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gerrit

Erfahrungsbericht 3 Jahre Zahnspange mit OP wegen Progenie, offener Biss

Die gesammelten Erfahrungen aus drei Jahren Behandlung bei KFO, Kieferchirurg und Zahnarzt. Begonnen habe ich die Behandlung aus gesundheitlichen Gründen, wie man auch hier noch nachlesen kann:

Ausgangslage:

Leichte Progenie d.h. Unterkiefer zu weit vorne liegend. Von Außen wenig

aufgefallen. Stark offener Biß. Zahnkontakt bestand fast nur zwischen den

hintersten Backenzähnen. Überentwickelter Unterkiefer, wo auch Lücken zwischen

den Frontzähnen bestanden.

Unterentwickelter Oberkiefer: Weil hier zu wenig Platz war fehlt mir ein

Paar Schneidezähne. Der eine fehlt komplett, an der Stelle des anderen

ist ein sehr kleiner Stiftzahn, der nie ausgefallen ist, da ein zweiter nicht

nachwachsen konnte. Der Oberkiefer war auch schmäler als der Unterkiefer.

Als Jugendlicher trug ich für zwei, drei Jahre bereits Spangen, um dem damals

schon ersichtlichen Problem vorzubeugen. Die herausnehmbaren Spangen hatte ich

damals allerdings nie gerne tragen wollen. Eine feste Spange hatte ich nur für

ein Jahr im Unterkiefer. Der Arzt beendete die Behandlung für meine (heutigen)

Begriffe zu früh. Viele Kieferorthopäden wollten meinen Fall ohnehin nicht

behandeln, da sie der Meinung waren, dass es sich erst im Erwachsenenalter

operativ behandeln lässt.

Gründe für Behandlung:

In erster Linie aufgrund von Problemen wie Ohrengeräusche und mit Symptomen

die wohl von der Wirbelsäule herrühren (Brennen, Stechen, Jucken in Händen,

Armen, Schultern, Brust; anlassloses Herzrasen).

Ebenfalls vorhanden waren beginnendes Knacken der Kiefergelenke, Kopfschmerzen

im Kiefergelenkbereich, überdurchschnittliche Abnutzung der Backenzähne (plus

starker Kariesbefall trotz angemessener Zahnhygiene).

Behandlungsverlauf vor der Operation:

Von Herbst 2009 bis Frühling 2011 war ich in kieferorthopädischer

Behandlung bei einem der vermeintlich großartigsten Kieferorthopäden in

ganz Deutschland. Technisch/fachlich mochte dies auch durchaus

zutreffen. Zahnarzt und Kieferchirurg haben sich immer begeistert von

den Behandlungsergebnissen gezeigt. Menschlich und sozial ist der Arzt

jedoch leider salopp gesagt eine Niete gewesen. Den Patienten über die

langwierige, unangenehme und zeitweise aussichtslos erscheinende

Behandlung hinweg zu motivieren und positive Impulse zu geben ist leider

noch nicht einmal versucht worden.

Selbst legte die Koryphäe auch so gut wie nie Hand an. Außer dem Spiegel

hat der Arzt so gut wie nie etwas in die Hand genommen. Der Einbau der

Apparaturen und Spangen wurde von einem wechselnden zweiten Assistenzarzt. Der

Chef hat lediglich immer die Endabnahme gemacht und Anordnungen gegeben. Die

meisten Arbeiten führen aber nur die Helferinnen durch. Von denen gibt es

leider gute und weniger gute. Viele befanden sich auch noch in der Ausbildung

... wo die erfahreneren Assistenten durch Geschick die Probleme gelöst haben,

sind die jüngeren gerne Mal durch Einsatz von der Gewalt die Sachen

angegangen, was leider sehr schmerzhaft werden kann.

Der Kieferorthopäde kam mir manchmal schon etwas schizopren vor. Selbst

nach zwei Jahren Behandlungszeit hatte ich oft das Gefühl als würde er

mich zum ersten Mal sehen wenn ich hinkomme. Er baut keinerlei Beziehung

zu seinen Patienten auf.

Gaumennahterweiterung:

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Der Beginn der Behandlung war der Einsatz einer

Gaumennaht-Erweiterungs-Apparatur. Dabei handelt es sich im wesentlichen um

ein Metallteil, dass im Oberkiefer an vier Backenzähnen verankert wird, und im

Gaumen hängt. Der Zweck des Geräts ist es, den Oberkiefer zu verbreitern. Dies

ist möglich, da der Oberkiefer im Gegensatz zum Unterkiefer in der Regel nicht

stark verknöchert ist, sondern eine eher weiche, knochenartige Struktur ist,

die sich durch Krafteinwirkung verformen lässt. Für mich als Patienten war es

zehn Tage lang die Aufgabe eine an der Apparatur befindliche Schraube zu

aktivieren. Dadurch wurde die Dehnungskraft auf den Oberkiefer jeden Tag ein

wenig erhöht.

Mit anderen Worten: Man muss selbst an sich Hand anlegen, um den Kiefer zu

verbreitern. Ich fand es ziemlich makaber. Es war jedoch schmerzlos. Hat sich

höchstens etwas seltsam angefühlt für eine kurze Zeit nach der Aktivierung der

Schraube. Viel unangenehmer war die Apparatur im Mund zu haben. Das Sprechen

fiel die ersten Wochen schwer. Danach gewöhnte man sich jedoch daran und

konnte wieder normal reden. Das Essen war jedoch eine Katastrophe, da durch

die Apparatur quasi eine Tasche im Gaumen entsteht in der sich immer Essen

ansammelt. Die Hygiene war dadurch natürlich auch beeinträchtigt. Rückblickend

hätte ich mir sofort eine Munddusche anschaffen sollen, um die Reinigung zu

verbessern. Ich habe dies jedoch erst später für die feste Spange angeschafft

(da ich auch erst da den Vorschlag bzw. Hinweis vom KFO bekommen habe).

Nach den ersten zwei Wochen ist die Verbreiterung des Oberkiefers

abgeschlossen gewesen. Die Apparatur kann zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht

sofort wieder entfernt werden, sondern die Strukturen im Oberkiefer müssen

sich erst an die neue Lage gewöhnen und wieder gut verwachsen. Deshalb

passiert für drei bis sechs Monate erstmal nicht mehr viel, sondern man muss

nur mit der Apparatur im Mund aushalten. Da nicht die gesamte Kraft der

Apparatur auf den Oberkiefer wirkt, sondern auch auf die Zähne an denen sie

befestigt ist haben sich die Zähne verschoben, so dass sie leicht schief

wurden. Dies fand ich nicht lustig, da ich niemals schiefe Zähne hatte. Es ist

jedoch wohl unvermeidlich und der Kieferorthopäde "richtet" diese Zähne dann

später wieder mit der Zahnspange.

Feste Zahnspange:

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Nach der Wartezeit von drei, vier Monaten in denen lediglich Kontrollen

durchgeführt wurden kam die Apparatur endlich wieder aus dem Kiefer. Im selben

Zug wurde die feste Spange eingesetzt. Dies war eine Tortur von einem ganzen

Vormittag. Um jeden Backenzahn kommt ein sog. Band (für meine Begriffe:

Metallring) und auf jeden Schneide-/Eckzahn kommt ein Bracket (für meine

Begriffe: Metallplättchen). Diese ganzen Metallteile wurden im Ober- und

Unterkiefer jeweils mit einem sehr feinen Draht verbunden. Überall waren noch

Haken und Ösen an den Zähnen mit angebracht, deren Nutzen man nur mit

Schrecken erahnen konnte. Die Befestigung der Metallteile an den Zähnen findet

mittels speziellem Zement statt, der leider ganz schrecklich schmeckt wenn er

gerade frisch eingesetzt wird.

Als Ersatz für die Gaumennaht-Erweiterungs-Apparatur wurde nun ein sogenannter

Gaumenbogen eingesetzt. Hierbei handelt es sich nur noch um einen

verhältnismäßig grazilen Draht, der zwischen zwei Backenzähnen im Oberkiefer

befestigt ist. Er dient weiterhin zur Stabilisierung des Oberkiefers. Soweit

ich es verstanden habe spielt er vornehmlich auch eine Rolle als

Frühwarnsystem: Sollte der Oberkiefer wieder schmäler werden tritt nämlich ein

Druck auf den Gaumenbogen auf, den der Patient wahrnimmt. In diesem Fall

sollte man sofort den Kieferorthopäden aufsuchen, damit Gegenmaßnahmen

eingeleitet werden können. Außerdem können mittels des Gaumenbogens noch

kleine Justierungen der Breite des Oberkiefers durchgeführt werden, falls dies

im Verlauf der Behandlung nötig werden sollte.

Die ersten Tage mit den neuen Einbauten waren erwartungsgemäß schlecht. Alle

Zähne tun weh. Besonders unangenehm für mich waren immer die Aufschürfungen

der Schleimhaut durch die Fremdkörper im Mund. Ein Favorit ist auch immer das

Ende des Spangendrahtes im Ober- und Unterkiefer. Dieses ist naturgemäß spitz

und scharf und schneidet dann gerne beim Essen ins eigene Fleisch. Die

Assistenten sind gerade bei diesem Thema sehr unterschiedlicher Qualität

gewesen. Manche hatten den Kniff einfach raus und wussten, wie sie die

Bogenenden sauber abschließen. Bei anderen war mir fast schon im Voraus klar,

dass ich ein, zwei Tage später wiederkommen musste, um Korrekturarbeiten

durchführen zu lassen.

Von diesem Punkt an passierte erstmal für ein Jahr lang fast immer dasselbe:

Einmal im Monat taucht man auf. Es werden entweder neue, stärkere Dräte in die

Spange eingesetzt. Oder die vorhandenen Drähte werden "aktiviert" d.h. im

wesentlichen sie werden stärker gespannt und verkürzt, wodurch mehr Kraft auf

die Zähne angewendet wird. Jedes Mal nach diesen Terminen standen für zwei,

drei Tage Schmerzen auf dem Programm. Vor allem das Essen war dann immer eine

Qual. Das Ziel der festen Zahnspange war es bei mir in erster Linie die

Zahnstellung optimal auszuarbeiten, damit für die Operation alles schon

weitgehend am richtigen Platz ist.

In meinem Unterkiefer mussten zu diesem Zweck die vorhandenen Zahnlücken

geschlossen werden. Diese Lücken waren mir nie negativ aufgefallen und ich

hatte auch keine Probleme damit. Die Spange hat sie jedoch Zug um Zug

eliminiert. So das es mir zuweilen ganz eigenartig vorkam "so eine lückenlose

Mauer" im Unterkiefer zu haben. Gerade deshalb habe ich leider gerade an den

betroffenen Frontzähnen im Unterkiefer eine sehr hohe Empfindlichkeit gehabt.

Wenn der Spangendraht herausgenommen wurde war es immer als würde ein enges

Korsett gelöst. Das Wiedereinbauen eines neuen Drahts war dann immer

schmerzhaft, da jeder Druck auf einen der Frontzähne schrecklich weh getan

hat.

Im Oberkiefer hingegen wurde Platz gemacht. Dort, wo ein Schneidezahn

fehlte wurde allmählich eine Zahnlücke von rund einem Zentimeter

geöffnet. Dort, wo noch der Stiftzahn sich befand wurde auch etwas Platz

drumherum geschaffen, um ihn später verbreitern zu können.

Zahnimplantat:

--------------

Nachdem im Oberkiefer soweit die gewünschten Lücken geöffnet wurden musste ich

bei meinem Zahnarzt vorstellig werden. Dieser sollte nun den fehlenden Zahn

durch ein Zahnimplantat ersetzen. In dieser Frage hatte ich keine große Wahl.

Eigentlich hatte ich die Behandlung nicht aus kosmetischen Gründen

durchgeführt, sondern nur aus gesundheitlichen. Der Kieferorthopäde hat sich

im wesentlichen aber geweigert es anders zu machen. Verstanden habe ich das

dann schon auch: Wenn die Anzahl der Zähne oben und unten nicht zusammenpasst

und nicht alles symmetrisch ist fällt es schwer einen Bezug der Kiefer

zueinander herzustellen und auch optisch wäre es dann hinterher vermutlich

noch schlimmer als vorher. Da ich eh schon den ganzen Aufwand auf mich

genommen habe kam es darauf für mich dann auch nicht mehr groß an. Nur gefragt

worden wäre ich gerne. Oder vernünftig informiert. Leider beruhte vieles in

der Behandlung auf dem Überraschungsprinzip.

Das Zahnimplantat ist im wesentlichen ein Metallbolzen, der in den Oberkiefer

geschraubt wird. Diese Operation findet ambulant unter Lokalanästhesie statt.

Es ist nicht gerade angenehm wenn ein Arzt und drei Assistentinnen mehr oder

weniger auf einem herumhüpfen während dieser Operation. Bei mir hat sie statt

einer halben Stunde auch fast eine Stunde gedauert, weil mein Oberkiefer so

schwach entwickelt war und künstliches Auffüllmaterial eingesetzt werden

musste. Schmerzen hat man dabei keine außer Kopfschmerzen, weil einem der Kopf

so lange fixiert wird und man sich nicht rühren kann.

Danach war ich erst einmal eine Woche krankgeschrieben (auch das erfuhr ich

erst nach dem Eingriff!). Es enstand eine ganz ordentliche Schwellung. Für ein

paar Tage sollte ich nur flüssiges essen. Nach der Woche ging es wieder ganz

gut. Es kamen dann noch Fäden heraus und man musste Antibiotika nehmen, um

einer Knocheninfektion vorzubeugen. Diese habe ich leider nicht gut vertragen.

Es handelt sich dabei um "Clinda-Saar" bzw. den Wirkstoff dieses

Anti-Biotikums. Dieses Medikament wirkt besonders gut im Knochen aber wird

wohl nicht so gut vertragen wie herkömmliche Anti-Biotika. Leider musste ich

das Medikament dann aussitzen trotz starkem Durchfall und einer

Speißeröhrenreizung, belegter Zunge, Magenschmerzen usw.

Das Implantat habe ich ansonsten gut angenommen und man gewöhnt sich relativ

schnell daran. Ein Zahn wird jedoch nicht sofort eingesetzt. Das Implantat

muss nämlich ein halbes Jahr lang erst einwachsen bevor der künstliche Zahn

daran befestigt wird. Bei mir hat es ein gutes Jahr gedauert, bis die Krone

endlich eingesetzt werden konnte.

Die Operation:

--------------

Schließlich war nach rund einem Jahr mit fester Spange der Stand der Zähne in

Ober- und Unterkiefer so weit, dass man über die Operation nachdenken konnte.

Also wurde ich bei der nächsten Koryphäe für Kieferchirugie & mehr vorstellig.

Dieser Arzt war mir schon mehr sympathisch. Auch wenn man von ihm genausowenig

oder noch weniger zu sehen bekam als vom Kieferorthopäden. Immerhin schien

alles ganz gut organisiert und die Leute hatten wohl wirklich viel Erfahrung.

Die schleusen täglich solche armen Teufel durch, die den Kiefer operiert

bekommen.

Es stand die große Frage im Raum, ob der Oberkiefer auch operiert werden

müsste. Darüber hatte ich mich schon vorab informiert. Von der Ärzten hatte

sich bis dahin keiner geäußert, was nötig werden würde. Es wäre besser gewesen

ich wäre gleich zu Beginn der Behandlung auch zum Kieferchirurgen gegangen, um

mich über dessen Gedanken im Vorfeld aufzuschlauen.

Ich war nun ein Grenzfall. Zunächst hieß es, es sei besser den Oberkiefer

auch zu operieren. Das lag mir sehr im Magen. Denn während beim Unterkiefer

praktisch nur eine übersichtliche Durchtrennung des Knochens links und rechts

stattfindet, der Kiefer verschoben und wieder verschraubt wird geht es beim

Oberkiefer darum praktisch auf der ganzen Breite des Schädels den Oberkiefer

vom Schädel zu trennen und mit speziellen Metallplatten wieder zu verbinden.

Dabei kann einem schon mulmig werden.

In einer zweiten Sitzung meinte der Arzt dann jedoch schon, dass er sich nicht

ganz sicher sei, ob er den Oberkiefer operieren sollte, weil sonst meine Nase

">noch< größer würde". Das war zwar nicht gerade schmeichelhaft aber mir doch

sehr Recht angesichts dieser schweren Oberkieferoperation. Der Lehrweg wäre es

zwar nicht, weil sonst bei mir die Gefahr bestünde, dass der Biss sich nach

der Operation wieder öffnet. Sie hätten da jedoch genug Erfahrung damit, weil

sie öfter solche Grenzfälle nur am Unterkiefer operieren und das Endergebnis

dann doch stimmt wenn man gut aufpasst. Letztlich blieb es dann tatsächlich

beim Unterkiefer.

In den Wochen vor der Operation muss man viele Kieferabdrücke, Bissabdrücke,

Röntgendbilder und Fotos über sich ergehen lassen. Aufgrund der durch die

Zahnspange empfindlichen Zähne ist das eine ganz schöne Tortur. Die Arbeit

meines Kieferorthopäden wurde besonders gelobt, da die Kiefer perfekt

aufeinanderpassen würden im Modell. Von daher war also wohl alles gut

eingerichtet.

Der Kieferorthopäde stellt für die OP einen sogenannten Splint her. Das ist

einfach nur eine Schiene aus Kunststoff, die so angefertigt ist, dass Ober-

und Unterkiefer in der optimalen Endposition nach der Operation

aufeinanderbeißen. Diese Schiene wird nach der Operation eingesetzt, um die

Kiefermuskulatur auf den neuen Biß zu trainieren und in die Kiefer während den

ersten Wochen in der richtigen Stellung zu halten. Der Kieferchirurg fertigt

ebenfalls einen ähnlichen Splint an, der diesem während der Operation zur

Orientierung dient in welcher Stellung die Kiefer gehalten werden müssen.

Meine letzten Fragen zur Operation konnte ich leider irgendwie nicht mehr

recht stellen. Weil auf die letzten Tage alles plötzlich sehr hektisch wurde

und diese ruhigen fünf Minuten für ein Gespräch sich einfach nicht mehr

ergeben hatten. Das fand ich schon etwas unangenehm. Im Krankenhaus war aber

alles aufs beste eingerichtet, die Schwestern sehr freundlich. Am Aufnahmetag

ist noch nicht viel passiert. Ein Gespräch mit dem Anästhesisten. Nochmal

Blutabnehmen. Eine spezielle Spüllösung sollte ich verwenden schon am Abend

und am nächsten Morgen. In aller Frühe musste ich schon aufstehen und mich

für die Operation vorbereiten.

Die letzte Woche vor der OP war schon sehr mulmig. Man sieht da einfach dieses

Hindernis im mentalen Kalender, um das man nicht herumkommt und auf das man

selbst auch nicht recht Einfluß nehmen kann. Die letzte Nacht zu Hause war

schon sehr nervös und die erste Nacht im Krankenhaus ohne Beruhigungstablette

kaum zu durchstehen. Um fünf Uhr morgens wurde ich von den Schwester geweckt

und von da an hatte ich schon kaum mehr Zeit zur Besinnung. Nochmal gut Zähne

putzen, alle Klamotten weg und in den OP-Kittel. Eine Tablette musste ich

nochmals nehmen. Ich denke es war schon wieder ein besonderes

Beruhigungsmittel denn kurz später war ich schon sehr ruhig und benebelt. Ich

erinnere mich nur noch an eine kurze Fahrt im Bett und an ein verschwommenes

Anästhesistengesicht, sowie ein paar Sprüche.

Das nächste war der Aufwachraum. Da waren wieder ein paar verschwommene

Gesichter. Ein, zwei Fragen. Wieder weg. Richtige Erinnerung habe ich erst

wieder zurück in meinem Zimmer. Bei der Unterkiefer-Operation kommt man

schnell wieder zurück. Ein Bettnachbar, dem der Oberkiefer operiert wurde kam

einen Tag gar nicht wieder zurück, weil er auf der Intensivstation bleiben

musste zur Sicherheit. Das ist beim Oberkiefer Routine.

Am Abend nach der Operation durfte ich schon wieder einigermaßen eigenständig

mich bewegen. Schmerzen waren da keine großen. Aber man hatte doch einen

ziemlichen Knoten im Gesicht. Die Schwellung war übersichtlich und wurde auch

nicht viel schlimmer in den ersten Tagen. Auf der einen Seite war sie etwas

stärker als auf der anderen. In der Unterlippe und im Kinn fehlte das Gefühl.

Es prickelte auch vom ersten Tag an bereits ziemlich stark, was ein gutes

Zeichen sein soll. Genauso wie die Schwellung auf einer Seite schlimmer war,

war auch die Taubheit auf dieser Seite schlimmer als auf der anderen. Auf der

schlimmeren Seite habe ich bis heute nur ein eingeschränktes Gefühl. An jeder

Backe hatte ich noch eine kleine Naht, wo ein kleiner Schnitt gemacht wurde

für die Operation. Davon war aber kaum etwas zu sehen und nachdem die Fäden

gezogen werden bleibt gar nichts zurück.

Am Operationstag gibts noch nichts zu Essen. Da wurde ich noch per Nährlösung

ernährt. Ein Anti-Biotikum gabs auch über den Venen-Zugang. Am nächsten Tag

kam das erste Frühstück. Man hat nach der Operation den Splint im Mund und der

ist mit vier Gummis fest im Kiefer vertäut. Nun kam also das Frühstück. Eine

Menge Strohhalme und Löffel stehen zur Verfügung. Es gibt sehr dünnen

Grießbrei, Hühnersuppe, Alete-Gläschen usw. Mit dem Strohalm habe ich es

schnell aufgegeben. Der Nachbar hat sich wohl mit ihm angefreundet aber ich

fand es sehr anstrengend alles mit dem Strohhalm zu "inhalieren". Ich habe

mich auf eine Löffeltaktik festgelegt. Den Kiefer ganz leicht geöffnet und den

Löffelinhalt weggeschlürft. Das war viel effizienter.

Jede Mahlzeit war dennoch ein kleiner Kampf und danach fühlte sich das halbe

Gesicht immer wieder taub und verspannt an. Sprechen geht sofort nach der OP

wieder ganz gut wenn man mutig genug ist. Ich wurde auch vom Arzt animiert zu

sprechen. Wenn Besuch da war und ich länger als eine viertel Stunde versucht

habe zu reden fühlte ich mich jedoch nicht mehr wirklich wohl und wollte am

liebsten meine Ruhe.

Akute Schmerzen hatte ich jedoch erstmal weiterhin kaum. Probleme gab es erst

nach zwei, drei Tagen. Da begann sich meine Kiefermuskulatur zu verspannen.

Erst habe ich es gar nicht so richtig realisiert. Aber irgendwie habe ich

krampfhaft die Kiefer zusammengepresst. Egal ob am Tag oder in der Nacht. Ich

konnte auch nicht viel dagegen tun. Das hat Schmerzen verursacht. Nach einer

Weile ging dies auch auf das Kiefergelenk und es entstanden Kopfschmerzen

dadurch. Diese Phase hat ca. eine Woche lang gedauert. Es haben sich

vollkommen entspannte Phasen mit total verspannten Phasen abgewechselt. Ich

konnte auch nie recht ausmachen, wodurch die Phasen ausgelöst wurden. Nach dem

Essen war es aber oft der Fall.

Sehr unangenehm fand ich die Vorgabe nur auf dem Rücken zu schlafen. Dies

dient dazu, dass sich nicht die Schwellung auf einer Seite ansammelt oder man

zu sehr auf die Wunden und den Kiefer drückt. Auch darf man nicht in die

direkte Sonne mit dem Gesicht. Was im Frühling eine ziemliche Schande ist. Am

fünften Tag nach der Operation wurde ich entlassen. Die letzten Tage im

Krankenhaus sind dann auch für sehr geduldige schon sehr langweilig. So viele

Bücher und Zeitungen kann man gar nicht lesen. Und eine nicht unwesentliche

Lückenfüllerbeschäftigung fällt ja weg: Das Essen.

In der Praxis des Kieferchirurgen wurde mir dann endlich gezeigt, wie ich den

Splint aus dem Mund nehmen kann, um ihn sauber zu machen und wie man neue

Gummis einsetzt. Bis dahin hatte ich den Splint seit der Operation nicht

herausnehmen können. Das war schon ein Hygieneerlebnis. Eine Mundspülunglösung

begleitet einen alle diese Tage. Sie ist der Ersatz zum Zähneputzen. Zu Hause

durfte ich dann auch ganz vorsichtig wieder mit einer kleinen Zahnbürste Zähne

putzen. Aber erstmal nur von Außen.

Das erste Mal zu Hause ohne den Splint den Kiefer zu beschauen war höchst

eigenartig. Ich fühlte mich wie beim zweiten Laufenlernen. Ich hatte fast das

Gefühl umzufallen ohne den "Halt" des Splints. Der Biss war jedoch optisch

gesehen nun hervorragend. Alle Zähne haben Zahnkontakt. Ein Zustand den ich

nie zuvor hatte. Nach einer Woche zu Hause etwa gewöhnte ich mich auch schon

etwas an diesen neuen Biss. Es ist nicht mehr ganz so befremdlich den Splint

zu entfernen.

Die Mundöffnung "trainierte" ich bereits von Anfang an ein wenig, vor allem

durch meine Taktik nur mit dem Löffel zu essen. Nach ein, zwei Wochen war ich

schon in der Lange wieder einige Zentimeter weit zu öffnen. So passt zumindest

gut ein Löffel in den Mund selbst mit eingesetztem Splint. Zunächst hieß es

zwar ich sollte den Kiefer nur ganz vorsichtig und ganz wenig öffnen. Aber

wenn der Arzt reinsehen wollte, sollte ich dann ruhig auch wieder weiter

aufmachen. Das ist wohl immer relativ. Und ich denke wenn es nicht weh tut

soll man sich ruhig auch trauen.

Es folgten sechs Wochen etwas trostloser Zeit zu Hause in der Krankschreibung.

Nur Flüssignahrung. Am Anfang habe ich mich erstmal mit Tütensuppen und

anderen Fertiggerichten eingedeckt. Aber schon am zweiten Tag konnte ich es

nicht mehr haben diese geschmacksverstärkten Gesöffe. Ich begann mir alle

möglichen Variationen an Suppen selbst zu kochen. Das kostet zwar mehr und

macht auch mehr Arbeit. Aber man kann sich damit auch ganz gut beschäftigen

und es schmeckt einfach besser und ist wohl auch gesünder. Man glaubt ja gar

nicht, was man nicht alles in Suppenform bringen kann. So schnell wiederholt

sich da das Programm nicht.

Neben den Suppen sind alle Formen von Milchprodukten die zweite große Säule

meiner Ernährung gewesen. Schmelzflocken, Grießbrei, Joghurt, Pudding, Quark,

mit pürierten Früchten versetzt. Von Anfang an bemerkte ich eine Tendenz immer

nur süße Milchspeißen zu essen. Die erschienen irgendwie am angenehmsten, da

schnell verfügbar mit weniger Arbeitsaufwand, hohe Energieversorgung und

immerhin ein angemessenes Geschmackserlebnis. Aber davon habe ich aus

Vernunftsgründen eher wieder Abstand genommen und die süßen Speißen auf einen

Bruchteil reduziert.

Der Splint blieb all diese Zeit über mein unangenehmer Begleiter. Die

Verkrampfungen der Muskulatur haben zwar nachgelassen. Aber richtig anfreunden

konnte ich mich mit dem Ding nicht. Zahnschmerzen waren auch nicht selten und

oft hatte ich das Gefühl irgendwas würde nicht passen mit der Splintstellung.

Am Ende war es aber doch immer nur meine Paranoia. Das beste ist wohl es immer

"laufen zu lassen". Auf Details der Zahn- und Kieferstellung gibt der

Kieferchirurg gar keine Acht, wie mir scheint. So lange nicht im großen Stil

etwas schief und krumm ist, schien es schon okay.

Das Aussehen hat sich bei mir durch die Operation nur marginal verändert. Am

prominentesten ist das nun spitzere Kinn, dass vorher bei mir absolut flach

war. Das merke ich am meisten beim rasieren, welches nach jahrelangem Training

plötzlich nur noch so schwer geht an dieser Stelle.

In den letzten beiden Wochen der "Splintphase" hatte ich zunehmend Durchhänger.

Das ewige pürierte Essen war mir über, das ständige zu Hause herumsitzen -

Sport war immer noch nicht erlaubt - und der Splint war zunehmend im Weg, weil

ich immer beweglicher wurde mit dem Kiefer. Die erhoffte Erlösung nach dem

Ende der sechs Wochen war aber auch zweischneidig. Beim Kieferchirurgen wurde

nochmals geröntgt und alles wurde für gut befunden. Der Knochen ist nach sechs

Wochen wieder soweit, dass man ihn ein wenig von der Leine lassen kann. Gegen

stärkere Stöße ist er jedoch erst nach ca. zehn Wochen wieder gewappnet.

Den Splint wurde ich erst nach dem ersten Kieferorthopädenbesuch wieder los.

Und genau da lag das Problem: Nach sechs Wochen der Schonung und gefühlten

Verkümmerung kommt der Kieferorthopäde bzw. seine Helfershelfer und "hüpfen"

auf mir herum wie eh und je als wäre nichts. An den Zahnspangenbogen wurde

gedreht, neue Haken eingesetzt und alles mal wieder ein wenig umgestülpt.

Hinterher fühlte ich mich als hätte mir jemand sachte aber bestimmt für eine

halbe Stunde mit einem Holzhammer auf den Kopf gehauen. Aber dieses Gefühl

hatte ich dort ja nicht das erste Mal. Nur das nach der Operation der ganze

Bereich naturgemäß noch empfindlicher als sonst ist.

Nun war ich den Splint also los und durfte wieder feste aber keine harten

Sachen essen. Das erste Essen war schon mal was anderes. Aber leider stark

getrübt durch die neuen Schmerzen, die mir der Kieferorthopäde zugefügt hat.

Die wichtigste Maßnahme des Kieferorthopäden waren nun drei Gummis, die ich in

die Spange einhängen musste. Jeweils im Ober- und Unterkiefer über zwei

Backenzähne gespannt und ebenso über die beiden großen Frontzähne oben und

unten. Man hat also sozusagen drei Gummiquadrate Links, Rechts und in der

Mitte.

Wie mir erklärt wurde, wurde absichtlich eine Kiefer- bzw. Zahnstellung nach

der Operation herbeigeführt, bei der mein Biss nicht mehr Vorne offen ist aber

dafür nun seitlich im Bereich der Backenzähne. Vorne ist der Biss sogar etwas

zu stark geschlossen. Gewissermaßen war der offene Biss genau ins andere

Extrem umgekehrt worden.

Die neu gewonnene Kieferfreiheit in den ersten Tagen war weiterhin nicht ganz

so angenehm, wie erhofft. Wieder mehr Essensfreiheit zu haben war zwar schon

sehr befreiend. Aber vermehrtes Sprechen, Essen, ungünstige Bewegungen oder

Kraftanstrengungen führten leicht zu Schmerzen im Kieferbereich. Keine starken

Schmerzen aber unangenehme Schmerzen. Da man nach so einer Operation auch

vermehrt in sich hineinhört ist das besonders blöd. Man will ja nichts falsch

machen und auf die Signale seines Körpers hören.

Nicht nur Essen durfte ich nun besser, sondern auch Sport war wieder erlaubt.

Allerdings sollte ich langsam wieder einsteigen. Joggen war eigentlich kein

Problem. Die Fitness und der Kreislauf waren nach den sechs Wochen zwar nicht

mehr wirklich auf der Höhe. Aber das kommt ja wieder. Krafttraining war schon

eine andere Sache. Bestimme Übungen haben schnell den Kiefer in Form von

Schmerzen oder Mißempfindungen auf den Plan gerufen. Man überschätzt sich

leicht und ich rate zu sehr gemäßigtem Einstieg wenn man anstrengenden Sport

macht. Ich habe also nur mit ca. 50 Prozent der gewöhnlichen Belastung mein

Krafttraining ausgeführt und bestimmte Übungen, die mir schlecht bekamen, ganz

weggelassen.

Nach den ersten zwei Wochen ohne Splint im Mund konnte ich mich nun schon

wieder ganz gut im Alltag bewegen. Das Essen beschränkte ich dennoch auf

wenige große Mahlzeiten am Tag, da ich jedes Mal die Gummis des

Kieferorthopäden austauschen und gut Zähne putzen musste. In die Arbeit nahm

ich vermehrt eigenes Essen mit, da geeignetes, weiches Essen nicht immer so

leicht aufzutreiben ist. Probleme gab es vor allem noch auf einer Seite des

Kiefers: Ein unangenehmes Knacken, ein eigenartiger Widerstand und leichter

Druck im Ohr bei übermäßigem Kauen. Auf derselben Seite tauchen ca. ein bis

zwei Mal am Tag vor allem nach langem reden und/oder essen Schmerzen im

Kiefergelenk auf. Ich gehe davon aus, dass dies noch ablaufende Gewöhnung der

Körpers auf die neue Kieferstellung ist im Bereich der Muskulatur und des

Gelenks.

Abschluss der aktiven, kieferorthopädischen Behandlung:

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Ein viertel Jahr nach der OP stellte sich allmählich wieder Normalität ein.

Der Körper wird wieder so belastbar wie früher, Sport kann man wieder mit

gewohnter Intensität durchführen. Der Kieferchirurg erlässt einem nach einem

viertel Jahr alle Verbote, die noch verblieben sind. Dann gibt es den

nächsten Termin erst ein viertel Jahr später. Es verbleibt nunmehr nur die

kieferorthpädische Abschlussbehandlung.

Diese geht leider nicht so schnell vonstatten, wie man denken könnte. Es

finden keine Erleichterungen statt. Ich musste an monatlich wechselnden

Stellen Gummis spannen, die es auch ganz schön in sie haben konnten. Diese

Gummis muss man drei Mal täglich wechseln. Man bekommt sie in Hunderter-Tüten.

Es fanden dadurch immer noch muskuläre Verspannungen statt, die den Alltag

begleiten. Auch an der Spange selbst wurde immer wieder gedreht. Die

Zahnlücken im Bereich des Implantats und des Milchzahns mussten gleich groß

werden, was größere Kraftaufwendungen bedeutete.

Nach der festen Spange:

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Die Aussicht auf das baldige entfernen der Spange war nicht ungetrübt. Die

Spange wird nicht einfach entfernt und man ist plötzlich frei. Es muss dann

erst einmal der sog. "Positioner" getragen werden. Dies ist eine Art

Einbeißschiene aus gummiartigem Material. Diesen soll man so lange wie möglich

tragen, um die Position der Zähne ohne Spange am richtigen Platz zu halten, da

sonst Gefahr bestünde, dass die Zähne wieder ein Eigenleben entwickeln. Dieser

Positioner begleitete mich ca. vier bis sechs Wochen. Diese Zeit war direkt

noch schlimmer als mit fester Spange. Ich hatte die erste Zeit enorme

Kopfschmerzen, da durch dieses Gummikonstrukt der Kiefer nicht in seine

natürliche, entspannte Stellung kommt, sondern immer leicht geöffnet bleibt.

Mit dem Entfernen der festen Spange gibt es noch einen sog. "Retainer"-Draht,

der im Unterkiefer hinter die Frontzahnreihe geklebt wird, um die hier

besonders empfindlichen Frontzähne in Reihe zu halten. Dieses Konstrukt gehört

zu den weniger störenden. Die Zähne lassen sich dadurch nicht so super

reinigen, vor allem in den Zwischenräumen. Aber es ist wenigstens nicht groß

im Weg oder tut weh. Es ist allerdings ein Wartungsgegenstand. An einer Stelle

löst sich der Draht gerne immer wieder und dann ist ein Besuch beim KFO

angezeigt, um das Ding wieder festzukleben.

Nachdem der Positioner mich endlich verlassen hat begrüßten mich

herausnehmbare Zahnspangen auch genannt "Kieferplatten". Diese dienen

weiterhin dem Zweck die Zähne am Platz zu halten. Im Oberkiefer muss ich diese

Spange so oft wie möglich tragen. Das heißt sie ist mein täglicher Begleiter

zusammen mit einer Aufbewahrungs-Box. Und am besten auch einer Zahnbürste.

Denn nach dem Essen mag ich es überhaupt nicht die Spange in den ungereinigten

Mund zu setzen. Immerhin tut sie nicht mehr groß weh. Sie ist lediglich im Weg

der Zunge. Tatsächlich merke ich wenn ich die Spange länger als zwei Stunden

nicht trage, dass beim einsetzen eine gewisse Spannung im Kiefer herrscht, die

darauf hindeutet, dass die Zähne sich ohne die Spange wieder etwas bewegt

haben.

Im Unterkiefer muss ich eine solche Spange nur Nachts tragen. Das stört nicht

so sehr. Beide Spangen sind noch für mehrere Jahre meine Freunde. Ja genau.

Mehrere Jahre. Die Zähne werden ganz langsam daran gewöhnt in Freiheit zu

leben. Mit der Zeit darf man die Spangen seltener tragen. Mal ein Tag ohne und

dann irgendwann mal zwei usw.

Fürs erste bin ich aber bereits ein Jahr beim Dauertragen dieser Teile. Einige

Zähne die besonders stark bewegt wurden, insbesondere die Eckzähne, sind auch

rund ein Jahr nach der festen Spange immer noch deutlich locker. Man gewöhnt

sich aber selbst daran.

Nachwehen:

----------

Die richtige Freude traf mich vor einiger Zeit über ein Jahr nach der

Operation und ca. ein halbes Jahr nach der Entfernung der festen Zahnspange.

Seit der Operation habe ich vierteljährlich Kontrolltermine beim

Kieferchirurgen, um das Ergebnis der Behandlung sicherzustellen. Ähnlich beim

KFO seit dem Entfernen der Spange.

Mein KFO teilte mir zu dieser Zeit mit, dass sich mein Biss auf der rechten

Kieferseite wieder geöffnet hat. Dies erklärte mir auch, warum ich kurz zuvor

seltsame Beschwerden bekommen habe, wie z. B. eine leicht verspannte,

geschwollene Backe auf dieser Seite sowie vermehrt Kopfschmerzen. Das

Kiefergelenk hätte sich wohl "verändert". Die Lösung des KFO: Wieder Brackets

einsetzen und Gummis spannen, um die Zähne wieder zusammenzuführen. Also

weiter machen mit der Gewalttour.

Der Kieferchirurg hat das Problem auch unabhängig davon später bemerkt und ist

ähnlich ratlos. Man beobachtet also den Ablauf des Unglücks aber mehr auch

nicht. Ich habe mich gegen eine erneute Behandlung entschieden. Wenn die Jahre

der Umbauarbeiten den Körper nicht befriedet haben wird es nun auch nichts

mehr werden ist meine Meinung. Irgendwann muss mal Schluss sein.

Vermutlich rühren meine gesundheitlichen Probleme weniger vom Kiefer als von

der Wirbelsäule. Es ist in jedem Fall eine immense Wechselwirkung die da

vorliegt über die die meisten Ärzte nur bedingt Bescheid wissen und keiner von

ihnen hat ein Rezept zur Harmonisierung.

Hier rächt sich erneut, dass ich meinen KFO nicht sorgfältiger ausgewählt

habe. Er ist wortkarg, nicht informativ, nicht unterstützend - gar nichts. Er

kennt nur den Blick auf die Zähne. Von der anfänglich versprochenen

ganzheitlichen Behandlung ist so letztlich nicht mehr viel übrig geblieben.

Fazit:

------

Eine kombinierte kieferorthopädische/kieferchirugische Behandlung, die

ingesamt fast drei Jahre dauert (aktive Phase), davon rund zwei Jahre ziemlich

schmerzhaft. Die Grundlage fast aller Aktivitäten besteht aus

kontinuierlicher Gewaltanwendung auf Kiefer und Zähne, die ihren Höhepunkt in

der OP findet. Erst nach dem loswerden des Splints nach der OP ist man aus

dem Tal heraus und kann endlich wieder Hoffnung schöpfen normal essen, reden

und aussehen zu können. Danach muss man sich noch einige Jahre mit

Zahnstanderhaltungsmaßnahmen herumschlagen.

Kosten tut das alles auch noch so viel, wie ein Kleinwagen. Während der

Behandlung hätte ich die ein oder andere Person am liebsten umgebracht. Die

Aussicht etwa auf die Oberkiefer-OP hat mich schon in Gedanken versetzt

einfach von der Behandlung abzuspringen. Zum Glück ist es ja dann alles anders

gekommen.

Gerade bei den besseren Ärzten ist diese Behandlung leider ein Massenthema. Man

ist einer von hunderten. Dabei ist aber jeder Fall sehr individuell und jeden

trifft es ein wenig anders.

Kosten:

Zahnarzt 3.000 (1.500 Euro fürs Implantat, 1.500 für zwei Kronen;

Krankenkasse übernimmt nur ca. 800 Kosten für eine Brücke anstatt des

Implantats, wobei jedoch gesunde Zähne in Mitleidenschaft gezogen würden)

Kieferorthopäde: 3.000 (davon werden ca. 1.000 am Ende der Behandlung

von der Krankenkasse zurückerstattet, der Rest sind private Mehrkosten

für sinnvolle Verbesserungen der Behandlung)

Kieferchirurg: 1.000 (für nicht von der Krankenasse übernommene

Leistungen)

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Mein 1. Kfo bei den ich nur eine Schiene bekommen habe, war auch so ein Chefarzt. Habe schon nach einigen Wochen viele Dinge als nicht angemessen empfunden.

1. Ständig fummelte ein anderer Assistenzarzt an meiner Schiene herum.

2. Für den Chef musste man immer mehr bezahlen, schleifte er persönlich an der Schiene- Zuschlag! :465:

3. Der Chef war so ein nervöses Hampel-Männchen.

4.So viele Behandlungs- Stühle auf einmal hatte ich noch nie gesehen.

Also ich bin froh die Behandlung bei ihn nach einer netten Rechnung abgebrochen zu haben.

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Herzlichen Glückwunsch überstandenen Tortur ! ;) Zu deinen Problemen wüsch ich dir gute Besserung, vielleicht reguliert sich das ja noch, wer weiß.

Deine Beschreibung, dass du froh bist, dass nur der Unterkiefer operiert wird finde ich interessant, bei mir ist es genau andersrum. Ich bin froh, dass es wohl nur der OK wird.

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