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Zuletzt bearbeitet: Apr 19, 2014 | Author: lma

Zahnengstand

Bei einem Zahnengstand handelt es sich um eine häufig auftretende Fehlstellung der Zähne. Der Grund ist ein Missverhältnis zwischen der Größe der Zähne und der Größe des Kiefers. Dabei kann es entweder sein, dass der Kiefer zu schmal ist, die Zähne jedoch eine normale Breite aufweisen – oder aber es ist der umgekehrte Fall: die Zähne sind überdurchschnittlich breit und haben dadurch einen Platzmangel auf dem Kiefer.

Der Zahnengstand ist mit ca. 60 % die häufigste Zahnfehlstellung in der Kieferorthopädie.

Die Ursachen des Zahnengstandes

Das typische Krankheitsbild des Engstands

Ein Engstand ist in der Regel im Oberkiefer stärker ausgeprägt als im Unterkiefer.

Schmalkiefer mit engstehenden Frontzähnen

Missverhältniss zwischen Platzangebot und Platzbedarf im Zahnbogen

Missverhältniss zwischen Zahn- und Kiefergröße (zu große Zähne oder zu kleiner Kiefer)

deutliche Diskrepanz zwischen Milchzahnbreite und der der bleibenden Zähne

Zahnüberzahl

Lücken-Einengung nach einem Milchzahnverlust

Die Ursachen des Zahnengstandes

Bei einem Zahnengstand wird zwischen der primären, der sekundären und der tertiären Form unterschieden.

Ein primärer Engstand ist meist angeboren. Durch Veranlagung sind bei den Betroffenen entweder die Zähne zu groß oder der Kiefer zu schmal, was schließlich zu Platzmangel führt. Selbst durch vorbeugende Maßnahmen kann ein primärer Zahnengstand nicht verhindert werden.

Ein sekundärer Engstand entsteht dagegen durch äußere Faktoren, wie Komplikationen beim Übergang vom Milchgebiss zum eigentlichen Gebiss. So kann es z. B. durch Karies oder einen Unfall dazu kommen, dass im seitlichen Zahnbereich mehrere Zähne verloren gehen. Dadurch sind die Milchzähne nicht mehr in der Lage, als Platzhalter für das nachfolgende Gebiss zu dienen, wachsen nach vorn und verkleinern so den Platz für die bleibenden Zähne.

Sehr selten tritt der tertiäre Engstand auf. Er betrifft nur Erwachsene und begründet sich beispielsweise durch spätes Wachstum der Kiefer oder den Durchbruch der Weisheitszähne.

Die Maßnahmen zur Vermeidung des Zahnengstand

Für den primären Engstand gibt es kaum vorbeugene Maßnahmen

Beim sekundären Engstand kann man durch die Erhaltung der Milchzähne erreichen, das Lücken gar nicht erst entstehen. Falls bereits ein Milchzahn entfernt werden musste oder durch Unfall verloren ging, kann man Lückenhalter einsetzen.

Das Risiko für einen tertiären Engstand im unteren Frontzahngebiet kann man minimieren, indem man nach Abschluss einer kieferorthopädischen Behandlung einen Lingual-Retainer einsetzt.

Mögliche Folgeerkrankungen bei einem Zahnengstand

Ein Engstand kann im Mund für Verhältnisse sorgen, die zu einem falschen Biss führen. Dieser sorgt später für weitreichende Beschwerden, auch in anderen Körperregionen. Ein ausgeprägter Zahnengstand kann außerdem die Reinigung der Zahnzwischenräume erschweren. Das führt oft zu einem vermehrten Auftreten von Karies in den Zahnzwischenräumen. Ausschlaggebendes Argument für die Behandlung eines Zahnengstandes ist für die Patienten meistens die ästhetische Beeinträchtigung. Zudem kann der Fehlstand der Zähne eine Fehlbelastung zur Folge haben. Das erhöht das Risiko für parodontale Erkrankungen (also des Zahnfleisches und des Zahnhalteapparates).

Die Therapiemöglichkeiten bei einem Zahnengstand

Wie wird die Form des Engstandes diagnostiziert?

Um einen Zahnengstand erfolgreich zu therapieren, muss der Kieferorthopäde wissen, welche Form vorliegt. Nach einer Untersuchung und der Erfragung der Krankengeschichte auch der Familie können schon erste Indizien vorliegen. Unterstützend werden spezielle Röntgenaufnahmen angefertigt – sog. Orthopantomogramme oder Fernröntgenseitenbilder. Sie können Aufschluss darüber geben, ob eventuell ein zu kleiner Kiefer vorliegt. Mit Hilfe eines Gebissabdruckes und einer anschließenden Modellanalyse kann zudem festgestellt werden, ob die Zahnbreiten normal oder überdurchschnittlich groß sind. Anschließend lassen sich die Therapiemöglichkeiten festlegen.

Die Therapiemöglichkeiten bei einem Zahnengstand

Um einen Engstand zu beseitigen, gibt es verschiedene kieferorthopädische Möglichkeiten, die je nach Grad und Ursache des Engstandes in Betracht gezogen werden können.

Um mehr Platz für die bleibenden Zähne zu schaffen, kann mittels einer Erweiterung ein zu schmaler Kiefer im Wachstum so beeinflusst werden, das er größer wird. Dies kann sowohl durch herausnehmbare als auch  festsitzende Apparaturen umgesetzt werden.

Die einfachste Methode stellt eine sog. Aktive Platte dar. Sie ist herausnehmbar und besitzt eine Schraube, mit der die Platte täglich etwas verbreitert wird. Ebenso können Transpalatinalbögen, die quer über den Gaumen verlaufen und an den oberen Backenzähnen fixiert sind, zur Erweiterung des Oberkiefers genutzt werden.

Denkbar ist auch eine Quadhelix, eine Vierschlaufenfeder. Sie wird vom Kieferorthopäden eingesetzt und kann ebenfalls zu einer Zunahme des Breitenwachstums zu führen.

Bei erwachsenen Patienten, die sich zu einer kieferorthopädischen Behandlung entschließen, muss die Oberkiefererweiterung meist chirurgisch durchgeführt werden.

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Die Quadhelix

 
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Transpalatinalbogen

 

Eine weitere Möglichkeit zur Platzbeschaffung ist die gezielte Entfernung eines oder mehrerer bleibender Zähne. Dieses Verfahren, das auch erfolgreich bei Zahnüberzahl angewendet wird, ist sowohl bei primärem als auch bei sekundärem Engstand üblich.

Mit dem Ziehen beginnt man normalerweise bei Kindern im Alter von zehn Lebensjahren. Dabei muss man beachten, dass das Zähneziehen auch Auswirkungen auf das umliegende Gewebe und die Gesichtsästhetik hat. Zudem muss ein Kieferorthopäde in der Lage sein, weiteres Wachstum mit Weitblick einzukalkulieren.

Häufig werden zur Platzbeschaffung die kleinen Backenzähne entfernt. Wird eher im Frontzahnbereich Platz benötigt, so wird meist der erste, kleine Backenzahn (Prämolar) gezogen, wohingegen bei Platzmangel im Seitenzahnbereich das Entfernen der zweiten, kleinen Backenzähne sinnvoller ist.

Mitunter werden auch die großen Backenzähne entfernt, wenn Weisheitszähne angelegt sind und deren Durchbruch dadurch ermöglicht wird.

Nicht geeignet ist diese sog. Extraktionstherapie jedoch, wenn ein Tiefbiss vorliegt.

[Weiterführendes]

Verwandte Forenthemen

Quick Facts

  • wird in "Primärer Engstand", "Sekundärer Engstand" und "Tertiären Engstand" unterteilt

  • Ist relativ häufig und oft erblich bedingt

  • Die häufigste Ursache für einen Zahnengstand ist Platzmangel im Kiefer

  • Die Kieferorthopädie kann zur Behandlung auf verschiedene Möglichkeiten zurückgreifen

  • Häufig hilft auch die gezielte Entfernung eines oder mehrerer bleibender Zähne