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Bimaximus

Mein Perspektivwechsel am 09.08.2012

Hallo zusammen,

ich bin erst nach überstandener Bimax-OP auf dieses Forum gestoßen und finde es wirklich gut und gelungen. Aber nun zu mir. Ich bin 34 Jahre alt und seit 2008 in kombinierter kieferorthopädischer/-chirurgische Behandlung in der Universitätsmedizin Mainz. GNE war bereits im Oktober 2009 mit einer Weitung des OK um 8 mm, welche komplikations- und problemlos verlief. Nun steht nach Ausformung der Zahnbögen in OK und UK eine Umstellungsosteotomie an. OK 2 mm nach vorne, 3 mm nach oben und leicht geschwenkt. UK 9 mm nach vorne und gegen den OK gestellt. Warum ich hier von meinem Pespektivwechsel sprechen will hat einen ganz bestimmten Grund. Seit 2003 arbeite ich als Krankenpfleger eben auf jener MKG-Station, auf der ich operiert wurde. Das in 9 Jahren gesammelte Wissen und die Erfahrung mit der pflegerischen Versorgung von Patienten nach Umstellungsosteotomien hat für den Fall, dass man selbst eine solche OP vor sich hat, nicht nur Vorteile. Ich wusste also schon im Vorfeld so ziemlich genau, was wirklich mit mir passiert und was auf mich zu kommen wird. Von Vorteil allerdings war für mich, dass ich die Operateure sowie die mich betreuenden Kollegen aus der Pflege seit langen Jahren persönlich kannte. Ebenso gab es mir ein sicheres Gefühl aus eigener Erfahrung zu wissen, dass bei der OP, die fast wöchentlich bei uns durchgeführt wird, in den neun Jahren, die ich miterlebte, bisher noch nie ernsthafte Komplikationen aufgetreten sind.

So nun zu meinem Erfahrungsbericht:

08.08.2012: stationäre Aufnahme:

Nachdem ich noch gestern einen Früdienst auf dieser Station gearbeitet habe, ist es heute soweit. Einen festen Termin zur Aufnahme habe ich nicht, da ich im Vorfeld schon alle Formalitäten selbst erledigt hatte. Ein Gespräch mit dem Oberarzt der Anästhesie war auch schon ca. 2 Wochen vorher mal eben schnell in der Pause der Arbeit gelaufen. Ich begebe mich also noch ziemlich entspannt gegen 12 Uhr zur Anmeldung in der Zahnklinik, lasse meine Versichrtenkarte einlesen und unterschreibe den Aufnahmevertrag. Dann begebe ich mich auf die Station zu meinen Kollegen und beziehe mein Zimmer. Kurze Zeit später lasse ich mir noch vom Dienstarzt Blut abnehmen und verlasse die Klinik noch einmal zum Mitagessen. Ich kenne das Essen der Klinik seit nunmehr neun Jahren und habe mich daher bewusst dazu entschieden, es dankend abzulehnen. Um 16 Uhr muss ich wieder zurück auf Station sein, da dann alle Patienten, die am nächsten Tag operiert werden, dem leitenden Oberarzt, bzw. dem Chefarzt vorgestellt werden. Das Gespräch inklusive OP-Einwilligung dauerte ca. 2 Minuten. Im Anschluss gehe ich mit meiner Freundin noch einmal ausserhalb essen, da ich die nächsten Wochen darauf verzichten darf. 21 Uhr zurück auf Station und nach Verabschiedung meiner Freundin alleine im Zimmer. Langsam macht sich etwas Nervosität breit. Aus diesem Grund lasse ich mir von den Nachtdienstkollegen eine Schlaftablette geben, welche ich gegen 23 Uhr einnehme und recht schnell einschlafe.

09.08.2012 OP-Tag:

Habe die Nacht sehr gut geschlafen und werde vom Wecker um 6 Uhr geweckt. Da ich an erster Stelle des OP-Programms im OP-Saal 2 stehe, weiß ich, dass ich um 7:30 Uhr in den OP eingeschleust werde. Also noch schnell duschen, Mundhygiene betreiben und die OP-Wäsche (Hemdchen, AT-Strümpfe und Netzunterhose) anziehen und die Beruhigungstablette einnehmen, die auch recht schnell ihre angedachte Wirkung entfalltet. Von den Kolleginnen des Frühdienstes werde ich pünktlich um 7:30 in den OP gefahren, wo bereits das Anästesieteam auf mich wartet. Nach einem kurzen Plausch mit den mir bekannten Leuten des Teams, das übliche Verfahren: Umsteigen auf den OP-Tisch, venösen Zugang legen, Propofol verbreichen und dann sofort Tiefschlaf.

Das erste mal wach werde ich im Aufwachraum laut Anästesieprotokoll um 14:20 Uhr. An Schmerzen kann ich mich nicht erinnern allerdings muss ich dringend Wasserlassen, was sich allerdings dort schon als schwierig herausstellte, letztenendes jedoch mehr schlecht als recht in eine Urinflasche funktionierte. Daraufhin schlafe ich wieder ein. Als ich das nächste Mal wach werde, bekomme ich deutlich mehr von meiner Umgebung mit. Ich liege immer noch im Aufwachraum. Mittlerweile sitzt meine Freundin neben meinem Bett. Diese durfte sich in den Aufwachraum einschleusen, um bei mir zu sein. Vor der Verlegung zurück auf Station bekomme ich noch einen Bolus Scherzmittel (Piracetam) verabreicht und werde mit stabilen Vitalwerten zurück auf Station verlegt. Dort von den Kollegen in Empfang genommen und bestens versorgt. Ich bin den ganzen Tag über sehr müde und schlafe immer wieder ein. Schmerzen habe ich keine, was daran liegt, dass ich, wie üblich, präventiv Novalgin als Kurzinfusion 3 x tgl. am OP-Tag verabreicht bekomme. Die einzigen Schmerzen sind Halsschmerzen, die von der Intubation kommen und durch das Reiben der Magensonde im Hals deutlich berstärkt werden und sich auch nicht auf Schmerzmittelgabe verbessern. Aber dies ist mir von den Schilderungen der Patienten bekannt und kann von mir nun verifiziert und nachvollzogen werden. Übelkeit habe ich keine, da über die großlumige liegende Magensonde das geschluckte Blut regelmäßig abgesaugt wird, was wirklich sehr gut tut. Das einzige negative ist, dass ich einen Harnverhalt entwickelte und mir einer meiner Kollegen einen Blasenkatheter legen musste. Eine ohnehin unangenehme Situation, die dadurch nicht besser wird, dass es auf der eigenen Arbeitsstelle passiert. Meine Freundin, die sich sehr liebevoll um mich gekümmert hat, macht sich gegen 21 Uhr auf den Heimweg. Ich schlafe recht schnell wieder ein, werde aber in der Nacht recht häufig von den Kolleginnen geweckt, zur Erneuerung der Kühlkrawatte und zum Absaugen des Blutes über die Magensonde. Gegen 4 Uhr lasse ich mir von der Nachtdienstkollegin alle notwendigen Utensilien geben, die ich benötige, mir den Blasenkatheter wieder zu entfernen. Um 5 Uhr ist es soweit, ich fühle mich ausreichend wach, das Bett nun zu verlassen. Ich ziehe mir den Blasenkatheter fachmännisch, befreie mich von Blutdruckanschette und Ablaufbeutel der Magensonde, setze mich an die Bettkante, sortiere meine Drainagen und stehe auf. Mir ist weder übel noch schwindlig daher wage ich den Gang auf den Flur. Die beiden Drainagen am UK und den gezogenen Blasenkatheter hygienisch sauber verpackt im Gepäck begebe ich mich zuerst in den Pflegearbeitsraum, wo ich den Blasenkatheter entsorge, dann schaue ich kurz bei den Nachtdienstkollg(inn)en vorbei um Bescheid zu geben, dass ich aufgestanden bin und der Blasenkatheter entfernt ist, dann hole ich mir eine neue Kühlkrawatte und begebe mich zurück in mein Bett. Der Ausflug war anstrengend jedoch vollkommen problemlos. Leichtes Nasenbluten kenne ich als normal und macht mir daher keinerlei sorgen.

10.08.2012 - 13.08.2012: Die nächsten Tage:

Die nächsten Tage gestalteten sich sehr abwechslungsreich. Am morgen des ersten post-OP Tages werrden mir die beiden Redondrainagen im UK entfernt, welches wesentlich weniger unangenehm ist als aus den Schilderungen der meisten Patienten erwartet. Anschließend gehe ich zum Röntgen, wo eine CT-Aufnahme meines Schädels gemacht wird. Mir geht es erstaunlich gut. Naja ich habe ja auch am Tag zuvor ausgiebig geschlafen. Vom Röntgen zurück hänge ich mir zum ersten Mal einen Beutel Sondenkost an, da ich langsam doch ein leichtes Hungergefühl verspühre. Viel nehme ich allerdings nicht zu mir, da sich das Hungegefühl schnell erledigt. Von Übelkeit jedoch auch hier keine Spur. Meine Freundin kommt an diesem Tag recht früh zu Besuch. Wir gehen sehr viel über Station und spielen Gesellschaftsspiele im Patientenaufenthaltsraum. Bei meinen Spaziergängen über Station treffe ich auch immer wieder auf Patienten, die ich vorgestern noch selbst betreut habe. Ist schon ein seltsames Gefühl. Eigentlich geht es mir am ersten Tag ganz gut. Schmerzmittel nehme ich regelmäßig selbst wie angeordnet über die Magensonde ein, so dass Schmerzen erst gar nicht auftreten. Das einzige, dass mich nervt ist die Tatsache, dass ich die Lippen nicht schließen kann und mir daher immerwieder Speichel aus dem Mund läuft. Mit Kompressen und Tüchern fange ich den Speichel auf. Bei Bedarf sauge ich in mir im Zimmer aus dem Mund ab, das hilft sehr gut.

An den darauffolgenden Tagen folgte ein Tief am 11.08. an dem ich wegen des immer noch vorhanden unkontrollierten Speichelflusses und ständiger Müdigkeit auch für meine Freundin unausstehlich war, was mir sehr leid tut und wofür ich mich bei ihr entschuldigte. Am 12.08. bekome ich Besuch von meiner Mutter und meiner Tante, die 180 km entfernt wohnen und daher nicht eher kommen konnten. Wir gehen auf dem Kliniksgelände spazieren. Es fällt mir schon etwas schwer rauszugehen, da ich mittlerweile schon sehr angeschwollen bin und immer noch Speichelfluss wegen fehlendem Lippenschluss habe. Am nächsten Morgen das unvorstellbare, von jetzt auf gleich kann ich die Lippen schließen und der Speichelfluss hört auf. Von da an geht es steil bergauf. Ich darf mir die Magensonde entfernen und flüssige Kost essen. Wenn das ohne Probleme funktioniert, darf ich morgen früh nach Hause. Alles Klappt und am nächsten Tag werde ich entlassen.

Die Zeit danach:

Nun ist alles seit 4,5 Wochen vorbei. Mir geht es recht gut. Die ersten zwei Wochen war ich allerdings schon recht schlapp und immer sehr schnell müde. Ich habe mich mit Suppen und Milchprodukten ernährt, die ich problemlos trinken konnte. Habe ca. 8 kg an Masse eingebüßt, was auf Grund meiner Reserven zu verschmerzen ist. Letzte Woche wurde der Splint von der KFO ausgegliedert. Da die Seitenzähne noch nicht ausreichend Kontakt haben, muss ich den Splint allerdings noch weiter tragen und Gummis auf beiden Seiten einhängen. Allerdings darf ich zum Zähneputzen und Essen den Splint ausziehen, was ein rießiger Fortschritt ist. Nun kann ich uendlich weiche Sachen essen und muss nicht mehr alles so verflüssigen, dass ich es trinken muss. Nächste Woche gehe ich wieder arbeiten und kann meine gewonnenen Erfahrungen sicherlich gewinnbringend für andere Patienten einbringen.

Soviel zu meinem Perspektivwechsel. Allen, die die OP noch vor sich haben wünsche ich alles Gute. Wenn ihr Fragen habt, könnt ihr die gerne stellen. Ich denke, dass die Doppelrolle Pfleger in der MKG und Patient ebenda sehr fruchtbar ist.

Beste Grüße

Bimaximus

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Hast du dir auch mal überlegt dich in einem anderen Krankenhaus als dem eigenen behandeln zu lassen? Ich würde mich glaub ich nicht im eigenen KH behandeln lassen, da wäre ich lieber der mehr oder weniger anonyme Patient in einem anderen Krankenhaus. Das jeder Kollege dann in meine Krankenakte schauen kann und evtl. auch unangenehme Details nachlesen könnte, das bräuchte ich nicht ;)

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Hallo smurf,

diese Überlegung habe ich mir zwar gemacht, aber sie sehr schnell verworfen. Ich habe ein großes Vertrauen in die Ärzte, die ich seit Jahren persönlich kenne. Das ist glaube ich das allerwichtigste bei einer jeden Behandlung. In meiner Krankenakte kann jeder drin rumlesen, da stehen keine unangenehmen Details drin. Das unangenehmste war, dass mich mein Kollege katheterisieren musste. Das wäre mir aber auch bei jedem, mir unbekannten Krankenpfleger oder -schwester, nicht weniger unangenehm gewesen.

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Hallo Bimaximus!

Ich hätte mir auch manchmal gern selbst Infusionen angehängt, dann hätte ich nicht jedes Mal betteln müssen ;-)

Ach ja, den Blasenkatheter hätte ich mir auch lieber selbst gezogen ;)

Aufschlussreicher Bericht, ist sicher nicht schlecht, wenn die Schwestern und Pfleger auch mal in die Patienten-Situation kommen, hätte "meinen" auch nicht geschadet...

Gute Besserung weiterhin :)

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Hallo Bimaximus!

Ich gratuliere dir zur überstandenen OP!! Ich wünsche dir noch gute Besserung!

Wie steht es mit deiner Schwellung?

Liebe Grüsse, Findus

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Hallo Bimaximus,

sehr schöner OP-Erfahrungsbericht und ich glaube, die jetzt selber gemachten Erfahrungen werden Dir sicher helfen, wenn Du wieder beim Arbeiten bist und nachvollziehen kannst, wenn Patienten etwas sagen (es hat schon einen Grund, warum mir das Geschlecht meiner Ärzte normalerweise egal ist, ich aber eine Frauenärztin habe, damit die anatomischen Voraussetzungen gegeben sind, nachvollziehen zu können, was einem fehlen könnten). Wichtig fand ich mehrfach bei Dir Bemerkungen, was normal ist, z.B. das Nasenbluten.

Interessant fand ich vor allem auch Deine Ausführungen zu den Halsschmerzen durch die Magensonde. Das waren für mich auch die schlimmsten Schmerzen nach der Bimax, da die eigentlichen Bimaxschmerzen mit Diclofenac gut unter Kontrolle waren, die Hüftschmerzen aufgrund der Knochenentnahme zwar lästig waren, aber nur unter Belastung auftraten, aber die Halsschmerzen waren wirklich sehr unangenehm und haben auf Schmerzmittel auch nicht wirklich reagiert, wobei ich aber auch den Eindruck hatte, dass man wegen Halsschmerzen nicht wirklich ein Opiat geben wollte. Ich war wirklich froh, als die Magensonde nach 3,5 Tagen gezogen wurde und konnte zum Schluss wirklich verstehen, warum sich verwirrte Patienten so ein Ding selber ziehen, aber für die Ernährung war es bei mir gut, dass sie lag, da ich keine Reserven zum Abnehmen habe.

Weiterhin gutes Abschwellen und gute Heilung und alles Gute für Deinen Arbeitsbeginn mit Deinen neuen Erfahrungen von der anderen Seite.

Irene

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Hallo Bimaximus,

wie geht es dir mitterweile?

Du hast mich 1 Tag vor deiner eigenen OP mit deiner Kollegin noch in den OP gefahren! :)

Dabei hat sie hat dich noch damit geärgert, dass du selbst einen Tag später soweit bist.

Ich hatte am 07.08. eine UKVV. Lag glaube auf Zimmer 424 - 3er Zimmer ganz hinten links! :)

Ist ja wirklich witzig, dass ich hier zufällig auf dich treffe!

Seit Montag dieser Woche bin ich meinen Splint los. Welche eine Erleichterung und wie schön wieder einigermaßen normales Essen zu sich nehmen zu können. :)

Allerdings habe ich rechtsseitig ziemlich heftige Kiefergelenkschmerzen, welche selbst mit Schmerzmitteln nicht ganz verschwinden und mich mittlerweile ganz schön nerven. Dazu kommt dann ein ständiger Spannnungskopfschmerz! :( Hoffe, dass das in den Griff zu bekommen ist und sich keine Entzündung im Gelenk entwickelt hat. Nächsten Montag komme ich zur Abklärung nochmal zur ambulanten Sprechstunde vorbei. Muss auch noch was bei euch auf Station vorbeibringen. Eventuell hast du ja gegen Mittag Dienst, dann sehen wir uns vielleicht. Was auch wirklich gut tut ist die Physio! Bekommst du auch schon Physiotherapie?

Wünsche dir noch ganz gute Besserung und alles Gute für deinen weiteren Verlauf

Ganz liebe Grüße

fitzelinchen

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