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Kiefernadel

BIMAX OP 30.06.14

Hallo,

 

hier mal mein ganz subjektiver Bericht über eine 4,5-stündige Kieferoperation im Rahmen einer groß angelegten kieferorthopädischen Behandlung.

 

Wann?  =>  Montag 30.06.2014

Wo?      =>  Marienhospital Stuttgart

Was?    =>  Vorverlagerung Unter- und Oberkiefer zur richtigen Bißeinstellung sowie Kinnkorektur

Warum? => Ich hab mich freiwillig für den Sch... gemeldet.

 

Vorgeschichte: Ende 2011 begab ich mich zu zwei Kieferorthopäden, mit dem Ziel ein gutes Gesamtpaket zu finden. Nennen wir das Ganze einfach Operation hübsches Lächeln. Der richtige Kieferorthopäde und der richtige Kieferchirurg sowie das überzeugendste Gesamtkonzept waren innerhalb weniger Tage gefunden. Die Behandlung begann im März 2012 mit einer "kleineren" Kieferoperation (Gaumennahterweiterung, da der Oberkiefer zu klein war). Anschließend erfolgte die übliche Kieferorthopädische Behandlung mit einer festen Zahnspange. Bis März 2014 war das Feld dann soweit bestellt um die "große" Kiefer-OP durchzuführen. Mit dem 30.06.14 wurde dann auch schnell ein passender Termin gefunden.

 

27.06.14

Vorgespräch mit dem Narkosearzt: Ich habe ihn direkt darauf hingewiesen, dass ich etwas gegen Übelkeit nach dem aufwachen nach der Narkose brauche. Das hat sich im Nachhinein wirklich ausgezahlt!

 

 

29.06.14

Am Sonntagvormittag checkte ich im Krankenhaus ein und mache es mir auf meinem Zimmer gemütlich. Nach vielen Überlegungen wie ich die Woche nach der OP im Krankenhaus denn rumbringen will habe ich mich für gar nichts entschieden und Pläne wie z.B. den Kauf eines transportablen DVD-Players verworfen was im Nachhinein auch die richtige Entscheidung war. Zeitig um 10 Uhr ging es ins Bett da die OP am nächsten Tag um 08:30 stattfinden sollte.

 

30.06.14

Um 7 Uhr stand ich auf, duschte mich ausführlichst und zog mir das modische OP-Outfit bestehend aus Kappe, Strümpfen und einer Haube an. Die Krankenschwestern haben mir noch eine Beruhigungstablette gegeben, ich hätte aber eher ein Aufputschmittel gebraucht. Der Lieferservice für den OP kam pünktlich und ich wurde noch schön durch das ganze Krankenhaus geschoben. Das macht total Spaß wenn man nichts tun muss und geschoben wird. Im OP Saal gab es noch einen kurzen Smalltalk und dann war ich plötzlich einfach weg...

Gegen Abend bin ich dann schrittweise wieder aufgewacht und mir ging es besch... Ich hatte ständig das Gefühl zu ersticken, mein Gesicht und mein Hals waren geschwollen, der Kiefer tat tierisch weh und ich hatte eine Magensonde durch den Hals sowie einen Kathether durch den P... . Außerdem wurde mir noch eine Kühlmaske im Hannibal Lektor-Style für den Kopf verpasst Ich fragte dreimal nach Schmerzmitteln bekam die auch immer und nach dem dritten Versuch war mir dann irgendwie alles leicht und rosa. Mein Kopf war völlig verdreht aber ich habe die Krankenschwester auf der Überwachungsstation nach dem Ergebnis des WM Achtelfinales gegen Algerien gefragt. Sie meinte wir hätten mit 2:1 gewonnen und es wäre besser gewesen, dass ich da noch im Land der Träume verweilt habe. Die Nacht auf der Überwachungsstation war ständig begleitet von dem Gefühl zu ersticken. Die Schwestern waren total nett und immer da aber dagegen konnten sie halt nix machen. Es blieb dann leider bei 1-2 Stunden Schlaf wenn man das so nennen kann. Erbrechen musste ich tatsächlich nicht von der Narkose. Nur ein kleiner Restschwall Sickerblut aus der OP fand noch seinen Weg in die Brechschale.

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01.07.14

Der Tag verging ähnlich wie die Nacht zuvor nur sehr zäh und zusätzlich setzte mir der Schlafentzug noch etwas zu. Ich dämmerte immer wieder kurz weg und wenn ich wach war dachte ich: NIE WIEDER mache ich sowas mit. Glücklicherweise ist das Gehirn Weltmeister im Verdrängen schlimmer Dinge und so sage ich heute: Jederzeit wieder gerne, so schlimm war es ingesamt gesehen aber auch wirklich nicht! Dann wurde gegen Mittag der Katheter entfernt und außerdem die Magensonde durch den Hals rausgezogen. Leider gab es technische Probleme dererlei Art, dass sich das Ding irgendwie im Hals verheddert hat, sodass ich jetzt wieder sicher weiß, dass ich noch einen Würgreflex habe ;-). Irgendwann gegen Nachmittag ging es dann wieder auf die Normalstation. Ich wollte meine Angehörigen und den Arbeitgeber über den Verlauf informieren aber aufgrund der Narkosenachwirkungen kam ich mir beim SMS schreiben wie ein Analphabet vor. Das sollte aber bald schon wieder besser werden. Insgesamt war mein Zustand geschwächt, müde, Matschbirne aber ich hatte fast keine Schmerzen mehr.

 

02.07.14

Die Schwellung meines Gesichtes wurde immer größer und aufgrund Schlaf- und Essensentzug war ich ziemlich fertig. Die Schmerzen wurden aber schon deutlich besser und es gab das erste Mal Flüssignahrung. Die Zähne im Oberkiefer waren mit einem Splint und Gummis verdrahtet und die Mundöffnung reichte gerade für einen kleinen ungehäuften Teelöffel. Nach diversen Essversuchen und verschiedenen Techniken bei denen die Hälfte der Flüssignahrung  zu Boden ging fand ich eine Möglichkeit mit der Längsseite eines ovalen Bechers die Nahrung zu trinken.  Das Röhrchen passte zwar rein aber saugen war nicht möglich. Da leider Unterlippe und Kinn taub waren hab ich von meinem Gesabber gar nichts mitbekommen.

03.07.14

Die Schwellung verlagerte sich langsam nach unten und mein ganzer Brustkorb hatte plötzlich einen blauen Fleck. Mit dem Schlafen war es leider immer noch eine Tortur.  Krankenhäuser sind einfach laut, ständig neue Infusionen und für 1,90 Meter sind die Betten einfach zu kurz da man im 30 Grad Winkel schlafen muss. Sonst würde die Schwellung nicht nach unten abwandern. Mit Fernsehen konnte ich mich ein bisschen ablenken und war körperlich wieder fit genug um ein bisschen durch die Gänge zu spazieren. Die Anzahl der am Splint befestigten Gummis wurde von 4 auf 2 reduziert. Beim Essen lief es schon besser.

 

04.07.14

Alles wieder ein bisschen besser und sogar drei Stunden Schlaf. Fürs Viertelfinale gegen Frankreich hatte ich kaum Muse auch wenn es spannend war. Gefühlte 200 Mal drehte ich auf der Station und im Krankenhaus eine Runde immer mein Sabbertuch in der Hand weil die taube Unterlippe den Speichelfluss leider noch nicht so im Griff hatte. Körperlich ging es mir wieder wesentlich besser trotz anhaltendem Schlafentzug. Nach Rücksprache mit dem untersuchenden Arzt und der Krankenschwester  einigten wir uns auf eine Entlassung am Samstag. Beim Essen nur noch 10 Prozent Trielverlust.

 

05.07.14

Es stand nur noch die Abschlussuntersuchung auf dem Programm. Das war einmal Mund auf und wieder zu und fertig. Danach ging’s im PKW nach Hause und sofort ins Bett! Essen in den ersten 2 Wochen nach der OP nur Brei, Suppen und Mixergeeignetes.

08.07.14 Nach einem Arzttermin und der Auswertung der Röntgenbilder aus dem Krankenhaus war klar, die OP hat super geklappt und der Heilungsprozess läuft optimal. Die Unterlippe, das Kinn und das Zahnfleisch waren noch komplett taub. Deutschland vernichtete Brasilien im Halbfinale! Essen von Nudeln geht mit viel Geschick.

 

13.07.14 Deutschland ist Weltmeister! Leichte Besserung der Taubheit und der Mund gingpost-20026-0-57273400-1408630386_thumb.j etwas weiter auf.

 

22.07.14 Nach einem weiteren Arzttermin wurden Vitaminpillen gegen die Taubheit verschrieben. Heilungsaussicht etwa ein halbes Jahr da der Nerv bei der OP kurzfristig „verlegt“ werden musste.

 

30.07.14

Heilung verlief weiter planmäßig. Die erste kleingestückelte Wurst war auf dem Teller.

 

11.08.14

Erster Arbeitstag! Essenstechnisch lief es weitgehen wieder normal. Der Mund ging leider immer noch erst zwei Zentimeter auf aber bis auf harte Sachen wie z.B. Rindfleisch ging fast alles rein. Schmerzen schon seit dem Ende des  Krankenhausaufenthaltes keine mehr.

 

21.08.14

Ich schreibe diese Zeilen, kann fast wieder normal essen, es tut nichts mehr weh, ich bin körperlich wieder fit und habe die 8 Kilo, die ich anfangs verloren habe fast wieder drauf. Und ich habe eine amtlich bestätigte Verzahnung der Klasse 1. Es hat sich wirklich gelohnt und war nur kurz nach der OP schlimm. Ansonsten alles wirklich super. Ich würde es wieder tun. Langsam aber wirklich sehr langsam kehrt auch das Gefühl in Zahnfleisch, Lippe und Kinn zurück. Sport gibt’s erst wieder 12 Wochen nach der Operation.

 

 

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Schöner Bericht. Must du keine Gummis einhängen damit sich seitlich der Biss schließt? Hat bei dir direkt alles gepasst? Wenn dem so ist werden hier einige blass vor Neid. Das muss eine super Planung gewesen sein, haben sich dein KFO und der Chirurg bereits vorher abgestimmt, wie war da die Kommunikation zwischen den Beiden?

 

Gruß Norbert

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Hallo Kiefernadel,

 

da ich auch im MH operiert wurde: Wer war den Dein Chirurg? Und warum wurde bei Dir die Magensonde schon am ersten Tag gezogen? Ich hatte meine 3,5 Tage drinnen, sie wurde sogar noch einmal neu gelegt, weil die erste verstopft war. Und Du hast ja ein sehr interessantes Hämatom im Kinnbereich gehabt.

 

Liebe Grüße!

 

Irene

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@ Norbert: Doch die Gummis muss ich tatsächlich einhängen. Fällt mir aber kaum auf..ich ess sogar mit den Dingern. Der Chirurg arbeitet mit dem KFO schon jahrelang zusammen. Die sind gut aufeinander abgestimmt. Wenn mir was nicht klar war habe ich so lange nachgefragt, bis ich es für mich selber vom Ablauf her verstanden habe. Terminlich hat alles super gepasst.

 

 

@ Kieferknacker: Die blauen Flecke sind bei mir fast all über den Hals auf den Brustbereich gewandert, wurden gelb und verschwanden nach ca. 1,5-2 Wochen. Die Schwellung war bis ca. 2 Wochen nach der OP im Gesicht noch deutlich zu erkennen...man hat's den Leuten beim einkaufen angemerkt. Danach gings sehr schnell weg. Die Restschwellung bleibt mehrere Wochen, ist aber optisch eigentlich nicht erkennbar.

 

@ Schokolädchen: Der Chirurg hies Dr. Fassnacht und war früher Assistenzarzt an dieser Klinik. Die Magensonde war nur um das OP-Blut aufzunehmen. Ich habe sehr schnell wieder flüssige Nahrung gegessen. Das "Hämatom" ist eine kleine optische Täuschung. Das ist tatsächlich ein Pflaster um den unteren Kieferbereich in Form zu halten, da man am Anfang ja komplett unten herum taub ist und ständig sabbert.

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