SpesDD

Ambulante Genioplastik am 25.05.16 bei Dr. Schneider in Dresden

Hallo ihr Lieben,

schade, dass ich dieses Forum nicht schon eher entdeckte, ich bin seit heute dabei und finde es schön, auf so viele Gleichgesinnte zu treffen.

Ich bin schlecht darin, mich kurz zu fassen und habe für die, die nicht so viel lesen wollen, die relevanten Dinge fett hervorgehoben.

Meine Vorgeschichte:

Mein Kiefer ist zu klein, weshalb schon im Kindesalter vier meiner bleibenden Zähne gezogen wurden, um Platz zu schaffen (heutige Kieferorthopäden sind der Meinung, dies war falsch), ich wurde erblich bedingt mit stark fliehendem Kinn geboren, die Zähne waren schief und krumm, der Überbiss gigantisch. Ich war fast meine gesamte Kindheit über in kieferorthopädischer Behandlung, zunächst bei einer Kieferorthopädin in Neubrandenburg, die mir jahrelang eine Kopfkinnkappe aufzwang und auch generell viele Behandlungsfehler machte. Daher wechselten wir irgendwann zur Uniklinik Greifswald. Ich trug über 3 Jahre eine feste Zahnspange, vorher und nachher diverse lose.

Die kieferorthopädische Behandlung wurde mit 13 oder 14 als beendet erklärt, ich trug die lose Zahnspange danach so lange weiter, bis sie nicht mehr passte, die Zähne fingen an, sich wieder zu verschieben. Das stark fliehende Kinn hatte zur Folge, dass ich viele Jahre heftig gemobbt wurde, was eine jahrelange psychotherapeutische Behandlung nach sich zog und zu starken Problemen in meinem sozialen Umfeld führte. Mit 17 nahm ich erneut Anlauf, mich wieder in kieferorthopädische Behandlung zu begeben, ein neuer Arzt machte mir Hoffnung, dass die Krankenkasse das übernehmen würde, auf seine Empfehlung hin wechselten wir die Krankenkasse, um dann von ihm mitgeteilt zu bekommen, dass der Überbiss wohl doch nicht "schlimm" genug sei. Damit war das Thema erstmal durch, Selbst konnte ich mir eine Behandlung nicht leisten. Emotional war ich am Ende.

Ich bin nun 25 und nahm alle Kraft zusammen, einen erneuten Anlauf zu wagen. Dieses Mal in Dresden. Auch hier machte mir der Kieferorthopäde große Hoffnung, die Krankenkasse würde alles zahlen, eine erneute feste Zahnspange wäre notwendig usw., der Kieferchirurg hingegen war von Anfang an skeptisch. Nachdem mein Behandlungsplan mehrere Wochen angeblich nicht bei der Krankenkasse ankam, wurde der Antrag schlussendlich abgelehnt. Der Kieferorthopäde war zuversichtlich, durch einen Widerspruch und notfalls Gerichtsverhandlungen eine Zusage zu erhalten. Dafür fehlte mir die Kraft und auch die Zeit, ich will nach meinem Studium Ende des Jahres im Ausland arbeiten. Ich entschloss mich, auf die kieferorthopädische Vorbehandlung zu verzichten (hätte alles über 10.000 € gekostet, die ich als Studentin nicht habe) und begab mich in die Hände des Kieferchirurgen. Ja, ich habe auch häufig Kopfschmerzen, Kieferverspannungen, Kieferknacken, keinen korrekten Biss usw., aber womit ich am wenigsten leben konnte, war das fliehende Kinn. Psychische Schmerzen überwiegen nach meiner jahrelangen Erfahrung die physischen. Also beschloss ich, die Kinnplastik selbst zu zahlen. Und sobald dies entschieden war, ging alles ganz schnell.

Ich bin Patientin bei der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in Dresden bei Herrn Priv.-Doz. Dr. med. Dr. med. dent. Schneider. An seiner fachlichen Eignung zweifelte ich keine Sekunde, er hat diese OP schon einige Male durchgeführt und konnte mir tolle Ergebnisse zeigen. Er war von Anfang an etwas wortkarg, was das Aufklären über die gesamte OP angeht, die Termine dauerten nie lange, allerdings wusste ich ja aber auch ziemlich genau, was ich wollte. Unschön, und das muss ich auch einfach erwähnen, war die Art und Weise, wie die Kosten ans Tageslicht kamen. Bei meinem ersten Gespräch sprach er von 1500 €. Beim nächsten Gespräch erwähnte er das erste Mal die Mehrwertsteuer, also waren es plötzlich 1900 €. Dann wurde irgendwann beiläufig erwähnt, dass ich die Narkose auch extra zu zahlen habe, nochmal 300 €. Und beim letzten Termin vor der OP drückte er mir ein Rezept in die Hand, dass ich die Medikamente, die man mir während der zweistündigen OP verabreicht, vorher selbst in der Apotheke kaufen muss, nochmal 130 €. Da waren auch schon das Antibiotikum im Nachhinein und Iboprofen 600 dabei. Als die Kosten immer weiter anstiegen und ich meinen kürzlich ausgezahlten Bausparvertrag als bald aufgebraucht ansah, bat ich um einen Kostenvoranschlag. Für 25 € extra erhielt ich diesen per Mail. Ich bin gespannt, was die Rechnung schlussendlich zeigen wird. Ich hoffe so sehr, dass es im Rahmen bleibt, denn viel mehr Geld habe ich nicht und das weiß der gute Mann auch. Das ganze Unterfangen inklusive Plattenentfernung in einem halben Jahr wird mich um die 2250 € kosten. Einen besseren Anbau hätte ich mir von meinem Bausparguthaben nicht gönnen können. :D

 

OP-Tag: 25.05.2016

Ich hatte um 10.00 Uhr die OP, welche ambulant in der Praxis durchgeführt wurde. Ich war überrascht, wie riesig die Praxis im Hintergrund war, die hatten dort 3 OP-Räume, der Wahnsinn, alles höchstmodern und natürlich einwandfrei sauber. Eine Freundin hat mich begleitet, vor Ort stand plötzlich ein neuer Anästhesist vor mir, nicht der, mit dem ich die OP besprochen hatte. Tja und der wollte auf einmal 357 € von mir. Schön, dass die Schwestern mir vorab erklärten, es käme alles per Rechnung im Nachgang. Nein, ich musste an meinem OP-Tag die Praxis noch einmal verlassen, um das Geld von der Bank zu holen, da die OP sonst nicht stattgefunden hätte. Ist ja nicht so, dass man schon aufgeregt genug ist, ich tobte wirklich vor Wut, weil ich es unverschämt fand, wie mit Patienten umgegangen wird. Das sind eben alles Nachteile, wenn die Krankenkasse nicht zahlt. :( Und wer oben fleißig gelesen hat, wird erkennen: Die Narkose kostet schonmal 57 € mehr als ursprünglich veranschlagt, was mir zudem Sorgen bereitet.

Ich habe mich in einem kleinen Raum umgezogen, durfte meine eigenen Schlafsachen anbehalten, wurde von einer Schwester auf Socken in den OP-Saal geführt. Ich legte mich hin, man deckte mich zu, die Schwester fragte mich noch kurz etwas zu meinen Tattoos und schwupp, da war ich auch schon weg.

Ich bin schon beim Rausrollen aus dem OP wieder aufgewacht. Meine Freundin wartete bereits auf mich und die erste Frage, die ich ihr stellte, lautete wohl: "Bin ich schön?"

Ich war natürlich noch nicht schön - mit einem Druckverband fixiert und Blut an der Lippe. Meine Freundin half mir langsam beim Anziehen und ein Freund holte uns mit dem Auto ab. Als einzige Aussage vom Arzt an dem Tag weiß ich noch, dass er mir sofort sagte, er habe keinen Nerv verletzt und alles sei gut verlaufen. Alles andere war ja auch erstmal zweitrangig. Im Gepäck hatte ich sämtliche Privatnummern vom Arzt, um ihn jederzeit erreichen zu können, falls etwas sein sollte sowie einen Kontrolltermin in einer Woche.

An dem Tag schlief ich viel, meine Freundin blieb lange hier und mein Mitbewohner passte ebenfalls auf mich auf. Ich war sehr froh, dass ich überhaupt keine Übelkeit verspürte, denn das Erbrechen mit einem gerade zersägten Kiefer erschien mir unschön. Ich aß am gleichen Tag noch sehr kleingematschte Kartoffeln mit sehr zarten Königsberger Klopsen. Es war ein Kampf, aber es ging.

 

Die ersten 2 Tage nach der OP:

Was ich vielleicht dazu sagen muss: Ich schreibe gerade an meiner Bachelorarbeit und hatte eigentlich vor, mich direkt wieder ranzusetzen, daraus wurde bei mir aber nichts. Man liest ja oft davon, dass es vielen gar nicht solche Schmerzen bereitet, sondern eher ein Ziehen zu spüren ist. Ich - hatte - Schmerzen. Ich hatte wahnsinnige Schmerzen. Ich kühlte Tag und Nacht unaufhörlich, konnte nur auf dem Rücken schlafen und das auch eher schlecht als recht und habe mich auf folgende Mahlzeiten eingepegelt: Morgens eine zermatschte Banane, mittags ein Glas Babybrei (nachgewürzt, enthält aber wesentlich mehr wichtige Mineralien als einfach nur eine Brühe), abends eine Suppe mittels Strohhalm. Trinken ging auch nur mittels Strohhalm. Das Gesicht schwoll in diesen Tagen um ein Vielfaches an, der Druckverband sollte dies eindämmen. Um 6 Uhr, 14 Uhr und 22 Uhr sollte ich jeweils eine der Antibiotika-Tabletten nehmen, ekelhaft bitter das Zeug, es war jedes Mal eine Qual, aber ich zog es durch. Die Zähnte putzte ich vom ersten Abend an, spülte den Mund zudem nach jedem Essen aus, teils mit Wasser, teils mit Mundspülung.

 

Tag 3 - 4:

Nach den ersten zwei Tagen durfte ich den Verband abnehmen. Ich tat dies im Bad vor dem Spiegel und war dermaßen geschockt, dass ich 10 Minuten im Badezimmer auf dem Fußboden saß, mir war schlecht, ich hatte im Spiegel einen vollkommen neuen Menschen gesehen und somit begann die Panik: War es die richtige Entscheidung? Würde ich das alles bereuen? Wie soll ich es bezahlen, wenn ich es rückgängig machen ließe? Mein Kopf war zu diesem Zeitpunkt auf dem Höchststand der Schwellung und ich hatte schlichtweg Angst, dass mein Gesicht so bleibt. Eine unnötige Angst, aber sie war in diesem Moment da und das muss man ja berichten. Man darf sich nicht verrückt machen und muss Geduld bewahren. Ich schluckte täglich circa 4 Iboprofen und kühlte fleißig weiter. Die Mahlzeiten veränderten sich nicht großartig zu den ersten Tagen, die Hygiene setzte ich unverändert fleißig fort.

 

Tag 5 - 8:

An Tag 5 ging ich außerplanmäßig in die Praxis, weil ich besorgt feststellte, dass der Kiefer rechts knirscht/knackt und dies abklären wollte. Es wurde ein Röntgenbild erstellt, der Arzt konnte nichts entdecken und führte es auf die Schonstellung zurück. Auf dem Röntgenbild sah ich die verbauten Metallplatten, die genau bis zwischen die Zahnwurzeln reichen, da habe ich nicht schlecht gestaunt. Ich sprach auch das erste Mal meine Sorge an, dass ich die Lippen nicht schließen könne, er wirkte zunächst eher verwundert darüber und sagte, dass das vermutlich auf die Muskeln zurückzuführen sei und das sicher bald besser wird. Er piekste auch meine Lippe, die bis auf eine Stelle links außen schon wieder recht viel Gefühl hat, wenn auch noch etwas befremdlich.

Der Arzt war sehr zufrieden mit seinem Ergebnis und war überrascht, wie wenig ich angeschwollen bin (im Vergleich zu anderen Patienten, für mich selbst wirkte es dennoch enorm) und freute sich, dass ich kein bisschen grün und blau war, lediglich eine leicht gelbliche Färbung am Hals war zu erkennen.

Die Schmerzen wurden immer weniger und ich konnte so langsam durch die zurückgehende Schwellung erkennen, wie mein Gesicht mal aussehen wird und fing langsam an, mich so zu mögen. Das war ein sehr schleichender Prozess, da die Veränderung wirklich gravierend ist. Man selbst nimmt Veränderungen immer noch wesentlich intensiver an sich wahr. Es ist aber nicht so, dass mich meine Freunde nicht mehr erkannt haben.

Am 7. Tag nach der OP ging es zum Fäden ziehen. Meine Freundin begleitete mich wieder, ich hatte etwas Angst davor - zurecht, ich habe geheult und geschrien. An den seitlichen Nähten ging es, aber an den Ecken tat es höllisch weh, keine Ahnung weshalb. Der Arzt setzte Betäubungsspray ein, dadurch war es erträglich. Ich hatte weiche Knie, mir war schlecht und ich bereute es, an diesem Tag mit der Bahn gekommen zu sein. Aber auch das habe ich überstanden. Leider hatte er einen Faden vergessen, weshalb ich am Tag drauf noch einmal in die Praxis bin, da ich nicht wollte, dass der Faden weiter einwächst, das würde nur noch größere Schmerzen bedeuten.

Tag 8 war der bislang beste Tag für mich. Ich schminkte mich das erste Mal seit der OP wieder richtig und war inzwischen stolz und glücklich genug über mein neues Ich, dass ich meinen Freunden die vorher/nachher-Bilder zukommen ließ, und restlos alle sind begeistert und beglückwünschen mich zu meiner Entscheidung. Habe ich das Thema jahrelang nur den wenigsten offenbart, fällt es mir jetzt unglaublich leicht darüber zu reden, denn ich kann nun erhobenen Hauptes durch die Straße gehen und mich in meinem eigenen Körper endlich wohlfühlen. Das Antibiotikum habe ich an Tag 8 auch das letzte Mal genommen, ein Glück!

 

Aktueller Stand - Tag 9:

Die Schwellung dürfte weitestgehend zurückgegangen sein. Das Einzige, was mich aktuell noch stört, ist der Fakt, dass ich die Lippen nicht schließen kann. Dies wird sich hoffentlich durch Aufweichen der Naht und Dehnung der Lippe mit der Zeit geben, aktuell steht der Mund wirklich dauerhaft offen und das nicht nur ein bisschen.

Dadurch, dass während der OP die Zunge leicht in Mitleidenschaft gezogen wurde, kann ich diese auch immer noch nicht so gut bewegen, also weder meine Lippen befeuchten, noch sehr gut das Essen zum Rachen bewegen. Zum Frühstück wage ich mich inzwischen an weichen Toast mit Schokiaufstrich heran (um mal wieder mehr kcal zusammen zu kriegen), über den Tag folgen dann 2-3 Gläser diversen Babybreis (gibt echt leckeres Zeug), ab und an Grießbrei und Suppe. Neulich lutschte ich ein Stück Dönerfleisch, das war geil. :D

Die untere Zahnreihe spannt noch sehr stark, es erinnert mich vom Gefühl her an den Druck, den die Zahnspangen früher ausgeübt haben, mein Zahnfleisch vorne unten ist auch noch komplett taub. Als ein Spannungsgefühl kann man es wohl auch generell im Kiefer beschreiben, wobei ich da noch die Note "eklig" hinzufügen will. Es ist einfach ein super ekliges Gefühl, was da durch den Kiefer zieht, genauer kann ich es nicht definieren.

 

Abschließend möchte ich Folgendes betonen: Man liest vor so einer OP und auch danach viel im Internet und zwar definitiv mehr Negatives, als Positives. Das liegt einfach daran, dass die Leute mit ihren Sorgen immer eher ins Netz gehen, als mit ihrem positiven Feedback. Ich möchte hier klar und deutlich betonen: Ich bereue nichts. Ich bin überglücklich, diesen Schritt gegangen zu sein und trotz einiger schwieriger Umstände würde ich es jedem empfehlen. Es wird für mich der Startschuss für mein neues Leben und meine Fresse, darauf freue ich mich sehr.

vorher nachher.jpg

 

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vor einer Stunde schrieb SpesDD:

meine Fresse, darauf freue ich mich sehr.

Sehr treffend ausgedrückt.

 

Du bist ein Fall, bei dem der Unterschied - soweit man dich auf dem Post-OP-Bild erkennen kann - wirklich augenfällig ist. Ich würde sagen: +6 Punkte auf der Horse'schen Attraktivitätsskala.

 

Ach ja, und wegen der Heilungsphase: Gib dir da Zeit.

2 Tage sind gar nichts, 3 Wochen sind wenig. Viele verfallen in Panik, wenn nach 3 Wochen irgendwas noch nicht stimmt, denn irgendwie ist das die Zeitspanne, nachdem man glaubt das Endergebnis abschätzen zu können. Aber über einen Zeitraum von 3 Monate kann es sein, dass sich da optisch noch was tut. Dass sich die Muskulatur umstellt, es irgendwo ziept oder kitzelt, wo es vorher nicht gekitzelt hat usw.

Und am allerlängsten dauert es, bis du dich psychisch an dein neues Erscheinungsbild gewöhnt hast - das ist ein Prozess, der kann sich über Jahre hinziehen.

 

Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft!

Dein Bericht macht Mut.

 

LG
Horse

 

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Der Gutachter hat entschieden, dass die Behandlung bei mir eben nicht medizinisch notwendig sei, die Schmerzen, das Knacken usw. werden in diese Entscheidung wohl gar nicht mit einbezogen, sondern lediglich die festen Maßgaben, die erfüllt sein müssen. Bei mir liegen die Zahnreihen nicht mehr weit genug auseinander, der Überbiss ist nicht "schlimm" genug, daher wurde es abgelehnt. Die OP alleine sehen sie noch weniger als notwendig an, das wird eher als Schönheits-OP verstanden, daher leider keine Chance.

Enttäuscht bin ich darüber auch, wenn ich mir überlege, dass die Krankenkassen lieber jahrelang Symptome bekämpfen, als die Ursachen (psychotherapeutische Behandlung, Ergotherapie usw. - hatte ich alles). Bei Brustvergrößerungen kann man über die psychischen Belastungen gehen, in solchen kieferorthopädischen Fällen nicht. Absolut unverständlich, aber ich habe es wirklich versucht. Ich habe auch mehrfach geweint, als ich mit der Krankenkasse sprach, jedes Mal ein anderer Mensch am Telefon, jedes Mal musste man diese Geschichte neu erzählen, die einen eh schon fertig gemacht hat.

 

An das optische Erscheinungsbild habe ich mich jetzt eigentlich schon gewöhnt. Es war etwas schwierig anfangs, jetzt ist aber alles gut. So habe ich es mir mein Leben lang erträumt. :)

Vielen Dank für Dein Feedback!

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Nachdem aus einer "Unterkiefervorverlagerung" hier eine "Genioplastik" geworden ist, ist die Diskussion um die Kostenübernahme seitens der Krankenkasse…

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Hallo SpesDD,

Deinen Bericht habe ich gerade gelesen und bin sehr beeindruckt. Ich finde Deinen Schritt sehr mutig und das Ergebnis gelungen. Du siehst jetzt richtig toll aus. 

Meine Vorgeschichte ist aehnlich und mein Aussehen (das Kinn) sehr aehnlich. Ich habe so sehr unter diesem Kinn gelitten. Und man kann ein fliehendes Kinn einfach nicht vertuschen, es ist einfach immer da. Ich habe viel gelacht/gelaechelt, weil ich dachte, dass es dann nicht so schlimm aussieht. Ich wurde oft gefragt "warum schaust Du so traurig?" und am liebsten haette ich geantwortet "ich schaue nicht traurig, ich sehe so aus". Der Gesichtsausdruck mit einem fliehenden Kinn wirkte bei mir immer irgendwie missmutig, traurig und wenig selbstbewusst. Das hat mich sehr gestoert.

Leider musste ich ueber 40 Jahre mit diesem Kinn leben. Mit 25 wusste ich gar nicht, dass es ueberhaupt so eine Moeglichkeit der OP gibt. Das Geld haette ich ohnehin nicht gehabt. 

Mit weit ueber 40 bin ich den ganzen, steinigen Weg gegangen. Die Krankenkasse hat die Kostenuebernahme abgelehnt, obwohl die Behandlung medizinisch notwendig war. Mein Biss war auch nicht in Ordnung und ich musste deshalb das volle Programm machen: Kieferorthopaedie, Bimax und Genioplastik. 

Zwar ist nicht alles rund gelaufen, aber ueber die Genioplastik bin ich uebergluecklich. Ich bin dadurch ein neuer Mensch geworden. Ich aergere mich fast, dies nicht alles schon viel eher gemacht zu haben. 

Sei froh, dass Du noch so jung bist, so wird sich alles viel besser anpassen. Ich hatte nach der OP lange Physiotherapie und jetzt (nach weit ueber einem Jahr) spannt mein Kinn immer noch. 

Meine Tochter hat leider das gleiche fliehende Kinn von mir vererbt bekommen. Das macht mich ziemlich traurig, da sie ansonsten sehr huebsch aussieht. Bisher ist sie ein selbstbewusstes, junges Maedchen und es scheint sie gar nicht zu stoeren. Aber mir ist klar, dass sie irgendwann damit unzufrieden sein wird. Sie ist im Moment in kieferorthopaedischer Behandlung. Dort werden Zaehne und Kiefer bestmoeglich angepasst, aber das fliehende Kinn bleibt natuerlich. Aber es beruhigt mich, dass sie spaeter nicht das ganze Programm mit Bimax durchziehen muss, sondern eine Genioplastik ausreichend sein wird. 

Ich wuensche Dir alles Gute fuer Deine Heilungsphase und ganz viel nettes Feedback zu Deinem Aussehen. 

Roda

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Hallo Roda,

danke für Deine lieben Worte. Es tut unheimlich gut, auf Menschen zu treffen, denen es genauso geht, wie einem selbst, die einen endlich wirklich verstehen. Ich wünschte, so ein Forum hätte es schon ab Ende der 90er Jahre gegeben, denn ab diesem Zeitpunkt ging das bei mir so richtig los und man fühlte sich immer so allein damit. Zwar hat meine halbe Familie ebenfalls ein fliehendes Kinn, nur wurde niemand von ihnen gemobbt, wie das bei mir der Fall war. Diesen ganzen Horror musste ich alleine durchstehen und machte mich zu dem Menschen, der ich heute bin. Dieses Forum hier ist wirklich eine Stütze, wenngleich ich es erst nach meiner Operation entdeckte.

Zumindest kannst Du Dir heute sicher sein, dass die Behandlung bei Dir erfolgreich war. In den 90er Jahren war das alles noch etwas rückständig. Wie gesagt, ich musste jahrelang eine Kopfkinnkappe tragen. Da hat sich viel getan in den letzten Jahren, von daher ist es vielleicht gut, dass Du es erst jetzt hast beheben lassen. Aber ich verstehe Dich, auch ich denke mir "warum konnte ich es nicht gleich mit 18 machen lassen, es hätte mir mein Leben erleichtert", aber die Dinge sind nunmal, wie sie sind.

Durch das Lächeln wurde es wirklich besser, auf Fotos konnte ich es durch mein Lachen und die richtige Position auch recht gut verbergen. Nur eben nicht immer. Und ich wusste ja trotzdem, dass es da ist.

Hat sich Dein Gesichtsausdruck wirklich maßgeblich verändert? Soweit ich das jetzt abschätzen kann, hat sich an dem Winkel meiner Lippen eigentlich gar nicht großartig etwas verändert. Aber das muss ich mal vergleichen, wenn alles abgeheilt ist. Die Aussage, ich würde immer traurig oder aber genervt/wütend aussehen, kenne ich auch. Wenn ich normal oder konzentriert schaute, haben das viele Menschen missverstanden und ich musste dauernd krampfhaft lächeln, damit ich nicht falsch rüberkomme.

 

Vielleicht wird Deine Tochter sich auch nie an dem Kinn stören. So wenig Du und ich das auch verstehen können. Das kommt auch ganz stark auf ihr Umfeld an. Wäre ich nicht jahrelang heftig gemobbt worden, hätte ich mich selbst vermutlich nie so daran gestört. Wenn ich einmal Kinder haben sollte, dann werde ich alles dafür tun, dass sie keine seelischen Qualen durchleiden müssen. Das fliehende Kinn wird definitiv weiter vererbt werden, sehe es ja in der gesamten Familie. Wenn meine Kinder sich damit unwohl fühlen, werde ich ihnen die Operation so früh wie möglich bezahlen. Sie sollen es besser haben. Ich denke, anders wirst Du es auch nicht handhaben. Ich hoffe nur, sie frisst es nicht in sich hinein, sollte sie mal geärgert werden, sie muss Dir das von Anfang an alles sagen, damit Du handeln und ihr helfen kannst. Ich habe früher alles in mich reingefressen und war vollkommen alleine damit.

 

Danke für Dein Feedback, es bereichert mich. Ich reiche Dir die Hand.

Alles Gute auch für euch!

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Hi!

So ein Effekt ist mir auch oft aufgefallen: Ich laufe eigentlich mit einem ganz entspannten Gesicht durch die Gegend, und die Leute geben mir die Rückmeldung, dass ich traurig aussähe. Oder wütend. Oder irgendwie … nicht vertrauenswürdig. Viele konnten es gar nicht genau benennen, aber irgendwas fanden sie komisch an mir.

 

Ich bin ziemlich sicher, dass es die Asymmetrie war, die ihnen aufgefallen ist. Das tückische daran ist, dass die eigentlich nur beim Lächeln und beim Sprechen erkennbar wird, weil man die Stellung der Zähne zueinander bei geschlossenem Mund nicht sieht. Mein Lächeln sah immer irgendwie "verschmitzt" aus, worauf meine Umwelt eigentlich immer mit einer Mischung aus Interesse und Misstrauen reagierte. 

Jetzt, wo ich nach der OP noch so stark geschwollen bin, wirke ich irgendwie anders. Die Menschen mir teil mit mehr Mitgefühl, teils mit viel mehr Humor als vorher.

Vermutlich, weil mein geschwollenes Gesicht einfach irgendwie nach "gut genährtem Baby" aussieht und dadurch auch entsprechende emotionale Reaktionen bei den Mitmenschen auslöst.

 

Es ist also im Alltag mitnichten so, dass "die inneren Werte" zählen. Ich würde sogar einen Schritt weiter gehen und sagen, dass im Leben eines Menschen die Umwelt einem irgendwelche Eigenschaften zuschreibt, und wenn man das glaubt, was die einem erzählen, dann hält man diese Eigenschaften irgendwann für seine "innere Werte".

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Dein Bericht hat mich wirklich sehr beruehrt. Ich kann mir vorstellen, was Du mitgemacht hast. 

Ich habe zuletzt, vor der ganzen Geschichte, zu einer Freundin gesagt "das Problem ist, dass ich nicht so aussehe wie ich bin". Ich bin eigentlich ein froehlicher Mensch, aber dieses Kinn hat mich so traurig gemacht. 

Ich wurde zwar nicht gemobbt, aber so richtig ernst genommen fuehlte ich mich oft auch nicht. Bei Vorstellungsgespraechen habe ich oft gedacht "wie kann ich selbstbewusst rueberkommen, wenn ich nicht so aussehe?". Das ist echt schwierig. Der erste Eindruck ist nun mal entscheidend und Dein Gesicht ist Deine Visitenkarte. Auf Fotos gibt es mich fast nur lachend, weil ernst/normal schauend einfach bloed aussah. 

Ich habe frueher aber tatsaechlich gedacht, dass ich ein Einzelfall bin. Alle Leute, die ich sah, hatten ein "normales" Kinn. Irgendwann sah ich im Supermarkt mal eine Frau mit einem aehnlichen Kinn. Ich glaube, ich habe sie angestarrt. Haette ich das Forum vorher schon entdeckt, haette mir das sicher sehr geholfen. Frueher gab's ja auch gar kein Internet. 

Ich finde, dass sich mein Gesichtsausdruck sehr geaendert hat. Ich sehe wirklich ganz anders aus, viel besser. Das erhoffte positive Feedback ist allerdings ausgeblieben, was mich zunaechst sehr irritierte. Die meisten haben gar nichts dazu gesagt oder dass es "anders" aussieht. Einmal wurde ich sogar wegen der OP bedauert und man sagte mir mit troestenden Worten"Bestimmt ist bald alles wie vorher". Da hat wohl jemand etwas nicht verstanden. 

Perfekt ist es (noch) nicht, ich trage noch meine Zahnspange und enge Elastics (diese Zahngummis), die an meinen Muskeln zerren. Bald kommt die Zahnspange raus und ich hoffe, dass dann alles entspannter aussieht. Ausserdem spielt vermutlich auch das Alter eine Rolle. 

Trotzdem: ich kann jedem, der unter einem fliehenden Kinn leidet (es gibt ja wirklich unterschiedliche Auspraegungen und ein leicht fliehendes Kinn muss ja nicht schlecht aussehen) nur empfehlen diesen Schritt zu gehen. Es ist ein grosser Gewinn an Lebensqualitaet. 

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Hi SpesDD!

Lange nichts von dir gehört! Wie geht es dir inzwischen? Ist alles gut verheilt? Hast du noch probleme mit dem lippenschluss oder so?

 

Am 3.6.2016 um 22:04 schrieb SpesDD:

Bei meinem ersten Gespräch sprach er von 1500 €. Beim nächsten Gespräch erwähnte er das erste Mal die Mehrwertsteuer, also waren es plötzlich 1900 €. Dann wurde irgendwann beiläufig erwähnt, dass ich die Narkose auch extra zu zahlen habe, nochmal 300 €.

Ja, das ist das dumme an den Schönheitsoperationen: Für die wird - im gegensatz zu allen anderen Arztrechnungen - auch Mehrwertsteuer fällig.

Am 3.6.2016 um 22:04 schrieb SpesDD:

Tja und der wollte auf einmal 357 € von mir. Schön, dass die Schwestern mir vorab erklärten, es käme alles per Rechnung im Nachgang.

Die wussten wohl nicht, dass du selbstzahler bist...

Am 3.6.2016 um 22:04 schrieb SpesDD:

Das sind eben alles Nachteile, wenn die Krankenkasse nicht zahlt. :( Und wer oben fleißig gelesen hat, wird erkennen: Die Narkose kostet schonmal 57 € mehr als ursprünglich veranschlagt, was mir zudem Sorgen bereitet.

Dann kam auf den - Branchenüblich netto kalkulierten - Kostenvoranschlag für die Narkose hier wohl auch noch die Mehrwertsteuer, drauf, richtig?

Weiterhin alles gute!

CU

 

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Liebe SpesDD!

Danke für Deinen Beitrag! Er macht Mut. :-)

Weißt Du, um wie viele Millimeter Dein Kinn vorverlagert wurde? Auf den Profilfotos "Vorher" und "Nachher" sieht es perfekt aus.

Gab es eine Computersimulation vorher? Und wenn ja, entsprach diese dann ungefähr dem tatsächlichen Ergebnis?

Ich würde mich über Deine kurze Antwort sehr freuen. Ich habe in zwei Wochen einen Termin für eine Kinnplastik im UKE (Hamburg) und hadere nun plötzlich mit dem Entschluss, weil ich große Angst habe, dass es nicht schön wird und von vorn dann irgendwie "komisch" aussieht.

Liebe Grüße

Susisschwester

 

 

 

 

 

 

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Am 3.6.2016 um 22:34 schrieb SpesDD:

Enttäuscht bin ich darüber auch, wenn ich mir überlege, dass die Krankenkassen lieber jahrelang Symptome bekämpfen, als die Ursachen (psychotherapeutische Behandlung, Ergotherapie usw. - hatte ich alles). Bei Brustvergrößerungen kann man über die psychischen Belastungen gehen, in solchen kieferorthopädischen Fällen nicht. Absolut unverständlich, aber ich habe es wirklich versucht. Ich habe auch mehrfach geweint, als ich mit der Krankenkasse sprach, jedes Mal ein anderer Mensch am Telefon, jedes Mal musste man diese Geschichte neu erzählen, die einen eh schon fertig gemacht hat.

An das optische Erscheinungsbild habe ich mich jetzt eigentlich schon gewöhnt. Es war etwas schwierig anfangs, jetzt ist aber alles gut. So habe ich es mir mein Leben lang erträumt. :)

Deinen späteren Kindern und Kindern im Bekanntenkreis mit ähnlicher Knochensituation kannst Du diesen Weg ersparen. In Deinem Fall hätte m.E. nach der erste Kieferorthopädie Dich gleich in Richtung einer OP routen sollen - mit Zahnspangen kommt da nur eine "protrudierte kinnlose Front" raus.

Also mit dem Nachwuchs gleich zu einem guten Chirurgen, der die Planung macht und den KFO anleiten kann. Dann zahlt die Kasse auch  alles.

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