Pho3nix

Fakten Piezochirurgie vs. Standardsäge

Servus,

da ich jetzt schon des öfteren verschiedenste Meinungen zum Thema Piezo- bzw. Ultraschall-Chirurgie vs. Standardsäge gehört habe, wollte ich mal nach wissenschaftlich fundierten Fakten fragen.

Bei jedem Bericht zum Thema erläutert @flo.89, dass Piezo keineswegs das schonendere Verfahren ist, das Gerät eher "zerhackt" als schneidet und dadurch größere Schwellungen auftreten können, also die "Old-School" Variante vorzuziehen ist.

Der Chirurg bei dem ich gestern vorstellig war hat mir allerdings ausgiebig die Vorzüge des Piezo-Verfahrens erläutert und vor allem den geringeren Blutverlust sowie die Gewebeschonung hervorgehoben. Meine laienhafte Internetrecherche sowie die nachweislich schnellen Heilungserfolge des Chirurgen stützen eher seine Argumentationskette.

Gibt es denn harte Fakten zu dem Thema oder ist es letzlich Geschmackssache und beides führt gleichermaßen effektiv und "schonend" zum Ziel?

Verunsicherte Grüße

Pho3nix

 

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Interessantes Thema.

Also durchgesetzt dürfte sich diese Variante wohl noch nicht so wirklich haben. War bei einigen namhaften KFC die es a la Old School machen.

Aber ich glaube Flo schon ,wenn er damit keine guten Erfahrungen gemacht hat. Entweder war es "schicksalshaft" oder eben wirklich nicht die "bessere Variante". Prinzipiell glaube ich da eher dem Patienten als dem Behandler.

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Ich glaube Flo absolut das er schlechte Erfahrungen damit gemacht hat, nur ist dies ein Einzelfall und ich habe bisher keinen anderen negativen Beitrag zum Thema Piezo finden können.

Manche Post-OP Bilder nach dem Standardverfahren machen auch nicht gerade Mut, ist also auch sehr individuell wie jemand reagiert.

Mich wundert es nur das auf beiden Seiten sehr renommierte Chirurgen auf ein bestimmtes Verfahren schwören; das Gleiche ist mir allerdings auch schon beim Thema verdrahten oder nicht, starre vs. flexible Platten, essen oder schonen etc. aufgefallen.

 

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Naja, letztenendes wird es zu dem Thema keine wissenschaftlichen Untersuchungen geben (und aufgrund der individuellen Reaktion auf die Op halte ich es auch für kaum möglich ein aussagekräftiges Ergebnis zu bekommen).
Wie gesagt, kam mir die Schwellung nach der GNE sehr stark vor. Nach 2 weiteren Ops im Gesicht bin ich deutlich schneller abgeschwollen als damals und das trotz vorgeschädigtem Gewebe.

Ultraschall-Chirurgie ist ja schon mal der erste irreführende Begriff: es arbeitet nicht mit Ultraschall, sondern die Schneide oszilliert (schwenkt hin und her) mit einer Frequenz, die dem Ultraschall-Bereich zugeordnet werden kann. Vorteil: verschiedene Gewebearten "brechen" bei verschiedener Frequenz. Trifft man mit dem Piezo-Gerät auf eine größere Arterie, so könnte sie im Glücksfall nicht zerstört werden.

Das gleiche gilt für Nerven. Jedoch kommt man zum Beispiel bei der Unterkiefer-Op konstruktionsbedingt gar nicht tief genug, um den Knochen wirklich mit dem Piezo-Gerät zerteilen zu können. Hammer und Meisel kommen trotzdem zum Einsatz.

Nachteil: das Piezo-Gerät braucht eben vergleichsweise sehr lange, um den Knochen zu zertrennen. Wie sagte ein Chirurg, der das Piezo-Gerät mal testete: "Es wird immer damit geworben, dass es schonender sein soll, aber im Grunde genommen ist das Gegenteil der Fall". Dies bestätigten mir unabhängig voneinander drei Chirurgen.

 

Aber ich möchte dir das nicht schlecht reden. Ich selbst bin kein Chirurg und habe keinerlei Erfahrung, was nun tatsächlich besser ist. Dass ein Chirurg so etwas auch mal zur Werbung einsetzt, dürfte jedem mit gesundem Menschenverstand einleuchten (Ultraschall-Chirurgie hört sich schon cool an) außerdem will er so ein Gerät, wenn er es schon gekauft hat, auch einsetzen. Die Wahl des Operateurs würde ich davon aber nicht abhängig machen...

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Man sollte keinem Chirurgen im Vorhinein unterstellen, er würde sowas nur als Werbung einsetzen. Das ist doch kein Staubsauger-Vertreter. Ein Chirurg lässt sich so ein Gerät ja kaum von einem Hersteller aufschwatzen um es dann einzusetzen, nur weil er es eben leichtgläubig gekauft hat. Das glaub ich nicht.  Wenn er von einer Methode überzeugt ist, wird er natürlich versuchen die Vorzüge dem Patienten aufzeigen, okay vielleicht auch anpreisen. Wenn er aber nicht wirklich überzeugt ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass er so ein Gerät dauerhaft einsetzen wird, weil er dann nur Probleme mit unzufriedenen Patienten bekommt. Ich habe immer wieder mit Ärzten geredet, die mir ehrlich erzählt haben, dass sie diese oder jene Therapie,  Methode, Material etc. nicht (mehr) einsetzen, weil sie oder Kollegen schlechte Erfahrung damit gemacht haben.

Was ich mir vorstellen könnte, ist, dass manche Ärzte versuchen Nachteile solcher neuen Techniken abzuschwächen oder kleinzureden um den Patienten nicht zu verunsichern oder im schlimmen Fall um diese einfach zu verschleiern. Ich denke letzteres ist aber wirklich die Ausnahme. Jeder Arzt mit einem Ruf lässt sich auf sowas nicht ein. Dank des Internets kann (und sollte) sich ja jeder selbst informieren bzw. einlesen und den Arzt bei Zweifeln auch damit konfrontieren.

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Ich denke auch das kaum ein Chirurg an einem Verfahren festhält, dass ihn Zeit kostet und den Patienten unzufrieden macht. Gerade ein MKG-Chirurg ist wohl stark von seinem Ruf abhängig. Da es beide Lager gibt ist es wohl wirklich eher eine "Glaubensfrage".

Habe allerdings inzwischen doch ein paar Studien und Zahlen finden können, falls es jemanden interessiert:

1. Piezoosteotomy in orthognathic surgery versus conventional saw and chisel osteotomy (2008)

Fazit: Piezo verlängert die OP-Dauer nicht, verringert hingegen Blutverlust sowie Nervschädigung. Manchmal zusätzlich Hammer und Meißel nötig.

 

2. Comparison of piezosurgery and traditional saw in bimaxillary orthognathic surgery (2014)

Fazit: Piezo ermöglicht den Chirurgen bessere Ergebnisse im Vergleich zur traditionellen Methode, vor allem in Bezug auf Blutverlust während der OP (-25%), Post-OP Schwellungen sowie Nervschädigung. Das Gerät ist weniger "aggressiv" und sicherer bei invasiven chirurgischen Eingriffen wie Le Fort I, jedoch wird beim Unterkiefer nach wie vor die traditionelle Methode empfohlen, da vorhersehbareres Ergebnis sowie bessere Kontrolle und 35% schneller. Weitere Studien nötig...

 

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