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Jack Bauer

Angst vor bevorstehender OP - Fragen zum Nutzen des Ganzen

Hallo liebe Leidensgenossen,

ich bin seit letztem Jahr in kieferorthopädischer Behandlung und müsste mir so langsam einen Termin für eine OP geben lassen, da meine Zahnbögen mittlerweile relativ gut ausgerichtet sind. Bisher habe ich mir keine wirklichen Gedanken über die bevorstehende Bimax gemacht und Angst hatte ich auch keine. Nur hat sich das in den letzten Wochen ein bisschen geändert und je näher und greifbarer dieser Schritt wird, desto ängstlicher werde ich :( Im Moment schlafe ich sehr schlecht und fühle mich einfach schrecklich, weil ich mir den ganzen Tag Gedanken über das Für und Wider dieser Op mache :(

Vor etwa 3 Monaten wurden mir zur Vorbereitung auf die OP die unteren beiden Weisheitszähne entfernt und entgegen einiger Behauptungen aus dem Internet war dies wirklich überhaupt nicht schlimm. Bis auf die etwa 5 oder 6 tägige Einschränkung der Motorik zumindest :D

Auf der einen Seite hat mir das sehr viel Mut gemacht, da ich nach diesem Eingriff keinerlei Schmerzen oder sonstige Beschwerden hatte. Die Schwellung war auch nur ein paar Tage zu sehen und das hat mich dann in meiner OP-Entscheidung bezüglich der Bimax sehr bestärkt.

Allerdings gab es auch eine andere Seite, die mir ein bisschen Angst gemacht hat: Die Betäubungsspritze vor der Extraktion der Weisheitszähne. Die Spritze war überhaupt nicht schlimm, aber das betäubende Gefühl danach. Ich habe keine Erfahrung mit solchen Spritzen und es war die Erste, die ich in 26 Jahren bekommen habe. Jedenfalls war die Wirkung bei mir so, dass sie nicht nur die gesamte Kieferregion betäubt, sondern auch meine Unterlippe komplett ausgetrocknet und verschrumpelt hat. Die Unterlippe war danach sehr zerfurcht und hat eher an eine Rosine als an eine Lippe erinnert.

Frage 1:

Jetzt lese ich im Internet immer wieder, dass viele Leidensgenossen, die eine UK-/bzw. Bimaxop hatten, die daraus resultierenden tauben Nerven mit so einer Spritze vergleichen. Wie darf man sich das vorstellen? Hat man dann tatsächlich über Wochen so eine eingefallene, verschrumpelte Unterlippe? Oder bezieht sich das nur auf das nicht vorhandene Gefühl und Kribbeln?

Ich habe echt schreckliche Angst, dass man nach so einer Bimax tatsächlich wochen oder monatelang mit einer rissigen, schrumpeligen Lippe herumlaufen muss...

Des weiteren war es so, dass eben der KFC, der mir die Weisheitszähne entfernt hat (und das sehr gut gemacht hat :)) auch die Bimax durchführen würde. Bei einem Beratungsgespräch über die OP hat er gesagt, dass dieser Eingriff schon als sehr aufwändige und große OP gilt. Was sich in den Gesprächen mit dem KFO bisher immer wie Pillepalle angehört hat, hat dadurch einfach eine ganz andere Dimension bekommen. Natürlich war mir klar, dass die OP schon aufwändig wäre, aber mir wurde an dieser Stelle zum ersten Mal gesagt, dass man z.B. viel Blut verlieren würde und deshalb vor dem Eingriff eine Eigenblutspende für mögliche Transfusionen während des Eingriffs abgeben sollte. Das klingt logisch aber nicht sehr aufbauend, wie ich finde...

Auch habe ich zu diesem Zeitpunkt zum ersten Mal gehört, dass der Eingriff mehrere Stunden dauern könnte und das macht einem schon Bammel...

Mittlerweile habe ich echt einfach keine Ahnung, wie ich mich entscheiden soll. Ob ich die OP machen oder mich dagegen entscheiden soll. Es ist alles etwas gruseliger, wenn es so greifbar wird und mir macht das gerade wirklich zu schaffen. Deshalb zu...

Frage 2:

Lohnt es sich, diesen Weg zu gehen und diese Last auf sich zu nehmen? Verändert sich auf lange Sicht nach dieser OP alles zum Guten oder gibt es einen Haken an der Sache? Ich frage mich gerade einfach ob man Feuer mit Feuer bekämpft oder es wirklich ganz klar einen Vorteil bringt, diese OP zu machen. Kurz: Was bringt die Kiefer OP, wenn man danach evtl. andere Wehwechen hat? Ein dauerhaft tauber bzw. desensibilisierter Nerv ist im Alltag wahrscheinlich genau so eine große Belastung wie eine Kieferfehlstellung, die man quais dagegen eingetauscht hat. Im Moment ist man zwar schief und krumm aber mit einem tauben Kiefer durch die Welt zu laufen ist im Alltag denke ich sehr schlimm (Essen, Küssen, allgemein...)

Ich bin auch relativ sportlich und habe weder Unter- noch Übergewicht und frage mich, wie lange es nach der OP dauert, wieder zur alten Form zu finden und ob es wirklich möglich ist, sich schnell zu regenerieren und ob die OP tatsächlich rational gesehen gut ist.

Ihr seht, ich bin wirklich gerade frustriert und hinterfrage alles... Mir wäre sehr geholfen, wenn diejenigen unter euch, die bereits alles hinter sich haben, vielleicht eine Pro- und Contraliste stichpunktartig oder ausgeführt schreiben könnten :)

Viele liebe Grüße,

Jack

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Hallo Jack,

(stichpunktartig geht bei mir nicht, aber Du hast ja einem auch die Möglichkeit zu ausführlich gegeben :smile:).

Zu Frage 1:

Zur Spritze bei den Weisheitszähnen als Vergleich kann ich nichts sagen, da bei mir die Weisheitszähne unter Vollnarkose bei der (abgebrochenen) GNE entfernt wurden. Ich würde aber sagen, dass der Vergleich sich auf das Kribbeln und taube Gefühl bezieht. Normalerweise beklagen sich die Leute eher, dass die Lippen immer noch geschwollen sind, wobei sie bei mir z.B. relativ schnell abgeschwollen sind. Aber direkt nach der OP hatte ich ziemlich geschwollene Lippen, die sich danach auch geschält haben. Es gab aber im Krankenhaus Bepanthen-Salbe für die Lippen. Ich glaube, vor Schrumpel-Lippen brauchst Du keine Angst zu haben, eher vor dem Gegenteil.

Zu Frage 1,5:

Ich finde es gut, dass Dein KC es nicht verharmlosend dargestellt hat. Immer wieder liest man im Forum Bemerkungen, dass man sich das ganze nicht so heftig vorgestellt hat. Bezüglich der Eigenblutspenden habe ich eigentlich gehört, dass man es heutzutage nicht mehr macht, zumindestens nicht als generelle Vorbereitung auf die OP. Wenn Dein KC es macht, würde ich ihn fragen, wie häufig er denn bisher die Eigenblutspende während oder nach der OP tatsächlich gebraucht hat (und mir eventuell je nach Antwort einen neuen KC suchen). Es gibt auch sehr, sehr wenige OP-Berichte (3 fallen mir konkret ein) mit schweren Blutungen bei oder nach der OP.

Ich finde es eher unschön von Deinem KFO, dass er die OP als "Pillepalle" darstellt. Selbst Dr. K. rechnet auf seiner Webseite mit einer Stunde pro Kiefer, und er dürfte mit seiner Übung wahrscheinlich einer der schnellsten sein. Und wenn die OP aus irgendwelchen Gründen die OP komplizierter wird, kann es auch deutlich länger werden, wobei ich bzw. eigentlich mein KC wahrscheinlich einen Rekord aufgestellt haben dürfte und das lag weniger an meinem KC sondern daran, dass ich vor 25 Jahren schon eine OK-VV hatte und deshalb alles etwas komplizierter war. Zudem war es damals nicht vollständig verknöchert und es mußte einiges an Löchern aufgefüllt werden.

Deshalb zu Frage 2:

Ich bin zwar erst 3 Monate nach OP, aber für mich hat es sich auf alle Fälle gelohnt. Die optische Verbesserung ist für mich ein angenehmer Nebeneffekt, wichtig war für mich ausreichend Platz für die Zunge im OK und normal abbeissen und kauen zu können. Ich hatte letzte Woche schon fast ein Offenbarungserlebnis, als ich das erste Mal nach der OP mit den Schneidezähne von einem Schinken-Käse-Croissant und es funktioniert ganz einfach, ohne dass man beim Abbeissen noch dem Schinken "hinterherjagen" musste, wie es jahrelang der Fall war. Ich habe noch nicht von einem Brötchen abgebissen, aber ich freue mich schon drauf, davon abzubeissen, ohne dass man hinterher die Nutella an der Nase hat, einfach weil man das Brötchen nach oben wegziehen mußte.

Zum Thema Küssen mit tauber Lippe findet sich hier einiges. Bei den Nervenschäden sollte man bedenken, dass es sensorische Nerven sind, dass bedeutet, die Bewegung ist ganz normal, aber man bekommt nicht notwendig mit, wenn einem etwas runterläuft. Auch das hört sich erst einmal schlimmer an, als es ist, weil man doch irgendwie drumrumarbeitet. Ich kenne jemanden, bei dem der Nerv echt durchtrennt wurde. Es wurde zwar wieder genäht, aber es ist anscheinend aber immer noch spürbar. Ich aber aber mit ihr mehrfach gegessen und da ist mir nichts aufgefallen.

Viel unangenehm kann es aber sein, wenn das Gefühl wiederkommt (bei mir war die linke Unterlippe/Kinn und die Nasenspitze "taub"). Bei mir war es sehr deutlich, dass die Nerven und das Gehirn hintendran erst wieder neu lernen mußte, die Signale zu interpretieren, am Anfang kam alles als viel zu groß an und teilweise hatte man auch das Gefühl, dass einem etwas kalt runterläuft, wenn da gar nichts war. Am ungewöhnlichsten ist aber momentan der Gaumen. Ich hatte vor 25 Jahren schon einmal eine OK-VV und danach war der Gaumen taub, was mich jedoch nie gestört hat. Seit der Bimax ist das Gefühl dort eindeutig wieder da (es fing schon nach der GNE an, wieder ganz leicht zu kommen) und das ist wirklich irritierend. Es war richtig bequem, beim Singen dort ein Bonbon zu verstauen, dass man nicht bemerkt hat. Auch tun manche Sachen beim Essen weh, wenn sie dorthin kommen, einfach auch weil das Gehirn erst wieder lernen muss, dass es harmlos ist.

Relativ sportlich und mit Normalgewicht in die OP zu gehen, ist auf alle Fälle eine gute Voraussetzung. Man muss sich nur klar sein, dass man eigentlich gesund in die OP geht und ziemlich zermatscht wieder rauskommt. Wie schnell man dann auf den Beinen ist, ist individuell unterschiedlich, aber ich würde sagen, eine Woche ist man doch stärker eingeschränkt, ich wäre z.B. am Entlasstag nicht die über 100 km nach Hause selber mit dem Auto gefahren. Ich würde sagen, dass es schon mehrere Wochen dauert, in denen man merkt, dass man eine größere OP hinter sich hatte, aber bei mir war es eher so, dass ich persönlich merkte, dass die Grenzen etwas enger gesteckt waren als sonst. Ich habe aber trotzdem ein Programm durchgezogen, bei dem andere Leute schwindlig werden würde, es war nur etwas weniger als sonst. Man kann sich wahrscheinlich relativ schnell regenerieren, sollte aber auch auf sich hören, falls es langsamer geht.

Es gibt im Forum auch einige Berichte über Schmerzen nach der OP, die nicht wieder weggehen, aber für mich hatte die OP auf alle Fälle einen positiven Einfluss auf die Lebensqualität, auch wenn ich meinen neuen Biss noch gar nicht wirklich ausgekostet habe und noch immer eine leichte Taubheit im Kinnbereich habe.

Irene

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Hallo Jack,

diese Fragen stellt sich wohl jeder, je näher die OP rückt. Zweifel an der Notwendigkeit sind nicht leicht zu beantworten, weil die Ausgangssituationen sehr unterschiedlich sind, ebenso wie die Verläufe während und nach der OP.

Man muß sich einfach die Frage stellen, wie sehr man unter der jetzigen Situation leidet - sei es gesundheitlich oder optisch. Wenn man seit Jahren Probleme wegen der Kieferfehlstellung hatte und vielleicht Schmerzen im Kiefergelenk und Beschwerden bei der Nahrungsafnahme an der Tagesordnung waren, sollte man den Schritt wagen. Soweit ich das hier verfolgt habe, sind die meisten Operierten doch sehr froh über das Ergebnis und haben später kaum noch Nebenwirkungen der OP.

Ich bin selbst gestern von meinem Zahnarzt gefragt worden, ob ich es noch einmal machen würde. Ich sagte ihm, dass es davon abhängen würde, ob sich die Nerven eines Tages nahezu komplett regenerieren würden - wenn es so bliebe wie jetzt, dann eher nein.

Nun ist es bei mir auch vielleicht eher ein Ausnahmefall. Ich hatte eine GNE, später dann eine Bimax mit Genioplastik (Kinnvorverlagerung um 8 mm). Optisch hatte ich, bis auf das "fehlende" Kinn keine besonders extreme Fehlstellung. Ich hatte zwar eine Kiefergelenksarthrose, die ich aber nicht bemerkt habe.

Die OP war nicht so schlimm wie ich erwartet hatte. Natürlich ist es ein großer und komplizierter Eingriff, aber ich habe mich bei Dr. K. in sicheren Händen gefühlt. Er benötigt auch keine Blutkonserven. Man ist nach der OP, die in meinem Fall 4 Stunden gedauert hat (sonst ca. 3) natürlich kaputt und einige Zeit wenig belastbar, aber Schmerzen hatte ich nicht.

Leider habe ich allerdings seit nun über 9 Monaten ein versteiftes, taubes Kinn (Narbengewebe) und eine taube Unterlippe mit recht unangenehmen Parästhesien (Gefühlsstörungen) in diesem Bereich. Berührungen sind ziemlich unangenehm. Wenn dies alles so bliebe, wäre der Preis eindeutig zu hoch. Aber ich bin möglicherweise auch in dieser Hinsicht kein Normalfall, jedenfalls habe ich von anderen kaum gehört, dass sie solche Probleme hätten. Ich habe auch die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass alles wieder normal wird. Mein Zahnarzt berichtete von einem anderen Patienten, bei dem doch noch, nach 3 (!!!) Jahren, die tauben Stellen verschwunden sind. Man muß eben sehr viel Geduld mitbringen.

Ich wünsche Dir viel Glück bei Deiner Entscheidung.........ich weiß, wie schwer das ist.

Alles Gute, Serenissima

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