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vorbeiduschönezeit

Psychische Probleme

Das Problem Kiefer und das Problem Klammer haben sich trotz aller Gegenbemühungen am Ende scheinbar doch wie ein Virus in mir ausgebreitet, der alles zu lähmen beginnt.

Seit fünf Jahren bin ich in KFO-Behandlung, und ich kam am ersten Tag in der Bereitschaft, vieles auf mich zu nehmen, OP, feste Zahnspange u.a. Ich war bereit, das Problem des Kieferknackens, der ewigen Muskelschmerzen, der schlechten Okklusion, und zuletzt auch der Retrognathie sollten der Vergangenheit angehören. Zwei Jahre hatte ich ungefähr im Kopf.

Vor drei Jahren hätte ich die Behandlung also abgeschlossen...

Leider war dies nicht der Fall, und es begann sich zu verzögern.

Ich denke, dass ich noch immer gute 1,5 Jahre vor mir habe, endlich nachdem ich den KfO gewechselt habe. Im Moment verspüre ich Hass gegen ihn, den alten. Hass aber, der mich unglücklich macht.

Aber das wäre ja nur das Problem der Zähne, wenn ein viel schlimmeres Problem nicht da wäre, von dem ich hier berichten will.

Es ist Verzweiflung, die sich aus sehr vielen Quellen speist: zermürbt aus der Vergangenheit und einem nicht mehr wirklich festen Glauben, dass 2010 alles in Ordnung sein könnte, habe ich mich zwar nicht selbst aufgegeben, aber ich glaube, doch mittlerweile eine ausgewachsene Depression zu haben: ich komme nirgends mehr weiter, alles scheint eingefroren und obwohl ich immer noch will, fühle ich mich wie gefesselt.

Ich studiere, und musste Hausarbeiten schreiben. Ich war gut in den Seminaren, aber ich habe mich nicht mehr aufraffen können, diese Arbeiten zu schreiben. Rund zwei Jahre sind verloren.

Ich habe meinen Körper vernachlässigt obwohl ich vorher leidenschaftlich gerne Ballett getanzt habe, habe ich nun rund 10 kilo mehr auf der Waage. Nur ein Symptom - wenn ich aber wieder mit Sport anfange, z.B. Yoga als Vorbereitung, stoße ich vielleicht aus der Schwäche eine Perfektionisten an eine imaginäre Grenze: hier komme ich erst nach der OP oder nach derKlammer weiter, es hat jetzt gerade eh keinen Sinn.

Und selbst wenn ich die Klammer los sein werde, meine Konzentration wiedergefunden haben werde - mein okklusion ist gerade völlig am Arsch und raubt sie mir -

habe ich einen Trümmerhaufen von gut zwei Jahren Totalverlust vor mir.

Gerade aber geht es mir besonders schlecht, und deswegen schreibe ich:

Ich bin in Rio de Janeiro, für längere Zeit. Es war von langer Hand geplant, und ich habe schon 2005 alles dafür gegeben, diese leidige KFO/KFC-Geschichte vor dieser Zeit hinter mir zu bringen

Denn 2004 war ein sehr schlechtes Jahr für mich, und ich dachte mir, nach Klammer in Rio einfach noch mal jung und Mann zu sein.

Jetzt sitze ich aber hier, und mein Kopf beginnt, alles auf 2010 zu verschieben. Schon wieder verschieben! Ich verdränge bestimmte Teile meines Lebens, von Lockerheit, Frauen und Zukunft, sondern sitze einfach Zeit wie im Gefängnis ab, oder wie ein dicker Altkanzler.

Das geht, und wenn ich mich zurückziehe, geht es irgendwie besser. Aber der ständige Schmerz ist da, mich zurückzuziehen. Es passt auch nicht wirklich zu mir.

In der letzten Woche aber war ich doch zweimal aus, und ich traue mich zwar zu lächeln und verhalte mich Freunden gegenüber normal, aber sobald eine neue Frau in meine Runde tritt, spüre ich die Klammer, denke über meine verzogenen gesichtszüge nach, und auch, dass alles schon hinter mir sein könnte, und ebenso, dass es greifbar nah ist, es doch hinter mich zu bringen, nur es eben nicht der Fall ist. Ich müsste mich nicht damit abfinden, weil eine Lösung da ist, ich muss mich damit abfinden, dass sie eben gerade noch nicht da ist, und dieser Unterschied macht es noch schwerer.

Richtig schlecht geht es mir danach, am nächsten Morgen. Das Gefühl gefangen zu sein, stürzt mich in ein Gefühl echter Verzweiflung. Ich habe das Gefühl von Freiheit, Ruhe, Zukunftsfähigkeit, stetem Fortschritt und Männlichkeit verloren. Wie ein Riss im Ego, der mich von meinem eigenen Leben abtrennt.

Für ein Jahr oder zwei, auch drei hätte ich es durchgestanden, aber nach fünfen, und dem fehlenden Gefühl der Sicherheit, im letztenJahr zu sein, ist meine Kraft erschöpft und die nicht erfüllten Anforderungen jenseits der Klammer, die viel wichtigeren Teile meines Lebens, geben mir den Rest.

Es ist lächerlich, denn es ist ja nur eine Klammer. Das kann ich mir sagen, und ich versuche mir das Positive, die Vorfreude, aus der Zukunft ins Jetzt zu ziehen, aber es gelingt mir nicht mehr. Der Mechanismus scheint erschöpft.

Ich schäme mich, wegen der Kieferproblematik so aus der Bahn geworfen zu sein. Aber nun, mittlerweile, ist es nicht mehr die Kieferproblematik, sondern es stimmt so einiges nicht mehr. Es müsste alles nicht so sein, und ich reagiere über...aber nach alledem kann ich mich doch selbst verstehen. Es war lang, voller Unsicherheiten, falscher Hoffnungen, und mancher Verluste.

Ich bin verzweifelt, dem Weinen nah und weiß plötzlich echt nicht mehr weiter.

Es scheint eine Depression zu sein. Ich bin auch bereit, Tabletten zu nehmen, denn ich spüre, dass es mir gerade sehr schlecht geht. Ich muss noch eine Weile in Rio bleiben, und ich will ja auch eine Weile hierbleiben, so dass eine andere Form der Therapie nicht möglich ist. Irgendwo habe ich das gefühl, normal und gut zu sein, aber mich hat es von diesem Kern in mir weit fortgeschwemmt. Ich zweifel nicht an mir, mein Gefühl ist ein anderes, es ist aus der Ungeduld gekommen, in Kraftlosigkeit gewechselt und nun gemischt mit dem Gefühl, mein Leben völlig zu verpassen, ist tiefe Verzweiflung eingetreten. Der eigene, noch vorhandene Wille kehrt sich gegen mich, so scheint es mir. Ich will, aber ich kann nicht mehr.

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Ich schäme mich, wegen der Kieferproblematik so aus der Bahn geworfen zu sein. Aber nun, mittlerweile, ist es nicht mehr die Kieferproblematik, sondern es stimmt so einiges nicht mehr. Es müsste alles nicht so sein, und ich reagiere über...aber nach alledem kann ich mich doch selbst verstehen. Es war lang, voller Unsicherheiten, falscher Hoffnungen, und mancher Verluste.
In diesem Forum sind außer dir noch etliche User, die ähnliches erlebt haben. Viele leiden nach dem Betrug und der Schädigung durch Kieferorthopäden an Depressionen.

Im Moment verspüre ich Hass gegen ihn, den alten. Hass aber, der mich unglücklich macht.
Dein Hass ist durchaus verständlich. Es kann hilfreich sein die Angelegenheit einem Anwalt zu übergeben. bearbeitet von caesiaflava

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Was Du schreibst, könnte z.T. von mir sein (ich habe heute überlegt, einen ähnlichen Thread aufzumachen).

Ich kenne auch das Problem, das "Leben" auf die Zeit nach der OP zu verschieben (ist natürlich blöd, aber man macht es trotzdem. Nur verschärft sich die Problematik dadurch, denn wenn man sich erstmal an den Rückzug etc. gewöhnt hat, ist es vermutlich schwer, nach der OP dann seinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden und wieder extravertiert und offen zu sein)...die Hoffnung, dass eine OP in den nächsten Semesterferien möglich ist, und dann wird es doch wieder nichts, das Gefühl, durch die lange Behandlung langsam zermürbt zu werden.

Was ich für mich als besonders belastend empfinde, ist diese Berg- und Tal-Fahrt zwischen der Hoffnung, bald operiert zu werden (und der Angst, die ich davor habe), und der bisher immer wieder darauf folgenden Enttäuschung.

Ich war zu Beginn der Behandlung sehr euphorisch, schon durch das Wissen, dass eine Veränderung möglich ist, ging es mir besser, und diese Hoffnung etc. haben mich durch vieles "hindurchgetragen", mir über vieles hinweggeholfen.

Aber langsam ist diese Energie einfach weg, es hat sich irgendwie totgelaufen.

Ich weiß nicht, ich kann dir keinen guten Tipp geben (mir fällt für mich selber auch keiner ein), außer evtl. zu einem guten Therapeuten zu gehen, der Dir hilft, das zu verarbeiten/ mit dieser wirklich belastenden Situation besser klarzukommen.

Das Problem dürfte nur sein, einen zu finden, der sich mit diesem Problem (Zahnspange und Dysgnathie-Behandlung) auskennt und weiß, wie belastend z.B. das ständige Hoffen, die evtl. auch vorhandene Angst vor einer OP und/oder das Leiden unter dem Aussehen sein können....

Wenn, müsste man sich einen Therapeuten suchen, der z.B. in einer Schmerzambulanz oder generell mit auch körperlich kranken Menschen arbeitet und dazu einfach einen anderen Zugang hat als ein normaler Analytiker oder so.

Es tut mir übrigens sehr leid, dass Du Rio nicht genießen kannst... diese Stadt wär auch mein Traum.

Ich denke, wenn es dir sehr schlecht geht und Du allein nicht mehr aus dem Tief herauskommst (und eine Psychotherapie nicht möglich ist) , wären Antidepressiva sicher eine Lösung. Mein Prof. meinte auch, dass regelmäßiger Ausdauersport mindestens gleichwertig wäre wie Antidepressiva, aber dazu muss man auch erst mal den inneren Schweinehund überwinden...

Okay, ich hoffe, das war jetzt halbwegs verständlich, ich habe einfach geschrieben, was mir so durch de Kopf ging.

Liebe Grüße, Annawake

bearbeitet von Annawake

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Hi,

das Gefühl kenne ich, so ging es mir am Anfang meiner Spangenzeit (habe mich kurz vorher von meinem Mann getrennt, war keine so schöne Geschichte) und dachte sowieso schon, das Leben ist vorbei ( na ja so sind eben Frauen :-D ) und dann noch die Spange...

aber dann habe ich meinen Lebengsgefährten kennengelernt und so wie ich das sehe, ist es ihm ziemlich egal, ob ich die Spange habe oder nicht.

ich weiß, dass es nicht immer so klappt wie man will, aber ich will trotzdem was super banales sagen: Wenn es der/die richtige ist, ist dieser Person die Spange (und nicht nur die) egal 8)

allerdings hört sich der bericht vom vorbeiduschönezeit für mich sehr beunruhigend an, ich bin zwar kein arzt, aber ich an deiner stelle würde einen psychologen aufsuchen. ich denke, so was ist in Rio auch möglich

auf jeden Fall viel-viel Glück

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Ich bin eine von den Geschädigten und seit meiner leider gescheiterten Behandlung bestimmt diese mein Leben.

Du scheinst eigentlich ein lebensbejahender Mensch zu sein. Nur die Geißel der Spange und der nicht aufhören wollenden Behandlung hemmt dich, du selbst sein zu können und unbeschwert zu sein und einfach nur dein Leben zu leben. Du musst dich dafür nicht schämen. Ich konnte und kann genauso wenig damit umgehen.

Ich hatte auch massive Depressionen, die mich nicht mehr haben arbeiten lassen. Mir ging es genauso wie dir. Ich war vorher voller Tatendrang, wollte das beste aus meinem Leben rausholen, genau so jemanden trifft es besonders hart, der plötzlich gehemmt wird. Seit 2005 (Ende der Behandlung) habe ich weitere Beschwerden, leide an Depersonalisierung - Entfremdung oder auch Identitätsstörung genennt.

Immer noch keine Hoffnung in Sicht. Es ist sogar viel kaputt gemacht geworden, was natürlich leichter und schneller geht, als das wieder in Ordnung zu bringen, wozu sich jetzt leider kaum noch einer in der Lage sieht.

Es macht sich kein Arzt bewusst, welche Belastung so eine Behandlung bedeutet. Das kann nur derjenige selbst beurteilen. Für mich war es nach 2,5 Jahren schon psychisch extremste Belastung. Ich wollte das Ding auch endlich loswerden. Depressionen aufgrund dieser Belastung und der sich nicht einstellenden Verbesserung oder Hoffnung auf ein Ende können da schon die Folge sein.

Grüße

FrauHolle

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