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Kampfgemuese

OK-VV in 2003 im Städt. Klinikum Karlsruhe

Hallo zusammen,

ich habe dieses Forum vor Kurzem entdeckt und möchte Euch meinen Erfahrungsbericht mitteilen. Mit diesen ganzen Fachausdrücken kenn ich mich leider nicht aus, aber ich versuche, mich verständlich auszudrücken. Meine Kiefer-OP ist schon einige Jahre her - 2003 im Städt. Klinikum Karlsruhe, Abtl. Mund- Kiefer- Gesichtschirurgie. Ich weiß leider nicht mehr, wie der damalige Chirurg hieß.

Alles fing damit an, dass ich 2002 bei meinem Zahnarzt war und über mein langes Kinn klagte. Er sagte mir daraufhin, dass ich Progenie hätte und dass man das operieren könne.

Die KK würde die Kosten übernehmen, da ich einen Fehlbiss hätte und in hohem Alter ggf. ein Gebiss nicht "halten" würde, wenn das nicht gerichtet wird.

Also habe ich mich auf die Suche nach einem Kieferorthopäden gemacht.

Der erste KFO machte einen sehr netten Eindruck, wies mich aber ab. Er sagte, er würde das nicht machen (was ich bis heute nicht verstehe). Der zweite KFO war mir sehr unsympathisch aber fachlich ein Ass und verpasste mir dann die notwendige Zahnspange, nachdem ich mir die Weißheitszähne hab entfernen lassen.

Ich war 23 und trug Zahnspange - Mann, war das eine Umstellung. Zwar hatte ich schon als Kind mal eine Zahnspange, aber nicht mehr so die Erinnerung dran. Ich hatte Speichelfluss wie ein Lama und es schmerzte ab und an, aber die Zähne wurden zusehends gerader und bewegten sich in die richtige Lage.

Es waren etliche KFO und Zahnarztbesuche notwendig (in diesem Jahr war ich 14 Mal beim Zahnarzt und ich weiß nicht wie oft beim KFO), bis es endlich so weit war. Die Zähne waren in der perfekten Lage, so dass bei einer Kiefer-Verschiebung alles aufeinander passen würde. Vor der OP sah man ganz deutlich den Unterschied OK zu UK von 4mm.

Es folgten etliche Oben- und Unten-Gipsabdrücke (würg!), Untersuchungen, etc. Der Termin für die OP stand, als ich mir unglücklicherweise ein paar Tage vorher eine Erkältung einfing, so dass die OP auf der Kippe stand. Da ich aber "nur" heiser war und keinen wirklichen Schnupfen hatte, wurde der Termin doch bestätigt.

Zwei Tage vor der OP rief mich das Krankenhaus an und teilte mir mit, dass die OP nun aus organisatorischen Gründen verschoben werden müsse, und ich bekam fast einen Heulkrampf, weil ich so angespannt und nervös war. Letztendlich wurde die OP doch zum geplanten Termin durchgeführt, nachdem ich sagte, dass mit meinem Arbeitgeber schon alles für den Termin vereinbart war (Aushilfe, etc), und es nicht anders ginge. Puh. Einen Tag vor der OP, als die Ärtze am Bett vorbeiliefen und die Patienten begutachteten (anders kann man es leider nicht sagen) sprach mich der Operateur darauf an, dass sie sich entschieden hätten, anders zu operieren als gedacht. Die ganzen Monate war von einer Unterkiefer-Rückverlagerung gesprochen worden, nun wolle man jedoch den Oberkiefer vorverlagern. Und man würde mir sehr ans Herz legen, gleichzeitig noch das Kinn verkürzen zu lassen. Der Operateur hat bestimmt fünf Minuten auf mich eingequatscht, dass mich das nix extra kosten würde und sie das einfach mitmachen könnten. Ich weigerte mich.

Die Angst vor einer "Doppelten-OP" war einfach zu groß. Ich hatte so schon genug Panik vor einer OK-VV, allein die Vorstellung, dass der Oberkiefer abgetrennt und wieder festgeschraubt wird, fand ich furchtbar.

Also wurde nur die OK-VV durchgeführt. Es war meine erste OP überhaupt und ich hatte damals wahnsinnige Angst - so von wegen "nie-wieder-aufwachen" und so.

Doch ich wachte natürlich wieder auf, meine Familie war da und ich war total benommen. Beim Aufrichten lief mir ein Schwall Blut aus der Nase, dass sich wohl während der OP angsammelt hatte, aber ich hatte keine Schmerzen. Das Krankenhaus an sich war damals (heute kann ich es nicht beurteilen) so lala.

Ich weiß nicht, inwieweit ich hier ins Detail gehen kann... . Die Zimmer waren mit 5 Personen für meinen Geschmack überbelegt und der Krankenhausalltag echt anstrengend. Aber das ging vorbei.

Mein Gesicht war natürlich geschwollen und dann kam auch noch der Schnupfen so richtig raus, das war sehr unschön. Ich lag ein paar Tage drin und kann mich noch gut an eine Nachtschwester erinnern, die rein kam und nach der Infusion schaute, mein Handgelenk nahm und sagte "Oh, ist das angeschwollen? Ach nein, Sie sind ja so dick!" (Ich wog damals 75kg, HEUTE bin ich dick, aber damals nicht).

Auch die Ärzte waren mit der OP zufrieden und zeigten mir zwei Profilbilder. Ich weiß noch, wie sie auf meine Frage, ob meine Nase vorher tatsächlich so krumm gewesen wäre, verschämt zu Boden blickten. Ich hatte das tatsächlich nicht gewusst.

Mein KFO wurde von den Operateuren in den höchsten Tönen gelobt, welch tolle Arbeit er doch geleistet hätte. Kurz nach meinem Krankenhausaufenthalt war ich auch wieder bei meinem KFO, den ich bis dahin nie so richtig leiden konnte und der an diesem Tag den Vogel abschoss. Ich saß auf dem Behandlungsstuhl und er begutachtete den operierten Kiefer, als er plötzlich einen seiner Kollegen auf dem Flur bemerkte (die Tür war offen) und rief (wirklich LAUT rief): "Hey, komm mal her, schau Dir das an, dass ist die, die sich ihr Kinn nicht hat richten lassen! Unglaublich!" Und dann hat er laut gelacht.

Das hat mich tief getroffen. :sad:

Die Zahnspange kam bald ab und ich fand das Ergebnis fantastisch. Und meine Zähne riesig - aber das geht wohl jedem so, der die Zahnspange wieder runter bekommt. Leider gab es auch etwas unerfreuliches - durch die Druckveränderung des Bisses ist mir beim Kauen eines Stückes Pizza die Hälfte eines Backenzahnes abgekracht. Das hat mich so frustriert, weil ich endlich mal NICHT mehr zum Zahnarzt wollte, endlich meine Ruhe haben wollte, was meinen Mund anging. Aber auch das ging vorüber, und noch heute freue ich mich an meinen ebenmäßigen Zähnen.

Seit ungefähr einem Jahr überlege ich nun, mir noch das Kinn operieren zu lassen. Mittlerweile bin ich soweit. Auf Fotos fällt mir immer mehr auf, wie meine untere Gesichtshälfte dominiert. Ich fühle mich einfach nicht weiblich mit diesem Kinn. Für mich fühlt sich mein Kopf dadurch wie ein Brocken an, wie ein riesiges, zu langes Ding. Irgendwie tut es mir leid, dass ich das damals nicht gleich noch habe dazu machen lassen, aber ich bin auch froh, dass ich zu meiner Entscheidung gestanden hab, weil ich noch nicht soweit war.

Am Donnerstag dieser Woche habe ich einen Termin bei einem Chirurgen zur Beratung und bin schon sehr gespannt. Ich möchte endlich ein normales Gesicht, wenn das möglich ist.

Es grüßt Euch

Kampfgemuese

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