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Zuletzt bearbeitet: Apr 19, 2014 | Author: lma

Prophylaxe und Zahnpflege in der Kieferorthopädie

In der Kieferorthopädie spielt eine konsequente Mundhygiene, die Prophylaxe und der Schutz vor dauerhaften Zahnschädigungen eine wichtige Rolle. Besonders Träger von festsitzenden Zahnspangen sind gefährdet, weil sich in den Elementen gefährlicher Plague bilden kann. Wird hier nicht verstärkt auf die Mundhygiene geachtet, können viele Zahnprobleme entstehen: z. B. die sog. Demineralisation, die sich durch Weißfärbungen auf dem Zahnschmelz bemerkbar macht (White Spots), beginnende oder schon fortgeschrittene Karies sowie Zahnfleischentzündungen bis hin zur Parodontitis (umgangssprachlich auch Paradontose genannt).

Mundhygiene müssen Zahnspangenträger besonders ernst nehmen

Weiße Flecken auf den Zähnen – ein häufiges Indiz

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Die häufigste Nebenwirkung bei mangelhafter Mundhygiene während einer Behandlung mit einer festsitzenden Apparatur ist die Demineralisierung der Zahnhartsubstanz. Die typischen weißen Verfärbungen können anschließend meist nur durch langwierige Fluoridierungsmaßnahme entfernt werden – manchmal aber auch gar nicht mehr.

Die Risikofaktoren

Die kieferorthopädische Behandlungsdauer hängt vor allem davon ab, ob es sich um eine herausnehmbare –, eine festsitzende Zahnspange oder vielleicht sogar um beides handelt. Grundvoraussetzung und begleitende Maßnahme Nr. 1 für alle Therapien ist eine konsequente und genaue Mundhygiene.

Am schwierigsten ist die Mundhygiene während der Behandlung mit festsitzende Zahnspangen. Schließlich sind die Zähne mit Brackets versehen und bieten viele Nischen, scharfe Kanten und Bereiche, die für den Patienten nur mit erheblichem Aufwand erreichbar sind. Doch nicht nur im Zuge dieser Phase spielt die Mundhygiene eine wichtige Rolle: vielen dieser Behandlungen gehen andere Behandlungen voraus.

Außerdem folgt mit der Stabilisierungsphase, der sog. Retentionszeit, eine weitere Behandlungseinheit, die ebenfalls mit herausnehmbaren Apparaturen wie Platten, Positionern oder Schienen durchgeführt wird. Zusammenfassend können hier Behandlungszeiten von bis zu 8 Jahren entstehen. Daher sollte sich jeder Patient nicht nur auf die Mundhygiene in der festen Behandlungsphase konzentrieren, sondern während der gesamten Therapiedauer eine intensivere Zahnpflege betreiben.

Ganz wichtig: die Zahnprophylaxe bei kieferorthopädischen Behandlungen

Da diese meist im jugendlichen Alter begonnen werden, ist die allgemeine Einstellung der Patienten zur täglichen Pflege der Apparaturen bzw. Zähne altersbedingt ohnehin sehr schwierig. Das geht sogar oft so weit, das Kieferorthopäden in manchen Fällen eine festsitzende Behandlung abbrechen oder gar nicht erst beginnen. Oft mit schwerwiegenden Folgen: denn das Beenden einer laufenden Behandlung hinterlässt im schlimmsten Fall eine schlechtere Zahnstellung als vorher, z. B. wenn für die Behandlung Zähne gezogen wurden.

Am besten ist es, gemeinsam mit dem Kieferorthopäden schon vor einer Behandlung die persönlich optimalste Kombination aus Reinigungsanleitung, Hilfsmitteln und Pflegeanweisungen zusammenzustellen. Gewöhnlich wird dies im Rahmen von Prophylaxesitzungen gemacht. Hier beginnt alles mit einem allgemeinen Zahnbefund, bei dem der aktuelle Mundhygienestatus mit den Pflegegewohnheiten sowie der Ernährung und dem Kariesrisiko verglichen wird. Darauf aufbauend werden die bestehenden Gewohnheiten optimiert. In der Praxis hat sich auch eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt bewährt.

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Manuelle Zahnbürsten

Für einen Patienten ohne festsitzende Zahnspange oder Zahnklammer sind besonders sogenannte kreuzverzahnte Zahnbürsten zu empfehlen: mit ihnen lassen sich die schlecht erreichbaren Zahnzwischenräume deutlich besser reinigen als mit den handelsüblichen Bürsten mit glattem Profil.

Je dichter und enger eine Zahnbürste am Zahn anliegt, desto schlechter ist die Reinigungswirkung in den Zahnzwischenräumen. Aus diesem Grund muss die Putztechnik umso anspruchsvoller sein. Besonders für jüngere Patienten sind die normalen, kreisenden Bewegungen als erste Zahnputztechnik noch gut zu erlernen. Andere, meist kompliziertere Putzabläufe, überfordern viele Patienten.

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Sobald die Zähne mit festsitzenden Zahnspangen versehen sind, sollte mit anderen Putztechniken gearbeitet werden. Für die grobe erste Reinigung der Zähne bietet sich weiterhin eine Zahnbürste mit kreuzverzahntem oder V-Profil an. Für die Reinigung um die Brackets herum sind zusätzliche Bürsten wie eine spezielle Einzelbüschelzahnbürste mit reduzierter Borstenzahl ratsam.

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Zusätzlich bieten sich Interdentalbürsten verschiedener Größen an, mit denen auch schwer erreichbare Stellen sehr gut gereinigt werden können.

Die eiserne Regel für jede Zahnspange: nach jeder Mahlzeit Zähne putzen!

Während der Behandlung mit einer festsitzenden Zahnspange sollte man möglichst nach jedem Essen kurz die Zähne reinigen. Mindestens zweimal täglich sollten Zahnspangenträger dann auch eine umfangreichere Zahnreinigung mit aufeinander abgestimmten Bürsten machen.

Grundsätzlich gilt: Ohne zusätzliche Hilfsmittel können die Zähne und Zahnspangen nur unzureichend mit einfachen Zahnbürsten von Plaque befreit werden!

Die elektrischen Zahnbürsten

Wer mit manuellen Zahnbürsten eher ungeschickt ist oder wem damit die Motivation zur intensiven Zahnpflege fehlt, für den sind elektrische Zahnbürsten eine echte Alternative.

Hier gibt es mehrere Möglichkeiten: neben den topaktuellen vibrierenden Modellen, z.B. Ultraschallzahnbürsten, gibt es nach wie vor die klassischen, rotierenden Zahnbürsten.

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Beispiel für eine Ultraschallzahnbürste

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Beispiel für eine rotierende Zahnbürste

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Untersuchungen haben gezeigt, dass beide Modelle ihre Vor- und Nachteile haben. Interessanterweise werden weniger "Putzfehler"" mit den klassischen rotierenden Bürsten gemacht. Aus gutem Grund, denn das Hauptproblem der Ultraschallzahnbürste ist, dass die Wischbewegung schon bei etwas zu viel Anpressdruck komplett aussetzt. Die Bürsten dürfen also nicht auf die Zähne gedrückt –, sondern nur angehalten werden. Bei richtiger Anwendung haben beide elektrischen Modelle bei Patienten mit festsitzenden Zahnspangen besonders an unter sich gehenden Bereichen große Stärken.

Wichtig ist es, immer darauf zu achten, dass die Geräte hochwertig, leistungsstark und ausbaufähig sein: für eine noch bessere Reinigung, insbesondere an schwer zugänglichen Stellen, gibt es von vielen Herstellern zusätzliche Spezialaufsätze, so z.B. mit nur einem Borstenkreis oder einer reduzierten Borstenzahl.

Die Reinigung herausnehmbarer Zahnspangen

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Auch herausnehmbare Zahnspangen wie z.B. Plattenapparaturen, FKO-Geräte  oder Schienen haben ihre hygienischen Tücken: schnell lagern sich in den Bauteilen Beläge und Verkalkungen ein. Besonders bei schlechter Mundhygiene und einer sauren Mundflora können die Metallelemente korrodieren. Das gilt insbesondere in Bereichen, die wenig oder gar nicht an an die Luft kommen, z. B. für Schrauben im Kunststoff, Halteelemente oder Federn.

Die Reinigung sollte mindestens einmal täglich nach dem morgendlichen Herausnehmen aus dem Munde erfolgen. Zur intensiven Reinigung der herausnehmbaren Zahnspangen verwendet man am besten für die groben Verunreinigungen die Handzahnbürste, warmes Wasser und ein Reinigungsgel. Zahnpasta ist hierfür nur bedingt empfehlenswert, da sie leicht die Oberflächen zerkratzen kann.

Hartnäckigere Ablagerungen lassen sich zusätzlich mit Hilfe eines sprudelnden Reinigungsbades lösen. Dafür kann man entweder handelsüblichen Zahnspangen-Reiniger verwenden oder einfach Tabs, die auch in der Prothesenreinigung genutzt werden. Die Spangen sollten einmal pro Woche für circa 15 Minuten in einem Wasserglas und mit einer Reinigungs-Tablette gesäubert werden.

Die richtige Auswahl der Zahnpasta

Die Frage beschäftigt angesichts des großen Angebotes viele: Welche Zahnpasta ist für mich die Richtige? Grundsätzlich sollte die Zahnpasta folgende Eigenschaften haben:

  • Hohe Reinigungseffizienz
  • Möglichst geringen Abschliff
  • Der richtige Zusatz von Fluoriden (insbesondere Aminfluorid ist selten enthalten, aber sehr wichtig!)

Die bekanntesten Bestandteile jeder Zahnpasta sind u.a.:

  • Schleifkörper
  • Schaumbildner
  • Netzmittel zum Binden der Plaque
  • Sorbitol gegen Austrocknung der Paste
  • Geschmacksstoffe
  • Konservierungsstoffe
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Die Reinigung sollte bei festsitzenden Zahnspangen angepaßt sein

Für die Reinigung der Geräte sowie die für den Zahnschmelz schonendste tägliche Reinigung sind im Handel spezielle Zahnpasten erhältlich, z.B. Pearls & Dents. Diese enthält kleine Kunststoffkügelchen, die schwer erreichbare und unter sich gehende Bereiche besser reinigen. Die Kügelchen werden besonders durch elektrischen Zahnbürsten in Schwingungen versetzt und reinigen auch ohne direkten Kontakt der Zahnborsten Zähne und Geräte gründlich.

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Die Schädigung der Zähne durch die sog. Abrasion

Unter Abrasion versteht man den Verlust von Zahnsubstanz durch mechanischen Abrieb z.B. durch falsches Putzen. Die Beschaffenheit der Zahnborsten hat hier kaum Bedeutung. Deutlicher ist da schon der Einfluß der Zahnpasten – hier ist er sogar in sog. RDA-Werten auf den Produktverpackungen angegeben. Achten Sie beim Kauf besonders auf diesen Wert - er sollte üblicherweise nicht höher als 45-50 sein. Es gilt: je höher die Abrasivität, desto wahrscheinlicher sind auf Dauer Abrasionsschäden an Zahnfleisch und Zähnen. Falsche Putztechniken wie ein hoher Anpressdruck oder starkes Schrubben fördern dieses zusätzlich.

Unmittelbar nach dem Essen von säurehaltigen Lebensmitteln können durch das Zähneputzen auch am Schmelz Abrasionen hervorgerufen werden.

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Der wichtigste Bestandteil jeder Zahnpasta - die Fluoride

Fluoride gelten als das wichtigste Element in der Kariesprophylaxe. Ihnen werden viele Wirkungen zugeschrieben:

  • Remineralisierung von bereits geschädigtem Zahnschmelz
  • Aufbau einer Schutzschicht auf der Zahnoberfläche
  • Hemmung des Wachstums der kariesverursachenden Bakterien

Wie nimmt man gezielt Flour auf?

Natürliche Fluoride werden über die Nahrungsmittel wie z.B. Schalentiere oder Fisch oder durch Trinkwasser, fluoridiertes Salz oder gezielt über Fluortabletten aufgenommen.

Fluoride werden so über die Verdauung aufgenommen und dann über den Blutkreislauf in die Zähne oder die Knochen transportiert – oder über den Speichel ausgeschieden.

Neueste Untersuchungen zeigen, dass die Fluoraufnahme über die Nahrung nur eine sehr untergeordnete Rolle für die Zahnoberfläche spielt. Eine Erkenntnis, die dazu führte, dass von der Tablettenfluoridierung mehr und mehr abgerückt wird. Mehr noch: eine zu hohe Fluoridaufnahme während der Zahnentstehung, z.B. durch Zufuhr aus mehreren Fluoridquellen wie Salz, Wasser und verschluckter Zahnpaste, kann sogar zu einer Fluorose führen, die mitunter zu Zahnverfärbungen führt

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Ein außergewöhnliches Beispiel von Zahnverfärbungen durch Fluorose

Die Aufnahme von Flourid durch auf die Zähne aufgetragene Präparate

Weitaus einfacher ist die Aufnahme durch fluoridhaltige Zahnpasten, Gele, Mundspülungen oder Lacke. Neben der durch handelsüblichen Zahnpasta aufgenommenen Konzentration (sollte zwischen 1000-1400 ppm liegen), achten Sie auf die Angaben auf der Packung!) empfiehlt sich einmal wöchentlich eine erhöhte lokale Fluoridaufnahme durch Spezialpasten, Gele oder Lacke. Diese können ohne reinigende Bewegungen z.B. mit dem Zeigefinger aufgetragen werden. Idealerweise wird das Gel oder Lack nach der abendlichen Zahnpflege angewendet.

Die zahnfreundliche Ernährung

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Zur konsequenten Prophylaxe gehört natürlich auch die richtige Ernährung. Gemeinsam mit dem Zahnarzt oder dem Kieferorthopäden sollte man die bisherigen Ernährungsgewohnheiten daher analysieren und anschließend optimieren – um das Risiko von Karies durch die Ernährung deutlich zu reduzieren.

Eines ist klar: Mit jeder zuckerhaltigen Nahrungsaufnahme erhalten die im Zahnbelag enthaltenen Bakterien Nahrung, die sie verstoffwechseln können. Die dabei entstehenden Säuren stören das Gleichgewicht im Speichel. Das führt erwiesenermaßen zu einem erhöhten Kariesrisisko.

Wichtig für alle ist, den Zuckeranteil der Nahrungsmitteln genau zu kennen! Kennt man auch versteckte Zuckeranteile ganz genau, muss man auch nicht darauf verzichten. Es gilt, diese nur nicht über den Tag verteilt einzunehmen, sondern möglichst in kurzen Abschnitten, z.B. direkt nach den großen Mahlzeiten. Anschließend sollte man sich die Zähne putzen. Doch Zucker ist nicht gleich Zucker!

Zucker

Besonders gefährlich für die Zähne sind "versteckte" Zucker: Schokolade, Bonbons, Lutscher und Kuchen – sie enthalten bekanntermaßen hohe Zuckerkonzentration – aber Ketchup, Limonade, Fruchtsäfte und süße Brötchen? Da wird es für viele schon schwieriger, weil nur Saccharose, also der Industriezucker gesetzlich als "Zucker" angegeben werden muss. Fruchtzucker, Malzzucker, Traubenzucker und Milchzucker hingegen gelten lediglich als Zuckerart. Da kann ein Nahrungsmittel schon mal als "zuckerarm" oder "ohne Zuckerzusatz" deklariert sein – letztendlich können die anderen Zuckerstoffe durchaus enthalten sind. Für die Zähne und das Kariesrisiko bedeuten sie aber keinen Unterschied.

Zuckeraustauschstoffe

Sie stecken, wie z. B. Xylit, oft in Kaugummis oder Zahnpasten und verursachen kein Karies, d.h. Bakterien können sie nicht als Nahrungsquelle nutzen.

Süßstoffe

Die dritte Gruppe der Süßungsmittel sind die Süßstoffe wie z.B. Cyclamat oder Aspartam. Sie können ebenfalls nicht im Mund verstoffwechselt werden.

Zusammenfassung

Zuckerhaltige Nahrungsmittel sollte man möglichst wenig essen. Je öfter Zucker zugeführt wird, desto schneller entwickelt sich eine Karies bzw. Demineralisation. Es ist also besser, eine Tafel Schockolade nicht nur zeit- und stückweise zu essen, sondern eher auf einmal. Auf diese Weise kann der Speichel nach dem Essen die Säure besser neutralisieren.

"Versteckter" Zucker sollte erkannt und vermieden werden. Er sollte am Besten nur zu oder nach den Hauptmahlzeiten eingenommen werden. Dazu gehören: Tomatenketchup, viele Obstsorten, gesüßter Joghurt, Limonade, Malzbier, Fruchtsäfte, Konservenobst, Cerealien usw.

"Betthupferl" sind besonders schädlich, weil sie nach dem abendlichen Zähneputzen gegessen werden. Zudem sollte nachts nur ungesüßtes gegessen oder getrunken werden.

Das geringste Karies-Risiko steckt in Nahrungsmitteln wie rohem Gemüse, Fleisch, Nüssen, Salat, Käse und Wasser.

Stärkehaltige Nahrungsmittel haben eine erhöhtes Kariesrisiko, z.B. Brot, Reis, Kartoffeln, Nudeln und Mehl. Stärke ist allerdings weniger riskant als Zucker.

[Weiterführendes]

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