tobias23

UK-Vorverlagerung + Kinnkorrektur am 23. Juli 2007 im KH Hietzing, Wien

Sonntag (vor der OP):

Um 14 Uhr meldete ich mich bei der Aufnahme an ("Ah, sie waren erst vor kurzem bei uns." - "Ja! :mad:"). Auf der Station (allgemeine Chirurgie, wobei sie besonders viele Patienten mit Erkrankungen im Verdauungstrakt und Bauchraum haben, wie ich später erfahren habe) bekam ich ein Armband und ein Bett zugewiesen.

Die beiden Patienten neben mir schienen schwer krank zu sein (einer hustete ständig und spuckte Schleim in eine Schale) und so vermutete ich, dass ich auch nach der OP der fitteste im Zimmer sein werde. Die Schwester kam noch mit Formularen vorbei, meinte, dass es für mich hier wohl nicht so angenehm sei und dass sie fragen werde, ob sich da etwas machen lässt. Zwei Ärzte schauten wegen der allgemeinen Anamnese und einem EKG vorbei - gleich darauf wieder die Schwester: Ich durfte in ein freies Einzelzimmer. Dort gab es bald Abendessen ("Nein, bitte keine Suppe"). Ein OP-Pfleger erklärte mir den Ablauf vor/nach der OP und später schaute noch die Nachtschwester vorbei. Um Mitternacht war ich schon wieder hungrig, das Abendessen war wohl zu früh und zu wenig.

Montag (OP-Tag):

Ich wurde wach und hatte auch schon einen Fieberthermometer im Ohr. Die Uhr zeigte 5:18, also noch ausreichend Zeit um zu Duschen, die Anti-Thrombosestrümpfe und das OP-Hemd anzuziehen. Um 7 nahm ich die Beruhigungstablette, kurz vor 8 wurde ich abgeholt.

Ich wechselte auf den OP-Tisch, lehnte die Entspannungstechnik ab und die Anästhesistin stellte sich vor. Die Infusionnadel wurde mir gelegt, die EKG-Elektroden geklebt und angeschlossen und ich wurde auf dem OP-Tisch fixiert. "Denken Sie an was Schönes!" und "Über die Maske bekommen Sie Sauerstoff." (war wirklich so) hörte ich noch, danach bekam ich vorerst nichts mehr mit.

Im Aufwachraum war ich zuerst noch ziemlich benommen, das Bild an der Wand (Bild von einem Narkosegerät) hielt ich für moderne Kunst. Ich lag auf der Seite, leicht zusammengerollt, auf/unter den Wangen hatte ich Kühlkissen. Die Maske hatte ich noch aufgesetzt, am Finger hing der SpO2-Sensor, das Blutdruckmessgerät wurde regelmäßig aktiv. Um 14 Uhr sah ich zum 1. Mal auf die Uhr an der Wand. Ich kam mir alleine und verlassen vor, sah nicht was es außer der Wand mit der Uhr und dem Bild noch im Raum gab. Ich schob die Maske weg und dachte mir dabei schon, dass ich ordentlich geschwollen war. Aber es interessierte sich anscheinend niemand für mich. Gut, dann weg mit dem Fingersensor. Nach ein paar Sekunden piepste es und jemand kam vorbei. Maske und Fingersensor wurden wieder befestigt. Ich sollte sie so lassen, sie würden noch benötigt. Ok, überredet.

Ich döste etwas, im Hintergrund hörte ich Stimmen. Ich wurde gefragt, ob ich Schmerzen habe. Ich nickte und bekam eine Infusion, die Kühlkissen wurden auch gewechselt. Die Uhr zeigte mittlerweile 16 Uhr an und ich bemerkte, dass ich einen Harnkatheter hatte. Ich zeigte darauf und die Schwester meinte, dass mir der vor der OP gelegt wurde und er mir auf der Station bald gezogen werde.

Um ca. 17 Uhr wurde ich zurück in mein Zimmer geschoben, bekam eine Schnabeltasse mit Wasser und eine Nierenschale mit Papiertüchern. Ich spuckte etwas Blut in die Schale und bemerkte, dass mein Bett ziemlich blutig war, die Blutflecken aber mit Tüchern abgedeckt waren. Da hatte ich wahrscheinlich im AWR Blut erbrochen, erinnern kann ich mich daran nicht. Ich wollte mir gleich auch den Harnkatheter ziehen lassen, aber die Schwester meinte, dass ich noch nicht aufstehen sollte und er daher besser noch bleiben sollte. Na gut. - Aber: So konnte ich nicht in den Spiegel schauen und an mein Handy (in einem Fach über meinem Bett versperrt) kam ich auch nicht. Also rief ich die Schwester, ließ mir den Harnkatheter ziehen (tat nicht weh, brennte nur leicht danach) und die Gitter wieder nach unten klappen. Ich stand auf und sah in den Spiegel: "Ja, das muss dann wohl ich sein", dachte ich mir, als ich einen Kopf mit Riesenbacken im Spiegel sah. Ich holte frische Kühlkissen, ließ mir den Schlüssel geben, schrieb eine SMS, dass ich die OP überstanden hatte und fotografierte mich vor dem Spiegel ("Soll ich da jetzt Hoch- oder Querformat verwenden?")

Später wurde mein Bett frisch gemacht, ich erhielt ein neues Hemdchen, Wasserstoffperoxid ("Prickelt wie Champagner aber schmeckt leider nicht so gut.") zum Spülen und Schmerzmittel (Voltaren). Sprechen konnte ich auch schon, aber jedes Wort war anstrengend.

Nach einer weiteren Schmerzmittelinfusion um 4:30 konnte ich endlich etwas schlafen.

Dienstag (1. Tag post-OP):

Den Morgen habe ich verschlafen, aber danach ging es mir gut (Ich hatte keine Schmerzen und las sogar in einem Buch). Bei der Visite ("Ah, die Kieferpatienten erkennt man wenigstens gleich!") sagte ich das auch und nach einer Trinkvorführung mit der Schnabeltasse meinte ein Arzt, dass die Kieferchirurgen später vorbeikommen würden. So war es auch. Fast zeitgleich mit meinem Mittagessen (2 Tassen klare Suppe; auf meinem Schild am Bett stand "Kost Post-OP: kühl, klar, flüssig") kam Prof. Millesi und meinte, dass die OP gut verlaufen sei und der Splint passen würde. Er bestätigte, dass meine Schwellung sehr stark war und testete noch das Gefühl meiner Unterlippe (auf beiden Seiten tw. da). Kurz darauf kamen zwei weitere Kieferchirurgen, erzählten dasselbe wie Prof. Millesi und schauten mir in den Mund (den ich noch kaum öffnen konnte).

Am Nachmittag und Abend (Abendessen: 2 Tassen klare Suppe) ging es mir trotz Schmerzmittel nicht so gut, ich war unruhig, konnte mich überhaupt nicht konzentrieren und versuchte mich mit Fernsehen und Radio abzulenken. In der Nacht wurde mir auch noch schlecht und ich merkte, wie die Schwellung stärker wurde.

Mittwoch (2. Tag post-OP):

Nach einer schlaflosen Nacht war die Schwellung am Morgen so stark, dass sie etwas auf die Luftröhre drückte. Zumindest war die Atmung erschwert, eine Ärztin schaute sich das kurz an. Etwas später wurde ich abgeholt und zur MKG-Ambulanz gebracht. (Da das Krankenhaus aus einem weitläufigen Gelände mit vielen "Pavillons" besteht, werden die Patienten mit kleinen Bussen transportiert.) Dort fragte mich niemand wegen meiner Atmung sondern die sowieso für diesen Tag geplanten Röntgenbilder wurden erstellt. Aber mir ging es schon besser, der Arzt war mit den Bildern zufrieden und so ging ich alleine zu Fuß zurück auf meine Station. Eigentlich wollte ich duschen, aber nach der Visite wurde erst noch die tägliche Flüssigkeitsinfusion (1 Liter Ringer-Lactat) angehängt. Ein Kieferchirurg kam vorbei, war mit meinem Biss zufrieden und meinte, dass ich ab Donnerstag Brei bekomme. Nachdem die Infusion endlich fertig war, duschte ich mich und es ging mir gleich besser. Aber nur kurz, den restlichen Nachmittag und Abend versuche ich irgendwie vorüber zu bringen, die wieder einmal schlaflose Nacht auch.

Donnerstag (3. Tag post-OP):

Ich ließ mir sehr früh Voltaren geben, fühlte mich gut und spazierte im Freien (noch angenehm kühl!). Am Vormittag besuchte mich meine Mama, während ich gerade auf dem Weg in die MKG-Ambulanz war. Am Gang erkannte sie mich erst gar nicht. In der Ambulanz durfte ich ohne Splint meine Zähne putzen und die Ärztin war mit dem Biss zufrieden. Zurück auf der Station bekam ich meine erste breiige Nahrung, Kartoffelpüree, Cremespinat, Fleisch und Apfelmus. Das Apfelmus aß ich sofort, der andere Teller musste erst noch auskühlen. Kaum hatte ich den letzten Löffel Apfelmus im Mund, wurde ich müde und schlief ein bisschen. War ich wegen dem Hunger trotz schlafloser Nächte am Tag immer munter gewesen? Nachmittag und Abend verliefen wie ich es schon gewöhnt war, am Abend bekam ich Griesbrei.

Freitag (4. Tag post-OP):

Erstmals gab es nur eine Infusion, Antibiotika, am Morgen. Nach meinem ersten Frühstück im Krankenhaus (Joghurt) war ich noch einmal zur Kontrolle und zum Zähne putzen in der MKG-Ambulanz. Danach musste ich nur noch packen und durfte nach Hause.

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Seit der Entlassung:

Zu Hause habe ich Unmengen an Cremesuppen und sonstigem breiigen Essen verschlungen. Meine Mama war bis gestern in Wien und hat für mich gekocht. Jetzt fühle ich mich körperlich wieder einigermaßen fit und bin nicht mehr so abgemagert wie im Krankenhaus nach drei Tagen Wasser und klare Suppe.

Zu Hause kann ich auch besser schlafen. Am Wochenende waren es zwar auch nur 2x am Tag 3 bis 4 Stunden, aber mittlerweile komme ich auf 5 Stunden am Stück. Am Montag und heute war ich zur Kontrolle in der Ambulanz. Die Ärztin war jeweils zufrieden, heute hat sie mir auch schon die Fäden gezogen. Derzeit "blutet" es im Mund leicht an den Stellen, an denen die Fäden waren. Das kommt vom Abbau des Hämatoms und ist unbedenklich. Ohne Fäden darf ich jetzt auch schon mehr essen, nicht nur Brei sondern auch Weiches wie Nudeln oder Reis. Da die Schwellung bei mir sehr stark war, habe ich mir Lymphdrainage verordnen lassen. Leider übernimmt meine KK die Kosten nicht und ich überlege derzeit noch, ob ich die Lymphdrainage trotzdem machen lassen und selbst zahlen soll.

Zur OP: Mein UK wurde nach vorne verlagert (so 5 bis 6 mm), leicht nach unten geschwenkt (wegen dem Tiefbiss) und auf jeder Seite mit drei Schrauben fixiert. Die Kinnspitze wurde um je 2 bis 3 mm nach vorne und unten verlagert. Mein Kinnknochen ist anscheinend sehr hart und statt einem Sägeblatt haben die Chirurgen drei Sägeblätter benötigt. Das Anästhesieprotokoll geht über 5 Stunden, da ist aber die Ein-/Ausleitung der Narkose und die sonstige Vorbereitung (zB Desinfektion) dabei. Es wurde mir ein Harnkatheter gelegt, der Beutel war auch ziemlich voll. Außerdem habe ich ca. 500 ml Blut verloren. Laut den Chirurgen ist das alles im Normalbereich.

Gefühl: Das Gefühl in der Unterlippe und am Kinn ist schon teilweise wieder da. Am Donnerstag und Freitag (in der OP-Woche) hat es sehr stark in der Lippe gekribbelt. Besonders bei den Kontrollen, wenn der Splint entfernt und wieder eingesetzt wurde, war das unangenehm. Mittlerweile kribbelt es nur noch gelegentlich, aber mir scheint, das Gefühl kommt langsam immer mehr zurück.

Splint: Der Splint war bei mir nach der OP mit Draht an der Spange im OK befestigt, der OK war seitlich mit dem UK durch kurze, kräftige Gummiringe verbunden. Bei den Kontrollen wurde mir der Splint entfernt und ich konnte meine Zähne gründlich putzen. Seit heute habe ich zwei Drahtösen am Splint. Er ist jetzt mit Gummiringen an der Spange befestigt und ich kann ihn selbst zum Putzen entfernen.

Schmerzen: Ich habe oben ein paar Mal geschrieben, dass das Schmerzmittel nicht wirkte. Das ist nicht ganz richtig. Es gab nur ein gewisses Schmerzniveau, das erträglich, aber meistens (außer am Vormittag) trotz Voltaren da war. Ich konnte mich dadurch nicht konzentrieren und schlafen war auch kaum möglich. Seit ich zu Hause bin, ist das etwas besser. Ich nehme aber noch Parkemed.

Noch ein Tipp: Lasst euch wenn möglich keine Infusionsnadeln in die Armbeuge legen, die können dort sehr stören. Es hängt natürlich auch immer davon ab, wie die Nadel in der Vene liegt, aber meine 2. Nadel am Unterarm hat mich am Wenigsten gestört.

Bilder habe ich im dafür vorgesehenen Forum gepostet.

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hy tobias,

erstmal alles gute zu deiner überstandenen op!!!!!!!!:smile:

schön das alles so gut übertsenden hast.

hattest du denn so wenig besuch, dass die zeit für dich so langsam verging???

ist ja lieb von deiner mama, dass die extra zu dir gekommen ist und dich bekocht hat

wie sieht es jetzt mit deiner schwellung aus, brauchtest das medikament gegen die schwellungen noch???

und wie ist das so mit dem essen und der mundöffnung??

bist du zufrieden mit deinem ergebnis...und wichtige frage, würdest du es derzeit wieder machen lassen???

so dann will ich dich mal nicht all zu doll in anspruch nehmen

lg und gute bessereung mandy

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Hallo Tobias,

schön, dass du deine Erfahrungen in diesem Forum teilst. Meinem Sohn steht ebenfalls so eine OP bevor. Wichtig ist: bist du mit dem Ergebnis zufrieden? Ich wünsche dir auf jeden Fall weiterhin gute Besserung!

LG Glykisma

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hattest du denn so wenig besuch, dass die zeit für dich so langsam verging???

ist ja lieb von deiner mama, dass die extra zu dir gekommen ist und dich bekocht hat

Ich studiere "nur" in Wien, meine Freunde sind fast ausschließlich aus den Bundesländern. Jetzt sind Sommerferien und daher ist praktisch niemand von denen in Wien.

wie sieht es jetzt mit deiner schwellung aus, brauchtest das medikament gegen die schwellungen noch???

Sie nimmt ab (siehe Fotos).

Gegen die Schwellung habe ich nach/vor der OP keine Medikamente genommen. Während der OP wird im Wundbereich Cortison angewendet, wurde mir bei der Besprechung gesagt. Vielleicht sollte ich bei der nächsten Kontrolle nachfragen, ob das auch wirklich der Fall war.

und wie ist das so mit dem essen und der mundöffnung??

Meine Mundöffnung ist derzeit bei ca. 20 mm, das geht gerade zum Putzen der Kauflächen.

bist du zufrieden mit deinem ergebnis...und wichtige frage, würdest du es derzeit wieder machen lassen???

Das kann ich noch nicht sagen, dafür ist es zu früh. Aber der Biss passt schon sehr gut und die ersten Profilfotos schauen vielversprechend aus.

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Hallo Tobias, spät aber doch (bin nur mehr selten im Forum) möcht ich dir herzlich gratulieren, dass du alles gut überstanden hast! Wie geht es dir denn im Moment? Ich hoffe, es ist alles halbwegs so, wie du dir gewünscht hast! Alles Gute weiterhin, Blümchen

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Es geht mir gut und ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Die Mundöffnung ist noch gering (30 mm, davor 50 mm) und die Zähne im UK schmerzen beim Zähneputzen manchmal (besonders bei Erschütterungen durch die elektr. Zahnbürste). Aber das sind Kleinigkeiten. Die Zahnspange bin ich in ca. 3 bis 4 Monaten auch los.

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Es geht mir gut und ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Die Mundöffnung ist noch gering (30 mm, davor 50 mm) und die Zähne im UK schmerzen beim Zähneputzen manchmal (besonders bei Erschütterungen durch die elektr. Zahnbürste). Aber das sind Kleinigkeiten. Die Zahnspange bin ich in ca. 3 bis 4 Monaten auch los.

Hallo Tobias !

Da bin ich ja froh zu lesen, das es wohl normal ist, das es länger dauert mit dem Wiedererlangen der normalen Mundöffnung.

Ok, bei mir ist es noch nicht so lange her, aber irgendwie kam mir die Steigerung von 20mm auf mittlerweile 23 mm ( normal hab ich auch 50mm ) ziemlich gering vor.

Aber wenn Du auch erst bei 30mm bist.....

Das mit den UK-Zähnen ist bei mir auch, aber irgendwie nur die Frontzähne, die Seitenzähne fühlen sich beim putzen nur merkwürdig an.

LG

Jasna

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