Bombus

GNE-OP unter örtlicher Betäubung (!) am 9./10.10.2012 bei Herrn & Frau Dr. Goldbecher in Halle

Am 9. und 10. 10. 2012 wurde bei mir von meinem KFo und seiner Frau, einer Oralchirurgin, eine GNE unter örtlicher Betäubung in ihrer Praxis durchgeführt. Um ganz ehrlich zu sein: Es war der reinste Horror. Obwohl ich noch vorsichtig anmerkte, ob es unter Vollnarkose nicht besser wäre, wies mich Frau Dr. Goldbecher auf die Risiko-Nutzen-Abwägung hin und los gings.

Erstmal drei Gaumenspritzen, die selbst schon eine gute Foltermethode sind und weswegen sich nur deswegen allein eine Vollnarkose (zumindest bei, erwachsenen, gesunden Patienten) lohnen würde. Dann noch diverse andere Spritzen in die Schleimhaut, ich hab zum Schluss nicht mehr gezählt.

Dann wurde die GNE durchgeführt. Dazu wurden mittels Laser (?) zwei Löcher vorne an den Einsern oben in meine Schleimhaut gebrannt, und zwei Schrauben in die Löcher versenkt, an denen dann die Hyraxschraube skelettal befestigt werden sollte.

Es würde riechen wie gebratene Ente, wurde mir gesagt und das tat es auch.

Aufgrund des Gruselgefühls, bei lebendigem Leib verbrannt zu werden, die zweite Indikation für ne Vollnarkose - die Psyche ist nicht so unwichtig, wie ich angenommen hatte.

Danach kratzte Frau Dr. Goldbecher die Schleim-und die Knochenhaut auf und fräste links und rechts am OK zwei kleine Stückchen Knochen weg. Dabei zuhören zu müssen, wäre die dritte Indikation für eine Vollnarkose.

Wohlgemerkt und hier das Allerwichtigste: Es gab keine Schwächung der Gaumennaht!!!!

Was das bedeutete für mich, sollte ich in den nächsten Tagen erfahren.

Am nächsten Tag wurde auf den noch frisch operierten, wunden Gaumen von Dr. Goldbecher mittels eines bestimmten Werkzeuges die Hyraxschraube in den Mund gehauen, ein Vorgang, der mir sofort die Tränen in die Augen trieb und ich wieder dachte, warum nur keine Vollnarkose.

(Nachtrag (18.11.2012): Uns fiel heute beim Besprechen meines Falls ein, dass der Bogen der Bracketts nicht gekappt bzw. durchgeschnitten war. So übte der Bogen zusätzlichen Widerstand aus, weswegen das Unternehmen GNE zum Scheitern verurteilt sein musste.)

Ich bekam eine recht lavedes Werkzeug zum Aufdrehen der Spindel, welche von hinten nach vorn gestellt werden sollte, 6x am Tag. Jede Drehung entspricht ca. 0,25mm.

Später dann erfuhr ich, dass die Spindel wohl üblicherweise eher von vorn nach hinten gestellt wird, was nach meinem Dafürhalten sinnvoll erscheint, da der Patient wesentlich leichter vorn rankommt als hinten.

Ich drehte also brav einige Tage auf. Bzw. nicht ich, sondern ich musste mir dreimal am Tag helfen lassen, weil ich dieses Loch in der Spindel ganz hinten am Gaumen einfach nicht sehen konnte, geschweige denn dieses Werkzeug dort verankern konnte. Ab Mittwoch abend wurde aufgedreht.

Es begann mit einem zunächst schwachen, dann immer stärker werdenden Dauerschmerz, der sich in etwa anfühlte, als würde man von vier Pferden am Gaumen zerrissen werden. Ich begann, zwischen 3000 und 5000 mg Schmerzmittel (Ibuprofen, Novalgin, Paracetamol) zu nehmen, und drehte trotz der viel zu starken Schmerzen weiter auf. Am Samstag brach ich die Behandlung ab.

Ich fuhr hilfesuchend und verzweifelt am Montag nach Halle.

Der KFO und seine Frau machten sich Sorgen wegen der starken Schmerzen.

Ich meinte zu Frau Dr. Goldbecher, was das für eine Risiko-Nutzen -Abwägung wäre, wenn ich mir jetzt die Leber ruiniere mit den überdosierten Schmerzmitteln statt der Vollnarkose.

Ich fragte Herrn Dr. Goldbecher, an wievielen Patienten über 30 Jahren er bereits eine GNE gemacht hätte und er antwortete: "15".

"Und die hatten alle keine Schmerzen?" fragte ich.

"Nein" antwortete er.

"Sie wollen damit sagen, dass ich die Patientin mit den bisher stärksten Schmerzen bei Ihnen bin?" fragte ich etwas ungläubig.

"Ja" antwortete er wieder.

Dr. Goldbecher drehte die Hyraxschraube vier Drehungen (1mm) zurück. Es gab eine sofortige, aber nicht komplette Schmerzentlastung.

Frau Dr. Goldbecher wollte die Hyraxschraube entfernen. Die beiden waren fast im Urlaub und so lautete ihr hilfloser Kommentar: "Also, es muss jetzt eine Entscheidung her. In Ägypten können wir Ihnen das Ding nicht herausnehmen."

Grauenhaftes Krisenmanagment und äusserst unsensible Patientenbetreuung.

Ich weigerte mich und stellte im Kopf einen Notfallplan zusammen. Die beiden nahmen mir noch das Versprechen ab, nicht über 1200 mg Ibus zu nehmen. Herr Dr. Goldbecher verschwand in den Nebenraum und Frau Dr. Goldbecher zog mir die Fäden. Allerdings war ich da schon so traumatisiert, dass ich sie kaum noch an meinen Mund heranließ und Zuspruch von der Schwester wie ein kleines Kind brauchte.

Danach suchte ich am 18.10. Hilfe bei Dr. Bittner, einem Berliner KFO, bei dem meine Schwester in Behandlung ist und fand sie dort auch - nachzulesen im zweiten OP-Erfahrungsbericht über GNEs mit dem Titel: "GNE am 25.10.2012 unter Vollnarkose bei Dr. Zarrinbal in Berlin"

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Klingt mehr nach ner Horrorgeschichte als nach nem OP-Bericht.. Ich bin wirklich geschockt darüber, dass eine GNE nur mir örtlicher Betäubung durchgeführt wurde oder überhaupt werden kann. Diesen Ablauf, die Geräusche und den Geruch will wohl kein Patient live miterleben müssen. Nochdazu war die OP nicht einmal erfolgreich wie du schreibst.. Unvorstellbar!

Es war wohl die beste Entscheidung zu einem anderen KFO zu wechseln und gratuliere zur zweiten bestandenen und erfolgreichen GNE!

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HORROR!!! Die GNE mit Vollnarkose war für mich schon schrecklich und wenn ich jetzt lese, was du durchgemacht hast, bekomme ich Gänsehaut. Das kann doch echt nicht wahr sein! Ich hoffe sehr, dass es dir mittlerweile wieder besser geht, ganz liebe Grüße Tex

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Das ist ja unglaublich was du da durchmachen musstest. Ich war bei einem KC in meiner Nähe, der exakt die gleiche Methode machen wollte. Ich konnte das gar nicht glauben, als er mir erzählte, dass 1 Tag nach der OP erst die Hyraxschraube eingesetzt wird. Ich bin dann zu meinem KFO gegangen und mein KFO hat gesagt, dass ich bloß nicht zu diesem KC gehen soll.

Ich habe mich dann für Dr. K. und sein Team entschieden und alles ist bestens gelaufen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die anderen Patienten keine Schmerzen hatten, das haben sie bestimmt nur so runtergespielt, bei solchen OP Methoden.

Finde das auch ganz komisch dass deine Hyrax von hinten nach vorne gedreht wurde, meine wurde nämlich auch von vorne nach hinten gedreht. Wüsste gar nicht wie man das anders alleine hinkriegen soll.

Kann mir gut vorstellen, dass du da jetzt ein Traume von hast.

Viele Grüße

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Lieber melsn, liebe chloe85, liebe texas,

vielen herzlichen Dank für Eure große Anteilnahme, die ich als sehr wohltuend empfinde.

Nun ja, alles Schlechte hat auch sein Gutes - ich bin nun in der Lage, andere zu warnen, die nicht genau wissen, was auf sie zukommt. Inzwischen bin ich wieder glücklich, allerdings musste ich mich um dieses Glück sofort selbst kümmern. (Behandlerwechsel)

Wozu ich auch gezwungen war, ich hatte ja die Hyraxschraube noch drin und wollte und brauchte eine GNE.

Wenn ich es nicht selbst erlebt hätte, würde ich es wohl für eine glatte Übertreibung eines Spinners halten,

aber die Realität schreibt bekanntlich die größten Geschichten.

Also hoffen wir, dass niemand anderem so etwas in Zukunft passieren muss und hoffen wir,

dass es irgendwann mal verbindliche Regeln in der Kunst der Kieferorthopädie und Kieferchirurgie gibt.

Darauf hoch die Tassen!

liebe Grüße

Eure Bombus

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Hallo Bombus,

Oh mein Gott - ich bin geschockt über das was Du erleben musstes :-(

Wenn mir so etwas passiert wäre hätte ich glaube ich Anzeige erstattet.......

Ich wünsche Dir für alles was nun noch kommt unter dem neuen Behadnler ganz ganz viel Kraft und gutes Gelingen :-)

LG

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@ Bombus: Da hast du Recht, wenn man sich nicht wirklich auskennt und man bekommt keine Alternativen genannt kann sowas böse enden. Ich dachte auch gehst zum KC in der Nähe (der die gleiche Methode bei mir auch machen wollte). Hat sich alles so einfach angehört und dazu noch ohne Krankenhausaufenthalt. Bimax wollte er auch keine machen (die bei mir dringend notwenig war). Mir kam das dann alles ganz komisch vor als ich die Berichte hier gelesen habe. Ohne das Forum wäre ich wahrscheinlich auch zu dem Wald und Wiesen KC und hätte die gleiche Tortour durchgemacht.

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@Tanztina:

Ich hab tatsächlich an eine Klage gedacht, eigentlich sofort.

Aber ich weiss, wie schwer es ist, in Deutschland damit durchzukommen.

Da es bis jetzt noch keinerlei verbindliche Regeln in der Kieferorthopädie gibt, kann jeder behaupten,

er hätte nach "lege artis" gehandelt. Damit ist laut Wiki der aktuelle Wissensstand in der Ärzteschaft zu einer bestimmten Behandlungsform gemeint. Mein armes Schwesterherz hat zwei

fehlgeschlagene Bimaxes hinter sich. Nach der ersten (am Uniklinikum Leipzig 2009) sah sie so schlimm aus,

dass sie wirklich etwas unternommen hat. Selbst ihre Klage ist gerade abgewiesen worden.

Aber tatsächlich hätte ich sehr gerne irgendeine Art von Entschädigung bekommen, nur allein wegen der höllischen Schmerzen.

Ich bin im Moment sehr froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist (kein Zahn abgebrochen, die Hyraxschrauben nicht durchgebrochen, oder ähnliche Komplikationen), dass mir sehr schnell geholfen wurde und dass ich andere so gut warnen kann.

Im Letzteren besteht wohl hauptsächlich der Mehrwert dieser folterähnlichen Spezialbehandlung.

Also, ich würde wohl unter Folter aussagen, das weiss ich jetzt auch :smile:

liebe Grüße

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Gegen Ärzte ist es wirklich schwer eine Klage durchzusetzten. Aber kann man einen solchen Fall nicht irgendwo melden? Ich finde diese Behandlung äußerst erschreckend und wer weiß wieviele Leute er noch auf dieselbe Art operieren möchte.

Zum Glück wurde dir wirklich schnell geholfen! Wie geht es deiner Schwester jetzt? Hat sie die Bimax nochmals machen lassen?

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@melsn:

Ich hab auf Jameda eine Bewertung geschrieben, nur für den Zeitraum Oktober,

dann noch ein anderes MedizinerPortal. Die Bewertung fiel naturgemäß nicht besonders positiv aus.

Aber wichtiger ist es für mich, andere zu warnen.

Ich finde es im Nachhinein auch sehr erschreckend;

das wird wohl für immer im Gedächtnis bleiben wie bei alten Menschen die Kriegserlebnisse.

Erschreckend ist auch im Nachhinein die Hilflosigkeit von Frau Dr. Goldbecher, die dann die Hyraxschraube vor ihrem Urlaub wieder rausmachen wollte. Mein Gaumen war aufs doppelte angeschwollen (8mm statt normalerweise 3-4mm), er war wund,

alles tat weh; ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie das schmerzfrei über die Bühne gehen sollte.

Über die Möglichkeit einer Vollnarkose verfügten sie beide immer noch nicht.

Meiner Schwester wurde in einer dritten Op ebenfalls von Dr. Zarrinbal geholfen. Der Ok sitzt endlich da, wo er hin sollte. Der Uk ist in Bälde dran. Vorsichtshalber wurde bei ihr keine Bimax mehr gemacht, sondern das Ärzteteam Bittner/Zarrinbal haben sich entschlossen, die Op zu splitten. Es gab keine Referenzen mehr, keine Orientierung mehr, wo die Kiefer nun positioniert werden sollen, deshalb zwei einzelne OPs. Insgesamt also 4 OPs, 5 mit Metallentfernung.

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Ja ich denke auch, dass ein solches Ereignis noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Vielleicht lernen sie ja noch daraus und verfügen bald über die Möglichkeit der Vollnarkose oder geben solche Fälle an Krankenhäuser weiter. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie den selben Eingriff nochmals so locker durchziehen würden. Zumindest hoffe ich, dass dein Fall zum Nachdenken angeregt hat.

Vier beziehungsweise fünf Operationen sind schon hart..

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