Zuletzt bearbeitet: Apr 19, 2014 | Author: lma

Zahnretention und Zahnverlagerung

Wechselt ein Kind vom Milchgebiss zu den bleibenden Zähnen, ist die Freude über jeden ausgefallenen Milchzahn groß. Bei einigen Menschen bleibt aber nach ein paar Monaten die bange Frage: Wo bleibt der Neue?

In diesem Fall liegt meist ein sog. retinierter Zahn bzw. eine Zahnretention vor. Der Begriff bezeichnet alle Zähne, die nicht zeitgerecht oder gar nicht durchbrechen bzw. nicht dahin auswachsen, wo die anderen stehen.

Eine spezielle Form ist ein verlagerter Zahn oder eine Zahnverlagerung. Von ihm spricht man, wenn die Zahnentwicklung nicht in die normale Position des Zahnnes hineinwächst, sondern in eine unnormale Zahndurchbruchsrichtung wächst.

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Beispiel für einen verlagerten Zahn; Zahndurchbruchsrichtung liegt quer

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Beispiel für einen retinierten Zahn; Zwar ist hier die Richtung, in die er wächst, korrekt – doch der Zahn wird in seinem weiteren Wachstum durch einen anderen Zahn aufgehalten

Zähne, die ganz und gar von der Stelle entfernt liegen, wo sie normalerweise platziert sind, bezeichnet man alsZahndystopie oder Zahnaberration

Wenn der Zahn überall noch von Gewebe umschlossen ist, nennt man dies eine komplette oder totale Retention. Stößt der Zahn nur bis knapp über die Schleimhaut durch, heißt dies partielle Retention (Teilretention). Diese Unterscheidung ist sehr wichtig für die Diagnose, denn gerade teilretinierte Zähne sind sehr infektionsgefährdet.

Die Ursachen und mögliche Folgen

Die Häufigkeit

Am häufigsten sind die Weisheitzähne retiniert oder verlagert. Statistisch gesehen bleibt dabei in der westeuropäischen Bevölkerung bei bis zu 80% aller jungen Erwachsenen mindestens ein Weisheitszahn im Kiefer. Retinierte Eckzähne, zumeist im Oberkiefer, werden bei 0,9-3,5% der Patienten gesehen. Alle übrigen Zähne sind deutlich seltener betroffen, und daher auch statistisch kaum erfasst. Überzählige Zähne (z.B. Mesiodens) sind hingegen sehr häufig retiniert. Eine Retention von Milchzähnen hingegen ist sehr selten.

Die Ursachen und mögliche Folgen

Die Ursachen für eine Zahnretention und Zahnverlagerung sind vielfältig und im Einzelfall oft ungeklärt. Verantwortlich sind meistens:

  • ungünstige Durchbruchsrichtung
  • ein Zahnengstand oder einfach Platzmangel
  • eine Zahnkeimverlagerung
  • eine Zahnkeimschädigungen oder -verwachsungen
  • Zysten, gutartige Neubildungen im Kiefer aus zahnbildenden Geweben, selten auch Tumore
  • Verletzungen

Die häufigsten Ursachen vereinzelter Zahnretentionen sind schiefe Durchbruchsrichtungen der Zähne und ein damit verbundener Platzmangel.

Kommen gleich mehrere Zahnretentionen vor, findet sich häufig eine erbliche Veranlagung oder ein Krankheitsgeschehen, dass das normale Zahnwachstum behindert. Warum diese genau zu Zahnretentionen führen, ist für die meisten Erkrankungen aber bis heute nicht vollständig geklärt.

Als Folge einer Retention können die betroffenen und unbehandelten Zähne Zysten oder sehr selten auch Geschwüre bilden. Doch es kann auch weitere Komplikationen geben, z. B.:

  • Einschmelzungen an den Zahnwurzeln der Nachbarzähne (sog. Wurzelresorptionen)
  • Verdrängung von Nachbarzähnen
  • Ästhetische Unstimmigkeiten und Schiefstellungen der Kieferhälften und Kiefer
  • Schmerzen an den Zahnnerven (sog. neuralgiforme Beschwerden)

Die Behandlung: meist eine Zusammenarbeit von Kieferchirurgen und Kieferorthopäden.

Vorbeugende Massnahmen sind schwierig

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Eine allgemeine Vorbeugung gibt es leider nicht. Man kann nur versuchen, bereits entstandene Zahnengstände, die durch Zahnwanderungen entstanden sind, wegen der Gefahr einen Zahnverlustes (z.B. mit Lückenhalter) frühzeitig zu behandeln. Dies sollte im Alter zwischen 9 und 10 Jahren geschehen. Dazu macht ein Zahnarzt in der Regel eine einfache Untersuchung: er prüft, ob in der Oberkieferumschlagfalte eine Vorwölbung des Eckzahnkeimes zu ertasten ist. Ist dies nicht der Fall, kann man davon ausgehen, dass die Aufrichtung des jungen Zahnes ausgeblieben ist. In diesen Fällen wird meist der Milcheckzahn gezogen, um durch das Schaffen eines "Vakuums" den Durchbruch des ausgebliebenen Zahnes zu erleichtern.

Die Behandlung: meist eine Zusammenarbeit von Kieferchirurgen und Kieferorthopäden.

Die Behandlung bei retinierten oder verlagerten Zähnen beginnt meist mit einem chirurgischen Eingriff, denn der Zahn muss freigelegt werden. Anschließend erfolgt eine kieferorthopädische (korrekter: orthodontischer) Behandlung, die Verlängerung eines Zahnes (die sog. Elongation) mit festsitzenden oder/und herausnehmbaren Zahnspangen. Diese Behandlung kann bis zu 4 Jahren andauern, anschließend folgt noch eine mindestens einjährige Stabilisierungsphase. Die Behandlung besteht somit insgesamt aus drei Phasen:

  • Platzbeschaffung für den retinierten Zahn; dauert ca. 1/2- 1 Jahr
  • Einordnung des Zahnes in den Zahnbogen; dauert ca. 1 jahr
  • Feineinstellung des Zahnes im Zahnbogen mit einer Zahnspange; dauert ca. 1-2 Jahre
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Ein Beispiel für eine sog. Elongation und das Einordnen eines Eckzahnes mittels einer festsitzenden Zahnspange im Oberkiefer

Die Stabilisierungsphase

Damit der neuplatzierte Zahn langlebig und stabil im Kiefer einwachsen kann, muss der Behandlung noch eine Haltephase folgen. Dies geschieht in der Regel mit einer herausnehmbaren Zahnspange, mit einer Schiene oder einem geklebtem Retainer und dauert ca. ein Jahr.

Der Behandlungserfolg kann leider nicht einheitlich prognostiziert werden. Zwar sind die Möglichkeiten heute vielseitig – dennoch sind die Fälle retinierter Zähne zu individuell und stark von der Lage- und dem Alter der Patienten abhängig. Nach der jugendlichen Wachstumsphase des Menschen sowie generell nach dem 30. Lebensjahr werden die Behandlungsmaßnahmen ohnehin sehr kritisch bewertet. Zudem sind Zahnschräglagen unter 45 Grad ebenfalls schwer zu behandeln

[Weiterführendes]

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Quick Facts

  • bezeichnet alle Zähne, die nicht zeitgerecht oder gar nicht durchbrechen

  • Zahnverlagerung bezeichnet einen Zahn, der nicht in seine normale Position hineinwächst

  • Am häufigsten sind Weisheitzähne retiniert

  • Fällt meistens durch schiefe Durchbruchsrichtungen der Zähne auf

  • Behandlung: meist Freilegung durch einen Chrirurgen und eine anschließende kieferorthopädische Behandlung mit Zahnspangen