JackFrost

Bimax - 29.04.16 - Priv.-Doz. Dr. Dr. Matthias Kreppel- Universitätsklinikum Köln

Hallo zusammen (sorry schonmal für den langen Bericht),

ich treibe mich schon länger im Forum, bin aber seit heute registriert und wollte einen Erfahrungsbericht von meiner Bimax Op schreiben. 
Bei mir sollte durch die Operation der Unterkiefer nach vorne verlagert werden. Der Oberkiefer sollte minimal zurückgesetzt und geschwenkt werden. 
Meine Zahnspange habe ich bereits seit 2 Jahren, bevor ich diese allerdings bekam sollte ich zur Logopädie da ich falsch geschluckt habe.
Ich war nicht besonders erfreut aber nach einem halben Jahr lag die Zunge wo sie sollte und die Behandlung konnte beginnen.

Einige Wochen vor der OP hatte ich einige Termine zur Voruntersuchung, Eigenblutspende, Bissabdruck sowie Röntgen.
Meine Operation sollte dann am 29.04.2016 sein. Ich wurde bereits am 28.04.16 stationär aufgenommen und sollte um 10.00 Uhr morgens in der Uniklinik erscheinen. Toll dachte ich mir... meinen letzten Tag darf ich also komplett im Klinikum verbringen. Naja ich meldete mich an, ging zum Anästhesie-Gespräch und bekam auch ein Bett in einem zwei Bett Zimmer. 
Mein Bettnachbar wurde 4 Tage vor mir operiert und man sah es im auch an, die Angst packte mich langsam und ich versuchte mich abzulenken. Das Zimmer und das Klinikum allgemein ist wirklich modern und sehr sauber und die Aussicht war der Hammer! Immerhin etwas.
Abends fragte ich die Schwester noch, um wieviel Uhr ich operiert werde, sie teilte mir mit das ich der erste sei (Gottseidank!). Somit blieb nicht viel zeit noch nervös zu sein.
Ab Mitternacht sollte ich nichts mehr trinken und essen. 

Am OP-Tag wurde ich dann um 06.00 Uhr von der netten Schwester geweckt. Ich bekam OP-Kleidung und sollte mich fertig machen, um 7.00 Uhr sollte ich nämlich vorbereitet werden. 
Ich habe mich angezogen, nahm die Beruhigungstablette und legte mich wieder ins Bett. Ich war doch ziemlich Nervös. 
Dann kam auch schon die Schwester und schob mich irgendwo hin, dort wurde dann ein Zugang gelegt usw. In dieser Spanne kann ich mich an nicht so viel Erinnern, ich weiß nur das sowohl die Ärztin als auch die Assistentin super nett und sehr kompetent waren. Alles hat geklappt und schon war ich weg, noch bevor ich in den OP geschoben wurde.

Als ich wieder auf der Intensivstation wach war, ging es mir extrem schlecht. Ich habe nur mitbekommen das meine Familie und Freund da war, mehr nicht.
Überall waren Schläuche, ich wurde übrigens verdrahtet und ich konnte nur durch den Mund atmen, es war einfach schrecklich. 


Meine Operation hat 6,5 Stunden gedauert und ich habe 2,2 Liter Blut verloren. Ziemlich viel, zum Glück hatte ich vorher zwei mal Eigenblut gespendet und somit konnte es ausgeglichen werden.

Die erste Nacht war der Horror. Ich bin Nachts wach geworden und mir war extrem Schlecht. Ich habe 3x etwas gespritzt bekommen aber es hat nichts gebracht.
Irgendwann merkte ich, dass ich nun brechen muss. Ich habe sofort auf den Knopf gedrückt und als der Krankenpfleger da war, habe ich angefangen Blut zu brechen.
Es war auch ziemlich viel. Es kamen 2 Pfleger zur Hilfe und 2 Ärzte. Ich habe in der gesamten Nacht 3x Blut gebrochen.
Ein Pfleger wollte dann den Draht aufschneiden, aber vor Panik das ich nochmal operiert werden müsste, habe ich ihn weggeschubst. 
Ich bekam Mittel damit die Wunden aufhören zu Bluten, aber es war altes Blut aus meinem Magen, welches ich während der OP verloren hatte. 
Es war einfach so viel, dass die mit dem Absaugen nicht nach kamen. Ich bekam nochmal etwas und ab da wurde es besser.
Die Ärzte meinten auch, dass der Draht nicht entfernt werden sollte und man abwarten müsste, dass das restliche alte Blut rauskommt. 

Ich hatte nun wahnsinnige Angst und bekam auch einige Panikattacken. Das Licht haben die Pfleger angelassen und das Radio angemacht, damit ich wieder runterkomme. 
Hier muss ich ein Lob an die Pfleger und vor allem an die Ärztin geben. Sie hat sich (trotz Blut) neben mir hingesetzt und mich getröstet, und mir Mut zugesprochen.
Naja ich habe mich auch geweigert mich hinzulegen, aus Angst das ich wieder Blut schlucken würde. Ich habe also die restliche Nacht im sitzen geschlafen.

2. Post Op Tag:
Heute bin ich auf die normale Station verlegt worden, meine Werte waren wohl trotz Horror Nacht gut. Naja der Tag war eigentlich nicht sonderlich großartig außer das es mir schrecklich ging. Essen bekam ich durch eine Magensonde. Und sonst habe ich nur geschlafen und bemerkt das meine Familie gekommen und gegangen ist. 

3. Post Op Tag:
Mir ging es wahnsinnig schlecht. Die Schwester kam und hat mich gefragt, ob ich den versuchen will aufzustehen. Da ich keine Lust mehr hatte im Bett zu bleiben und ich der Meinung war, dass Bewegung meinem Kreislauf hilft, habe ich genickt. Langsam aber sicher stand ich dann, ziemlich wacklig, aber ich stand. Die Schwester war natürlich zur Hilfestellung da. Mir war etwas schwindelig aber es ging. Ich sollte nun versuchen ins Bad zu gehen. Hat auch geklappt. Dort habe ich mich auf den Hocker gesetzt und mich im Spiegel angeguckt.
Ich habe sofort angefangen zu weinen. Meine Lippe war extrem angeschwollen und aufgeplatzt. Überall war Blut (aus meiner Nase, aus meinem Mund etc.) und mein Gesicht war ebenfalls extrem angeschwollen. Die Pflegerin hat mich sofort getröstet und meinte, so eine Schwellung wäre normal und mir Mut zugesprochen. Naja, der Katheter wurde entfernt. Die Magensonde ebenfalls und alle anderen Schläuche. Endlich konnte ich in meine eigene Kleidung. Glaubt mir, man fühlt sich gleich besser.
Ab hier ging es eigentlich Bergauf.

4. Post Op Tag:
Ich fühlte mich schon wesentlich besser. Essen konnte ich nicht, aber ich habe durch eine Lücke langsam die Suppe und den Pudding runter bekommen. Es hat wahnsinnig viel Zeit und Energie gekostet aber es hat geklappt. Der Tag war nicht besonders aufregend. Ich habe sonst durchgehend geschlafen.

5. und 6. Post Op Tag:
Hier ist ebenfalls nichts großartiges passiert. Meine Schwellung ist extrem runter gegangen und das hat mir extrem Mut gemacht. Ich sollte auch zum Röntgen und als ich mein Röntgenbild gesehen habe, war ich plötzlich hochmotiviert das alles gut zu überstehen. Es sah einfach perfekt aus. Es war symmetrisch und die Zähne haben alle aufeinander gepasst (obwohl ich noch einige Lücken im Unterkiefer habe). 

7. Post Op Tag: 
Ich wurde endlich entlassen. Der Chirurg hat den Draht entfernt und man fühlt sich schon viel besser. Ich habe dann feste Gummis reinbekommen, ich konnte dadurch mein Mund immer noch nicht öffnen aber nun fühlte sich mein Gesicht wenigstens nicht so schwer an. 

2. Woche Post Op
Als ich entlassen wurde, hat mich mein Bruder abgeholt und zu unseren Eltern gefahren. Ich wollte die erste Woche nicht alleine in meine Wohnung. 
Es wurde wirklich immer besser. Die Schwellung ging täglich runter und die Schwester meinte auch, dass die Schwellung bei mir sehr schnell abklingt. Ich war einfach Glücklich das es nun so bergauf ging. Ich lag und saß größtenteils, bin aber regelmäßig am Tag aufgestanden und gelaufen um den Kreislauf in Schwung zu halten.
Gegessen habe ich alle möglichen Suppen, Pudding und Säfte. 
Ende der Woche sollte ich zur Gummi Entfernung. Eigentlich war es ausgemacht das ich nun lockere Gummis reinbekomme, das hat aber die Assistentin bei meiner Entlassung falsch verstanden und ich bekam die Gummis und den Splint komplett entfernt. 
Gott ich war so überglücklich. Endlich Zähne putzen, endlich den Mund etwas bewegen. Ich bin direkt zum Kieferorthopäden gegangen (der mich netterweise auch direkt drangenommen hat). Ich sollte mein Mund öffnen und schließen, und er hat sich glücklich hingesetzt und mir mitgeteilt das ich keine weiteren Gummis brauchen würde. 
Mein Biss wäre perfekt, meine Zähne würden perfekt abschließen, und ich bekam einen Termin um die Behandlung der Zahnspange fortzuführen.

Info: Eine gute Freundin hatte ebenfalls eine bimax OP und musste 4 Wochen gummis tragen (vom Chirurgen aus). Wir haben den gleichen KFO, und auch er setzte ihr nochmal Gummis ein, die sie rausnehmen konnte zum essen und Zähne putzen. Da ich mich konstant bei meinem Chirurgen und KFO sicher gefühlt habe, habe ich nie eine Entscheidung angezweifelt und bereue es auch nicht. Ich habe auch mit meinem Chirurgen über meine OP geredet und er meinte trotz 6,5 h und Blutverlust wäre alles ohne Komplikationen Verlaufen.

3. Woche Post OP: 
Wahnsinn wie die Zeit vergeht denke ich mir. Die Schwellung ist schon extrem abgeklungen. Lediglich im Bereich der Platten am Oberkiefer habe ich noch eine Schwellung (die aber kein Fremder sehen würde) und an der rechten Wange leicht. 
Anfang der Woche bin ich aber nochmal zum KFO da mein Kiefer sich während des Schlafs immer automatisch geöffnet hat. Bei der Wundkontrolle meinte die Ärztin das wäre nicht so gut Anfangs, da ja die Wunde noch nicht geheilt ist und der Keifer nicht so belastet werden sollte. Ich bekam also zum schlafen Gummis damit sich mein Kiefer nur noch minimal öffnet.
Gegessen habe ich verschiedene Suppen, Frisubin Getränke und Puddinge. 

Zum Taubheitsgefühl noch etwas: Ich war anfangs natürlich überall Taub. Mittlerweile spüre ich auf der rechten Gesichtshälfte wieder etwas. Auf der linken Seite habe ich nur sehr wenig Gefühl, aber ich merke das es besser wird. An meiner Unterlippe spüre ich eigentlich nur Kälte und wenn ich reinzwicke (habe ich anfangs ausprobiert, da ich Angst hatte, dass das Gefühl komplett weg ist) oder mit den Borsten der Zahnbürste drankomme. Aber ich gebe mir da noch sehr viel Zeit, schließlich war es eine große OP.

Alle zwei Wochen soll ich zur Wundkontrolle und am 8. Juni habe ich meinen Termin bei der Logopädie (ich habe gemerkt das meine Zunge falsch liegt und beim Schlucken muss ich sehr Aufmerksam darauf achten das ich am Gaumen bin und nicht gegen die Zähne drücke.)

Ich bin gespannt wie es sich entwickelt und positiv gestimmt. Ich muss sagen das ich Anfangs wirklich sehr depressiv war und Angst hatte das es nicht besser wird. Aber 3 Wochen später und ich fühle mich schon viel besser. Ich werde erst in 3 Wochen was "festes" (Toast ohne Kruste) ausprobieren, da es ja ein gebrochener Knochen ist, und eine gebrochene Hand würde man auch nicht nach 2 Wochen schon belasten.

Liebe Grüße, JackFrost :)


 

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Hallo Jackfrost

herzlichen Glückwunsch - Du hast es hinter Dir :-)

Ich bin immer wieder faszienierend wenn ich Berichte lese und denke : WOW meine Op ist schon so weit weg .-)

Aber Du hast ja die ersten Tage echt ganz schön etwas mit gemacht :-(

Weiter alles Gute

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