Stefan1000

Abschlussbericht und Rückschau

26 Beiträge in diesem Thema

Hallo,

meine Behandlung ist zwar noch nicht abgeschlossen, aber ich denke mal, dass das so lange nicht mehr dauern kann. Darum beginne ich schon mal mit meinem geplanten "Abschlussbericht" und einer Rückschau auf den ganzen Ablauf der Behandlung.

Ich habe überlegt in welchen Forenteil ich das stellen sollte und mich für "Psychologie" entschieden. Weil es mir auch um die psychologischen Aspekte einer solchen Behandlung geht und eigentlich weniger um die "technischen".

Wenn jemand vor der Entscheidung steht eine KFO Behandlung oder sogar eine Kiefer OP machen zu lassen, dann ist das wohl eine der größten und schwierigsten Entscheidungen, die man im Leben treffen muss. Man ist damit letztlich alleine, egal wieviel Informationen man sich holt und wieviele Meinungen man sich anhört.

Ich war etwa 35 Jahre alt, als ich das erste Beratungsgespräch als Erwachsener bei einem KFO hatte. Heute bin ich 43 und stehe (hoffentlich) kurz vor dem erfolgreichen Abschluss der Behandlung.

Ein Prozess, der also bisher 8 Jahre andauert.

Ich gehöre zu den ältesten, die sich sowas "antun". Macht das einen unerschied zu den jüngeren aus? Ich denke schon. Wenn man älter ist, hat man mehr Lebenserfahrung, mehr gewachsenes Selbstvertrauen und man trifft schon lange seine eigenen Entscheidungen. Man hat die Verantwortung. Mama und Papa gibt es nicht mehr. (Bei mir)

Ich wäre in jüngeren Jahren auch psychisch nicht so stabil gewesen, dass ich so etwas hätte schaffen können. Das bin ich erst in den letzten 10 Jahren geworden. Dennoch wäre es sicher sinnvoller gewesen, wenn ich schon vor 20 Jahren etwas für mich getan hätte, aber das ist nun vorbei und es zählt, was ich jetzt für mich tue.

Dieser Bericht wird sich hinziehen, denn die Behandlung ist ja noch nicht ganz fertig. Zudem muss man auch sehen, dass erst in ein par Jahren klar sein wird, ob das ganze wirklich langfristig erfolgreich war, ob es sich gelohnt hat.

Fortsetzung folgt...

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1.) Hintergrund

Als Kind wurde ich, wie die meissten von euch, zum KFO geschickt. Das war damals noch bei mir in München, wo ich aufgewachsen bin.

Ich hatte "Hasenzähne", so würde ich das beschreiben. Ausserdem war ich Brillenträger, meine Mitschüler hatten also reichlich Stoff, um mich fertig zu machen. Arme Menschheit... Naja, da ich schon vor dem Zahnarzt eine Menge Angst hatte, war mir vor dem KFO sowieso Bange. Ich wollte da nicht hin und das hat sich auch später nicht geändert.

Da ich ein sehr sensibles Kind war, was sich im späteren Leben mit Depressionen und Angstsörungen äusserte, war jeder Arztbesuch und sowieso alles mit dem Mund und den Zähnen für mich der Horror. Geradezu traumatisch. Keine guten Vorrausetzungen also.

Nun weiß ich nicht, wie damals der Stand der Dinge war (und was mein geiziger Vater bezahlt hätte) sie steckten mir eine riesige Plastikapparatur in den Mund und schickten mich von dannen. Wie ich mich mit diesem Teil im Mund gefühlt habe, kann ich nicht beschreiben. Tot wäre besser gewesen. Es ging auf jeden Fall nicht. Auch später, als sie es mit einem kleineren Gerät versuchten, konnte ich damit nicht leben. Ich konnte nachts nicht schlafen, nicht mit meinen Freunden spielen, nicht reden. Ich konnte nicht normal schlucken, mir war immer übel usw.

Natürlich habe ich mich auch vor den Terminen beim KFO gedrückt.Meine sehr schlechte Disziplin beim Tragen der Spangen ist natürlich sehr negativ aufgefallen und ich war auch kein fleissiger Mundehygieniker, hab immer nur schimpfe bekommen. Ich hatte aber schon allein vor dieser KFO Praxis Angst. Diese Folterstühle, diese strenge Kieferorthopädin. Das Gefummel im Mund. wie gesagt, ich war kein ganz normales Kind, vieles was andere wegstecken, war für mich zuviel. Da ich auch keine mentale Unterstützung vom Elternhaus hatte, konnte ich das einfach nicht schaffen.

Mein Vater hat wohl irgendwann eingesehen, dass es mit mir keinen Sinn hatte und hat die Behandlung wurde abgebrochen. Man hat vielleicht gedacht, ich könnte es später, als Jugendlicher besser packen. Ich weiss es nicht mehr. Ich war nur froh, dass diese sinnlose Quälerei vorbei war.

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Zwischenergebnis:

Heute wurde die Gaumenplatte entfernt, 4 Wochen nach der OP. In einer Woche soll ich wieder mit kauen anfangen. Morgen bin ich beim KFO.

So langsam kommt bei mir das Gefühl auf, dass ich etwas geschafft habe, dass "es" im Großen und Ganzen geschafft ist.

Stefan

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Nächster Schritt:

Heute beim KFO wieder komplettes Programm. Neue Bögen, ein Bracket neu ankleben, dafür konnte die äussersten oben schon entfernt werden. Zahnreinigung hab ich auch bekommen.

Hab vor dem ganzen eine dicke Schmerztablette genommen, hätte wohl zu weh getan. Ist nach der OP noch alles nicht so wies sein soll.

In drei Wochen nächster Termin und dann soll schon ein Termin folgen zum Entfernen der Brackets. Die Retentionsphase wird allerdings Kacke werden, 16 Stunden (oder waren es 18) am Tag ein Plastikding im Mund :twisted:

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In der Jugend und auch später als Erwachsener hat mich das Thema natürlich nie losgelassen. Aber als Erwachsener schließt man damit ab, weil man glaubt, dass ein Erwachsener keine Spange mehr bekommt. Das war früher, ich bin schon 43, nicht denkbar.

In den Jahren wechselten sich totales Vergessen und wieder erinnert werden laufend ab. Es war ein Makel und die Ansgt, dass die Fehlstellung immer schlimmer wird war immer mal wieder präsent. So langsam bekam ich auch mit, dass meine Kariesprobleme mit von der Fehlstellung kamen.

Man lebt mit einem offenen Geheimniss und hofft, dass es niemand anpricht. Da ich diverse körperlich und psychische Probleme im Laufe meines Lebens hatte und habe, erschien es als das beste dieses eine Problem zu akzeptieren wie es ist.

2.) Erste Schritte

Mit 35 bin ich wieder zum KFO, wegen starkem Kieferknacken und weil ich innnerlich nach einer Psychotherapie bereit dafür war. Ich wollte die Dinge, die ich als Kind versäumt hatte, nachholen. Fehler korregieren, Probleme lösen, gesünder werden, richtiger werden.

Mittlerweile haten mich auch eine Zahnärzte mal darauf angeredet, welche Probleme ich noch durch die Fehlstellung bekommen könnte. Ich wollte einfach den Schritt machen und mich beraten lassen, was amn tun könnte und ob man was tun müsste? Es war eine große Überwindung für mich, im KFO Wartezimmer mit lauter Kindern zu sitzen, mit meinen schiefen Zähnen, das empfand ich als Demütigung. Ich hatte auch Angst blöd angeredet zu werden vom Doc., von wegen, warum ich nichts getan hätte als Kind.

Nun, er war aber nett und verständissvoll und klärte mich gut auf, machte eine Dokumentation und schickte mich sogar noch zum Abklären in die Kieferorthopädische Uniklinik. Aber am Ende konnte mir niemand definitiv sagen, was ich tun sollte. Man könne das so lassen, man könne aber auch was machen. Wenn man was gescheites machen wollte, dannn das volle Programm, mit OP. Auch wegen der Kosten käme eher eine Behanndlung mit OP in Frage.

Ich konnte mich nicht entscheiden. Mir wurden schlimme Risiken genannt, die eine Behandlung mit sich bringen würde. Aber es wurde keine klare empfehlung ausgesprochen. So schob ich es weiter vor mich hin, 4 Jahre lang, bis ich nach einem Umzug zu einem anderen KFO ging.

Ich hatte festgestellt, dass die Fehlstellung schlimmer wurde und ich konnte nur noch daran denken, dass ich mal wie ein Monster aussehen würde. Nicht mehr richtig essen könnte. Ich hatte Angst und ich musste etwas tun. Nichts zu tun hätte mich fertig gemacht.

Fortsetzung folgt...

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Neuanfang mit 40

Es vergingen weitere 5 Jahre, bis ich tatsächlich die Behandlung begann. Ich war inzwischen mit meiner Lebensgefährtin zuammengezogen, raus aufs "Land" (im Vergleich zu München).

Mittlerweile war der "Leidensdruck" so groß geworden, dass ich jeden Tag an die Fehlstellung dachte und Angst davor hatte, dass es schlimmer werden würde. Zahlreiche Versuche mit Aufbiss- und Tiefziehschienen hatten mich nur frustriert und ich hatte und habe ja mit noch anderen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Ich musste etwas tun.

Ich hatte dann das Glück zu einem KFO zu kommen, der mir menschlich gut gefiel, auch fachlich einen sehr kompetenten Eindruck machte und der mir sogar zu der Behandlung geraten hat. Er hat allerdings ziemlich "geschummelt", was den Behandlungsablauf und die Dauer anging, das hatte sich alles sehr viel einfacher angehört als es dann wurde. Vielleicht war es besser so?

Aber ohne Progenica wäre es nicht gegangen. Erst durch das Forum habe ich die Kraft bekommen, es wirklich zu tun. Ich habe damals zwar auch den Eindruck gehabt, dies wirke ein wenig wie ein "Werbeforum" für Kiefer Op´s, aber ich habe schon damals dazu gesagt: Was solls? Sollte es nicht genau das sein? Es war ja das, was ich gebraucht hatte, was nützen mir KFO´s die nur die Schulter zucken und sagen: Ach, das kann man auch so lassen, das müssen sie wissen ob und wie.., häääh?

Progenica ist ein Gesundheitsforum für Menschen die aktiv etwas tun wollen. Nicht für Menschen, die nichts tun wollen. Man wird ja uch nicht dazu gedrängt etwas zu tun, noch nicht mal bewusst dahin manipuliert. Aber natürlich scheibt man auch nicht ständig: Tu es nicht!!!

Progenica hat mir sehr geholfen, war vielleicht sogar das entscheidende Rädchen am Wagen, ohne das es nicht ging? Es ist auf jeden Fall der Beweis, dass seriöse Internetforen durchaus ihren besonderen Sinn haben und den Menschen helfen können.

Meine Frau stand auch hinter mir, auch ohne sie wäre es wohl kaum gegangen. Ich hätte zuviel Angst gehabt, ganz allein.

Die Behandlung

Ich bin ein Angstneurotiker und habe Depressionen. Das ist jetzt kein Scherz. Ich erwähne dass, weil ich aufzeigen möchte, dass man so eine Sache auch unter solchen Bedinungen schaffen kann.

Der Beginn der Behandlung bestand aus einer operativen GNE. Diese Sache ist zunächst gründlich schiegegangen. Ich ging ins Krankenhaus und ich wusste, dass dieser Schritt unumkehrbar war. Nach der GNE musste ich weitermachen. Daher lastete die ganze große Entscheidung nochmals auf mir.

Im KKH hatte ich dann auch Panikatacken, ich kotzte, ich hatte Angst, ich wollte nach Hause. Eine innere Stimme sagte mir, dass das alles Wahnsinn wäre, dass ich das nie tun dürfte. Es könne während der ganzen Behandlung so vieles schiefgehen.

Dann kam der Dolchstoß. Spät abends kam endlich der Doc zur OP Besprechung und als er sich die Röntgenbilder anschaute, entdeckte er eine entzündete Wurzel!

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Das hat mir den Rest gegeben. der Doc meinte zwar nach erneutem Röntgen das Risiko könne man eingehen, aber ich war am Ende mit den Nerven. Ich wollte erst zum ZA und die Wurzelbehandlung machen lassen. Zudem hätte ich dann ja eine zweite Chance über alles nachzudenken.

Dann gab es den zweiten OP Termin und wieder ging alles schief. Zuerst fanden sie meine Unterlagen nicht (verschlampt), dann stellte sich heraus, dass die GNE Apparatur verostet !!! war und so eignetlich nicht zu gebrauchenw war.

Es ging wieder hin und her, man versuchte den Techniker zu erreichen, ob man bis zu nächsten Tag die Apparatur richten könnte, man suchte weiter nach den unerlagen, ich saß da und dachte nur: Das alles sind Zeichen, dass du es nicht tun solltest!

Aber dann hieß es doch, alles klar, morgen ist die OP. Ich ging also auf mein Zimmer und war ziemlich fertig. Da half es, dass ich sehr nette Zimmergenossen hatte, die mich aufbauten. einer hatte eine UK vorverlagerung hinter sich (3 Tage) und der sprang schon munter hin und her und sah auch beinah normal aus. Ich staunte.

Bei dieser OP wurde mir auch ein 3D Orthogitterplättchen in den UK eingesetzt, damit sollten die Zähne seitlich bewegt werden, um die Mitte herzustellen.

Weiter demnächst....

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Zwischenergebnis:

Gstern hab ich mit dem Kauen angefangen, wieder etwas normaler mein Leben jetzt.

Eigentlich wäre ich auch schon lägst schmerzfrei, wenn ich nicht wieder neue Bögen drin hätte und Gummi einhängen müsste. Daher wieder Schmerzen, grrrr.

Immerhin ist bis auf die etwas eingeschränkte Mundöffnung alles wieder gut beweglich. Linksseitig würde man ie auf die Idee kommen, dass da der Kieferknochen durchtrennt wurde. Rechts hab ich noch Taubheits und etwas Schmerzprobleme, das liegt aber daran dass da das 3D Orthogitterplättchen drin war und der Nerv von früheren eingriffen vorgeschädit war. Der Oberkiefer ist auch noch etwas taub, aber das stört nich so dolle.

LG

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Nach der OP hatte ich eine ziemlich dicke Backe, wegen diesem Plättchen. Das Hassgerät hatten sie auch etwas provisorisch eingebaut, es war nämlich ein Teil der Halterung während der OP abgebrochen. Naja, Apollo 13?

Leider musste ich in den folgenden Tagen und Wochen mit starken Schmerzen kämpfen, natürlich rechts unten, wo das Plättchen drin war. Ich wurde sogar nochmals stationär aufgenommen. Aber erst als dann eines Tages im Verbandsraum der doc. entdeckte, dass da hinten noch ein Faden drinsteckte und den rauszog, war das Problem gelöst. Eine Stunde später hatte ich fast keine Schmerzen mehr.

In der folgenden Zeit hatte ich gottseidank meine Frau, die die Schraube am Haasgerät drehte, denn ich hab das nicht gekonnt. Nach drei Wochen hatte ich eine Riesenlücke und sah sehr seltam aus, grade da fing ich eine neue Arbeit an. Das war eine gute Übung voll zu meinen "Problemen" zu stehen und mich daran zu gewöhnen auch mit schwierigen Umständen fertig zu werden.

Dann kam das Bracket einsetzen. Eine haarsträubende Prozedur. Wer das hinter sich hat, der hat auch was geschafft. In den folgenden Tagen musste ich an zwei Kronen nachkleben lassen, weil die Brackets da abgegangen waren. Ich hab natürlich viel Wachs genommen, denn ohne hätte ich mich übrall wund- und aufgerissen.

Neagitve Reaktionen meiner Umwelt allerdings habe ich nie gehabt, das hatte ich befürchtet. Die Leute interessiert das zwar ab und zu, aber die meissten nehmens wie es ist.

Die folgenden Zahnspangenjahre, da kann man nicht viel erzählen. Ihr kennt das ja. Ich hatte vor dieser Zeir mehr Angst als vor der OP. Was wäre, wenn ich während dieser Zeit Zahnprobleme kriegen würde und zum Zahnarzt müsste? Wenn Wurzeln, Nerven oder Zähne (oder Kronen) durch die Behandlung kaputtgingen? Wie sollte man seine Zähne ordentlich putzen können?

Ich bin sehr, sehr froh, dass es zu solchen Dingen nie gekommen ist. Ich hatte nie viel Vertrauen in meine Zähne. Sie waren immer einer meiner großen Schwachpunkte. Selbst beim Putzen war ich früher übervorsichtig, weil ich nichts kaputt machen wollte. Ich dachte, dass die meissten meiner Zähne mehr oder weniger kaputt waren. Nun, ich habe auch viele Kronen und Inlays, auch wurzelbehandlete Zähne. aber es hat, bisher zumindest, alles gehalten.

Die Zahnspangenzeit hat doppelt so lange gedauert, wie in Aussicht gestellt. Es war wohl doch komplizierter als gedacht. Aber richtige Probleme oder schwere Rückschläge gab es nicht. Ich hab mich durchgehend mit dem KFO Team gut verstanden und wurde auch nie "geschimpft"wegen Zähneputzen oder so :mrgreen:

Ich hab mich daran gewöhnt und dachte das geht jetzt ewig so weiter.

Als dann endlich der "Befehl" kam: Ab zum KC, konnte ich das gar nicht mehr glauben.

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Die zweite, große OP, verlief auch wieder anders als geplant. Es sollte eine UK Vorverlagerung werden, das wurde es auch, aber der OK musste nochmals verbreitert werden. Ich war darauf eingestellt, dass sicher wieder etwas "passieren" wird, dass nicht alles glatt verlaufen würde. So hab ich das mit einem Schulterzucken genommen.

Ansonnsten verlief aber alles gut, siehe OP Bericht. Psychologisch gesehen war es sehr interessant, dass das zweite mal für mich weder mit Angst noch mit Unsicherheit besetzt war. Ich bin sehr cool und routiniert an die Sache herangegangen. Ich kannte ja das wesentliche, was mich erwartete.

Dennoch gibt es sicher viele Menschen, die obwohl sie etwas bereits kennen, dennoch wieder mit Angst reagieren und unsicher sind. So gesehen war es für mich eine gute Erfahrung. Überhaupt die ganze Woche im KKH war interessant. Es waren nette Zimmergenossen da, auch sogar interessante Leute, mit besonderen Lebensgeschichten. Jeder war aus ganz unterschiedlichen Gründen im KKH, aber es ging doch jedem gleich mit der Situation.

Rückschau und Bewertung:

Als ich die Behandlung begonnen hatte, hab ich mir fest vorgenommen, dass ich meine Erfahrungen hier niederschreiben werde, um anderen dabei zu helfen, sich zu entscheiden und das ganze durchzustehen. Keine Entscheidung in meinem Leben ist mir so schwergefallen, keine war subjektiv von solcher Tragweite, wie die eine Kiefer OP machen zu lassen, mit allem Drum und Dran. Ich hatte fundamentale Ängste und Zweifel, ob das was ich da tue richtig ist. weil der ganze Behandlungsprozess so lange dauert und es teils massive Einschränkungen der Lebensqualität dabei gibt, ist es eine existenzielle Entscheidung.

Eines ist klar geworden: So etwas durchzuziehen ist eine einzigartige Erfahrung, mit der man wächst und reift. Man bekommt eine ganz neue Einstellung zu sich, zur Gesundheit, zu Leben und zu den Parametern, die das Leben regeln. Wan ist etwas zu spät? Wann ist etwas sinnvoll? Was tut man und was tut man nicht? Mit 40 Jahren Kiefer OP zu machen passt in kein Schema.

Was man im Rückblick alles geschafft hat, alles ausgehalten hat, die Risiken, die man eingegangen ist, das Vertrauen in die Behandler, das man aufgebracht hat, all das ist grandios. Es ist eine Prüfung für den Charakter und die Persönlichkeit.

Die Menschen tun ungeheuer viel, wenn es um ihre Häuser und Autos geht, oder einfach ums Geld. Aber für sich selbst, für die Gesundheit etwas zu tun, das ist selten.

So wie es bei mir gelaufen ist, war es sicher nicht schön und nicht richtig. Beim KFO gab es ja eigentlich nie richtige Probleme. Aber die Kiefer OP´s waren immer begleitet von Umständen, die man sich nicht wünscht. Dennoch ist am Ende alles gutgegangen. Es war nicht leicht, aber ich habs geschafft.

Ich kann heute sagen, dass eine gutgemachte Kiefer OP eigentlich ein Klacks ist. Wenn nichts schiefläuft und man auch mental gut vorbereitet ist. Jahelange KFO Behanldung finde ich "schlimmer".

Soweit ich das beurteilen kann, arbeitet man im LKH Salzburg sehr patientenschonend. Ich habe viel gelsen, von Leuten, die nach einer solchen OP auf die Intensivstation kommen, mit Magensonde und dickem Splint im Mund. Manche sogar verdrahtet. Sowas gibts in Salzburg nicht. Auch die Schwestern und Ärzte dort sind menschlich meisst sehr gut unterwegs, so dass man sich dort gut einrichten kann.

Das wars erstmal, ich werde weiter berichten.

Stefan

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Einige Fragen haben mich in den letzten Jahren immer wieder begleitet und nur die Erfahrung konnte eine Antwort bringen.

Zum Beispiel die Frage, ob man einem neuen Arbeitgeber sagen soll, dass man eine OP geplant hat. In meinem Fall hat sich die OP immer weiter hinausgeschoben, weil die KFO Behandlung nicht ganz so reibungslos lief, wie sie sollte. Daher hab ich mir immer wieder einen Kopf gemacht, was - wann und wie ich es dem Chef sagen soll. Alles umsonnt gewesen. Denn solange man nicht weiß, wann die OP definitiv sein wird, ist es sinnlos es jemandem zu sagen.

Letztlich lief es bei mir so, dass ich gerade einen neuen Job angenommen hatte, als ich den Termin zur OP bekam. Mir war klar, dass man - nach 2 Monaten Arbeit - nicht tollerieren würde, dass ich nun 6-8 Wochen krank wäre. Damit musste man rechnen, da ich im Lager gearbeitet habe, teils sehr schwere körperliche Arbeit, viele Überstunden usw. Da geht nur 100% plus x.

Jetzt versuche ich in der gleichen Firma wieder unterzukommen, ab dem 1.6. strebe ich an. Ob das klappt, weiß ich nicht. Die haben viel Fluktuation. Da werden immer wieder Leute gebraucht.

Interessant wird das alles nochmal in der Retentionsphase, denn als Arbeitnehmer kann ich kaum 18 Stunden am Tag ein Gerät tragen, mit dem man nicht sprechen kann. Da muss man eine Lösung finden, mit der ich auch leben und arbeiten kann. Ich frage mich, wie man das mit Kindern macht, die zur Schule gehen?

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Letztens hat mir mein KFO die verschiedenen Modelle gezeigt, vom Beginn der Behandlung bis heute. Das hat mich umgehauen, weil ich erst jetzt bemerkt habe, wie schrecklich meine Fehlstellung war. Früher war ich es ja gewohnt, dass bei mir alles krumm und schief war.

Ich merke im Alltag mittlerweile auch, dass ich mich jetzt lieber anschauen lasse und auch selbstbewusster zurückgucke, als früher. ich weiß halt jetzt, dass es - was die Zähne angeht - nichts komisches mehr zu sehen gibt. Ich bin mir sicher, dass mein Gesicht, mein Mund, meine Mimik, jetzt natürlicher, positiver und besser aussehen.

Mein Lächeln ist noch komisch, wegen der kürzlichen OP und der Spange. Aber das kommt ja auch noch.

Ich wünschte mir, ich hätte es früher machen lassen, überhaupt hätte ich früher draufkommen sollen, dass die ganzen "inneren Werte" Blödsinn sind, wenn man nicht einigermassen normal ausschaut. Naja, bei mir war es so.

Ich hab ja auch mit Depressionen zu tun, da ist ein seltsames Gesicht halt noch eins drauf, z dem, was man eh schon negatives austrahlt.

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Jetzt sind es etwa 7 Wochen seit der OP und ich würde mich jetzt als wieder voll einsatzfähig bezeichnen. Das heisst ich mache wieder meinen Sport voll und könnte auch wieder arbeiten, wobei ich momentan arbeitslos bin.

Ich finde es bemerkenswert, dass man nach so relativ kurzer Zeit körperlich wieder hergestellt ist. Immerhin wurde man ja zerlegt und wieder zusammengebaut :mrgreen:

Wenn man im Büro arbeitet und nicht wie ich im Lager, dann könnte man wohl auch nach 3-4 Wochen wieder antreten. Bestenfalls.

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Hallo Stefan,

danke für deinen ausführlichen Bericht, du bist einen langen schweren Weg gegangen der nun hoffentlich bald ein gutes Ende gefunden hat.

Ich bin auch ein Mensch der zu Depressionen neigt, und manchmal kann ich nicht mehr auseinanderdividieren ob ich mein Aussehen im Kopf schlimmer mache als es ist, oder ob meine Probleme eben doch nicht nur "innerer" Natur sind...

Wurde es bei dir eigentlich letztendlich aus gesundheitlichen oder ästhetischen Gründen gemacht? Meist kommt ja beides zusammen, aber hättest du es auch aus rein ästhetischen Gründen gemacht?

Gruß, Cass

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Hallo Cass,

ich habe es aus gesundheitlichen Gründen gemacht, wobei ein gewisses Quantum Aussehen auch dazu gehört. Wenn die Zähne mal so schief stehen, dass man wie ein Monster aussieht und kaum noch richtig kauen kann, dann kann man kaum noch trennen zwischen diesen Aspekten.

LG

P.S. Ich hoffe, mein Erfahrungsbericht hilft irgendann jemand sich zu entscheiden oder etwas durchzustehen. Nur dazu ist er da.

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Hallo Hope,

vielen lieben Dank, es tut gut, wenn man so gelobt wird :grin:

Es ist ja wirklich eine ganz enorme Saxhe, die man da durchzieht. Es gibt Risiken, es kann einges schieflaufen und selbst wenns gut läuft ist es doch alles schwierig und anstrengend.

Aber es ist auch eine ganz enorme Lebenserfahrung das als Erwachsener zu machen, aus eigenem Antrieb und in einem Alter, wo andere ihre Krise kriegen.

Für mich ist es auch ein Signal an mich selbst: Gesundheit geht vor!

So hab ich in jungen Jahren leider nicht gedacht.

LG

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So, heute ist der Termin zum entfernen der Brackets!

Schau mer mal, ob der Doc. zufrieden ist und tatsächlich heute die aktive Behandlungszeit beendet. Vielleicht fällt ihm ja doch noch was ein?

LG

Stefan

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Hallo!

Ja, sie ist draussen! Mann, war das ein Procedere. Es hat geknackt und geknirscht und das ganze abschleifen und einigen danach, puhh...

Dan noch par Abdrücke für das Retentionsgerät, alles in allem waren das wohl 2 Stunden heute.

Also, ich fühle mich nackt an den Zähnen und es wirkt optisch auch so. Unglaublich. Werd gleich mal Mittagessen, bin gespannt, wie sich das anfühlt.

Auf das Retentionsgerät bin ich gespannt, hoffentlich wird das nicht so ne Monsterapparatur. Naja, jetzt gehts ja nicht mehr um Jahre, sondern um Monate, wo ich das Teil tragen muss.

Ich melde mich, wenns soweit ist!

LG

Stefan

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Juhuu ! :-D

Ich denke das Prozedere nimmt man dann doch mehr als gerne in Kauf oder ??

Schön, endlich geschafft ! Das muss ein tolles Gefühl sein, auch wenn es sicher erst mal ungewohnt ist... Aber wir sind ja Gewohnheitstiere, ich denke morgen hast Du Dich wieder an ein Zahnspangenfreies Leben gewöhnt ;-)

Gratuliere !

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Ich fühle mich so nackt, so unanständig, jeder kann meine Zähne sehen:mrgreen:

stefan

OMG :roll::-D Sowas aber auch^^ Ich freu mich für dich! Schließlich fiebern wir alle diesem Ereignis entgegen.

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Heute habe ich die Haltespangen bekommen und es wurde im UK innen ein Draht eingeklebt.

Bescheuert ist, dass an der oberen Haltespange "Metallstangen" angebracht sind, die nach unten zeigen und sich unten dann im UK "einhängen". Damit soll die UK Stellung gehalten werden, der wurde ja vorverlagert, soll also nicht wieder zurückwandern.

Diese Mettaldinger sehen natürlich sehr seltsam aus, ohne die Dinger würde das ganze kaum auffallen, aber so sehe ich aus wie Hanibal Lector.

Naja, am anfang muss ich es 16 Stunden täglich tragen, dann wirds ja weniger und nach 3 Monaten in etwas werde ich es ja nur noch nachts tragen.

Da war mir die feste Spange lieber, ich hasse diese herausnehmbaren Plastikdinger.

Naja, muss eben sein.

LG

Stefan

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