Zuletzt bearbeitet: Apr 18, 2014 | Author: lma

Habits

Viele Verhaltensweisen, die der Mensch im Babyalter begonnen hat, weil Sie positive Stimmungslagen auslösten oder dem Körper als Reflex dienten, werden mit zunehmendem Alter wieder verlernt. Bleiben Sie aber gewohnheitsmäßig bestehen, spricht man von sog. Habits.

Kleine Laster mit unangenehmen Folgen

Unter diesem Begriff werden schlechte Angewohnheiten zusammengefasst, die nicht nur natürliche Wachstumsprozesse stören, sondern auch zu einer Zahn- oder Bissfehlstellung führen können.

Zu den Habits gehören:

  • Lutschen und Saugen an Fingern und anderen Lutschkörpern
  • Fingernägelkauen
  • Lippen- und Zungenbeißen
  • Zungenpressen, Einsaugen von Lippe und Wange
  • Einlagerung der Zunge zwischen die Zahnreihen (sog. viszerales Schlucken)

Da diese Gewohnheiten oft seelische Ursachen haben, bei denen oft auch die Eltern machtlos sind, bedarf es sehr häufig einer psychologischen Beratung und Betreuung. Darüber hinaus sind auch biomechanische Hilfen wie z.B. kieferorthopädische Spangen oder Logopädie denkbar.

Weit verbreitet: das Daumen- und Fingerlutschen

Das Daumen- bzw. Fingerlutschen ist ein harmloses Habit, das häufig im Säuglings-, sowie Kleinstkind- und Kleinkindalter auffällt. Klassisch ausgeprägt ist das Daumenlutschen, einige Kinder nehmen gleich mehrere Finger in den Mund – und auch Ausprägungen wie Unterarm- und Armbeugenlutschen kommen vor. Bis zum ersten Lebensjahr ist es noch absolut unbedenklich, da es bei den Kleinen den Saugreflexes beruhigt und die Hand-Mund-Koordination zum Kennenlernen der Umwelt unterstützt.

Die Kieferknochen eines Säuglings sind jedoch weich und formbar, und auch die ersten durchbrechenden Zähne streben eher ziellos nach oben. Eine permanente Berührung mit den Lippen oder der Zunge bestimmt letztendlich die Stellung der Zähne. Der sanfte Druck der Zunge nach vorn und der Lippen nach hinten bewirkt über Jahre hinweg die Ausrichtung der Frontzähne.

Ein übertrieben häufiges, sehr intensives Daumenlutschen kann das Wachstum sowohl der Zähne als auch des Kiefers gesundheitsschädigend beeinflussen. Sollte das Kind im 3. oder 4. Lebensjahr aber immer noch damit beschäftigt sein, muss man mit einer Abgewöhnung beginnen. Spätestens mit Beginn des Zahnwechsels sollte das gewohnheitsmäßige Daumen- und Fingerlutschen aufhören. Schließlich kann bis zu diesem Zeitpunkt der Körper die ersten Zahn- und Kieferkorrekturen noch selbstständig durchführen. Ist das Lutschhabit spätestens zum Zahnwechsel mit ca. 6 Jahren abgewöhnt, werden die meisten bis dahin verursachten Zahnfehlstellungen auch noch durch das Wachstum korrigiert.

Das Lutschhabit beeinflusst das Kieferwachstum

Das permanente Lutschen an den Fingern führt dazu, dass der Ober- und der Unterkiefer nach vorne wachsen. Zudem begünstigt der Unterdruck, dass der Oberkiefer schmaler wird. Die typische Folge eines ausgeprägten Lutschhabits ist ein im Frontzahnbereich offener Biss mit nach vorne geneigten Schneidezähnen im Oberkiefer und nach hinten geneigter Unterkieferfront.

Ob ein Lutschhabit vorliegt, läßt sich relativ schnell an den Händen erkennen: dann sind einzelne Finger oder der Daumen immer ungewöhnlich sauber und an der Stelle, an der die Zähne Kontakt zur Fingerhaut haben, mit einer verstärkten Verhornung versehen.

Die besten Massnahmen zur Abgewöhnung

Einfach und erfolgreich: 5 Wege, ein Lutschhabit abzugewöhnen

Ein solches Habit abzugewöhnen, erfordert viele Mühe und einige Tricks. Zudem erfordert es von den Eltern viel Durchhaltevermögen und Gespür, um auch altersgerecht damit umzugehen. Wichtig ist vor allem, auch den jungen Patienten ohne Furcht vor einer kieferorthopädischen Behandlung die Probleme zu erklären. Schließlich ist das Androhen einer späteren Therapie nicht sehr sinnvoll, da sie dennoch erfolgen könnte. Das Verbinden der Arme im Schlaf sowie das Festbinden von Handschuhen über die Hand oder ähnliche Methoden sind brutal und nicht mehr zeitgemäß.

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  1. Das Aufmalen von Gesichtern auf die Finger

Bei dieser Variante wird auf die zum Lutschen bevorzugten Finger ein kleines Gesicht aufgemalt. Jedes Gesicht erhält einen Namen und eine kleine, tägliche Geschichte dazu. Die Geschichte kann aber nur weitergehen, wenn das Gesichts erhalten bleibt – das Kind also nicht zu viel daran lutschen darf.

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2. Der Einsatz von Bitterstoffen

Ein häufiges Mittel zur Abgewöhnung ist das Einstreichen des zum Lutschen genutzten Fingers mit Bitterstoffen wie Daumexol etc.. Vor dem Schlafengehen kann es helfen, allerdings werden die Stoffe auch relativ schnell abgelutscht und sind für viele Kinder kein ernstzunehmendes Hindernis mehr.

3. Die Sonnen-Regen-Karte

Bei dieser Tagebuch-Variante wird eine Sonnen-Regen-Karte mit einem Feld für jeden Tag des Monats gemalt. Anschließend muss das Kind jetzt täglich und ehrlich Einträge malen: eine Regenwolke an einem Tag, an dem es lutscht, eine Sonne für jeden Tag, an dem es nicht lutscht. Besonders bei Kindern ab 3 Jahren hat sich diese Variante als pädagogisch sehr erfolgreich erwiesen.

4. Das Aushandeln eines Vertrages

Diese Option ist vor allem für Kinder ab dem 6. Lebensjahr eine sinnvolle Möglichkeit, weil es für sie oft kindisch anmutet, Gesichter auf die Finger gemalt zu bekommen oder eine Sonne-Regen-Karte zu malen. Hier wird verantwortungsvoll an die Vernunft appelliert, denn es wird eine Art "Vertrag" geschlossen, den das Kind zusammen mit den Eltern aufgesetzt hat und dann gemeinsam mit dem Kieferorthopäden unterschreibt. In diesem Vertrag erklärt es, dass es die Notwendigkeit des Abstellens des Lutschens erkannt hat und verspricht, es nicht mehr zu tun.

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5. Kieferorthopädische Geräte

Sollten alle pädagogischen und psychologischen Möglichkeiten nicht zum Erfolg führen, kann man gemeinsam mit dem Kieferorthopäden auch biomechanische Hilfsmittel einsetzen. Hier können bereits vorgefertigte Standardgeräte wie die Mundvorhofplatte helfen. Diese Platte liegt lose im Mund hinter den Lippen und vor den Zähnen. Aufgrund der Gestaltung der Platte und ihrer Lage im Mund können verschiedene Angewohnheiten verhindert werden. So verhindert sie nächtliches Lutschen und schirmt sehr gut die Weichgewebe ab. So kann auch ein bereits exitierender, lutschoffener Biss geschlossen werden. 

Natürlich besteht auch die Möglichkeit, individuell angepaßte Hilfsmittel wie z. B. Schwarz-Platten mit Abschirmung oder einen Abschirmbionator einzusetzen. Hier muss aber von Fall zu Fall abgewogen werden, ob das Behandlungsziel im Verhältnis zu den relativ hohen Kosten liegt.

Die schlechte Ersatzgewohnheit: Schnullerhabits

Einfach und erfolgreich: 3 Möglichkeiten, einen Schnuller abzugewöhnen

Der Austausch des Schnullers

Seit Generationen vielversprechen ist der ritualisierte Tausch des Schnullers gegen ein anderes, als wertvoll empfundenes Geschenk. Untermalt mit einer Geschichte z. B. von der Schnullerfee oder den traurigen Tieren im Wald wirkt der Tausch noch überzeugender. Wichtig ist aber die elterliche Konsequenz, da es eventuell zu einigen unruhigen Nächten kommen kann.

Die Verkleinerung des Schnullers

Ein guter Tipp ist auch, allabendlich einfach ein kleines Stück des Schnullers abzuschneiden und dadurch den Schnuller solange zu verkleinern, bis das Kind keinen Gefallen mehr daran findet. Auch dies kann mit einer kleinen, spannenden Geschichte ergänzt werden.

Der Austausch des Schnullers gegen die Mundvorhofplatte

Wie beim Daumen- oder Fingerlutschen kann man auch eine vom Kieferorthopäden vorgefertigte Mundvorhofplatte einsetzen. Durch ihre Ähnlichket mit einem Schnuller wird sie sogar besser akzeptiert.

Lutscht das Kind an anderen Fremdkörpern wie Kuscheldecken, Stofftieren oder ähnlichem, muss man sehr individuell auf das Kind eingehen.

Das Lippen- und Zungenbeißen oder Einsaugen von Lippe und Wange

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Lippen-, Zungen- und Wangenhabits sind nicht so häufig wie das Lutschhabit. Sie stellen sich jedoch oft als Folge des Daumenlutschens ein: so kann sich die Zunge durch einen durch Lutschen entstandenen, offenen Biss einfacher zwischen den Schneidezähnen hindurchschieben und im Seitenzahngebiet läßt sich die Wange einsaugen. Das aber führt dazu, dass sich der Durchbruch und die Einstellung der bleibenden Zähne verändern.

Ein Kieferorthopäde kann helfen

Das Zungenbeißen und -pressen sowie das Wangeneinsaugen kann im Kleinkind- und Vorschulalter durch eine Mundvorhofplatte verhindert werden. Besteht die Angewohnheit allerdings auch nach Durchburch der permanenten Schneidezähne, hat sich das Aufbringen von Klebebrackets mit abgerundeten Spitzen auf die untere Schneidezähne bewährt. Eine Alternative bietet auch ein modifizierter Aktivator – ein Bukkalschild verhindert hier, das die Wangen eingesaugt werden.

Zur Verhinderung des Lippenbeißens, also der Einlagerung der Unterlippe zwischen den Schneidezähnen, kann man im Kinderalter ebenfalls die Mundvorhofplatte verwenden. Nach Durchbruch der bleibenden Schneidezähne ist in den meisten Fällen allerdings eine Therapie mit einem Aktivator oder einer aktiven Platte sinnvoll. Da die Unterlippeneinlagerung oft mit einer Mundatmung einhergeht, sollten parallel muskelformende Übungen durchgeführt werden.

Die autoagressiven Habits wie z.B. Nägelkauen

Neben einfachen schädlichen Gewohnheiten gelten die selbstverletzenden Habits zu den schlimmsten Formen. Fingernägel kauen gehört zu den einfachen Formen, stellt aber das Gebiss permanent vor eine große Aufgabe mit starker Kraftausübung. Dies kann sogar zu empfindlichen Verletzungen an der Zahnwurzeln führen.

[Weiterführendes]

Verwandte Forenthemen

Quick Facts

  • Habits sind schlechte Angewohnheiten, die natürliche Wachstumsprozesse stören und auch zu einer Zahn- oder Bissfehlstellung führen können

  • Die gängisten Habits: Lutschen und Saugen an Fingern und anderen Lutschkörpern

  • Darüberhinaus: Fingernägelkauen, Lippen- und Zungenbeißen sowie Zungenpressen sowie das Einsaugen von Lippe und Wange

  • Therapiemöglichkeiten: psychlogische und pädagogische Hilfestellung sowie therapeutische Hilfsmittel, z.B. eine Mundvorhofplatte