anazei

GNE - am 14.05.10, SANA Klinik in München Solln - You gotta start somewhere...

Hallo liebe Leute,

ursprüngliche hatte ich vor diesen Bericht schon sehr viel früher zu verfassen, allerdings gab es da Registrierungsschwierigkeiten und trotz diverser PMs und Mails wurde ich erst gut einen Monat später darauf hingewiesen, das jetzt alles wieder okay wäre.

Da ich aber ein klein wenig verstimmt war, weil sich niemand bei mir gemeldet hat, hab ich an meinen Bericht erstmal gar nicht weiter gedacht.

Da mir nun aber doch einmal mehr klar geworden ist, dass ich selbst jemand bin der im Internet nach genau solchen Erfahrungsberichten & Eindrücken sucht dachte ich mir... es ist Zeit, mal einen Beitrag zu leisten.

Hier also mein erster OP Bericht, es wird noch ein zweiter folgen, wenn meine BiMax fällig ist... nun aber erstmal zu meiner GNE! :)

13.05.10 - Stationäre Aufnahme

Am Nachmittag bin ich mit gepackter Tasche, Hörbüchern und Laptop in Richtung SANA Klinik aufgebrochen.

Genauer gesagt hat mich meine Mutter gefahren und die Chance genutzt mich noch einmal darauf hinzuweisen, dass ich doch ein bisschen spinne sowas überhaupt machen zu lassen. Danke Mama, sowas braucht man natürlich, einen Tag vor der OP... aber zum Glück bin ich niemand, der sich allzu leicht aus dem Gleichgewicht bringen lässt.

Der erste Eindruck von der Klinik war: klein, ganz hübsch, wirkt recht modern, wird man wohl aushalten können.

Bei der Anmeldung die notwendigen Formulare abgeholt, ausgefüllt und nach kurzer Wartezeit waren die Unterlagen dann auch schon fertig und ich konnte aufs Zimmer.

Der Aufzug in dem es zu meiner Station ging war dann schon nicht mehr ganz so modern und der Eindruck bestätigte sich, als ich angekommen war.

Alles wirkte etwas trostlos, eintönig, traurig, bedrückend... der Eindruck wurde höchstwahrscheinlich von dem zu dieser Zeit sehr miesen Wetter, kalter Regen, kaum Sonne und Co. wahrscheinlich noch bestärkt, aber da wurde mir zum ersten Mal etwas mulmig im Magen.

Noch mulmiger wurde es mir nur, als ich in mein fast schon winziges Drei-Bett-Zimmer kam.

Und natürlich war das Bett in der Mitte frei... In den anderen beiden lagen zwei alte Herren, die mich zwar einigermaßen freundlich grüßten, aber sicherlich nicht die Art Bettnachbarn waren, die ich mir erwünscht habe.

In Gedanken habe ich mir ausgemalt, dass es ja vielleicht keine strikte Zimmerteilung in der Gesichts- & Kieferchirugie gibt und ich mit zwei hübschen Models im Zimmer landen könnte, die sich die Stupsnäschen etwas begradigen lassen... weeeit gefehlt. *lach*

Der eine Herr, der kaum ein Wort Deutsch sprach, ist vor ein paar Tagen an der Hüfte operiert wurde und war trotz der Sprachbarriere der freundlichere von den beiden.

Der andere war ein richtig rustikaler Bayer, der ein komplett neues Knie bekommen hat. Ich wohne nun schon seit über 16 Jahren in Bayern und verstehe eigentlich ALLES, aber so wie der gute Mann genuschelt hab, geriet selbst ich an meine Grenzen... das einzige was recht schnell klar wurde und sich auch bald bestätigen sollte: er war fast die ganze Zeit mies gelaunt.

Nunja... meine Mutter war von dem Zimmer und meinen Bettnachbarn genauso angetan wie ich und hat sich sehr schnell mit einem unsicheren Lächeln verabschiedet.

Daraufhin habe ich erstmal meine Sachen in den WINZIGEN Schrank geräumt, meine Hygieneartikel in dem WINZIGEN Badezimmer OHNE Dusche verstaut und mich anschließend aufs Bett gelegt, um auf meinem Laptop ein paar Folgen Supernatural zu gucken, während ich den Bogen für die Narkoseärztin ausgefüllt hab, die dann irgendwann für das Vorgespräch auch in mein Zimmer kam.

Sie hat sich den Bogen durchgesehen, mir ein paar Dinge erklärt, Fragen hatte ich keine und so war sie in Rekordgeschwindigkeit wieder weg.

Auch mein Chirug hat mir noch einen Besuch abgestattet, was mich sehr gefreut und vor allem mir noch etwas Sicherheit gegeben hat kurz mit ihm sprechen zu können, er machte wie immer einen sehr coolen, profesionellen Eindruck und auf mich färbt das ab, wenn jemand eine derartige Ruhe & Selbstsicherheit ausstrahlt.

Noch ein bisschen Supernatural und schließlich war es dann Zeit fürs Schlafen - nach der Trombose Spritze hab ich mir eine Schlaftablette erbeten und mich dann mit meinem MP3 Player in den Ohren ins Bett gekuschelt.

Zu meinem MP3 Player und den InEar-Ohrstöpseln ist folgendes zu sagen:

Ich kann damit in einer vollbesetzten S-Bahn sitzen, die durch die Gegend rumpelt und jede Menge plappernder Fahrgäste transportiert und ich höre fast nichts, ausser der Musik oder der Stimme des Erzählers in meinem Ohr.

Mein bayerischer Bettnachbar hat aber dermaßen laut und vor allem sowas von unrhytmisch und unmelodiäs geschnarcht, dass ich teilweise das Gefühl hatte, er würde direkt in mein Ohr schnarchen.

Die Nacht ging dann irgendwie rum, ich weiß selbst nicht so genau ob und wieviel ich überhaupt geschlafen habe, ich weiß nur noch, dass ich mir während dieser Nacht meine 'panischen 5 Minuten' gegönnt habe:

"Scheiße, ich will nicht, ich hab Angst, bitte ich will hier wieder weg"

Zum Glück gehen die vorbei...

14.05.10 - Tag der OP

Ich bin wohl doch irgendwann eingeschlafen, denn ich wurde von der Morgenschwester/Frühschwester?! geweckt, die mich noch einmal darauf hingewiesen hat, dass ich auf keinen Fall etwas trinken oder essen soll.

Meine OP war für etwa 10:00 geplant. Ich war nicht gerade glücklich, als sich das um mehr als 2 Stunden nach hinten verschoben hat... ich hätte locker noch etwas trinken können, durch diese Zeitverschiebung und ich wußte jetzt schon, dass mir das nach der OP noch in den Hintern beissen wird.

Ich bin also eine ganze lange Weile in meinem Zimmer und draussen in den Stationsgängen umhergetigert, immer wieder mit nervösen Blicken auf die Uhr, bis dann irgendwann die fast schon erlösende Meldung kam, dass ich mich umziehen soll.

Also ab in die sexy OP Klamotten (beim Anziehen des ersten Hemdchens ist mir direkt mal das Band zum Zubinden abgerissen und die Schwester musste mir ein neues bringen, aber halb so wild) und dann auch schon kurz darauf ab in den OP.

Zwei Dinge sind mir aufgefallen, allerdings erst im Nachhinein:

1) Ich habe keine LMAA Pille bekommen... sie wurde scheinbar einfach vergessen.

Zum Glück bin ich von Haus aus sehr ruhig und gelassen, weshalb sich das auf mich nicht extrem ausgewirkt hat, trotzdem hätte sie mir vermutlich gut getan und so ein Fehler DARF eigentlich nicht unterlaufen, besonders nicht, wenn man vielleicht einen sehr viel ängstlicheren Patienten hat.

2) Niemand hat den korrekten Sitz der Trombose Strümpfe überprüft. Ich weiß noch wie das bei meiner ersten OP war und ich KEINE Ahnung hatte wie man die Dinger vernünftig anziehen musste. Hätte der Pfleger es mir damals nicht gezeigt und erklärt, wie es sein muss, hätten sie höchstwahrscheinlich nicht nur keine Wirkung, sondern wohl eher eine verschlimmernde gehabt. Deswegen war ich etwas verwundert, dass es hier weder eine Erklärung dazu gab, noch jemand auf die Idee gekommen wäre mal zu gucken, ob das so passt.

Also ging es dann ohne LMAA Pille ab in den OP, wo ich erstmal ein ziemlich armes Mädchen gesehen hab, die wohl gerade eine Bimax hinter sich hatte und gerade im Begriff war aufzuwachen. Sie tat mir richtig leid und im Stillen hab ich gebetet, dass das bei mir nicht auch mal so aussieht, auch wenn man wohl selbst erstmal kaum was davon merkt, wenn es am schlimmsten ist.

Ich wurde dann aber doch recht schnell in meine "Ecke" geschoben und es wurden Trennwände vorgezogen, um uns beiden Privatssphäre zu gönnen, wofür ich recht dankbar war.

Es folgte gefühltes minutenlanges Abklopfen meines Arms und meiner Hand (ich hab miese Venen), bis der Mann, der die Vorbereitung machte (meine Narkoseärztin war noch im OP beschäftigt) dann doch direkt beim ersten mal stechen eine passende gefunden hat. Guter Mann!

Ich kam zusätzlich an ein piepsendes Herzfrequenzmessgerät und hab ein wenig mit meinem Vorbereitungsarzt geplaudert, während mir die NaCl-Lösung in den Arm getropft ist. Da hab ich dann das erste mal gemerkt, dass mir die LMAA Pille abging und ich hab mich sehr darauf konzentriert meine Herzfrequenz zu regulieren. (Klingt merkwürdig, aber ich hab mich halt sehr auf meine Atmung konzentriert, möglichst alles von mir weggeschoben was mich aufregen könnte etc.) Nasentropfen gab es dann auch noch, denn da musste ja der Schlauch rein.

So lag ich da eine ganze Weile, bis der OP endlich frei wurde und auch meine Narkoseärztin mich begrüßt hat. Auch wir haben ein paar Worte gewechselt, bis ich dann in den OP geschoben werden sollte, wobei sie den Fingerclip des Herzfrequensmessers vergessen haben, der natürlich prompt abglitt und ein lautes Warngeräusch von sich gab.

Ich machte humoristische Anstalten von meiner OP Liege aufzuspringen und dabei zu rufen: "Ich lebe! Ich lebe doch noch! Nein, bitte, da ist noch kein Licht am Ende des Tunnels!"

Alle in meinem näheren Umkreis mussten sich erstmal halb tot lachen... ich denke ein gut gelauntes OP Team ist ein gutes OP Team! :)

Noch ein paar Mal tief einatmen mit der Maske vor dem Mund und ab gings ins Land der süßen Träume...

Vom Aufwachraum weiß ich nichts mehr. Nur, dass mein Mund sich angefühlt hat, als wäre ich die letzten 3 Tage ohne einen Tropfen Wasser in der Wüste Gobi umhergewandert. Erinnert ihr euch was ich vorher gesagt habe, dass sich das noch rächen wird, dass ich so viele Stunden nichts trinken durfte, obwohl es problemlos möglich gewesen wäre -ohne Risiko? ...

Den Schwestern tat ich wohl ziemlich leid, denn immer wenn ich wieder wach wurde (ich bin in so einem Halbschlaf vor mich hingedämmert), habe ich fast schon um Wasser gebettelt, aber sie durften mir halt noch nichts geben...

Nach einer weiteren unbekannten Zeitspanne ging es zurück in mein Zimmer, wo ich dann nochmal etwa eine halbe Stunde ausharren musste, bevor ich ENDLICH etwas trinken durfte. So gut hat noch kein Schluck Wasser in meinem Leben geschmeckt wie dieser.

Schmerzen hatte ich keine.

Als ich irgendwann am Nachmittag wieder ganz gut beieinander war, war der erste Schritt auf der Tagesordnung:

Meine eigenen Klamotten wieder anziehen. Ja liebe Schwestern, ich darf/soll nicht aufstehen (nicht ohne Hilfe), bitte nicht zur Toilette gehen, sondern die Flasche benutzen... fucking forget it.

Mein Kreislauf ist mindestens so robust wie Schwarzenegger als Terminator in seinen besten Zeiten und ich werde weder länger als nötig in diesen besch...eidenen OP Klamotten verbringen, noch werde ich in eine Flasche pinkeln wenn ich irgendwie ins Badezimmer wanken kann.

Gesagt getan und in den eigenen Klamotten und mit leerer Blase fühlt man sich dann doch gleich viel besser.

Der restliche Tag bestand aus ausruhen und schlafen, kühlen mit Eispacks und Abends kam mich noch mein Vater besuchen.

Zwischendurch fing meine Nase böse an zu bluten, doch das ist scheinbar ganz normal, so wurde mir gesagt und es war auch irgendwie auszuhalten.

Reden war mies, diese Spange ist wie ein Foltergerät, ich sehe mich ein halbes Jahr lang leiden... Mimimi ;) Ihr kennt das ja.

Die schrecklichste Erfahrung:

Ich brauchte nach der OP immer wieder neue Eispacks um zu kühlen und so klingelt man natürlich nach der Schwester.

Jetzt gibt es in diesen Zimmern so eine tolle "Gegensprecheinrichtung" über die sich dann die Schwester gemeldet hat, nachdem ich auf den Notknopf gedrückt hab. "Ja bitte? Was brauchen Sie?"

Und ich liege da, kann kaum sprechen, weil alles noch so taub ist und ich die Zähne kaum auseinanderbekomme, versuche zu nuscheln, dass ich neues Eis brauche.

"Wie bitte? Ich kann sie so schlecht verstehen?"

ACHWAS! WIRKLICH! Könnte daran liegen, dass ich vor ein paar Stunden am Kiefer operiert wurde und nicht so toll reden kann, du doofe Kuh!!!

Aber ich habe mich bemüht möglichst deutlich zu nuscheln und bekam dann auch, was ich wollte... aber ich kam mir ehrlich verarscht vor.

15.05.10 - 1. Tag nach der OP

Frühstück mit Flüssignahrung.

Noch mehr Nasenbluten.

Keine Schmerzen, kaum Schwellung, brav weiterkühlen.

Wäre da nur nicht dieses total ätzende "Mundgefühl", dass sich der Kiefer so eng anfühlt, die Zunge ständig an diesem Ding reibt und man das Gefühl hat man würde reden wie mit einer Bärenfalle im Mund... *seufz*

Schwester, Schwager und meine kleine Nichte kamen mich am Nachmittag besuchen, worüber ich mich sehr gefreut hab.

Sehr schlimm kann ich nicht ausgesehen haben, denn die Kleine hatte gar keine Angst vor mir.

Mein Arzt hat sich die Nähte angeschaut, alles prima - Krankenhausalltag und noch mehr kühlen!

Die Nacht war natürlich wieder schrecklich, schönen Dank an die Kreissäge im Nebenbett... trotz Schlaftablette und Oropax hab ich kein Auge zugekriegt. Wie soll ein normaler Mensch auch so schlafen können, es ist unmöglich...

16.05.10 - 2. Tag nach der OP

Gegen 05:00 morgens hab ich es nicht mehr ausgehalten, hab mir was wärmeres übergezogen und mich draussen auf den Gang gesetzt.

Kapuze über den Kopf gezogen und geratzt, das umherlaufende Personal, sich öffnende und schließende Türen waren nicht halb so schrecklich wie mein Bettnachbar und so hab ich eben noch ein bisschen auf dem Gang gepennt.

Bis mich die Frühschwester geweckt hat und gefragt hat, ob mit mir alles in Ordnung ist. Sie hat mein Problem nur allzu gut verstanden, als sie die Tür zum Zimmer aufgemacht hat und mich entschuldigend angelächelt. Sie hätte mir wahrscheinlich irgendwie geholfen, wenn sie das gekonnt hätte... mir hätte es sogar gelangt, einfach mein Bett auf den Gang zu schieben, um da zu schlafen, doch in dem engen Flur war einfach kein Platz, besonders da ja Frühstückswagen und Putzwagen auch noch angerollt kamen...

Zähneputzen habe ich mich nicht getraut, der ganze Oberkiefer samt Zähne war taub und ich hatte Schiss, selbst mit der weichen Zahnbürste die mir gegeben wurde, mir da irgendwas aufzureissen, ohne dass ich es spüre... Habe nur vorsichtig mit einer Mundspülung gespült, was meistens neues Nasenbluten hervorgerufen hat.

Mein Arzt hat vormittags vorbeigeschaut, sich nochmal meine Wunden und meine praktisch nicht vorhandene Schwellung angesehen und dann durfte ich nach Hause.

Mama angerufen, dass sie mich bitte abholen kommen sollen und dann schnellstens mein Zeug gepackt, weil ich endlich aus diesem Zimmer und von diesem grantigen Bayer wegwollte.

Habe noch ein paar Euro in die Kaffeekasse vom Schwesternzimmer geworfen, weil sich eigentlich das ganze Personal (bis auf die vergessene LMAA Pille) gut um mich gekümmert hat. Ich war immer nett zu allen und so wurde ich dann auch behandelt, obwohl mein Bettnachbar wirklich sein nötigstes getan hat, um die Krankenschwestern irgendwie zu verärgern. Ich könnte da ein paar tolle Geschichten erzählen, doch die haben hier irgendwie nichts zu suchen.

Jedenfalls hab ich mich dann mit meinem Laptop in die Cafeteria gesetzt und noch ein paar Folgen Supernatural geguckt, bis ich endlich nach Hause konnte...

Ehrlich gesagt freue ich mich nicht besonders darauf, wenn ich zu meiner zweiten OP wieder in das Krankenhaus muss.

Es ist nicht schön, alles wirkt irgendwie alt und wie aus einer anderen Generation, die Zimmer sind klein... *seufz* Aber für ein paar Tage muss man es wohl aushalten.

Zuhause angekommen habe ich mich erstmal in mein eigenes Bett gekuschelt und stundenlang durchgeschlafen.

Man glaubt erst, was für ein Segen das eigene Bett ist, wenn man für ein paar Tage darauf verzichten musste...

3 Tage Post-OP

Erste Nachkontrolle in der Praxis von meinem Chirugen - ich habe mich bis zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht getraut Zähne zu putzen, sondern nur die Mundspülung benutzt.

Gegessen habe ich auch nichts, praktisch nur getrunken.

Die Wunden sahen gut aus, verheilt alles sehr schön, in einer Woche wiederkommen, dann sollte auch das erste mal an der GNE gedreht werden.

Die ersten Röntgenbilder wurden gemacht.

1 Woche später

Heilprozess könnte besser nicht verlaufen, laut aussage meines Arztes, was mich sehr glücklich macht.

Ich traue mich mittlerweile vorsichtig mit der ganz weichen Meridol-Zahnbürste zu putzen, aber meine Zähne fühlen sich an wie Styropor, auch habe ich kein Gefühl im Zahnfleisch.

Ich spüre nur das Ziehen der Fäden, wenn ich meine Oberlippe bewege, etwas beim Lachen (was ziemlich weh tut).

Das Drehen hat sich als nicht besonders tragisch herausgestellt. Es drückt und tut für ungefähr 20 Minuten danach etwas weh, doch das geht vorbei.

Ich habe nach der OP keine einzige Schmerztablette nehmen müssen, obwohl sie mir vorsorglich verschrieben wurden und meine Mutter sie mir auch aus der Apotheke mitgebracht hat.

In der Hinsicht war ich also wirklich sehr glücklich, dass es so gut verlief.

Ich drehe jetzt die nächsten 7 Tage zwei mal täglich an der Schraube, insgesamt also 14 mal.

Geht zuhause mit einem kippbarem Schminkspiegel (mit Vergrößerung) und einer Taschenlampe sehr gut alleine. Hätte ich nicht diesen Spiegel, wäre es wohl ein ziemliches Ding der Unmöglichkeit, alleine an der Schraube zu drehen.

Noch eine Woche später

Die Fäden werden mir gezogen, was noch das unangenehmste und schmerzhafteste ist, was nach der OP sein musste.

Ich weiß nicht, ob es an dem Arzt lag, der ziemlich brutal mit seinen Fingern, Spiegel und der spitzen Schere unter meiner Oberlippe rumgefuhrwerkt hat, oder ob es einfach nicht anders geht, jedenfalls war ich glücklich, als alle Fäden endlich raus waren und mir niemand mehr die Oberlippe abreissen wollte... Urghs.

Ich traue mich aber noch immer nichts zu essen, was aber wohl eher an meiner Angst liegt, als an der Tatsache, dass ich es nicht könnte.

Ich verliere in dem Zeitraum von der OP bis jetzt etwa 9 Kilo, die ich ohnehin zu viel hatte und somit alles andere als unglücklich über die Tatsache bin.

Abschlussworte

Insgesamt war es nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt habe.

Die Zeit nach der OP war absolut auszuhalten, nur brauchte es wirklich eine gewisse mentale Stärke mich wieder ans Zähneputzen und ans Essen zu trauen.

Jetzt, gut zweieinhalb Monate nach der OP und der Zeit, die ich jetzt schon mit meiner tollen Spange lebe kann ich nur eines sagen:

Man gewöhnt sich daran!

Und das ist das allerallerwichtigste, das ich jedem mit auf den Weg geben will, der diese OP erst vor kurzem hinter sich hatte, oder sie noch vor sich hat.

Anfangs ist es absolut schrecklich. Der Kiefer fühlt sich so "klein" durch dieses Ding an, man leckt ständig mit der Zunge daran herum, jedes kleine Fitzelchen Essen bleibt in dem Ding hängen und man ist ständig mit Mundspülen beschäftigt. Man kann nicht vernünftig sprechen und denkt, man nuschelt total, manche Laute kann man einfach nicht vernünftig formen, bei denen man mit der Zunge an den Gaumen muss, etwa das "ch".

Man will eigentlich überhaupts nichts mehr essen, weil es einfach keinen Spaß mehr macht. Es ist eine Tortur. Man hat keine Ahnung, wie man die nächsten 4-6 Monate oder evtl. länger mit diesem Teufelsding aushalten soll, so schlimm ist es.

Aber man gewöhnt sich daran, wirklich!!!

Ich kann mittlerweile fast alles wieder problemlos essen, man entwickelt eine eigene "Technik", die Zunge gewöhnt sich daran und das Sprechen fällt auch mit jedem Tag immer leichter.

Natürlich spürt man das Ding permanent, aber es macht einen seelisch nicht mehr fertig und mittlerweile habe ich überhaupt keine Bedenken mehr, die Zeit locker zu schaffen, bis die Spange endlich rauskommt.

Und was noch das tollste ist:

Ich bekomm endlich Luft!

Ich kann durch die Nase atmen wie ein Staubsauger, bin nicht ständig verrotzt, die Atemwege sind frei, es ist HERRLICH!

Man glaubt gar nicht, wie sehr man vorher durch den zu kleinen Oberkiefer eingeschränkt war.

Es ist eine Verbesserung der Lebensqualität und zwar für immer.

Habt keine Angst vor dem Eingriff, er lohnt sich - in jeder Hinsicht.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

-Werbung-

-Werbung-

Hey hey :)

Super Bericht!! Schöner Schreibstil!!

Gut, dass du dich doch noch durchgerungen hast, etwas zu schreiben ;).

Schön, dass du die OP so gut überstanden hast -und JA man gewöhnt sich definitiv an (fast) alles...und wenn es nur das ist, seinen Wortschatz um Worte zu erweitern, bei welchen kein "ch" vorkommt :D.

Liebe Grüße,

Jana

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Hey! Das mit dem Herzfrequenzmesser ist ja cool. :) Das wäre mir erst zwei Stunden hinterher eingefallen, und dann hätte ich mich geärgert.

Die Kombination Supernatural + Audiobuch klingt PERFEKT für die Tage im KH. Hoffe, bei der Bimax hast Du mehr davon.

Die Sache mit der Gegensprechanlage... JA, VERDAMMT, genau. Ich hatte nach der Bimax dasselbe Problem. Ich sehe ja ein, daß die irgendwie vorsortieren müssen, ob man gerade am Sterben ist oder tendentiell nicht, aber das KH, wo ich war, hat eine ganze Abteilung voll Leute, die mit einer Gegensprechanlage nach der OP aussprachetechnisch etwas überfordert sind... (Ich hab dann die Kommentarsektion des Feedbackbogens gesprengt).

Fröhliches Do-it-yourself-Kieferexpandieren, cchalt ungsch auf dem Laufenden.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Erstmal Glückwunsch zur überstandenen OP, auch wenns schon ein bissel her ist.

Dein Schreibstil ist wirklich klasse, macht echt Spaß zu lesen!

Wie schauts denn mittlerweile mit deiner Lücke aus, ist die wieder komplett zu?

Ich hoffe ich gewöhne mich auch noch an die Schrauben (bei mir ist leider auch unten noch eine drin).. das Sprechen ist immer noch schlimm, besonders laut zu reden fällt mir schwer. Essen ist immer noch gewöhnungsbedürftig.. und in der Öffentlichkeit kaum machbar.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Erstmal danke für das postive Feedback :)

Meine Zahnlücke ist während des Drehens enorm groß geworden - ich hab zwar "nur" 14 mal gedreht, doch passte dann locker ein Finger dazwischen. Ich scheine also ziemlich "mobile Knochen" zu haben, wie mir das gesagt wurde, was auf jeden Fall was positives ist.

Als meine KFO beim genauen Nachmessen festgestellt hat, dass die Dehnung des Oberkiefers reicht wurde die Schraube mit Draht und einer Kunststoffversiegelung festgestellt.

Und seit dem Zeitpunkt ist die Zahnlücke im Laufe der Wochen deutlich zurückgegangen.

Sie ist zwar immer noch deutlich sichtbar, beträgt aber nur noch etwa 3mm.

Endgültig wird sie erst geschlossen, wenn die GNE rauskommt und ich dann meine normale feste Klammer bekomme.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Erstelle ein Benutzerkonto oder melde dich an, um zu kommentieren

Du musst ein Benutzerkonto haben, um einen Kommentar verfassen zu können

Benutzerkonto erstellen

Neues Benutzerkonto für unsere Community erstellen. Es ist einfach!


Neues Benutzerkonto erstellen

Anmelden

Du hast bereits ein Benutzerkonto? Melde dich hier an.


Jetzt anmelden