dass Du schon in einer professionellen Therapie bist ! Da war ich auch erleichtert, als ich das las. Viel Glück und alles Gute für den weiteren Verlauf mit Deinem KFC. LG

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über die Idee mit der Mail hatte ich auch schon mal nachgedacht. Allerdings würden zahlreiche andere Personen die Nachricht lesen können, bevor sie beim eigentlichen Empfänger ankommt und das find ich nicht ganz so toll. Meine Freundin "droht" nun auch schon seit zwei Tagen damit meinen Erfahrungsbericht ans UKB zu schicken aber da sie technisch genauso eine Niete ist wie ich, würde sie das nicht gebacken bekommen. Hoffe ich zumindest!

Trotz dem ich auf meine Freundin wirklich immer zählen kann, würde ich nicht wollen, dass sie mich zu meinem KFC begleitet. Es fällt mir nämlich noch schwerer über meine Erlebnisse zu sprechen, wenn jemand dabei ist, zu dem ich eine emotionale Bindung habe. Dann schaff ich es kaum auch nur einen Satz auszusprechen, ohne mit dem Heulen zu beginnen.

Außerdem musste ich bis jetzt mein Leben überwiegend alleine meistern, was es mir auch so schwer macht, mich anderen anzuvertrauen. Als ich nach meiner Ausbildung meinen Eltern mitgeteilt habe, dass ich nicht ins Familiengewerbe mit einsteigen, sondern studieren möchte, durfte ich meine Sachen packen und das "heimische Nest" verlassen. Sie waren sogar so "nett" und haben keines der Formulare ausgefüllt, die ich für die Beantragung von Bafög oder Wohngeld benötigt hätte. So blieb mir also nichts anderes übrig als zu arbeiten, um mich zu finanzieren. Von den Sozialberatungstanten an der Uni hab ich immer den Rat bekommen: "Verklagen sie doch ihre Eltern." Aber mal ehrlich, wer macht denn sowas schon!?

Und natürlich hatte ich ja auch einen zuvorkommenden Partner, der mich damals aufnahm und unterstützte. Allerdings auch nur solange, wie mein Werdegang seinen Vorstellungen entsprach. Als ich vor zwei Jahren, neben dem Studium, zur Abteilungsleiterin befördert wurde und Freude strahlend, mit meinem riesen Blumenstrauß, nach Hause kam, war seine Reaktion darauf: "Toll! Und was gibt´s heut zu Essen? Nachdem er dann auch noch merkte, dass ich teilweise später nach Hause kam als er und die Wohnung langsam aussah wie ein Saustall, ist er nicht etwa auf die Idee gekommen selber mal den Besen zu schwingen. Nein, er hielt es für die richtige Zeit um Nachwuchs zu bekommen! Er machte einen Termin bei meiner Ärztin und entsorgte eigenmächtig meine Pille. Ich danke wirklich Gott dafür, dass ich in der Zeit nicht schwanger geworden bin!!! Drei Monate später habe ich heimlich wieder mit der hormonellen Empfängnisverhütung begonnen, was er am Tag unser Verlobung durch einen blöden Zufall herausbekam und mich daraufhin furchtbar verprügelte. Ansonsten hat er mich immer an den Oberarmen gepackt und geschüttelt, wenn wir uns stritten und er sich in die Ecke gedrängt fühlte. Dabei drückte er immer bis auf die Knochen durch, so dass ich noch ne Woche später die Fingerabdrücke zählen konnte. Oder es gab halt ne kurze Ohrfeige, die, wenn sie nicht grad auf einem operierten Kiefer landete, meist keine äußerlichen Spuren hinterließ.

Von der Zahnspange hatte er sich sicherlich erhofft, dass sie mich wieder zurückhaltender werden lässt. Als wir uns kennenlernten, war ich bereits fast 1,80 m groß. Ich war damals noch Leistungssportlerin und das ich erst 14 war, hat man mir nicht angesehen. Als ich mit 18 dann mit dem Sport aufhörte, ohne richtig abzutrainieren, habe ich 20 kg zugenommen. Eigentlich dachte ich, dass ihn das stören würde aber dem war nicht so. Dadurch war ich ja nicht mehr so begehrt, wie zuvor.

Und genau das hatte er sich sicherlich auch von der Zahnspange erhofft. Als ich dann aber dadurch dieses "Dauerlächeln" bekam und wieder öfter angesprochen wurde, war er ganz schön angefressen und fing an alles, was mit der Regulierung der Fehlstellung zusammenhing, zu boykottieren.

Das der Mensch, mit dem man eigentlich bis ans Lebensende zusammen sein will, so ein A*-Loch ist, merkt man leider erst im Nachhinein. Wenn ich heute über bestimmte Situationen nachdenken, fällt mir auf, dass sein Verhalten ganz oft auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet war. Und ich bin brav gefolgt, da er für mich die einzigste Bezugsperson darstellte. Da sieht man, dass Liebe wirklich blind macht.

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Hi permanent smile,

habe deine Geschichte schon mehrere Male gelesen und bin immer wieder erschüttert darüber, wie bescheuert manche Männer sich verhalten. Du kannst wirklich stolz darauf sein, dass du dich von diesem Mann lösen konntest. Meine Frau hat ebenfalls mal solche Erfahrungen machen müssen und konnte sich erst von ihrem Ex lösen, als er sie krankenhausreif geprügelt hatte. Sie hat damals auch erst nach einer längeren Therapie wieder Vertauen zu Männern fassen können und daher denke ich, dass du auf dem richtigen Weg bist. Lass dich bloß nicht unterkriegen!

In deinem Profil konnte ich lesen, dass wir von dem gleichen KFO betreut werden und ich finde ihn wirklich sehr korrekt. Klar, manchmal macht er einen gestreßten Eindruck aber du hast ja sicherlich auch schon mal gesehen, wieviel Patienten da täglich auf seinem Behandlungsstuhl sitzen. Da wundert´s mich, dass er überhaupt noch freundliche Worte für jeden übrig hat. Du solltest dich einfach überwinden und ihm von deinen Problemen erzählen. Ich denke, dass er dir dann auch mehr als die üblichen 5 min. seiner Zeit schenken wird. Und er kann dich dann bei einer nochmaligen Kontaktaufnahme zu deinem KC unterstützen. Die scheinen doch einen echt guten Draht zueinander zu haben, so wie er immer über seine Kollegen aus dem UKB spricht. Du hast es jetzt schon so weit geschafft, da solltest du kurz vor dem Ziel nicht aufgeben. Zumal es ja schließlich um deine Gesundheit geht.

Oder hast du dich mittlerweile schon überwunden und einen deiner Ärzte nochmals aufgesucht?

Freundliche Grüße

Leo

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Bis jetzt drück ich mich erfolgreich um einen weiteren Arztbesuch. Zumal ich bei der letzten Kontrolluntersuchung beim KFO wieder einen Dämpfer einstecken musste. Als ich wissen wollte, ob die Verhärtung, die sich an der linken Bruchstelle gebildet hat, normal ist, bekam ich als Antwort: "Bei ihnen ist wirklich immer was. Können sie nur meckern?". Dabei hab ich noch nie gemeckert!!! Finde das Ergebnis zwar nicht perfekt aber tausend Mal besser als vorher. Wenn die Schmerzen nun endlich noch verschwinden würden und ich wieder mehr als 4 h schlafen könnte, wäre das super. Deshalb gemeckert, hab ich aber noch nie. Sollte vielleicht langsam mal damit anfangen...

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Musste am Montag zum Hausarzt, da ich schon wieder fast 40° Fieber hatte und der Kiefer komplett angeschwollen war. Zudem war auch mein Gaumen so dick, dass man das Zäpfchen kaum sehen konnte. Da meine Schwester ebenfalls leicht kränklich war, sind wir zusammen hingegangen und sie konnte es doch tatsächlich nicht unterlassen unserem Arzt zu erzählen, dass ich ja eigentlich nochmals genau untersucht werden müsste, da mein Ex mich geschlagen hat. Man war ich da sauer auf sie!

Der Arzt nahm die Sache aber eigentlich ganz locker und fragte mich nach den genauen Einzelheiten. Er untersuchte mich daraufhin und stellte fest, dass die Gaumenschwellung durch einen virusbedingten Infekt verursacht wurde, was auch das Fieber und auch die Schwellungen am Zahnfleisch erklären würde. Zudem hatte er sich nach meinem Besuch zu Ostern mal erkundigt, was die Schwellungen am Kiefer noch hervorrufen könnte. Er erklärte mir, dass es sich um Ödeme handeln könnte, die dadurch entstehen, dass die sehr langsam verheilende Knochenhaut des Kiefers immer wieder gereizt wird.

Damit dies nun endgültig mal geklärt wird, hab ich zwei Auswahlmöglichkeiten bekommen:

1. Ich soll allen Mut zusammen nehmen und mir einen neuen Termin bei meinem KFC geben lassen. Dazu soll ich dann bitte wieder meine Schwester mitnehmen, damit sie durch Eigeninitiative dafür sogt, dass der KFC diesmal auch wirklich alles erfährt. Ich soll ihn dann bitten mich nochmals genau zu untersuchen und das Röntgenbild auf eventuelle "Schlagschädigungen" zu begutachten (er sagte mir, dass ein Arzt immer große Aufmerksamkeit auf den Erfolg seiner eigenen Arbeit legt und dabei die Nichtigkeiten, die bei mir aber wichtig sein könnten, nicht in Betracht zieht; zumal der KFC nicht über alle Details informiert ist).

2. Ist die "Angsthasenvariante". Er hat mir eine Überweisung zur Einholung einer Zweitmeinung mitgegeben. Sollte ich es mir also nicht trauen, meinen gewohnten KFC aufzusuchen, kann ich damit zu jedem anderen KFC gehen. Voraussetzung ist natürlich, dass ich einem völlig Fremden meine Geschichte erzähle. Ohne die Preisgabe der kompletten Geschichte werd ich in keinem der beiden Fälle einen zufriedenstellenden Abschluss erzielen und mich noch ewig rumplagen. Um einem neuen Arzt die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen, soll ich bei dieser Variante die bisher erstellten Untersuchungsunterlagen aus dem Krankenhaus und von meinem KFC anfordern. "Da wäre es doch einfacher den Arzt aufzusuchen, der sie schon kennt. Stellen sie sich mal vor, was er denkt, wenn sie die Unterlagen jetzt anfordern. Er kann ja nicht riechen, was ihnen passiert ist und denkt sicher sie zweifeln seine Behandlung an, was ja aber gar nicht der Fall ist.", waren die Worte meines Hausarztes dazu.

Eigentlich ist die Entscheidung damit schon gefallen und ich weiß, wohin mich mein nächster Schritt führen muss. Trotzdem liebäugele ich immer wieder auch mit der "Angsthasenvariante", da sie zwar absolut nicht fair, dafür aber einfacher ist.

Musste denn jemand schon einmal die Unterlagen seiner Behandlung anfordern?

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Hallo permanent smile,

Deine Geschichte hat mich sehr erschüttert und Du bist sehr tapfer, dass Du das alles so durchgezogen hast und auch hier nun Deine Geschichte niedergeschrieben hast.

Jedoch verstehe ich nicht, dass Du Dich für das was Dir Dein Ex angetan hast schämst. Also verstehen tue ich Dich schon aber Du musst Dich nicht schämen! Du kannst nichts dafür!

Zu Deinem letzten Beitrag möchte ich sagen, klar bist Du böse auf Deine Schwester aber es war gut so, dass sie es dem Arzt gesagt hat. Ich würde an Deiner Stelle die erste Variante nehmen, da das ja auch viel unkomplizierter ist. Nimm Deine Schwester mit zu dem Termin und sie soll Deinem KFO alles erzählen. Er wird es sicherlich verstehen und das Ganze nun mit anderen Augen sehen. Nun hat er ja einen Anhaltspunkt und kann alles besser einordnen.

Ich wünsche Dir alles alles Gute und hoffe, dass Dir nun geholfen werden kann.

Ganz liebe Grüße vom Mausekind

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Hallo permanent smile!

Ich finde es total toll und mutig, dass du diesen Bericht mit allen Einzelheiten hier veröffentlich hast!!! Du kannst echt stolz auf dich sein, dass du unter diese Geschichte mit deinem Verlobten einen Schlussstrich gezogen hast!!!

Die Therapie und die Unterstützung deiner Freundin und Schwester sind im Moment denke ich sehr wichtig für dich.

Ich hoffe, dass du dich dazu aufraffen kannst und die Variante 1 wählst, damit du die Schmerzen los wirst.

Ich weiß zwar nicht wie sich deine Situation anfühlt, denke aber dass du nachdem du mal reinen Tisch gemacht hast, im Endeffekt erleichtert sein wirst.

Dein KFO und dein KFC werden es dann sicher verstehen, dass es für dich nicht einfach ist/war mit der kompletten Wahrheit zu Ihnen zu gehen.

Ich wünsche dir alles Gute und viel Mut!!!!

Alles Liebe, isabel

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Hi permanent smile,

 

ich habe mir grade deine Geschichte durchgelesen und finde es sehr erschütternd. Wie kann ein Mann, noch dazu wenn er selbst Arzt ist, eine frisch operierte Frau schlagen?

 

Ich finde dich sehr tapfer und kann deine Gefühle durchaus verstehen. Ich kann über so etwas auch nicht reden, ohne in Tränen auszubrechen.

 

Ich wünsche dir viel, viel Glück auf deinem weiteren Weg. Hab den Mut, es deinem KFC zu erzählen, damit du behandelt wirst.

 

Liebe Grüße, Julia

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