Zuletzt bearbeitet: Apr 18, 2014 | Author: lma

Zahnunterzahl

Aplasie oder Hypodontie

Normalerweise haben Kinder 20 Zähne, anschließend – mit den bleibenden Zähnen – 28 und mit den Weisheitszähnen sogar bis zu 32 Zähne. Doch es gibt Menschen, die haben weniger – eine sogenannte Zahnunterzahl.

Die Zahnunterzahl: eine der häufigsten Zahnanomalien

Die Ursachen und Variationen der Zahnunterzahl

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Das Fehlen von Zähnen hat viele Ursachen: normalerweise wird darunter das durch eine genetische Nichtanlage (Aplasie) bedingte Fehlen von einem und bis zu 5 Zähnen verstanden. Fehlen mehr, spricht man von einer Oligodontie. Sehr selten tritt eine angeborene komplette Zahnlosigkeit auf – die sogenannte Anodontie.

Die sogenannte echte Hypodontie ist angeboren und oft erblich bedingt, tritt aber nur sehr selten im Milchgebiss auf. Als Folge einer Entwicklungsstörung entwickelt sie sich häufig mit anderen Erkrankungen oder Anomalien, so z.B. dem Down-Syndrom.

Die erworbene oder unechte Hypodontie wird durch Unfälle verursacht und kann zum frühzeitigen Zahnverlust führen. Viele Patienten verlieren aber auch nach intensiven Knochenmarkentzündungen oder nach Röntgen- und Radiumbestrahlungen Zähne. Streng genommen ist natürlich auch der frühzeitige Verlust von Zähnen durch Karies eine Form der Zahnunterzahl, hier spricht man aber eher von einer Gebiss-Reduktion.

Die Häufigkeit und Verteilung

Ein Gebiss mit Zahlunterzahl ist eine der am weitesten verbreiteten, körperlichen Anomalitäten. Abgesehen von Weisheitszähnen sind weltweit zwischen 3,5 - 8,0% der Bevölkerung davon betroffen. Das Fehlen der Weisheitszähne lässt sich bei 20 - 23 % der Bevölkerung feststellen.

Die Reihenfolge der am häufigsten fehlenden Zähne ist bei der echte Hypodontie statisch erfasst:

  • Am häufigsten fehlen die Backenzähne (Weisheitszähne/8er)
  • Es folgen: die unteren 2. Vormahlzähne (Zähne 35 und 45),
  • die oberen seitlichen Schneidezähne (Zähne 12 und 22),
  • die unteren mittleren Schneidezähne (Zähne 31 und 41),
  • die übrigen Vormahlzähne und die unteren seitlichen Schneidezähne.
  • Relativ selten: die oberen mittleren Schneidezähne (Zähne 11 und 21), die Eckzähne, (3er), die oberen und unteren 1. und 2. Backenzähne (6er und 7er)

Die häufigsten Anzeichen, die für eine "Aplasie" sprechen:

  • Ein zeitlich versetzter Ausfall der entsprechenden Milchzähne in beiden Kieferhälften
  • Der Durchbruch eines bleibenden Zahnes auf einer Kieferseite bei Verbleib des Milchzahns auf der gegenüberliegenden Seite
  • In der Familie bereits existierende Fälle von ausbleibenden Zähnen
  • Bereits vorher ausgebliebene Zähne (z.B. oberer seitlicher Schneidezahn)

Die Folgen der Nichtanlage von Zähnen:

  • Zahnlücken, Unstimmigkeiten und Asymmetrien können als ästhetisch störend empfunden werden
  • Bei fehlenden Zähnen im Oberkiefer kann es aufgrund des Wachstumsdefizits zum Kreuzbiss auf der betroffenen Seite kommen
  • Lückenbenachbarte Zähne können gekippt weiterwachsen oder in den Freiraum "wandern". Dadurch kommt es zu einer Fehlbelastung des Kiefers - ein großes Risiko für eine Kiefergelenk-Fehlfunktion
  • Zudem kann eine Bisssenkung im Unterkiefer eintreten und zu einer Schädigung des Zahnfleisches führen

Die Therapiemöglichkeiten sind vielseitig

Grundsätzlich sind viele zahnmedizinische Maßnahmen möglich. Eine Behandlung ist aber immer von der Besonderheit und der Schwere der Falles abhängig. Dazu zählen viele Faktoren: z.B. die Anzahl der fehlenden Zähne, der Zustand und die Zahnstellung der vorhandenen Zähne. Außerdem muss die Kiefergröße und die Lage der Kiefer zueinander ebenso berücksichtigt werden wie Allgemeinerkrankungen und nicht zuletzt die finanziellen Möglichkeiten der Patienten.

Oft ist auch eine Kombination mehrerer Therapiemaßnahmen sinnvoll. Dafür ist aber eine enge Zusammenarbeit der oben genannten zahnmedizinischen Disziplinen wichtig. Kieferorthopädischen Maßnahmen haben hier aber den Vorrang vor chirurgischen Eingriffen (z.B. die Freilegung von nicht durchbrechenden Zähnen, das Einsetzen von Implantaten und Zahntransplantationen) oder der Verwendung von Zahnersatz.

Die Stabilisierung und Prognose nach kieferorthopädischer Behandlung

Der Behandlung sollte eine Stabilisierungsphase (Retentionsphase) von ca. zwei Jahren folgen, um einen stabilen Aufbiss und eine möglichst lückenlose Zahnreihe zu erhalten. Neben herausnehmbaren Apparaturen und Plastikschienen eigenen sich auch sogenannte geklebte Lingual-Retainer. Diese sollten mindestens 1 Jahr getragen werden.

Die Prognose für die Stabilität bei umfangreichen Zahnstellungsänderungen hängt sehr stark vom Alter der Patienten ab. Dieser Faktor ist auch massgeblich für die Entscheidung, ob mittels kieferorthopädischer Behandlung oder durch Prothesen ein Lückenschluss erreicht werden soll.

[Weiterführendes]

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Quick Facts

  • Eine der häufigsten Zahnanomalien

  • Am häufigsten fehlen Weisheitszähne

  • Die als echte Hypodontie bezeichnete Zahnunterzahl ist meist erblich bedingt

  • Die erworbene oder unechte Hypodontie wird durch Unfälle oder Krankheiten verursacht

  • Kommt es zu Zahnlücken oder Kieferfehlstellungen, kann dies mit zahlreichen Therapien behandelt werden