Melde dich an, um diesem Inhalt zu folgen  
Folgen diesem Inhalt 0
misterbig

UK-RV am 27.09.2010 Uniklinik Freiburg

Hallo zusammen.

Unglaublicher Luxus: Die MKG-Klinik Freiburg bietet den Patienten auf den Zimmern Internet... Daher kann ich auch jetzt schon mit dem OP-Bericht anfangen, auch wenn die OP erst gestern war. Ich werd den Bericht dann nach und nach ergänzen.

Short facts:

Klinik: Uniklinik Freiburg

Operateur: Dr. Schw...

Was: Unterkieferrückverlagerung nach Obwegeser Dal Pont (ca. 4mm)

Prae-OP-Tag (26.09.2010):

Um 17.00 Uhr eingecheckt, Zimmer bezogen und Aufnahmegespräche geführt, mit einer netten Schwester und mit einem Arzt, dessen Namen ich vergessen hab, der dann auch die OP erklärt hat.

Das Anästhesie-Gespräch hatte ich schon vergangene Woche, da meine OP am Montag war, und am Sonntag Abend kein Anästhesist mehr hierfür zur Verfügung steht...

Nach einem kleinen Abendessen (geräucherte Forelle, Wurst, Käse, Brot und Tee) sowie einem Obstteller als Begrüßung (habe eine Zusatzversicherung, die mir den Luxus eines Einzelzimmers und einer Privatärztlichen Behandlung bezahlt), war dann auch um 24.00 Uhr mit Essen/Trinken Schicht im Schacht.

Geschlafen hab ich eher weniger gut - habe mir aber auch keine Schlaftablette geben lassen.

OP-Tag (27.09.2010)

OP war für 8.00 Uhr angesetzt. Ich also gegen kurz nach 6 aufgestanden und geduscht. Währenddessen hat eine Schwester die OP-Kleidung vorbeigebracht, die ich dann auch angelegt habe. Hätte ich mir aber sparen können, da ich 7.45 von einem Pfleger abgeholt wurde, der noch mit mir zum Röntgen musste (natürlich nicht in OP-Zeug) - offenbar brauchte Dr. Schw... noch aktuellere Bilder.

Dann hoch auf Station, wieder umgezogen, LMAA-Tablette genommen, ins Bett gelegt und gewartet, dass es losgeht.

Gegen 8.20 war ich dann in der OP-Vorbereitung, wo mir nette Anästhesiten den Rest gegeben haben. Das letzte, an das ich mich erinner, ist dass ich ein paar mal tief aus der Sauestoffmaske atmen sollte...

Nächste Erinnerung: Aufwachraum, aber nur phasenweise. Laut späteren Erzählungen soll ich mich dort erbrochen haben. Habe ich aber nichts von mitbekommen.

In den Aufwachraum bin ich nach Auskunft meiner Eltern (die sich danach erkundigt hatten) wohl um 11.45 gekommen. Also ca. 3 Stunden OP-Zeit.

Irgendwann nach 14 Uhr gings dann wieder auf Station, wo ich viel geschlafen hab.

Meine Kiefer waren mit Gummis zugehängt - also von wegen, ich werde meinen Mund nach der OP gleich wieder öffenen können, wie mein KFO gemeint hatte... :-/

Und natürlich hab ich laufend gekühlt bzw. bin laufend gekühlt worden.

Bin troztem angeschwollen wie eine bayerische Weißwurst, die zu lang im heißen Wasser war... Auch sind Kinn und Unterlippe taub.

Gegen 17 Uhr kamen dann überraschend meine Eltern zu besuch (wohnen ca. 300 km entfernt), und blieben bis 8. Irgendwann in dieser Zeit kam auch Dr. Schw... vorbei und erklärte, die OP sei gut verlaufen.

Bin dann am frühen Abend auch von nem Pfleger gewaschen worden und durfte mir selber das Gesicht säubern. Zudem mit Hilfe eine Spritze den Mund mit Salbeitee ausspülen (was ich regelmäßig tun soll).

Als meine Eltern gegangen waren, habe ich irgendwann festgestellt, dass ich mit dem linken Auge nicht blinzeln kann.

Schock!!!

Ich hab sofort ne Schwester gerufen, die dann ihrerseits einen Arzt, der sich das zunächst nicht erklären konnte, da der nervus facialis (der für die obere Gesichtshälfte zuständig ist) eigentlich durch eine UK-OP nicht tangiert wird.

Er hatt dann ein paarsensorische Tests und Wahrnehmungstests gemacht, und meinte, wenn das morgen nicht besser sei, würde er mich zum Neurologen schicken.

Die Nacht war dementsprechend unruhig: Eine Mischung aus Blinzelveruchen und Kühlkompressen tauschen.

1. Tag post OP (28.09.2010)

Am Morgen kam ein Arzt, der bei der OP anwesend war, und meinte, der Gesichtsnerv sei auf Grund einer Einblutung während der OP in MItledienschaft gezogen worden. Die Störrung sei aber reversibel, doch das könne ein paar Wochen dauern.

Gleiches wurde mir dann sowohl von Prof. Sch......... und später auch von Dr. Schw... bestätigt. Das heißt, keine Vorstellung beim Neurolgen nötig.

Zum Frühstück gabs klare Brühe, die ich mit dem Löffel auch schon einigermaßen einschlürfen konnte. Trinken mit Schabeltasse läuft auch schon ganz gut.

Im Lauf des Vormittags hat Dr. Schw... dann die engen Gummis rausgemacht und gegen elastischere ersetzt, sodass ich den Mund etwas öffnen kann.

Ich war auch schon etwas auf Station spazieren, zum Kühlkompresse tauschen, Getränk holen und in den Aufenthaltsraum.

Während ich das hier schreibe ist geade die Schwester gekommen und hat mich von den beiden IV-Zugängen (einer am Handrücken, einer am Unterarm) befreit.

Um 14.30 hab ich nen Termin zur Lymphdrainage in einem anderen Gebäude der Klinik, wo ich aber auch schon hinzulaufen versuchen werde.

So, jetzt muss ich wieder die Kompresse tauschen.

Update 1:

Das mit der Lymphdrainge hat wohl nicht sollen sein - offenbar hatte die Therapeutin den Termin abgesagt, diese Absage war aber auf der Station nicht angekommen bzw. unter den Tisch gefallen, sodass ich a) vergeblich auf den Transport gewartet und B) nachdem dann in Eile ein Taxi gerufen wurde, unverrichteter Dinge von der Physio wieder zurück auf Station gebracht wurde. Mir wurde aber ein neuer Termin gegeben, am nächsten Tag um 9.30 Uhr.

Der Rest des Tages lief "normal" weiter - und zum Abendessen wieder mal klare Brühe...

Die Nacht hab ich noch durchgekühlt - dumm nur, dass ich schon wieder so "fit" war, dass ich alle 2h selber aufgestanden bin, um die Kühlkompresse zu tauschen. Hatte einfach ein schlechtes Gewissen, deswegen die Nachtschwestern zu bemühen.

Ich hab in anderen Berichten gelesen, dass es wohl auch automatische Kühlmasken gibt - rückblickend wäre das ein Segen gewesen...

2. Tag Post OP (29.09.2010)

Kurz nach 7 Wecken, Blutdruck, Temperatur und Bett machen. Darauf hin bin ich zum ersten mal unter die Dusche gehüpft - auch wenn mir die Schwester aufgetragen hat, ich solle mich nur kopfabwärts duschen - die Haare mussten sein. Das Gesicht hab ich aber ausgelassen.

Zum Frühstück ein letztes Mal klare Brühe.

Kurz vor 9 dann Visite - ohne Operateur und Chefarzt. Letzterer kommt wohl heute nach 15.30 Uhr zur Chefarztvisite. Die Docs (und der Haufen Studenten, den sie im Anhang hatten) haben mich der Reihe nach begutachtet, und meine Facialisparese (so heißt Gesichtslähmung durch den nervus facialis in Medizinerdeutsch) ausgetestet. "Blinzeln Sie mal." "Runzeln Sie die Stirn." Und als das alles nicht so toll funktionierte: "Das wird aber wieder."

Eure Worte in Gottes Gehörgang!

Kurz nach 9 wurde ich zur Lymphdrainage abgeholt. Diesmal kam der Termin zustande - und es war sooo schön entspannend.

Meine Schwellungen gehen auch langsam wieder zurück - zumindest ist das mein Eindruck. Die Unterlippe sieht nicht mehr ganz so doll nach geplatzter Weißwurst aus, und auch der restliche Unterkopf scheint sich wieder seiner ursprünglichen Form zu besinnen. Ist zwar bei weitem noch nicht wie vorher, aber immerhin: Land in Sicht.

Ansonsten: Viel mit Salbeitee gespült (nach jeder Mahlzeit und auch zwischendurch - insgesamt 6x täglich), und sonst nur entspannt bei Hörbuch hören und Internet surfen.

Vorhin gabs Mittagessen, und Überraschung: Ich bin upgegradet worden von "klarer flüssiger Kost" auf "flüssige Kost". Konkret heißt das: Die Brühe hatte weiche Nudeln als Einlaga und als "Hauptspeise" gab es irgendeine passierte grüne Suppe, deren Geschmack ich nicht definieren kann. Zudem ein Fläschchen Apfelsaft und so nen hochkalorischen Drink.

Jetzt heißt es warten auf die Chefarztvisite.

Update 2:

Neues wusste der Ärztetrupp, angeführt vom leitenden Oberarzt, auch nicht zu berichten. Nur, dass die Facialis-Lähmung anscheinend schon besser geworden sei (was ich selber aber nicht beurteilen kann), und dass da nur abwarten helfe.

Ansonsten: Unaufgeregter Krankenhausalltag. Zum Abendessen diesmal Flädlesuppe und zwei Schalen ekelige Tomatensuppe (von denen ich nur eine gerade so essen konnte).

Ach ja, falls ich das noch nicht erwähnt habe: Schmerzen bislang keine.

Zudem habe ich angefangen, mir vorsichtig die Zähne zu putzen, was angesichts der überschaubaren Mundöffnungsmöglichkeit ein kleiner Act wurde.

3. Tag Post OP (30.09.2010)

Überraschung zum Frühstück: Tomatensuppe... pfui Spinne! Immerhin gabs dazu irgend eine Art warme Vanillemilch ein Kännchen Kakao und Kaffee.

Dr. Schw... kam zur Visite und meinte, ich solle nachts eine Augeklappe tragen, um das "gelähmte" Auge vorm Austrocknen zu schützen. Außerdem dürfte ich übermorgen nach Hause.

Lymphdrainage wird wohl nichts heute. Schade aber auch. Dafür haben sich Arbeitskollegen von der Uni zum Besuch angekündigt. Morgen will sogar mein Chef vorbeischauen...

Update 3:

Hab kurzfristig doch noch nen Termin zur Lymphdrainage bekommen. Das war - neben dem Besuch meiner Kollegen - aber auch das Highlight des Tages.

Zum Abendessen eine ungenießbare Cremesuppe, von der ich nur 3 Löffel essen kann.

Für die Nacht kriege ich ein Pflaster auf das "lahme" Auge, damit es nicht austrocknet. Hat mich eher gestört. Morgen lasse ich es weg.

4. Tag Post OP (01.10.2010)

Bei der Visite erfahre ich, dass ich am nächsten Tag definitiv entlassen werde. Hallelujah!

Ansonsten harre ich einfach nur aus.

Mittags kommt mein Chef zu Besuch - gerade als das Mittagessen kommt. Kürbiscremesuppe. Angeblich. Ich krieg wieder nur 3 Löffel runter.

Die Schwester meint, meine Lähmung sei besser geworden, zumindest was das Stirnrunzeln angeht. Ich kann das nicht wirklich beurteilen.

5. Tag Post OP (02.10.2010)

Bei der Visite krieg ich noch mal gesagt, dass ich gehen darf... Außerdem erfahre ich, was genau zu der Facialis-Lähmung geführt hat:

Bei der OP hat es links wohl ziemlich geblutet und diese Blutung wurde mittels elektrischem Reiz verödet. Und da war wohl der Nerv in der Nähe... Der Arzt, der heute die Visite machte, meinte aber, man sei zuversichtlich, dass der Nerv nicht durchtrennt worden sei. Naja - so ganz überzeugend klingt das mal nicht...

Ansonsten warte ich. Auf das Entlassungsschreiben, und dass ich heim kann.

Meine Kiefer sind mittels zwei Gummis "in Stellung" gebracht. Die Gummis soll ich in den nächsten Tagen selber auswechseln. Mal schauen, ob ich das hinkrieg.

Ansonsten habe soll ich am 11.10. wiederkommen, da kommt dann dieses komische Metallgestell raus und die Fäden werden gezogen.

Fazit

Ein wirkliches Fazit kann ich noch nicht ziehen. Ich kann mir einfach noch nicht vorstellen, wie das alles ist, wenn mal keine Gummis den Kiefer zurechtrücken und fixieren und wenn dann mal sämtliche tauben und lahmen Stellen aus dem Gesicht verschwunden sind.

Jetzt begebe ich mich erstmal in die häusliche Pflege und lasse mich mit Lymphdrainage und so verwöhnen. Zudem werde ich vielleicht doch noch nen Neurologen aufsuchen, und das mit dem Facialis mal gegenchecken lassen.

Zur OP selber: Ist zwar nicht vergnügungssteuerpflichtig, aber durchaus auszuhalten. Schmerzen so gut wie keine (okay, ich krieg ja auch 3x tägl. Voltaren...).

Ob ich das wieder machen würde? Kann ich noch nicht sagen, da ich noch nicht weiß, wie alles ist, wenn's mal rum ist. Ich habe die ganzs Sache ja nur aus medizinischen Gründen, auf Anraten von Zahnarzt und KFO unternommen, die mir frühzeitigen Zahnausfall und Arthrose im Kiefergelenk prognostiziert hatten. Aus allein ästhetischen Gründen hätte ich die ganze Chose sicher nicht auf mich genommen.

Ursprünglich dachte ich, diese Therapie sei das minima de malis, aber wenn ich jetzt mit Lähmung und Taubheit längerfristig geschlagen sein sollte... Zumal ich in 6 Wochen schon wieder Konzerte zu bestreiten habe - da weiß ich noch nicht, wie das gehen soll mit ner lahmen Gesichtshälfte.

Kommt Zeit, kommt Rat...

bearbeitet von misterbig
Update 3

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

-Werbung-

-Werbung-

Hallo!

Glückwunsch zur überstandenen OP! :-)

Das hört sich ja schon wirklich gut an, was du schreibst. Ich habe am 1. Tag nach der OP nicht im Traum daran denken können, rumzulaufen oder an den PC zu gehen...

Bei mir ist es jetzt so, dass ich wirklich sehr zufrieden bin mit dem OP-Ergebnis (Aussehen hat sich sehr verbessert) und es überhaupt nicht bereue, die Entscheidung dazu getroffen zu haben.

Gute Besserung noch!

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Hallo Andreas.

Danke für die guten Wünsche.

Ja, es geht aufwärts, so langsam aber sicher.

Die Lähmung im Gesicht nervt - aber solang das revesibel ist, komm ich damit klar.

Bereut hab ich bislang auch noch nichts. Nur hab ich festgestellt, dass mein neuer Biss nicht mehr genau mittig ist, also der Unterkiefer um ca. nen halben Zahn zuweit links liegt. Das müsse - so einer der Ärzte - aber der KFO bei der Feinjustierung richten... na dann...

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

7 Wochen post OP update

Hallo zusammen.

Hier ein update zum Stand exakt 7 Wochen post OP:

Parese links immer noch vorhanden, macht aber minimale Fortschritte. Der mittlerweile konsultierte Neurologe stellt eine vollständige Regeneration nach insgesamt einem halben Jahr in Aussicht. Nun denn...

Die Taubheit in Unterlippe/Kinn geht zurück. D.h. in der Unterlippe ist schon fast alles wieder da bis auf kleine Stellen im Mundwinkel. Ein ähnliches Bild (also noch kleine taube Stellen) im Kinnbereich.

Seit letzter Woche (also 6. Woche post OP) brauche ich auch kein Gummi mehr einhängen.

Außerdem darf ich jetzt offiziell wieder essen "was ich mir zutraue". Sehr schön... :-)

Was noch stört (neben der Parese) ist das Pulsieren im linken Ohr, das ich mal stärker, mal schwächer aber fast immer durchgehend höre.

Dr. Sch**** meint aber, dass das noch kein Grund zur Beunruhigung sei.

Am Wochenende habe ich auch wieder mit Singen begonnen. Der Kammerchor, in dem ich tätig bin, hatte Probenwochenende. Ich merke deutliche Unterschiede in der Artikulation (vor allem die s-Laute klingen anders) und lustigerweise auch in der Intonation.

Es ist ganz klar eine Umgewöhnung.

Soweit das Update nach 7 Wochen.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Erstelle ein Benutzerkonto oder melde dich an, um zu kommentieren

Du musst ein Benutzerkonto haben, um einen Kommentar verfassen zu können

Benutzerkonto erstellen

Neues Benutzerkonto für unsere Community erstellen. Es ist einfach!


Neues Benutzerkonto erstellen

Anmelden

Du hast bereits ein Benutzerkonto? Melde dich hier an.


Jetzt anmelden
Melde dich an, um diesem Inhalt zu folgen  
Folgen diesem Inhalt 0