Zuletzt bearbeitet: Apr 19, 2014 | Author: lma

Progenie

Als Progenie bezeichnet man die Vorverlagerung des Unterkiefers. Das bedeutet, der Unterkiefer steht vor dem Oberkiefer, die unteren Zähne stehen demnach vor den oberen Zähnen.

Der Begriff Progenie ist eigentlich sprachlich veraltet und nicht mehr ganz richtig, da die Übersetzung des griechischen Begriffes "vorstehendes Kinn" bedeutet. Bei der Progenie ist aber die Fehlentwicklung auf eine Überentwicklung des gesamten Unterkiefers zurückzuführen. Fachlich korrekt ist es daher, die spezifizierten Begriffe "mandibuläre Prognathie" für die sogenannte echte Progenie und "maxilläre Retrognathie" für die unechte oder Pseudo-Progenie zu verwenden.

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Die Progenie bezeichnet allgemein eine Kieferfehlstellung, bei der ein umgekehrter Überbiss der Schneidezähne, ein sog. frontaler Kreuzbiss, charakteristisch ist. Der frontale Kreuzbiss wird meist durch ein Missverhältnis des Oberkiefers zum Unterkiefer verursacht. Man unterscheidet die echte Progenie, gekennzeichnet durch eine Unterkieferüberentwicklung, von der unechten oder Pseudo-Progenie, die sich durch eine Unterentwicklung des Oberkiefers bzw. des Mittelgesichtes auszeichnet. Es können auch Kombinationen aus beiden Formen auftreten.

Die Ursachen der Progenie

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Für eine Progenie sind meist mehrere Ursachen verantwortlich. Hauptursache für eine echte Progenie sind aber meist erbliche Faktoren.

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Auf diesem Porträt des Kaisers Maximilian (links) und seiner Familie ist seine Habsburger Unterlippe deutlich zu sehen. 

Die Habsburger Unterlippe: http://de.wikipedia.org/wiki/Habsburger_Unterlippe

In manchen Fällen führen auch Fehlfunktionen der Zunge, eine vergrößerte Zunge oder Behinderungen bei der Nasenatmung zu einer verminderten Entwicklung des Oberkiefers. Als Sonderfall gelten Lippen-Kiefer-Gaumenspalten. Hervorgerufen durch Narbenzüge, führen diese Spalten zu einem gehemmten Oberkieferwachstum.

Das vorrangige Erscheinungsbild

Während bei der echten Progenie äußerlich ein vorstehendes Kinn sowie ein vorverlagerter Unterkiefer mit kräftiger Unterlippe erkennbar sind, zeigt sich die unechte Progenie durch ein abgeflachtes Mittelgesicht und eine eingefallene Oberlippe. Im Mund ist die Progenie häufig durch einen schmal ausgebildeten Oberkiefer und einen breiten Unterkiefer charakterisiert. Im Oberkiefer kommt es zu einem ausgeprägten Platzmangel, während im Unterkiefer teilweise Lücken aufgrund eines Platzüberschusses entstehen.

Die Zungenruhelage ist bei den betroffenen Personen meist unten und nach vorne gerichtet. Häufig atmen die Betroffenen auch nur durch den Mund. Nicht selten findet man nicht nur den umgekehrten frontalen Überbiss, sondern vielmehr eine vollständige Umfassung des Oberkiefers durch den Unterkiefer.

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Ein vorverlagerter Unterkiefer mit kräftiger Unterlippe (Echte Progenie)

 
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Abgeflachtes Mittelgesicht und eine eingefallene Oberlippe (Unechte Progenie)

Die Behandlung der Progenie

Die echte Progenie (mandibuläre Prognathie) kann durch einefache kieferorthopädische Mitteln  behandelt werden. Hier gilt: je früher die Behandlung beginnt, desto größer ist die Aussicht auf Erfolg. Durch die kieferorthopädische Behandlung soll die Oberkieferentwicklung angeregt werden und somit Platzmangel behoben werden. Zudem gelten, wenn diagnostiziert, weitere Behandlungsziele: z.B. das Überstellen des Kreuzbisses, das Halten des Unterkiefers und das Erreichen einer Neutralverzahnung. Außerdem wird die Frontzahnstellung richtig eingestellt. Dazu werden festsitzende oder lose, also herausnehmbare Zahnspangen eingesetzt. Beim Verwenden des umgekehrten Headgears nach Delaire (der sog. "Delairemaske") wird häufig eine Kombination mit einer Gaumennahterweiterungsapparatur zur Dehnung des Oberkiefers angewandt. Kieferorthopäden, die nach einem ganzheitlichen Therapieansatz praktizieren, verzichten meist auf Behandlungsgeräte wie die Delairemaske oder die Gaumennahterweiterungsapparatur, die den Einsatz von starken Kräften erfordern.

Die kieferorthopädische Behandlung muss über das pubertäre Wachstumsmaximum hinaus erfolgen, um ein unkontrolliertes Wachstum zu vermeiden und ein über lange Zeit stabiles, normgerechtes Gebiss zu erreichen.

Ist das Wachstum kieferorthopädisch nicht ausreichend beeinflussbar, kann nach Abschluss des Wachstums mit ca. 18. Jahren eine kombinierte Behandlung von Kieferorthopädie und Kieferchirurgie erforderlich werden.

[Weiterführendes]

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Quick Facts

  • Bezeichnet eine Überentwicklung des gesamten Unterkiefers

  • Wird auch als "mandibuläre Prognathie" für die sogenannte echte Progenie und "maxilläre Retrognathie" für die unechte oder Pseudo-Progenie bezeichnet

  • Bei der echten Progenie sind ein vorstehendes Kinn sowie ein vorverlagerter Unterkiefer mit kräftiger Unterlippe erkennbar

  • Die unechte Progenie ist durch ein abgeflachtes Mittelgesicht und eingefallene Oberlippe gekennzeichnet

  • Die Progenie kann durch kieferorthopädische Therapie oder kombiniert kieferorthopädische-kieferchirurgische Therapie behandelt werden

  • Dafür werden festsitzende oder herausnehmbare Zahnspangen eingesetzt