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Sillepenata

UK-Rückverlagerung 16.12.2008 in Mainz

Hallo ihr Lieben,

ich hatte am Dienstag, 16. Dezember 08 meine UK-RV in der Uniklinik Mainz und ich wollte euch alle an diesem grandiosen Erlebnis teilhaben lassen :-D

Ein Tag vor der OP – nette Leute und nette Überraschungen

Los ging’s bereits am 15. Dezember, Aufnahme in der Uniklinik in der MKG (Mund-, Kiefer- u. Gesichtschirurgie). D. h. auf der Station anmelden, beim KFO, beim Chirurgen und bei der Anästhesie vorstellig werden. Die erste positive Überraschung erlebte ich bereits an diesem Tag: Man sagte mir, dass man statt der geplanten Bimax nun doch nur eine Rückverlagerung des Unterkiefers mache – fantastisch, ich habe mich sehr gefreut, denn der Oberkiefer ist ja doch erheblich schwerer zu operieren und erheblich unangenehmer in den Folgeerscheinungen der OP. Kleiner Tipp für die Mädels: Die Anästhesistin sagte mir, ich soll den Nagellack auf meinen Nägeln entfernen, auch klarer Lack ist nicht erlaubt. Macht euch den vorher also ab, sonst gibt’s nur Stress mit dem Narkosearzt. Ansonsten gab es wenig Spektakuläres zu berichten vom ersten Tag in der Klinik. Man rennt ein bissel von Pontius nach Pilatus, aber alles in allem ging bei mir alles sehr schnell und die Leute, insbesondere die Ärzte und Schwestern, waren sehr nett. Ich durfte nach der Aufnahme sogar noch mal kurz nach Hause, ausnahmsweise, weil ich nämlich direkt neben der Klinik wohne. Abend ging es dann zurück ins KH in mein Zimmer mit sehr netten Zimmergenossinnen. Anfangs hab ich mit einem Einzelzimmer geliebäugelt, aber am Ende war ich froh, nicht allein gewesen zu sein! Leider habe ich zu diesem Zeitpunkt auf der Station noch niemanden getroffen, der auch eine ähnliche Operation vor sich oder hinter sich hatte. Lediglich meine Zimmergenossinnen erzählten mir, dass ein anderes Mädel in dem Zimmer gelegen hatte, die eine Bimax bekommen hat. Es sei ihr aber wohl einigermaßen gut gegangen.

Mein Zustand war zu diesem Zeitpunkt noch etwas aufgeregt, aber auch relativ angstfrei, besonders nachdem ich gehört hab, dass meine Bettvorgängerin alles so gut überstanden hat. Abends wurde ich noch von vier meiner lieben Freunde besucht, wir haben dann meine Angst einfach weggelacht. Die Schlafpille, die die Schwester mir gab, tat ihr Übriges – ich hab richtig schön durchgeschlafen, von Angst vor dem großen Tag zu diesem Zeitpunkt keine Spur.

Tag der OP – Warten auf die nächste positive Überraschung

Weckruf war um sieben, ich sollte planmäßig um zehn operiert werden und um halb neun in den OP gehen. Also bin ich flugs unter die Dusche, hab Zähne geputzt, meinen Mund mit diesem Desinfektionszeug ausgespült, was man für vor und nach der OP bekommt, mich in das heiße OP-Hemd nebst Trombosestrapsen geworfen und – das große Warten angefangen. Es wurde acht, neun, zehn, elf, zwölf – und ich wurde langsam nervös und genervt, ich hatte Durst und wollte, dass es endlich losging. Trinken durfte ich ja nichts mehr, außer ein Schlückchen zur Beruhigungstablette, die ich morgens bekommen hab. Wobei – ich hab ein bissel geschummelt und alle Stunde mal ein Minischlückchen Wasser zu mir genommen. Ich hab gedacht, das wird mich nicht umbringen. War auch richtig so. Die Schwestern haben mir geraten, ich soll einfach was lesen – schwierig, wenn man gleich den Kiefer gebrochen bekommt, sich auf einen Text zu konzentrieren.

Ich hab’s dennoch versucht, doch kaum hatte ich den Schinken zur Hand genommen, stürmten zwei Pfleger mein Zimmer. Es ging also los, halb ein Uhr Mittag, es gab kein Zurück mehr. Ich wurde durch die komplette Station in meinem Bett gefahren – an den Wartenden vor dem Behandlungszimmer vorbei. Ich hab versucht, alle anzulächeln, damit niemand denkt „Oh Gott, die Arme, ich glaub, ich überleg mir das noch mal mit meiner eigenen Operation!“. War auch nachdem die Warterei endlich vorbei war relativ guter Dinge.

Ich wurde in einen Vorraum des OPs geschoben, da kam auch schon der Anästhesieassistent zu mir. Der war fantastisch! Wir haben geflachst und gescherzt, seine souveräne Art und seine Herzlichkeit haben wirklich jede Angst genommen. Ich musste ein kleines Fläschchen mit Magenberuhigungsmittel trinken – das war ziemlich widerlich. Ich musste ein bissel würgen, aber Gott sei Dank war das Zeug nach drei Schlucken weg. Ich hab auch erfahren, warum ich so lange warten musste – ein kleiner Junge hatte einen Unfall und sich eine schwere Kieferfraktur zugezogen. Er musste notoperiert werden. Ich hab mich fast ein bisschen geschämt für meine Ungeduld, der arme Kleine. Hoffe, er ist wieder wohlauf! Dann kam die Narkose. Mir wurden Elektroden für das Kreislaufüberwachungsgerät angelegt, alles noch einmal erklärt und dann gab’s den Zugang und die Drogen. Ein herrliches Gefühl – ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich ganz entspannt eingeschlafen bin. Ich sollte erzählen, wovon ich jetzt träumen will. Ich hab angefangen damit und auf einmal war ich schon mitten im Traum! Und dann auch schon wieder wach.

Ich lag in einem abgedunkelten Raum, hörte meinen Herzschlag über das piepende Messgerät und spürte sofort, dass meine Zähne zusammengebunden waren. Unangenehm, aber gut, war eher weniger überraschend 8) Ich hab ein bisschen gebraucht, wach zu werden und mich an die Situation zu gewöhnen. Immerhin hatte ich zwei Schläuche in der Nase (einer zum Absaugen des Bluts aus dem Magen, der andere steckte nur lose in der Nase zur Versorgung mit Sauerstoff) und zwei im Mund (Wundschläuche zur Drainage von überflüssigem Wundsekret) und einen Verband um mein Kinn und meinen Kopf (eine Kühlmanschette – sehr angenehm im Übrigen). Ich bat als erstes, meinen Magen abzusaugen, da mir ein bissel übel wurde, aber das legte sich nach dem Absaugen sofort. Mir ist generell kaum schlecht geworden nach der OP. Mir war trotz Wärmegebläse unter meiner Decke zu Beginn etwas kalt, aber nach gefühlt kurzer Zeit hatte ich mich erholt und wurde in mein Zimmer zurückgeschoben. Dort warteten drei gute Freunde auf mich und die Uhr – es war bereits viertel vor sechs. Später habe ich erfahren, die OP hat nur knapp 3 - 4 Stunden gedauert. Ich wollte wohl einfach nur nicht aus den schönen Träumen aufwachen :mrgreen:

Reden konnte ich direkt nach der OP noch nicht, außer undeutlichen Lauten kam nichts aus meinem Mund, also schrieb ich alles auf für meinen Besuch. Ich war komischerweise direkt nach der OP schon wieder relativ fit und Schmerzen hatte ich gar keine, dafür hab ich aber noch bis acht mit meinem Besuch Spaß gehabt mit unserer Schreib-Konversation. Durst hatte ich ein bisschen, aber die Schwestern gaben mir zwei Infusionen, damit hatte sich das auch erledigt. Ich konnte in meiner ersten Nacht nach der OP sogar fast durchschlafen. Das Blutdruckmessgerät, das sich alle halbe h aufpumpte, hab ich kaum gemerkt. Das einzig nervige waren die Schläuche in der Nase, der dicke störte ein bissel beim Schlucken und der Sauerstoff (zur Info für alle – Sauerstoff stinkt ein bisschen) fiel mir andauernd aus der Nase. Aber ansonsten war alles fein. Ich hätte mir die OP und die direkten Nebenwirkungen echt schlimmer vorgestellt. Überraschenderweise ging es mir gar nicht so schlecht, wie ich befürchtet habe.

1. Tag Post-OP – Mein erster Kontakt zur Sondennahrung

OP und erste Nacht ohne größere Probleme überstanden – das wirkte sich sehr gut auf meine Laune aus. Ich war ausgeruht am ersten Tag nach der OP, kein Wunder, wenn man so viel schläft. Morgens bei der Visite war ich guter Dinge, und die Ärzte auch. Alle waren erstaunt, dass ich direkt nach der OP schon so fit bin und dass die Schwellung sich nur mäßig entwickelt hat. Hämatome hatte ich auch keine im Gesicht. Einziges Manko: Mein Kinn und meine Unterlippe waren taub. Die Ärzte meinten, dass der Nerv nicht durchtrennt, aber zumindest durch die lange OP gereizt worden wäre und das dies normal sei. Es könne allerdings bis zu drei Monate dauern, bis das Taubheitsgefühl verschwindet. Na bravo. Die erste Hiobsbotschaft seit meiner Einlieferung. Aber gut, da muss ich wohl durch. Bei der Visite wurde auch gesagt, dass man mir, wenn ich so fit sei, doch schon heute die Schläuche ziehen könne, auch die Wundschläuche, denn die Wunden haben kaum geblutet. Ich hab mich riesig gefreut, denn der dicke Magenschlauch sollte mit einem dünneren ersetzt werden und das würde mir das Atmen und Schlucken doch schon erleichtern.

Das Ziehen der Schläuche war dann nicht mehr so fantastisch. Die Wundschläuche waren im Mund festgenäht, daher mussten erst deren Fäden und dann die Schläuche selbst gezogen werden. Hat nicht wehgetan, war aber auch nicht gerade angenehm. Hat halt komisch gezogen, aber wie gesagt, Schmerzen hatte ich dabei keine. Dann die Magensonde. Den Schlauch zu ziehen war kein Problem, fühlt sich zwar eklig an, geht aber sehr schnell, maximal drei, vier Sekunden. Eine neue Magensonde zu legen, gestaltete sich jedoch schwieriger. Das Nasenloch, in dem die erste lag, hat geblutet und war empfindlich, erstmals seit der OP hatte ich leichte Schmerzen und bat nach drei erfolglosen Versuchen, eine kurze Pause beim Sondenlegen einzulegen. Dann, eine halbe Stunde und ein Assistenzarzt später, klappte es dann im anderen Nasenloch relativ mühelos im zweiten Anlauf. War auf jeden Fall unangenehmer als das Ziehen, es fühlt sich einfach sehr seltsam und kratzig an, wenn was den Hals runter gelegt wird. Gut, dass das geklappt hat, denn ich hatte erstmals seit der OP wieder Hunger. Es folgte mein erster Kontakt zur Sondennahrung. Der nette Pfleger hat mir noch „Frühstück für Champions“ auf den Nahrungsbeutel geschrieben – mit Smiley inklusive. Ich hab mich also schon auf das so grandios angekündigte Mahl gefreut. Nebst Tee sollte dies nun tröpfchenweise durch die Sonde in meinen Magen gelangen.

Über die Sondenkost sollte man ein eigenes Thema starten – mein Ding war das Zeug jedenfalls nicht, trotz netter Botschaften des Pflegers. Es fühlt sich einfach seltsam an, wenn dieses kalte Zeug einem den Hals runterläuft. Man muss ständig schlucken, obwohl man das gar nicht muss, da der Schlauch ja von allein leitet. Außerdem schmeckt das Zeug eigenartig. Ihr glaubt, man schmeckt das gar nicht? Irrtum. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber man hat trotzdem immer den Geschmack von dem Zeug im Mund, besonders wenn man aufstoßen muss, was unvermeidlich ist. Außerdem grummelt in den ersten Tagen der Magen, der muss sich schließlich auch erstmal daran gewöhnen. Aber es macht satt! WICHTIGER TIPP: Ihr müsst das Zeug langsam in euren Magen reinträufeln lassen! Ansonsten gibbet Dünnschiss und euch wird schlecht. Außerdem habe ich festgestellt, dass es wirklich wichtig ist, so viel wie möglich von dem Zeug zu futtern, auch wenn ihr schnell satt seid. Zwei bis drei Beutel sollten es schon sein. Ich hab am ersten Tag nur einen, am zweiten eineinhalb und erst ab dem dritten Tag zwei Beutel täglich geschafft. Und ich hab richtig gemerkt, wie viel besser es mir ging, wenn ich vernünftig viel Sondennahrung zu mir genommen habe. Das Futter gibt Kraft und die braucht man zum Gesundwerden. Auch wenn es komisch schmeckt. Ich kann das Fresubin in Pfirsich und Nuss empfehlen. Die beiden Sorten sind geschmacklich zumindest erträglich. Letzteres schmeckt wie ein Latte Macchiato mit Nussgeschmack.

Ansonsten zeichnete sich am ersten Tag schon ab, was in den kommenden Tagen als Routine folgen sollte – Außer Besuch empfangen und den Nahrungs- und Teetropf zu regulieren, hat man nicht viel zu tun. Ich bin schon am ersten Tag viel über die Gänge geflitzt, um meinen Kreislauf wieder in Schwung zu bringen und ein bisschen was gegen die Schwellung zu tun, denn Bewegung tut gut und die Gesichtsschwellung klingt davon schneller ab. Außerdem hab ich viel gekühlt, das war angenehm und hat auch gut gegen die Schwellung geholfen. Abends gibt’s dann immer Trombosespritzen. Tun etwas weh, sind aber wichtig. Außerdem ist das Brennen in maximal einer Minute vorbei. Schlafen konnte ich ohne den dicken Schlauch in der Nase dann übrigens fantastisch. Ich bin nur einmal aufgewacht, hab mir einen neuen Kühlpad geholt und bin dann direkt wieder eingeratzt. Gott sei Dank war meine Nase frei, Atmen war dementsprechend easy.

2. Tag Post-OP – Ich kann endlich wieder sprechen!

Na ja, oder zumindest mich verbal verständlich machen. Es ist zwar noch ein bisschen undeutlich, aber die meisten meiner Besucher, die Schwestern und auch meine Zimmergenossinnen haben immer verstanden, was ich gerade von mir gegeben hab. In der Visite habe ich meine widerentdeckte Kommunikationsfähigkeit gleich dazu genutzt, zu fragen, was denn eigentlich mit mir jetzt Phase sei, sprich, wann ich wieder was durch den Mund trinken kann und wann ich heim darf. Ich dachte erst, die zeigen mir so kurz nach der OP den Vogel, aber dann kam die Überraschung – ich darf am Sonntagmorgen schon heim – am Dienstagnachmittag wurde ich operiert. Außerdem darf ich ab morgen Tee und Wasser durch den Mund trinken – ersteren aber nur ungesüßt! Ich hab mir einen Keks gefreut über diese Botschaft und direkt meine Ellies angerufen, dass sie mich am Sonntag aus dem KH abholen können. Und dann Stunden gezählt bis zu meinem ersten Tee. Eine Hürde musste ich an dem Tag aber noch meistern. Ganz am Anfang hab ich ja von diesem Desinfektionsmundspülzeug erzählt, dass man nehmen muss. Damit sollte ich mir jetzt drei bis viermal täglich den Mund spülen. Gar nicht so einfach mit zusammengetackerten Zähnen, diesem blöden Plastiksplint, durch den nichts durchgeht und mit geschwollenen Innenwangen. Aber mit Hilfe einer Spritze ging es dann ganz gut. Nur das Ausspucken ist so eine Sache. Man hört sich widerlich an wie die Sau und sollte das vielleicht lieber unter Ausschluss der Öffentlichkeit machen, denn Spucken mit geschlossenem Mund durch einen Splint wird eine feucht-fröhliche, geräuschvolle Angelegenheit. :-D

3. Tag Post-OP – Eine geschmackliche Offenbarung und das erste Mal Unwohlsein

Nach der morgendlichen Visite hab ich mich in die Teeküche geschlichen und mir meinen ersten Tee gemacht. Ich wollte ihn aus der Tasse trinken, aber das ging noch nicht so fantastisch. Erst mithilfe meiner treuen Freundin – der Spritze – klappte es dann und ich sage euch, die ersten 40 ml Kamillentee nach der OP waren eine geschmackliche Offenbarung! Mein Mund war dankbar für die Flüssigkeit und ich war froh, mal was anderes zu schmecken als die Rückstände von dem Fresubin-Sondenzeugs, die Desinfektionslösung oder die tote Ratte, die die Ärzte nach der OP scheinbar in meinem Mund zurückgelassen haben :mrgreen:

Ich wollte dringend meinen Ärzten von diesem tollen Erlebnis erzählen und bin losgetigert, in den ersten Stock zu meiner KFO und dann in den fünften Stock zu meinem Chirurgen, die alle froh waren über meine schnelle Genesung und die Tatsache, dass ich schon wieder überall rumhopsen kann und meine Schwellung täglich weniger wurde. Außerdem hab ich seit diesem Tag keine Schmerzmittel mehr genommen. Brauchte ich nicht. Die Freude darüber hielt bei mir aber nur kurz an. Abends ging es mir erstmals seit der OP nicht so gut, aber das lag nicht an dem Kiefer sondern an der Verdauung. Ich hatte Durchfall von dem Fresubin-Zeugs, Bauchschmerzen und mir war schlecht. Ich hatte Angst, dass ich mich übergeben müsse, und die Panik hat es natürlich nicht unbedingt besser gemacht. Nach einem halbstündigen Aufenthalt auf dem Klo und dem Versprechen der Schwester, mir ein Übelkeitszäpfchen zu geben, ging es mir aber wieder besser. Ich hab mich einfach ins Bett gelegt und versucht einzuschlafen, was Gott sei Dank auch geklappt hat.

4. Tag Post-OP – Futterneid

Wenn ihr genau wie ich zu den verfresseneren Menschen der Erde gehört, fängt es ungefähr hier an hart zu werden. Nachdem sich der Magen auf das Fresubin eingestellt hat, ist man zwar satt, aber man hat immer noch Gelüste. Kochsendungen oder Blicke auf Bettnachbars Fressalien sind da keine gute Strategie, wie ich aus eigener Erfahrung gelernt habe. :-D Man fängt an zu phantasieren, von Käsebrötchen, Pizza, Spaghetti, Steaks, Hamburgern und sogar Sachen, die man vorher nicht wirklich mochte, erscheinen einem mit einem Mal wie die kulinarische Offenbarung. Wenn man weiß, dass man wie ich sechs Wochen nach der OP den Mund zusammengebunden hat, kann man sich gar nicht vorstellen, wie man diese ganze Zeit ohne vernünftiges Spachteln aushalten soll. Besonders, da ich durch meine anfängliche Feindschaft dem Fresubin gegenüber sowieso schon so viel abgenommen hatte, war ich ängstlich, dass am Ende der Zeit von mir nicht mehr viel übrig geblieben ist und hab mich UNENDLICH auf meine erste Suppe am Sonntag gefreut. Der Samstag nach der OP war ein einziges Warten auf meine erste Kost durch den Mund.

5. Tag Post-OP – Sonde weg, Silke raus, Suppe rein … oder auch nicht

Die Suppe – ich schwöre, ich habe mich im Leben noch nie auf etwas so gefreut. Endlich wieder schmecken können, endlich etwas Leckeres im Magen – da schien mir das morgendliche Ziehen der Sonde als Kinkerlitzchen. War es schließlich auch, wenige Sekunden später war die Sonde draußen und mein Entlassung stand kurz bevor. Weil meine Eltern noch im Verkehr feststeckten und mich erst nach dem Mittagessen abholen konnten, kam ich in den Genuss meiner ersten Suppe noch im Krankenhaus. Es war Möhrensuppe. Sie hat geschmeckt wie Hummer 8)

Allerdings war es gar nicht so einfach, wie ich gedacht habe. Die Suppe geht kaum bis gar nicht durch Splint und Zähne. Es hat ein paar Suppen gedauert, bis ich den Bogen raushatte. Die Suppe muss absolut dünn sein, es dürfen keine Stücke drin rumschwimmen, auch nicht minimal große, die bauen sonst alles zu und man muss die Scheiße mühevoll wieder rausspülen. Da meine Unterlippe und das Kinn immer noch taub waren, hab ich natürlich auch nicht gemerkt, wenn ich mich vollgesabbert und vollgesaut habe. Außerdem hab ich geschlürft wie die Queen ihren Tee. Vor Menschen, die euch noch irgendwie attraktiv finden sollen, würde ich dementsprechend also nicht essen :mrgreen:

Ich hab mich – als meine Ellies dann endlich da waren - von allen Schwestern und meinen Zimmergenossinnen verabschiedet und bin wieder zurück in meine Wohnung. Die erste Nacht im eigenen Bett war super, und besonders genossen hab ich die Badewanne. Weihnachten war für mich kulinarisch gesehen zwar nicht so dolle – der Reiz der Suppe ist schon nach einem Tag daheim verflogen :-D - aber es ging mir gut im Kreise meiner Familie. GUTER TIPP: Ich hab mir eine Munddusche zugelegt. Die ist fantastisch, um die Zähne und den Mund sauberzuspülen, damit kriegt man alles raus und es ist fast nicht so schlimm, sich sechs Wochen nicht die Zähne putzen zu dürfen. Auch der ekelhafte Mundpeter geht davon weg, denn man kriegt echt fast alles sauber. 30 gut angelegte Euro kann ich euch sagen. Und kauft euch ein feines Sieb, mit dem ihr alle Suppen noch mal durchpassieren könnt.

10. Tag Post-OP – Raus mit den Fäden

Am zweiten Weihnachtsfeiertag sollte ich noch mal in die Klinik, Fäden ziehen. Der Arzt war sehr zufrieden mit meinem Heilungsverlauf und vor allem mit meiner Mundhygiene. Die Munddusche hat sich also sehr bezahlt gemacht. Fäden ziehen ging relativ schnell, ich hab fast gar nichts gemerkt, hat null wehgetan und kaum gezogen. Mein Highlight: Ich durfte erstmals den Mund aufmachen. Der Arzt hat die Gummis, die meine Zähne zusammenschnüren, gewechselt. Ich durfte kurz auf und zu machen und habe voller Freude festgestellt, dass der Kiefer automatisch in die vom Splint vorgegebene Form beißt und somit einen perfekten Biss ergibt. Der Arzt sagte daraufhin, dass sie meinen Mund schon nach fünf Wochen wieder aufmachen – und eventuell sogar schon früher, je nachdem, wie meine Heilung weiterhin verläuft. Nächste Woche, am 2. Januar, krieg ich wieder neue Gummis. Da lerne ich dann auch, wie ich die Gummis selbst einsetzen kann, damit ich sie zum Zähneputzen und Brei und weiche Kost essen rausnehmen kann. Ich bin schon voll aufgeregt und freu mich drauf!

Meine Lippe und mein Kinn sind immer noch taub und mittlerweile bin ich um fünf Kilo leichter, außerdem haben die Wunden nach dem Fädenziehen leicht gestresst, aber alles halb so wild. Ansonsten ist alles paletti!

Ich hätte NIE gedacht, dass alles so gut läuft! Ich hab mir vorher derart einen Kopf gemacht und Angst gehabt, aber ich hatte zu keinem Zeitpunkt Schmerzen und bin schon weniger als einen Tag nach der OP wieder auf den Fluren der Klinik rumgeturnt. Sicher, es ist scheiße, den Mund zusammengebunden zu haben, da brauchen wir gar nicht drum rumreden. Wenn man vorher viel gegessen und viel geredet hat, ist es schon hart. Auch meine Schwellung ist immer noch da. Aber alles hat ein Ende, nur die Wurst, die ich nicht essen darf, hat zwei! :mrgreen:

Die Ärzte sagen, es ist hilfreich, wenn man vor der OP viel Sport getrieben hat, denn dann ist der Kreislauf belastbarer. Sicher ein Grund für meine schnelle Genesung. Aber ganz wichtig ist es auch, positiv zu bleiben. Bei meinem Aufenthalt im KH hab ich auf meiner Station ganz viele Menschen mit ganz schlimmen Erkrankungen kennen gelernt, viele hatten Krebs und haben um ihr Leben gekämpft. Da ist das bisschen Kieferbruch, Fresubin und zusammengetackerte Fresse ein Klacks gegen. Ich bin dankbar, dass alles so gut gelaufen ist. Den Ärzten für ihre gute Arbeit und den Schwestern und Pflegern für ihre vielen aufmunternden Worte und die gute Laune, die sie überall verbreitet haben. Das hat richtig angesteckt!

Ich werde euch weiter auf dem Laufenden halten. Liebe Grüße und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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Hallo Sillepenata,

herzlichen Glückwunsch zur überstandenen OP!!! So lange ist das ja noch nicht her. Sicher musst du deinen Mitmenschen immer noch beim Essen zusehen. Das ist wirklich Sch*** an Weihnachten!

Zur Aufmunterung: Bei mir gab es gestern das erste Schnitzel seit > 5 Jahren. (Ich hatte mir das Fleischessen schon fast abgewöhnt, weil ich nicht richtig kauen konnte.) Nach dem Nach-OP-Fasten freut man sich über alles, was man wieder essen kann, selbst wenn man sich vorher nicht viel aus Essen gemacht hat. Du hast eine schöne Zeit vor dir!

Später habe ich erfahren, die OP hat nur knapp 3 - 4 Stunden gedauert.

Hat das wirklich so lange gedauert? Bei mir war von 1 Stunde je Kiefer die Rede!

Gute Besserung und liebe Grüße!

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Hallo Suppentrine!

Ich bin ja so NEIDISCH, freu mich auch schon auf mein erstes Schnitzel!!! :D Genieß es, ich bin im Geiste bei dir und dem Lappen Fleisch ;) Es ist muss fantastisch sein, das erste Mal seit Jahren ein Stück Fleisch Kiefer-problemlos zu essen.

Ich konnte zwar vorher einigermaßen Kauen, aber nicht wirklich abbeißen, weil meine Zähne nur an einem Punkt aufeinandergetroffen sind. Ich hab von den Brötchen immer eher abgerissen als abgebissen und musste es immer seitlich am Mund essen - kein schöner Anblick und auch nicht wirklich effektiv. Ich kann es gar nicht erwarten, erstmals herzhaft in eine Stulle zu beißen und egal wo in meinem Mund ein Stück davon abzukauen :D

Die OP hat so lange gedauert, weil der Unterkiefer schief stand, auf der einen Seite länger war und um einige Grad schräg nach oben gedreht werden musste, damit alles gut passt. Außerdem musste er wohl auf der einen Seite anders abgetrennt werden als auf der anderen, aus demselben Grund. Im Mund kann man auch sehen, dass die eine Naht viel viel länger ist als die andere. Das Justieren hat dementsprechend die meiste Zeit gedauert. Aber Gott sei Dank hab ich davon nix mitbekommen ;)

Ich bin noch mittendrin im Heilungsprozess, momentan verändert sich mein Gesicht noch jeden Tag was Schwellung und Farbe angeht. Aber es wird immer besser. Und am 2. Januar freu ich mich auf meinen ersten Kartoffelbrei! :D

LG S

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Hallo Sillepenata,

das mit dem Brötchen-abreißen statt -abbeißen kenn ich. Das kann nach der OP nur besser werden! :-D Keine Schweinerei mehr am Frühstückstisch! :-D

Gute Besserung weiterhin und einen schönen 2. Januar mit Kartoffelbrei!

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Hihi, danke! Übrigens - ich hab heute meinen Mitbewohnern nicht mehr länger beim Essen zuschauen können und hab mir kurzerhand den für die Allgemeinheit zubereiteten griechischen Salat püriert - hat gut funktionert, die Gurke macht schön flüssig und schmecken tut es auch fast original! :D

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So,

es gibt Neues bei mir! Seit Freitag darf ich die Gummis für kurze Zeit rausnehmen und den Mund zum Zähneputzen und Brei essen aufmachen. Fantastisch muss ich sagen, denn jetzt geht es mir gleich körperlich viel besser. Die gesteigerte Kalorienzufuhr wirkt sich wirklich richtig gut auf mein Gesamtbefinden aus. Außerdem kann ich jetzt hoffentlich die Gewichtstalfahrt stoppen (7 kg hab ich in 2,5 Wochen verloren).

Mir wurden Babygläschen und Apfelmuß und Kartoffelpü empfohlen, aber ich finde das sehr anstrengend zu essen, da mein Mund maximal einen Finger breit aufgeht und ich noch nicht mal einen Teelöffel richtig einführen kann. Ich hab mich mit dem Zeug nur vollgesaut. Ich ernähre mich im Moment eher von etwas dickerem Brei und ganz weichem Zeug, dass man lutschen kann. Also morgens gibt es immer weiches Rührei, das kann ich mit einer kleinen Kuchengabel aufnehmen und mir dann zwischen den Zähnen durch in den Mund schieben. Da lecke ich es quasi mit der Zunge runter, zerdrücke es am Gaumen und schlucke es in den Magen. Geht ganz ohne Anstrengen der Kiefer! Außerdem mische ich bspw. Kartoffelbrei mit zerdrücktem Fischfilet oder koche mir kleine dünne Suppennudeln ganz weich und zermatsche sie dann mit Nudelsoße zu einem Brei. Haute cuisine quasi :D

Zähneputzen ist anstrengend - trotz Kinderzahnbürste kommt man nicht überall ran und ich trau mich noch nicht so richtig, meine Kiefer groß zu bewegen - aber dennoch ist es schön, endlich mal wieder putzen zu können. Die tote Ratte von nach der OP hab ich schön weggeschrubbt :) Munddusche bleibt aber nach wie vor mein bester Freund.

Ich bin voll froh, dass ich nicht die ganzen sechs Wochen nur Suppe essen muss, erstens hing sie mir echt zum Hals raus und zweitens will ich definitiv nicht noch mehr Gewicht verlieren. Wenn ich so die anderen Mainzer höre bzw. hier lese, ist das Brei essen dürfen nach knapp drei Wochen aber wohl eher die Ausnahme. :(

Ich halte euch weiter auf dem Laufenden!

LG S

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Schön das es voran geht :-D

Ich konnte den Mund nachdem endlich der Splint und Gummies raus waren auch nur einen Finger breit öffnen. Mensch was war ich froh als ich nach 6 wochen den Mund aufbekommen habe und ab dann Brei oder Suppen mit was drin schlürfen konnte, endlich konnte ich wieder was gegen den hunger machen. Für mich war das ganze sowieso eine ganz neue erfahrung weil ich das erste und einzige mal in meinem Leben rausfinden musste was eigentlich Hunger bedeutet. Mal einen Tag nichts essen ist das eine aber so lange den Mund zu geschnürrt bekommen und nur trinken ist das andere. Wie dem auch sei, du wirst jetzt sehr schnell wieder freude am essen finden da es jeden tag bergauf geht und du woche für woche wieder neues essen kannst. OK das Schnitzel dauert noch aber keine sorge das kommt auch wieder, es gibt so viele leckere sachen die man essen kann da muss es nicht genau das sein was man nicht darf, guten hunger bei Nudeln aller art!

LG

SD

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... wer in einer Woche den Mund wieder aufmachen darf?! :D Ich war heut beim Arzt, und der sagte, dass ich nächsten Freitag den Splint rausbekomme! Ich war ganz baff, immerhin ist nächster Freitag erst vier Wochen und drei Tage nach der OP, aber ich wollte ihn da nicht hinterfragen :mrgreen:

Er sagte, es läuft alles so gut und sieht so gut aus, dass ich das Ding loswerden darf! Wollte mich mit euch darüber freuen. Danach geht es direkt zur KFO, die guckt dann, wie gut die Zähne aufeinander stehen und wie lange ich dann noch mit den Brackets gesegnet bin. ICH FREU MIR EINEN AST AB!!! Cheeseburger, ich komme! ;)

Aber ganz so laut sollte ich nicht jubeln, denn Physio für meinen Kiefer (damit ich den Mund wieder richtig aufmachen kann) und Logopädin (damit ich wieder vernünftig sprechen lerne) stehen noch an.

Ich halt euch weiter auf dem Laufenden!

LG S

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Es freut mich, dass bei dir alles so gut läuft! Das bisschen Physio- und Sprachtherapie schaffst du auch noch! Das wird bestimmt ganz lustig!

LG. Margret

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