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stesch

Kieferorthopädie und Down-Syndrom

Verehrtes Forum,

 

ich benötige einen unabhängigen Rat:

 

wir haben einen 14jährigen Sohn mit Down-Syndrom, der sehr fit ist und sich gerade gut in der 8. Klasse einer inklusiven Oberschule eingelebt hat. Er spricht gut und für sein Down-Syndrom recht verständlich. Seine Zähne sind ein relatives Chaos, mit dem er aber bisher gut lebt.

 

ich zitiere die Diagnose (ohne genau zu wissen, was ich da schreibe): kariesfreies spätes wechselgebiss, Aplasie 12,22,35 und alle M3, generell verminderte Wurzellänge, Kieferhöhlen verschattet, V.a. CMD

dysharmonisch retrognather Gesichtstyp, sagittal mesiale Kieferrelation, vertikale Tendenz offen, Uk-Schwenkung nach rechts

Progenie bei Mesialbiss 1/2 Pb rechts, 3/4 Pb links, umgekehrte sagitt. Stufe, Protrusion beider Fronten, vertikaler verringerter Überbiss, Kreuzbiss beidseitig, lückige Front in beiden Kiefern, Platzüberschuss im Ok, Vorwnderung der SZG im OK, oberer Schmalkiefer, verienzelte Dreh- und Kippstände.

 

Vermutlich versteht Ihr viel besser, als ich, was das heisst. Es muss etwas getan werden! Aber Alles, was der Kieferorthopäde vorschlägt????

1. Anker setzen, die rechts und links mit einem Gummizug das Wachstum des Oberkiefers anregen.

2. mir Brakets die unteren Schneidezähne aufrichten, nachdem 2 Backenzähne gezogen wurden, sowie im Unterkiefer und Oberkiefer "Ordnung schaffen".

 

Die Therapie zu 2.) leuchtet mir ein.

 

Bei der Theapie zu 1.) habe ich jedoch Zweifel, insbesondere, weil ich befürchte, dass die langjährige Behandlung, seine Sprachfähigkeit so reduziert, dass er in der Schule nicht mehr zu verstehen ist. Diese Anker mit den Gummis verlangt nicht nur riesige Geduld und Mitarbeit, sondern dürfte auch seine Verständlichkeit mindern, was zu sozialer Ausgrenzung führen kann.

 

Nun die FRAGE:

Ist dieser umgekehrte Überbiss unseres Sohnes ein gravierendes medizinisches Problem, das unbedingt behoben werden muss (sein Großvater ist inzwischen 66 Jahre alt und lebt bisher weitgehend einwandfrei damit)? Oder ist es vielleicht nur ein eher kosmetisches Problem?

 

1.000 Dank für die Antworten.

 

stesch

 

 

 

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Verehrtes Forum,

 

ich benötige einen unabhängigen Rat:

 

wir haben einen 14jährigen Sohn mit Down-Syndrom, der sehr fit ist und sich gerade gut in der 8. Klasse einer inklusiven Oberschule eingelebt hat. Er spricht gut und für sein Down-Syndrom recht verständlich. Seine Zähne sind ein relatives Chaos, mit dem er aber bisher gut lebt.

 

ich zitiere die Diagnose (ohne genau zu wissen, was ich da schreibe): kariesfreies spätes wechselgebiss, Aplasie 12,22,35 und alle M3, generell verminderte Wurzellänge, Kieferhöhlen verschattet, V.a. CMD

dysharmonisch retrognather Gesichtstyp, sagittal mesiale Kieferrelation, vertikale Tendenz offen, Uk-Schwenkung nach rechts

Progenie bei Mesialbiss 1/2 Pb rechts, 3/4 Pb links, umgekehrte sagitt. Stufe, Protrusion beider Fronten, vertikaler verringerter Überbiss, Kreuzbiss beidseitig, lückige Front in beiden Kiefern, Platzüberschuss im Ok, Vorwnderung der SZG im OK, oberer Schmalkiefer, verienzelte Dreh- und Kippstände.

 

Vermutlich versteht Ihr viel besser, als ich, was das heisst. Es muss etwas getan werden! Aber Alles, was der Kieferorthopäde vorschlägt????

1. Anker setzen, die rechts und links mit einem Gummizug das Wachstum des Oberkiefers anregen.

2. mir Brakets die unteren Schneidezähne aufrichten, nachdem 2 Backenzähne gezogen wurden, sowie im Unterkiefer und Oberkiefer "Ordnung schaffen".

 

Die Therapie zu 2.) leuchtet mir ein.

 

Bei der Theapie zu 1.) habe ich jedoch Zweifel, insbesondere, weil ich befürchte, dass die langjährige Behandlung, seine Sprachfähigkeit so reduziert, dass er in der Schule nicht mehr zu verstehen ist. Diese Anker mit den Gummis verlangt nicht nur riesige Geduld und Mitarbeit, sondern dürfte auch seine Verständlichkeit mindern, was zu sozialer Ausgrenzung führen kann.

 

Nun die FRAGE:

Ist dieser umgekehrte Überbiss unseres Sohnes ein gravierendes medizinisches Problem, das unbedingt behoben werden muss (sein Großvater ist inzwischen 66 Jahre alt und lebt bisher weitgehend einwandfrei damit)? Oder ist es vielleicht nur ein eher kosmetisches Problem?

 

1.000 Dank für die Antworten.

 

stesch

 

Hallo stesch,

 

das Hauptproblem scheint der Unterbiss und der Kreuzbiss zu sein. Ich versuche es nochmal zu übersetzen:

 

Der Unterkiefer ist zu weit vorne und geschwenkt, sodass er auf der rechten Seite 1/2 Prämolaren-Breite (Pb) und links 3/4 Prämolaren-Breiten zu weit vorne ist. (Grob gesprochen ist ein Prämolar ein "Seitenzahn", also ein Zahn zwischen Eckzahn und Backenzähnen. Die Länge von Unterbissen wird in der Einheit von Prämolaren-Breiten angegeben).

 

Mit der Schwenkung und dem wohl zu schmalen Oberkiefer geht ein Kreuzbiss einher. Grob gesprochen sind die unteren Zähne (auf einer oder beiden Seiten) vor den oberen Zähnen.

 

Wie du sagst hat das sein Großvater auch und kann damit anscheinend gut leben. Die Frage ist, ob euer Sohn das auch kann. Wenn er keine Beschwerden hat und es kosmetisch auch kein Problem zu sein scheint, müsste man sich das nochmal überdenken. Es wurde CMD (das kannst du mal googlen) angesprochen, was dazu führen kann, dass euer Sohn an Verspannungen leiden könnte oder sich das Kiefergelenk zu stark abnutzt.

 

Du befürchtest bei 1.) eine Verminderung der Sprachfähigkeit. Hast du mal den Kieferothopäden dazu gefragt?

 

Grüße

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Hallo Stesch!

 

Es gibt die Möglichkeit der Gaumennahterweiterung (kurz GNE), die eine wesentlich schnellere Verbreiterung des Oberkiefers ermöglicht als andere Methoden und bei deinem Sohn noch konservativ (d. h. ohne Operation) möglich sein müsste. Vor dem Ziehen von Zähnen sollte immer geprüft werden, ob es andere Möglichkeiten gibt, ausreichend Platz zu schaffen.

 

Verkürzte Zahnwurzeln erfordern Behandlungen mit geringen Kräften auf den Zähnen.

 

Wie sind die körperlichen Fähigkeiten deines Sohnes entwickelt? Kann er gut die Zähne putzen? Ist in der der Lage motorische Aufgaben (beispielsweise das Einsetzen und Herausnehmen von Zahnspangen) auszuführen? Will er selbst die Behandlung? Wenn nein, besteht die Gefahr, daß seine Mitarbeit, die für den Erfolg wichtig ist, nicht ausreicht.

 

Ich weiß nicht, ob beim Down-Syndrom körperliche Schwierigkeiten bestehen, die bei der Kieferorthopädie berücksichtigt werden müssten. Beispielsweise eingeschränkte Mundöffnung, Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht oder das ruhige Offenhalten des Mundes während der Behandlung.

 

Ich hoffe, daß ich Dir weitergeholfen habe.

 

Viele Grüße von hase1

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Liebe Samsa und lieber Hase 1,

 

erst einmal herzlichen Dank für Eure qualifizierten Antworten.

 

Ja, natürlich wollen wir grundsätzlich sowohl mit unserem Sohn als auch mit dem Kieferorthopäden nochmal sprechen. Unser sohn ist fit, putzt sich allein die Zähne vor, aber wir müssen immer nachputzen und Zahnseide machen. Sein älterer Bruder trägt noch brackets, so dass er das Aussehen kennt. Was seine Motivation zur Mitarbeit angeht, ist es schwer von vorneherein verlässliche aussagen zu machen - seine Pubertät kommt erst noch!

 

Er hat bisher keine Beschwerden, wenn man das teilweise reissen anstelle des abbeissens mal ausklammert.

 

Nochmals danke. Freue mich aber auch noch auf weitere Meinungen und Anregungen.

 

Stesch

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Mal abgesehen von den nicht angelegten Zähnen und dem Down-Syndrom, gibt es für die skelettale Situation myofunktionelle Ursachen. Die Zunge verhält sich unphysiologisch dem Oberkiefer fehlt der Wachstumsanreiz der Zunge. Hingegen der Unterkiefer ist durch sie überentwickelt. Wenn in diesem Bereich nichts unternommen wird, führt eine rein mechanische Behandlung nicht zu einem befriedigendem Ergebnis.

Norbert Vogel

Relaktor-Dentaltechnik

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