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Zuletzt bearbeitet: Apr 19, 2014 | Author: lma

Kieferorthopädie

Die Kieferorthopädie ist das Teilgebiet der Zahnmedizin, das sich mit der Verhütung, Erkennung und Behandlung von Fehlstellungen der Kiefer und der Zähne befasst.

Für dieses Fachgebiet der Zahnmedizin werden die Begriffe Kieferorthopädie, eine Wortkonstruktion aus den Begriffen orthos = gerade, richtig und paedein = erziehen und Orthodontie (steht für "gerader Zahn"") kombiniert.

Entsprechend der therapeutischen Ausrichtung wird bis heute in den USA und anderen nichtdeutschsprachigen Ländern die Behandlungszuordnung allein in der Zahnstellungsänderung gesehen und deshalb das Fachgebiet nur als "Orthodontie" bezeichnet.

Img 99> Funktionskieferorthopädie

Erst mit der Entwicklung der Funktionskieferorthopädie in den 30er Jahren und der Weiterentwicklung des Headgears für den gesamten Oberkieferkomplex ist auch der umfassendere Begriff "Kieferorthopädie" berechtigt.

Wer heute zum Kieferorthopäden geht, den erwartet meist eine Behandlung mit festsitzenden oder herausnehmbaren Geräten, den "Zahnspangen" oder funktionskieferorthopädischen Apparaten. Obwohl dies bei vielen Kindern und Jugendlichen große Ängste auslöst, ist die Kieferorthopädie doch die unblutigste Sparte der Zahnmedizin. Die hier eingesetzten Therapien sind jedoch technisch sehr aufwendig und in den meisten Fällen langwierig. Der Behandlungserfolg hängt zudem in hohem Maße von der Mitarbeit der Patienten ab, von denen ebenfalls viel Geduld und oft genug eine weitreichende Motivation zum "Durchhalten" erforderlich ist.

Ziel jeder kieferorthopädischen Therapie ist die Verbesserung der Funktion, der Ästhetik sowie der Verhütung von Karies und vielen Erkrankungen des Zahnhalteapparates (Paradontalerkrankungen). Letzteres wird einfach durch die Beseitigung von Zahnbelag und die Behandlung von Entzündungen der Mundschleimhaut erreicht. Das wichtigste Ziel kieferorthopädischer Therapie ist die Verhütung von Zahntraumata, bedingt durch z.B. Zahnfehlstellungen sowie die Erkennung, Verhütung und Behandlung von Funktionsstörungen des Kiefers.

Die Therapiemethoden in der Kieferorthopädie

Die kieferorthopädische Therapie kann mit herausnehmbaren oder mit festsitzenden Geräten erfolgen. Unabhängig davon ist zwischen der Beeinflussung des Gesichtsschädels und dem Bewegen von Zähnen zu differenzieren.

Funktionskieferorthopädie

Unter Funktionskieferorthopädie, kurz FKO, versteht man die günstige Beeinflussung der Kieferknochen durch die gezielte Beeinflussung funktioneller Abläufe. Als Beispiel kann ein Patient mit einer Unterkieferrücklage herangezogen werden, der mit einem funktionskieferorthopädischen Gerät, beispielsweise einem Aktivator behandelt wird. Durch den Aktivator wird der Patient darauf trainiert, seinen zurückliegenden Unterkiefer nach vorn zu schieben. Wird diese Stimulation lange genug aufrechterhalten, soll es zu einer Normalisierung kommen, also zu einem über das ursprünglich genetisch bestimmte Maß hinausgehenden Unterkieferwachstum. Klassische funktionskieferorthopädische Geräte sind herausnehmbar.

Dentofaziale Orthopädie

Durch das Ausüben von größeren Kräften auf den Ober- oder Unterkiefer kann eine wachstumsbeeinflussende Wirkung entfaltet werden. Beispiele stellen die Hemmung des Unterkieferwachstums mittels einer Kopf-Kinn-Kappe sowie die Oberkieferprotraktion mittels einer Delaire- oder Grummons-Maske dar.

Orthodontie

Unter Orthodontie ist das Bewegen von Zähnen zu verstehen. Orthodontische Zahnbewegungen können mit herausnehmbaren wie auch mit festsitzenden Apparaturen erfolgen, wobei festsitzende Apparaturen hinsichtlich der durchführbaren Bewegungen und der Behandlungsdauer sowie der Unabhängigkeit von der Mitarbeit des Patienten in der Regel vorteilhafter sind. Orthodontische Maßnahmen können auch bei Erwachsenen erfolgen.

Chirurgische Kieferorthopädie

Besteht nach Wachstumsabschluss eine Kieferfehlstellung (Dysgnathie), die nicht durch orthodontische Maßnahmen behandelbar ist, kann auch eine Operation ratsam sein. Hierbei muss der Kieferorthopäde mit einem Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen zusammenarbeiten.

[Weiterführendes]

Verwandte Forenthemen

Quick Facts

  • Die Kieferorthopädie ist ein Teilgebiet der Zahnmedizin

  • Ziel jeder kieferorthopädischen Therapie ist die Verhütung von Zahntraumata, bedingt durch z.B. Zahnfehlstellungen sowie die Erkennung, Verhütung und Behandlung von Funktionsstörungen des Kiefers

  • Vier verschiedene Therapiemethoden