cass

Gesichtslähmung?

Hallo,

ich wollte mal fragen, ob es im Rahmen einer Unterkiefer-Vorverlagerung zu einer dauerhaften (Halbseiten)lähmung im Gesicht kommen kann (>Mimikverlust)? Und wie ist das bei einer Kinnplastik? Mich würde auch interessieren wie häufig das ggf. vorkommt.

In diesem Zusammenhang wäre auch der Zugangsweg zum Kiefer interessant, da der Gesichtsnerv laut Anatomieatlas scheinbar recht nahe am Unterkieferrand verläuft.

Für Erfahrungen von Experten- oder Patientenseite wäre ich sehr dankbar.

Cass

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Hi Cass,

1.OP-Zugang:

In der Regel von Innen, also von der Mundhöhle aus.

Bei einer Kinnplastik wird ein Schnitt in die Schleimhaut vor den Vorderzähnen gemacht.

Wie es beim Unterkiefer genau aussieht, weiß ich nicht, auf jeden Fall wird IN der Mundhöhle operiert.

2: Nerven:

Das Gesicht wird hautsächlich über zwei Hirnnerven (d.h. Nerven, deren Ursprung im Gehirn liegt) innerviert:

Den Nervus facialis, der die meisten Muskeln innerviert und desh. für die Mimik zuständig ist, und den Nervus trigeminus, dessen Aufgabe v.a. die sensible Innveration ist. Der N.trigeminus innerviert zusätzlich die Kaumuskeln.

Äste des N.trigeminus (Sensibilität, also Fühlen), laufen im Unterkieferknochen, also tatsächlich in Bereichen, in denen operiert wird.

Diese Äste können bei Kiefer-OPs "geärgert" werden (Nerven können z.B. mit Taubheit reagieren, wenn sie mit chirurg. Instrumenten angefasst, zur Seite geschoben werden etc.etc.) - deshalb haben viele Leute nach einer Kiefer-OP vorrübergehend Sensibilitätsstörungen in diesem Bereich.

In den allermeisten Fälen gibt sich das aber nach einigen Wochen bis Monaten wieder.

Irgendeine Userin, die im Sommer operiert wurde, hat die tauben Stellen im Abstand von einigen Wochen mit Schminke bunt nachgezeichnet, man kann an den Bildern sehen, wie das Gefühl immer mehr zurückkommt.

Motorische Ausfälle im Bereich der Kaumuskeln kommen eigentlich nicht vor, die entspr. Trigeminus-Äste sind aber auch nicht im OP-Gebiet.

Der Nervus facialis, der für die motorische Innervation der mimischen Muskulatur zuständig ist, zieht überhaupt nicht durch Bereiche, in denen bei einer normalen Kiefer-OP operiert wird, er verläuft außen in den Wangen.

Schon deshalb ist zumindest dieser Nerv nicht in Gefahr, ich habe auch noch nie gehört, dass jemand nach einer Kiefer-OP Ausfälle dieses Nerven, also eine Lähmung der mimischen Muskulatur, hatte.

So, ich hoffe, das war einigermaßen verständlich erklärt - wenn Du noch Fragen dazu hast, melde Dich einfach.

LG, Anna

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Hallo Anna!

Vielen Dank für deine ausführliche Erklärung!

Ja ich weiß, dass der Fazialis eher außen verläuft, aber mich beruhigt das trotzdem noch nicht ganz. Welche Risiken waren denn angegeben auf der OP-Einverständniserklärung? Ich kann mir noch kein richtiges Bild von so einer OP machen, wie der Kiefer gebrochen wird, und so. ich glaub ich schreib einfach mal direkt nen Experten an.

Also danke schonmal für die Beschreibung des Zugangsweges! Und dass du noch nie von Mimikausfällen gehört hast, hat mich doch schon sehr beruhigt...

Liebe Grüße :razz:

Cass

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Hi Cass,

Anna hat ja schon alles ganz gut erklärt- in die Nähe des Facialis-Stammes sollte wohl kein Chirurg kommen, da müßte der sich schon ziemlich verschneiden...

Hier im Forum gab es aber schon so ein zwei Fälle in denen Postoperativ die Mimik nicht zu hundert% stimmte- das lag dann wohl z.B. an der Schwellung in der Wange und nicht daran, dass der Nerv angeschnitten wurde. Ist aber eher selten der Fall. In meiner Aufklärung wurde das Risiko einer Facialis-Lähmung auch nicht explizit erwähnt, das der Gefühlsstörungen dagegen schon.

Was man aber ehrlichweise sagen muss, ist das Gefühlsstörungen schon relativ oft vorkommen, auch wenn sie bei den Meisten reversibel sind, für eine Weile ist das Empfinden dennoch eingeschränkt!

Liebe Grüße,

Eve

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Hallo,

als kieferorthopädischer Experte will ich einiges kurz zusammenfassen:

1: Alle gängigen Methoden der Chirurgen werden von der Mundhöhle aus angegangen, nur in sehr seltenen Fällen wird ein extraoraler Zugang notwendig.

2: Gesichtslähmungen bei einer Unterkiefer-OP sind als extrem selten anzusehen.

3: Es besteht das Risiko, dass der Kinnnerv bei einer Unterkiefer-OP dauerhaft geschädigt wird. Etwa ein Jahr nach der Oparation weisen 5-10% der Patienten Störungen des Gefühls in der Unterlippe/Kinnregion auf. Die Patienten, die ich kennenlernte, bei den dieses Gefühl nicht wiederkam, sagten alle, dass sie sich nach einer Weile daran gewöhnen konnten. Bleibt natürlich nur ein gewisser Trost ...

4: Ein Kinnplastik wird ebenfalls von der Mundhöhle aus vorgenommen. Unterhalb der Frontzähne wird ein Schleimhautschnitt durchgeführt und der Zugang zum Kinn erreicht. Danach wird der Knochen freigelegt und eine Korrektur der Kinnspitze vorgenommen.

Viel Glück

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Hallo Othobite,

ich weiß ja nicht ob ich zu diesen 5-10% derjenigen gehöre, rechte Kinnpartie fühlt sich pelzig an wenn ich darüber streiche. Die Unterlippe rechts ist auch betroffen. Aber weil es mich so gar nicht stört und es mich auch nicht bei der Mimik einschrenkt, habe ich meinen KFO darauf nie angesprochen.

Also wenn ich ? zu diesen Patienten gehöre, weiß ich ja nicht, dann kann ich nur sagen das es mich überhaupt nicht stört!

Im übrigen habe ich dasselbe auf der linken Wangenknochenseite. Aber auch hier ist es für mich überhaupt kein Problem.

lieben Gruß

Tanja

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Hallo Othobite,

und welche Informationen haben Sie zu Gesichtslähmung / Gefühlsstörungen bei Operationen im Oberkiefer?

Vielen Dank schonmal im Voraus,

LG, Anna

Hallo,

als kieferorthopädischer Experte will ich einiges kurz zusammenfassen:

1: Alle gängigen Methoden der Chirurgen werden von der Mundhöhle aus angegangen, nur in sehr seltenen Fällen wird ein extraoraler Zugang notwendig.

2: Gesichtslähmungen bei einer Unterkiefer-OP sind als extrem selten anzusehen.

3: Es besteht das Risiko, dass der Kinnnerv bei einer Unterkiefer-OP dauerhaft geschädigt wird. Etwa ein Jahr nach der Oparation weisen 5-10% der Patienten Störungen des Gefühls in der Unterlippe/Kinnregion auf. Die Patienten, die ich kennenlernte, bei den dieses Gefühl nicht wiederkam, sagten alle, dass sie sich nach einer Weile daran gewöhnen konnten. Bleibt natürlich nur ein gewisser Trost ...

4: Ein Kinnplastik wird ebenfalls von der Mundhöhle aus vorgenommen. Unterhalb der Frontzähne wird ein Schleimhautschnitt durchgeführt und der Zugang zum Kinn erreicht. Danach wird der Knochen freigelegt und eine Korrektur der Kinnspitze vorgenommen.

Viel Glück

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