Ich wurde am 27. September letzten Jahres in Wien operiert.

Mein Problem war: schiefer UK; OK zu schmal; Rücklage beider Kiefer (UK wegen Rückverlagerung 9 Jahre zuvor bei der gleichen Ärztin. Ich hatte eine Oberkieferrücklage. Man sieht auch sehr schön am alten Röntgen dass das falsch war da meine Luftröhre um die Hälfte verengt wurde. Zudem wurde mir das Kinn schon damals schief gemacht.) 9 Jahre... ich dachte in 9 Jahren könne man sich so stark verbessern.

Was ich dachte, dass gemacht werden würde: OK und UK etwas vorverlagern; OK verbreitern; UK leicht rotieren.

Was tatsächlich gemacht wurde: OK verbreitert und minimal vorverlagert (UK weiß ich nicht, es ist schier unmögliche eine genaue Auskunft von denen zu bekommen); OK ROTIERT!!; UK wurde auch abgesägt, sieht etwas mehr schief aus, im großen und ganzen jedoch unverändert; Und rechts habe ich immer noch einen offenen Biss;

Mein gesamtes unteres Gesicht zeigt nun stark nach links. Und auch waagrecht ist es seit der Operation schief.

 

Großartig.

 

Zudem ist noch passiert:

Vor der Operation habe ich diese Aussage bekommen: "Hoffentlich werden wir mit der Nase nicht zu breit. Ach, nein, kriegen wir schon hin." ...offensichtlich nicht.

Links springt nun das Kiefergelenk heraus wenn ich beiße, gähne, Zähne putze, lache (nicht dass ich dazu noch Grund hätte), usw. .. Das muss ich dann mit der Hand wieder hineindrücken. Ist nicht sehr angenehm, tut weh und macht ein grausiges Geräusch.

Meine Wangen sehen dauerhaft dick aus. (Ich selbst bin schlank und früher war mein Gesicht das auch) Andere Ärzte haben mir erklärt, dass das Gewebe ist und entweder 'hinter gerutscht' sei oder durch die UK Vorverlagerung aufgestaut wurde.

Die behandelnde Ärztin hat mir gesagt, das ist Schwellung und das bleibt wohl so.

(Ich habe damals schon einen Beitrag in diesem Forum geschrieben, allerdings kannte ich da das gesamte furchtbare Ausmaß noch nicht)

Und ich kann meine Lippen nicht mehr schließen ohne extrem anzuspannen.

 

Ich war schon bei zig anderen Ärzten um nach Hilfe zu suchen.

Habe einerseits gehört: "Oh ja, das ist furchtbar, aber da kann man viel machen!" Von jenem Arzt wurde mir ein Verwandter der Ärztin, die mich operiert hat empfohlen. Als ich den sah war plötzlich 'doch eh alles in bester Ordnung und zaubern könne man ja auch nicht' (Das möchte ich von einem Arzt hören "Ich kann ja auch nicht zaubern" <-- exakte Wortwahl)

Bei allen anderen Ärzten bekam ich wenigstens Mitgefühl, wenn auch keine Hilfe. Wenn ein Spezialist etwas sagt wie: "Das hat ein richtiger Chirurg gemacht?" und "Das ist unfassbar!" Dann frag ich mich schon, was ist nur mit mir passiert??

Als ich bei einem Termin bei der Ärztin, die mich operiert hat zu weinen begann nach dem sie mir eröffnete, das sei das endgültige Ergebnis und damit müsse ich leben, wurde ich sehr eindringlich gebeten, die Praxis sofort zu verlassen.

 

Alles kann nicht mehr gerichtet werden; das Risiko für mich ist nach bereits zwei vorherigen Operation zu groß. (Ich dachte ich müsse nie wieder ein Spital von Innen sehen ): ) Ausserdem war die Zeit im Krankenhaus danach so merkwürdig und schlimm, das kann ich einfach nicht mehr. 

Der Nerv auf meiner rechten Seite liegt frei (da ist kein Knochen mehr - sieht man besonders gut im 3D Röntgen) 

Wenn ich sehr viel Glück habe kann man mich halbwegs normal aussehen lassen. Aber auch dafür müsste ich ins Ausland und eine sehr hohe Summe aufbringen.

 

Als mir ein Arzt sagte was eventuell noch ginge und was nicht habe ich gefragt, "Ich hab wohl Pech gehabt, nicht wahr?" Da sah er mich bedrückt an und meinte, "Ja, sehr großes Pech."

Das beschreibt es ganz gut...

Ich weiß nicht was passiert ist. Wie konnte das nur aus meinem Leben werden?

vor der Operation hab ich sie gefühlte 20x gefragt ob sie das so macht (Habe erklärt was ich will) und sie meinte nur "Ja, natürlich". Das war eine Lüge.

 

Zieht eine Moral aus meiner Erfahrung:

Gebt NIEMALS einem Arzt eine 'zweite Chance'!!

Wenn Ihr Euch nicht wenigstens 99% sicher seid bei dem Arzt, dann sucht weiter! (Es muss ein Arzt sein, dem Ihr wirklich vertraut!!)

Wenn eine Operation nicht UNBEDINGT notwendig ist, dann lasst es bleiben! Vielleicht glaubt Ihr es kann nicht schlimmer werden, aber wenn Ihr noch auf die Straße gehen könnt ohne Euch zu verstecken, und wenn Ihr überleben könnt --> soll heißen, essen, trinken, atmen - dann kann es immer schlimmer werden!!

...und in Österreich gibt's meiner Erfahrung nach viel falsch zu machen... 

Die Chancen stehen gut, dass alles gut geht. Sagen wir, einer unter 100 hat Pech. Wenig... aber das ist dem einen egal.

 

Ich habe mich von Gott und der Welt nie zuvor so im Stich gelassen gefühlt. Vielleicht war ich sehr blauäugig, aber ich dachte immer, 'Irgendwie wird schon alles gut werden' Ich dachte am Ende gibt es immer Gerechtigkeit und alles wird gut.

Dem ist nicht so.

Ich bin verzweifelt, denn niemand scheint mir helfen zu können.

Ich habe schon so oft gefragt, "Was hab ich falsch gemacht? Bin ich so ein schrecklicher Mensch, dass ich das verdiene?" Ich bin ganz bestimmt keine Heilige, aber das verstehe ich doch einfach auch nicht.

Ich wünschte ich wüsste wenigstens wieso! Wieso ist das passiert? Ich hab Pech gehabt?? ....wahrscheinlich ist es einfach nur das.

Ist es das wirklich wert??

Für mich war es das nicht und ich würde so viel und noch mehr geben nur um die Zeit diese 9 Monate zurück drehen zu können.

Ich hab nur noch meine Mutter und ich sehe wie sie leidet. Ich will für sie eine normale Tochter, die glücklich ist und sie stolz macht; nicht Probleme macht und ihr jeden Tag verdirbt.

Ich gebe mir wirklich Mühe meine Mutter nicht ständig merken zu lassen wie es mir geht... aber sie ist halt meine Mama... vor seiner Mutter kann man sich nicht verstellen, die wissen das sofort.

 

Es wird einem immer wieder gesagt: "Bei jeder Operation gibt es ein Risiko."

Ja, aber DAS hätte ich nie erwartet. Ich wusste das: Ich kann sterben bei einer OP, Teile meines Kiefers können absterben, ich kann Zähne verlieren, der Nerv kann dauerhaft beschädigt werden und taub bleiben.

Ich wusste nicht: Mein Gesicht wird dauerhaft dick, ich werde nicht mehr beißen können ohne meinen UK ständig hochzudrücken, die Ärztin entscheidet sich spontan einfach alles noch schiefer zu machen.

Risiko... 

 

Ich versteh's nicht... wie konnte das nur passieren.

Macht nicht den gleichen Fehler wie ich. Vorbereitung muss viel gründlicher sein, Arzt viel besser und vertrauenswürdiger und ausserdem, wenn's nicht zwingend notwendig ist am besten sein lassen und ein schönes, normales Leben leben.

(Das wäre mein allergrößter Wunsch)

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Hallo Susi!

 

Ich habe gerade deinen "OP Bericht" wenn man ihn so nennen will, gelesen und ich bin einfach nur schockiert.

Zeilenweise habe ich tatsächlich feuchte Augen bekommen weil ich deine Verzweiflung direkt fühlen konnte, deinen Zeilen nach.

 

Es tut mir unlaublich leid was dir passiert ist. Und vielleicht kann ich mich auch gerade deswegen so gut "reindenken",

weil ich gerade mal 3,5 Wochen Post OP bin und noch sehr deformiert aussehe. Ich weiß natürlich, Schwellungen etc. das ist alles normal.

Trotzdem kriecht in mir eine Angst hoch, dass der unmögliche Lippenschluss, die komische Schweinchennase, die Taubheit

und die damit einhergehende Tatsache, dass ich in der Öffentlichkeit weder Kaffee trinken geschweige den essen kann, weil ich nicht merke

ob ich mich ansaue oder nicht; meine dicken Backen die insgesamt mein Gesicht zu meinem sonst sehr schlanken Körper einfach nur deformiert aussehen lassen - bleiben. Bei dir ist diese Befürchtung zur grausamen Realität geworden und ich empfinde wirklich inniges Mitgefühl mit dir.

 

Aber helfen - kann ich dir leider auch nicht! Was mir aber spontan bei einem derartigen Pfusch wie du ihn beschreibst einfällt -

spontan, vielleicht nicht sonderlich schlau: Aber wie wäre es mit Medien? Und wenn es nur hilft, das Geld für eine RE-OP zusammenzubringen (Reportage; Ärztepfusch; Spendenkonto;). Ich glaube dein Leidensdruck ist sehr groß. Hast du schon mal darüber nachgedacht mit deiner Geschichte in die Öffentlichkeit zu gehen?

 

Ansonten habe ich hier gelesen, dass es wohl in der Schweiz sehr gute Ärzte für RE-OPs gibt. Vielleicht einfach mal einen Termin machen? Unverbindlich? Einfach um vielleicht zu hören ob dir jemand helfen kann?

 

Ich wünsch es dir sehr!

 

Liebe Grüße

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Hallo Magnolie,

 

Vielen Dank für Deine liebe Antwort!!

 

Mach Dir keine Sorgen. Bei mir war es von Anfang an alles irgendwie 'komisch' (nur hab ich mir leider nicht viel dabei gedacht). 

Bestimmt ist bei Dir wirklich alles gut gegangen und bald wird auch alles schön verheilt sein. 

 

In der Schweiz war ich auch schon und wahrscheinlich werde ich dort auch hingehen um retten zu lassen was zu retten möglich ist. Ich weiß auch ungefähr wie viel es kosten wird und es ärgert mich schon sehr zu wissen, dass es mich soviel kostet um den Fehler einer anderen Ärztin halbwegs ausbügeln zu lassen.

Mein KFO hat in seiner Praxis ein 'Gebiss' mit Euros statt Zähnen. ...ich fand das damals noch lustig. Ja, damals.

 

Ein Arzt hier in Österreich (ich war bei vielen) meinte zu mir, es würde wohl nichts bringen wenn ich klage, weil 'der Biss so in etwa stimmt'. Das ist aber auch nicht ganz richtig, da mein Biss immer noch schief ist, rechts nur mit verdrehen und fest drücken schließt. (und eine Zahnlücke dazu gekommen ist. kA wie das passiert ist..auch erst nach OP) Zudem meinte der das Aussehen würde da keine Rolle spielen. Ich finde schon und glaub auch nicht, dass es dazu gar kein Gesetz gibt, zumal mir vorher versichert wurde, es würde gerichtet werden, gerade werden, gut aussehen. Stattdessen hat mich die Dame entstellt und da kann's nicht sein, dass man dann sagt, "Naja, macht ja nix."

Medien hab ich auch schon überlegt. Nur ich schäme mich wirklich sehr wenn ich andere mein Gesicht sehen lassen muss. (So viele Ärzte haben jetzt schon Fotos von mir gemacht nur um dann zu sagen, sie können mir nicht helfen. Hauptsache alle haben ein Foto... )= )

Höchstwahrscheinlich werd' ich aber trotzdem früher oder später an die Öffentlichkeit gehen. Ich will nicht, dass sie das noch mehr Menschen antut!

Vielleicht war's wirklich nur eine Ausnahme und vielleicht ist sie sonst gut (obwohl sie mich ja schon das 2. Mal innerhalb von 9 Jahren schlecht operiert hat, aber gut. Vielleicht ein extremer Zufall...) aber diese Art nachher so zu tun als wär doch eh alles in Ordnung und mich dann schnellstmöglich loswerden zu wollen. Das ist unprofessionell. Und menschlich gesehen einfach nur unzumutbar. Sich einmal so zu verhalten ist schon einmal zuviel, ich will nicht riskieren, dass das wieder passiert. Und der nächste Patient hat es vielleicht noch schlechter, hat vielleicht niemanden und muss das alles vollkommen alleine ertragen. (Ich hab zumindest immer noch meine Mutter und kann mir nicht vorstellen was ohne sie wär!)

Sie hat mich sehr viel an Zeit, Geduld, Schmerzen, Angst, Verzweiflung und Geld gekostet. Ich kann einiges verzeihen, aber das war zuviel.

 

Ich hatte doch so viel vor.

Aber vielleicht kann mir ja doch noch geholfen werden. Irgendwann muss ja auch mein Pech mal wieder aufhören, nicht wahr? Es muss so sein.

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