Zuletzt bearbeitet: Apr 19, 2014 | Author: lma

Funktionskieferorthopädie

kurz: FKO

Die Funktionskieferorthopädie, kurz FKO, ist ein kieferorthopädisches Behandlungskonzept. Es basiert auf dem Prinzip, durch den Einsatz von Zahnspangen und anderen Apparaturen, die passiv in der Mundhöhle liegen, Muskeln und Knochen des Kausystems so zu stimulieren, dass sie im gewünschten Sinne wachsen und mit einer Anpassung reagieren. Funktionskieferorthopädische Behandlungen werden meistens während der Wachstumsphase im Jugendalter durchgeführt, weil dann z.B. eine Korrektur der Bisslage "mitwächst".

Ein typisches Beispiel: die Rücklage des Unterkiefers

Eine weit verbreitete Kieferfehlstellung ist die Unterkieferrücklage, die üblicherweise mit einem Aktivator behandelt wird. Durch ihn werden die Patienten darauf trainiert, ihren zurückliegenden Unterkiefer nach vorn zu schieben. Wird dieser Stimulus lange genug aufrechterhalten, kommt es zu einem korrigierten Unterkieferwachstum.

Dieser Film verdeutlicht sehr anschaulich, wie Geräte aus der Funktionskieferorthopädie funktionieren:

Die Geschichte der Funktionskieferorthopädie begann in den 30er Jahren

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Die Begründer der Funktionskieferorthopädie sind Viggo Andresen und Karl Häupl. Schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts entdeckten die beiden Zahnmediziner in Oslo den Einfluss der Mundmuskulatur auf die Entstehung und Heilung von Fehlstellungen. Daraus entwickelten sie die Funktionskieferorthopädie – und das erste Gerät: den Aktivator. Diese neue, schmerzlose Heilmethode verbreitete sich besonders in Europa zügig.

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Im Mittelpunkt der Funktionskieferorthopädie: die Geräte

Während aktive kieferorthopädische Apparate direkt auf Zähne und Knochenstrukturen wirken, liegen funktionskieferorthopädische Geräte, kurz FKO-Geräte nahezu passiv und weitesgehend drucklos im Mund. Sie wirken, ohne selbst Kraft auszuüben. Bei jedem Kieferschluss, so z. B. beim Schlucken, lenkt ein FKO-Gerät den Unterkiefer durch seine abgestimmte Konstruktion über die Bewegung in die angestrebte Schlussbisslage. Dabei trainiert er gleichzeitig die beteiligte Muskulatur. Diese Umstellung des muskulären Funktionsmusters stabilisiert auf natürliche Weise das Gleichgewicht. Das Abhalten des Weichgewebes von Lippen, Wangen und Zunge bewirkt zudem einen Zug auf der darunterliegenden Knochenhaut und setzt dadurch Wachstumsreize im Knochen frei. FKO-Geräte sind eben so etwas wie "Turngeräte" für die Muskulatur.

FKO-Geräte lassen sich im Wesentlichen in drei Gruppen unterteilen

Bimaxilläre Geräte: Ober- und Unterkiefer werden hier von einer einzigen Apparatur beeinflusst. Beispiele sind u.a. unter der Aktivator sowie der Bionator.

Doppelplattensysteme: Diese beeinflussen die Bewegungen und die Lage des Unterkiefers sowie der Zunge durch spezielle Vor- oder Rückschubelemente. Bestes Beispiel: die Vorschubdoppelplatte (DVP) oder die Rückschub-Doppelplatte.

Geräte nach dem Prinzip der Mundvorhofplatte: Diese Geräte halten Lippen- und Wangenmuskulatur von den Zähnen und zahntragenden Kieferknochen fern, setzen durch Dehnung Wachstumsreize und verhindern muskulären Dauerdruck auf die Hartgewebe – letztendlich werden die Muskel-Funktionen sanft umstrukturiert. Weichgewebe, welches die gesunde Gebissentwicklung hemmen könnte, wird ebenfalls in seiner Funktion gestört. Ein gutes Beispiel ist der Funktionsregler nach Fränkel.

Die drei wichtigsten Regeln des Behandlungserfolges: Tragen, Tragen, Tragen!

Entscheidend für den Erfolg der Therapie ist die Mitarbeit des jungen Patienten und die motivierende Unterstützung der Eltern. Schließlich muss ein FKO-Gerät 16 Stunden täglich getragen werden. Besonders die schwierige Anfangszeit, in der ein Patient auch mit starkem Speichelfluss und Sprachproblemen zu kämpfen hat, fordert von Patienten und Mitbetroffenen viel Durchhaltevermögen. Mit einer Tragekarte kann der Patient selbst sein Trageverhalten kontrollieren. Sollte alles nicht helfen und fehlt es an weiterer Motivation, müssen andere Behandlungsmöglichkeiten gesucht werden.

[Weiterführendes]

Verwandte Forenthemen

Quick Facts

  • In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts in Deutschland entwickelte kieferorthopädische Lehre

  • Basiert auf dem Prinzip, durch den Einsatz von Zahnspangen und anderen Apparaturen Muskeln und Knochen des Kausystems so zu stimulieren, dass sie mit einer funktionellen Anpassung reagieren

  • Im Mittelpunkt der Therapie stehen FKO-Geräte

  • Liegen nahezu passiv und weitesgehend drucklos im Mund