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Oh Mann, diese medizinischen Dissertationen. Ein paar Daten von 54 Patienten erheben, 20 Seiten deskriptive Auswertungen, fertig. In anderen Disziplinen geht sowas vielleicht als gute Bachelorarbeit durch. Wieso mühe ich mich bloß jahrelang mit meiner Dissertation rum... :)

 

(Das soll jetzt nur ein allgemeiner Kommentar zu medizinischen Dissertationen sein und keine Bewertung über einen eventuellen Erkenntnisgewinn dieser Dissertation für die Progenica-Leute.)

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"Ein paar Daten von 54 Patienten erheben"

 

Hallo Joker,

 

stimme Dir da zu, nur hätte ich den obigen Satz "ein paar Daten von 54 Patienten erheben" um "erheben LASSEN" ergänzt, den diese ganze Vorarbeit leisten Krankenschwestern und -pfleger, meist ohne es zu wissen.

In Wirtschaft oder Jura zu promovieren ist schweriger als in der Medizin.

MfG

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Oh Mann...Krankenschwestern und Pfleger erheben Daten, und dann setzt sich ein Doktorand ein Wochenende lang hin und schreibt was zusammen. Diese Ansicht wird copy-paste-mäßig im Schatten gesundheitspolitischer Diskussionen als allgemeine Tatsache verbreitet und kaum jemand macht sich mal die Mühe, das mal kritisch zu reflektieren.

1. Krankenschwestern und Pfleger erheben seltenst verwertbare Daten. Die haben auch so schon genug Arbeit. Insbesondere mit Röntgenbefunden und FRS-Vermessungen haben sie rein gar nichts zu tun.

2. Wer einmal das zweifelhafte Vergnügen hatte, Patienten für eine (saubere) Studie akquirieren, wird festgestellt haben, dass ein großer Teil des Studienkollektivs herausfällt, da mal die eine, mal die andere Bedingung nicht erfüllt ist oder ein Formular nicht unterschrieben vorliegt. Bei großen Studien kommt noch das Problem der Drittmittelbeschaffung dazu, deren Verteilung alles andere als demokratisch und gleichmäßig abläuft.

3. Wie viele Patienten braucht man denn für eine Promotion in Jura?

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Hallo Mush,

 

du bist also selber Arzt, lese ich heraus? :)

 

Also ich habe hier keine Ansichten copy-paste-mäßig aufgenommen und unreflektiert verbreitet, sondern einfach in diesem Fall mir die verlinkte Arbeit angeschaut. Dass der Doktorand hier ein Wochenende lang etwas zusammengeschrieben hat, habe ich nicht behauptet. Wie lange die Datenerhebung gedauert hat und wer die durchgeführt hat, weiß ich nicht. Die Literaturarbeit sowie die Datenauswertung und das Schreiben wird jedoch kaum mehr als ein paar Monate gedauert haben. Dass dies alles nur auf dem Niveau einer gute Bachelorarbeit sei, war in der Tat von mir übertrieben, das geht sicherlich mehr in Richtung Master- oder Diplomarbeit.

 

Ich denke, jeder Mensch, der ein wenig Ahnung von empirischer Forschung hat, wird mir jedoch zustimmen, dass die in dieser Dissertation erfolgte Datenauswertung nicht sonderlich aufwendig ist, sowohl was den allgemeinen Umfang des verwendeten Datensatzes angeht, als auch was die verwendete statistische Methodik angeht, welche wie gesagt kaum über das Wiedergeben von deskriptiven Maßzahlen hinausgeht. Insofern dürfte niemand ernsthaft bezweifeln, dass der Aufwand für diese Arbeit sicherlich deutlich unter dem Aufwand einer Dissertation einer anderen Disziplin liegt, in denen nicht selten 3 Jahre oder noch mehr in Vollzeit an der Dissertation gearbeitet wird.

 

Dies soll auch keine Geringschätzung der medizinischen Tätigkeit sein. Ganz im Gegenteil finde ich, dass Ärzte sehr viel mehr für die Gesellschaft leisten als z.B. besagte Juristen oder Wirtschaftswissenschaftler. Nur ist diese Dissertation aus wissenschaftlicher Sicht nun mal deutlich weniger aufwendig und gehaltvoll als die üblichen Dissertationen in vielen anderen Diszplinen.

 

Man muss eben einfach völlig wertfrei zur Kenntnis nehmen, dass dies im medizinischen Bereich so ist. Wenn ich angehender Arzt ohne weitere akademischen Ambitionen wäre, würde ich selbstverständlich ebenso eine schnelle 08/15-Diss abliefern. Es macht ja auch keinen Sinn, hier mehr zu leisten, wenn nicht mehr erwartet wird.

 

Viele Grüße

j0ker

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Der Unterschied besteht darin, dass ein wichtiger Teil der Arbeit bei medizinischen und zahnmedizinischen Doktorarbeiten darin besteht, überhaupt erst einmal ausreichende Patientenzahlen zusammenzubekommen. Diese Problematik existiert in anderen Bereichen überhaupt nicht. Dabei kann das allein die Fertigstellung der Arbeit um Jahre verzögern.

Die Durchführung zusätzlicher statistischer Tests oder eine weitergehende Aufbereitung der Daten mögen angebracht gewesen sein, aber es ist nicht wirklich vorstellbar, dass sie zeitlich mehr ins Gewicht gefallen wären als die Patientenakquise und das in solchen Fällen immer noch übliche Durchsuchen von Patientenakten.

Es gibt durchaus medizinische Doktorarbeiten, die in weniger als einem Jahr fertiggestellt werden, doch handelt es sich dabei in der Regel um Literaturübersichten. Ich maße mir kein Urteil an, könnte mir aber ähnliches in anderen Disziplinen vorstellen.

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Ooch Mush,

 

jetzt lass uns doch mit mehrjährigen Doktorarbeiten in anderen Gebieten ein kleines bischen lästern. Und zumindestens aus dem unmittelbaren familiären Umfeld kann ich das Klischee mit den deutlichen Unterschieden zwischen medizinischen und anderen Doktorarbeiten bestätigen. Während ich mehrere Jahre an meiner Doktorarbeit in experimenteller Physik gearbeitet habe und dabei auch erst einmal gewisse Techniken und Verfahren entwickeln mußte, waren es bei meiner Schwester in Medizin mehrere Monate, in denen sie vor allem Daten statistisch ausgewertet hat, die sich nicht selber erhoben hat. Und so wie es mitbekommen habe, war es bei meinen Eltern mit Doktorarbeiten in Pharmazie/Pharmakologie und meiner Tante mit einer medizinischen Doktorarbeit schon damals nicht anders.

 

Und ich weiss, das es auch andere Doktorarbeiten in der Medizin gibt, die deutlich länger dauern. Andererseits ist es ja so, dass für einen Arzt eine Doktorarbeit in gewissem Sinne ja eine Art "Berufsabschluss" ist, einfach weil auch die Patienten es erwarten (wobei mein eigener Hausarzt, mit dem ich sehr zufrieden bin, keine Doktortitel hat). Und da wäre es auch unvernünftig, wenn jeder Arzt erst einmal eine 3-jährige Doktorarbeit schreiben würde, statt einer kurzen, die eventuell "nur" aus dem Auswerten von Patientenakten besteht und sich dann um Patienten kümmern kann, was ihm eventuell auch mehr liegt als die reine Wissenschaft.

 

Und j0ker, da die Hauptgründe, nach Arbeiten und Studien und Dissertationen zu suchen, wahrscheinlich Zahlen zu Rezidiven und Nervenschädigungen sind, wird es wahrscheinlich immer auf statische Arbeiten herauslaufen und dann ist wirklich die Frage, wie gut komme ich an meine Patientendaten dran, da ja z.B. Einwilligungen eingeholt werden müssen, bei Langzeitstudien eventuell auch erst noch die Patienten wieder gefunden werden müssen, Daten vielleicht schlecht oder unterscheidlich erhoben wurde, ...

 

Ich persönlich schaue aber gerne in Dissertationen rein, der Einleitungsteil ist ja häufig eine gute Übersicht samt Quellen für weiterführende Studien. Es steht deutlich mehr drin als auf irgendwelchen Webseiten und auch Fachartikeln, da in Fachartikeln ja davon ausgegangen wird, dass man das grundlegende schon weiß, was in Dissertationen nochmals detailliert dargestellt wird.

 

Irene

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