Zuletzt bearbeitet: Apr 6, 2014 | Author: lma

Headgear

Kopfzug

Ein Headgear, auch Kopfzug genannt, ist ein an den Zähnen verankerter, herausnehmbarer Metallbogen, der mit einem Nackenzug oder einer Kopfkappe verbunden wird. Der Bogen hat einen inneren und einen äußeren Bogen und überträgt so von außen eine Kraft auf den Oberkiefer und die oberen Zähne.

Der Aufbau eines Headgears

image

Der Headgear ist ein weit verbreitetes und äußerst hilfreiches kieferorthopädisches Instrument , dessen Stärke in der großen Wirkung und einfachen Handhabung liegt. Obwohl es heute viele Trageweisen gibt, folgen Sie doch einem simplen Grundaufbau:

Jedes Gerät besteht aus einem Innenbogen und einem Außenbogen, die miteinander verschweißt sind. Der innere Bogen wird in Röhrchen an den hinteren Backenzähnen oder an einer herausnehmbaren Apparatur befestigt. Der äußere Bogen liegt außerhalb des Mundes. Die Enden des äußeren Bogens sind mit Häkchen versehen, an welchen die Kopfkappe oder das Nackenband mittels Federzügen eingehängt werden und so die extraoralen Kräfte erzeugt werden.

image

Je nach gewünschtem Effekt, bzw. angelegter Zugrichtung werden unterschieden:

Highpull Headgear (Kopfkappe)

image

Straightpull Headgear (Einheit aus Kopfkappe und Nackenband)

image

Lowpull Headgear (Nackenband)

Die Einsatzbereiche

Ein Headgear wird dann empfohlen, wenn Backenzähne im Oberkiefer nach hinten verlagert (distalisiert) bzw. in ihrer Position gehalten werden sollen. Darüber hinaus können Backenzähne gedreht (rotiert) oder die Zähne im Zahnbogen leicht nach außen geführt (expandiert) oder nach Innen gedrängt (komprimiert) werden. All das macht eine Abstützung außerhalb des Mundes erforderlich.

Die Vorteile eines Headgears:

  • Keine unerwünschte Beeinflussung anderer Zähne
  • Die Zugrichtung kann variiert werden
  • Ein Headgear kann auch mit anderen Behandlungen kombiniert werden, z. B.: in Kombination mit herausnehmbaren Apparaturen (z.B. FKO) oder in Kombination mit festsitzenden Apparaturen (z.B. zur Verankerung nach Extraktion von Zähnen)

​Ein Headgear eignet sich nicht bei:

  • Schlechter Zahnpflege
  • Stark zerstörten Backenzähnen oder unzureichend gefüllten Zähnen
  • Angle-Klasse-III-Patienten (Progenie)

Mögliche Komplikationen bei der Headgear-Therapie:

  • Es kann zu einer übermäßig starken Kippung der Backenzähne kommen
  • Es kann zu einer assymetrischen Verschiebung der Zähne kommen
  • Einstehung eines Kreuzbisses
  • Verlagerung oder verzögerter Durchbruch der Weisheitszähne
  • Zusammenwachsen (Resorption) der 6er-Wurzel mit der des Weisheitszahnes

Der Headgear: Nicht schön, aber schnell

Die Behandlung mit einem Headgear

Das von vielen Patienten argwöhnisch bewertete Drahtgestell ist eigentlich gar nicht so schlimm: die durchschnittliche Tragezeit liegt nur bei 14–16 Stunden täglich. Das bedeutet, der Headgear muss in der Regel nicht in der Schule bzw. zur Arbeit getragen werden.

Um einen schnellen Behandlungserfolg zu gewährleisten, muss der Headgear allerdings regelmäßig und konsequent getragen werden. Beim Essen und zum Sport wird der Headgear generell nicht getragen.

Die Verwendung eines Headgears war in den 1980er Jahren stark verbreitet, in den 1990er Jahren wurden zunehmend alternative, angenehmere Behandlungsmethoden genutzt, die sich allerdings als weniger effizient erwiesen. Zudem werden Alternativmethoden nicht von den Krankenkassen bezahlt. Im Interesse einer kurzen Behandlungsdauer kommt der Headgear mittlerweile wieder häufiger zum Einsatz. Die Therapie dauert ca. 9 Monate.

Schnell zu ertragen

Obwohl die Behandlung von Zahnfehlstellungen mit dem Headgear äußerst effizient sind, wird das Gerät oft kritisch bewertet. So können in den ersten Tagen starke Kopfschmerzen auftreten, da die Ankerzähne bewegt werden sollen. Außerdem müssen sich die Zähne erst mal auf die neue Behandlungsmethode einstellen. In dieser Phase dürfen auch Schmerztabletten eingenommen werden. Zudem ist es empfehlenswert, den Headgear während dieser Zeit ganztags zu tragen, damit sich der Patient besser an die Außenspange und die wirkenden Kräfte gewöhnen kann. Eine Notwendigkeit, den Headgear den ganzen Tag zu tragen, besteht jedoch nicht.

 

Die Nachteile einer Headgear-Therapie

Jeder Headgear-Träger muss diszipliniert mitarbeiten, um das Behandlungsziel auch schnellstmöglich zu erreichen. Trägt dieser z. B. das Gerät nur unregelmäßig, verzögert sich das Behandlungsziel deutlich oder stellt sich im Extremfall gar nicht erst ein. Nach einer Tragezeit von etwa drei Monaten sollten bereits erste Ergebnisse sichtbar sein.

Dass allerdings von manchen Kieferorthopäden deshalb bei Feststellung unzureichender Mitarbeit eine Fixierung des Headgears vorgenommen wird, damit dieser vom Patienten nicht wieder entfernt werden kann, ist ein Ammenmärchen, welches immer wieder im Internet kursiert.

Die Alternativen zum Headgear

  • Minischrauben
  • kieferorthopädische Implantate
  • Pendel-Apparatur
  • Distalisationsplatten

Zum Thema Headgear gibt es auch einen sehenswerten Film in Netz

[Weiterführendes]

Verwandte Forenthemen

Quick Facts

  • Eine von außen sichtbare Zahnspange

  • Wird empfohlen, wenn Backenzähne im Oberkiefer verlagert oder gehalten werden sollen

  • Da der Bogen auch außerhalb des Mundes liegt, wird er auch als Außenspange bezeichnet

  • Wird mittels Kopf- oder Nackenband befestigt