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Zuletzt bearbeitet: Mar 28, 2014 | Author: lma

Zahnüberzahl

(Hyperdontie)

Normalerweise haben wir in unserem Milchgebiss 20 Zähne, mit den bleibenden Zähnen 28 und wenn die Weisheitszähne durchkommen, sogar bis zu 32 Zähne. Doch es gibt Menschen, die haben mehr – eine sogenannte Zahnüberzahl.

Die Ursachen der Zahnüberzahl

Wie häufig ist eine Zahnüberzahl?

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Diese Überzahl, Hyperdontie oder auch Hyperodontie genannt, kommt weitaus seltener vor als die Zahnunterzahl

Mehr Zähne oder nur zahnähnliche Ausformungen hat man laut Statistik in Deutschland nicht all zu oft:

  • Im Milchgebiss der Vorschulkinder finden sie sich nur zu ca. 0,4 % – und das betrifft auch nur die Schneidezähne
  • Im bleibenden Gebiss ergänzen sich bei 1,0 % der Bevölkerung vorrangig seitliche Schneidezähne, kleinen Backenzähne und Weisheitszähne
  • in 86 % dieser Fälle gibt es einen Mesiodens, einen einzelnen zusätzlichen Zahn, der sich meistens im Oberkiefer bei den Schneidezähnen befindet

Die Ursachen der Zahnüberzahl

Auf der Suche nach den Ursachen ist die Forschung noch nicht weit. Bis heute ist nicht geklärt, ob eine Überproduktion der Zahnleiste, örtliche Entwicklungsstörungen, eine Zahnkeimspaltung oder eine genetische Rückmutation, der sog. Atavismus (http://de.wikipedia.org/wiki/Atavismus) als Ursachen in Frage kommen. Gelegentlich wird ein größeres Vorkommen in einer Familie beobachtet. Eine Zahnüberzahl kann auch gemeinsam mit anderen Erkrankungen auftreten: z. B. mit Dysostose (angeborene Sklettfehlbildung) oder dem Klippel-Feil-Syndrom.

Man spricht von einer unechten Hyperdontie, wenn ein bleibender Zahn so herauswächst, das er den entsprechenden Milchzahn nicht herausschiebt, sondern daran vorbeigeht. Ursache für die unechte Hyperdontie ist eine Zahnverlagerung des nachschiebenden, bleibenden Zahnes.

Eine Zahnüberzahl hat viele Formen

Die verschiedenen Arten einer Zahnüberzahl

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Überzählige Zähne können in normaler oder ungewöhnlicher Zahnform (z. B. sog. Mesiodens), als Doppel- oder sogar Mehrfachgebilde, als Zwillingszähne (getrennte Doppelanlagen), als Verwachsungen oder als Verschmelzungen von Zähnen auftreten. Viele Zahnverwachsungen oder -verschmelzungen wirken dann sogar wie ein übermäßig großer Zahn. Weil solche Formen hauptsächlich im vorderen Bereich der Zähne auftreten, haben die Betroffenen meist ästhetische Probleme. Gehäuft tritt die Hyperdontie bei Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten auf.

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Eine Zahnüberzahl hat viele Formen

Mesiodentes haben meist eine Zapfenform und finden sich zwischen den Wurzeln der oberen mittleren Schneidezähne. Sie sind oft erblich bedingt und kommen in einer Familie öfters vor. Diese Form der Hyperdontie macht fast die Hälfte aller überzähligen Zähne aus

Paramolaren sind ungewöhnliche Backenzähne, die zwischen den eigentlichen Mahlzähnen wachsen können

Distomolaren sind zusätzliche, hinter den Weisheitszähnen entstehende Zähne

Die Anzeichen einer Zahnüberzahl

  • Ungewöhnliche Vergrößerung eines Kiefersegmentes
  • Ein lokaler Zahnengstand
  • Durchbruchsbehinderung
  • Unterschiedliche Proportion der Ober- und Unterkiefergröße
  • Abbau oder Auflösung der Zahnwurzel an nebenliegenden Zähnen
  • Zysten

Die gesundheitlichen Folgen

  • Ungleichmäßige Kiefer, Tiefbiss
  • Kein normaler Aufbiss möglich, Kopfbiss
  • Kein normales Kauen oder Abbeißen mehr möglich
  • Entstehen von Asymmetrien, Kreuzbiss
  • Abbau der Zahnwurzel, Entstehung von Zysten
  • Schädigungen im Zahnhalteapparat (paradontal)
  • Entstehung von leicht entzündlichen Schmutznischen

Die Therapiemöglichkeiten und Prognose

Wie auch bei der Zahnunterzahl (Hypodontie)  sind die Möglichkeiten einer Therapie immer so verschieden wie die Fälle. Im Oberkiefer-Frontzahnbereich sprechen ästhetische Überlegungen oft für eine Entfernung des überzähligen Zahnes, zumal wenn dieser übermäßig groß wird oder eine Verschiebung der Mittellinie zu befürchten ist. Das Ziehen sollte frühzeitig im Jugendalter erfolgen, um mit kieferorthopädischen Maßnahmen einen Lückenschluss zu erreichen. Ein normal ausgebildeter, überzähliger unterer Schneidezahn fällt hingegen oft nicht auf und kann belassen werden, wenn dadurch kein Zahn-Engstand entsteht. Ein Mesiodens muss in aller Regel entfernt werden, weil sonst eine Lücke zwischen den oberen mittleren Schneidezähnen (ein sog. Diastema) entstehen kann.

Sollten sich bereits geschädigte und schwer zu erhaltende, regelrechte Zähne in der Nähe des überzähligen Zahnes befinden, kann der Kieferorthopäde auch hier eine Entfernung empfehlen. Im Einzelfall kann es eben besser sein, einen solchen Zahn zu ziehen und den überzähligen Zahn einzureihen.

Stabilisierung und Prognose nach kieferorthopädischer Behandlung

Etwa nach der Hälfte der aktiven Behandlungszeit sollte wie bei einem Zahnengstand eine Haltephase (Retentionsphase) von ca. zwei Jahren folgen, um einen stabilen Aufbiss und eine möglichst lückenlose Zahnreihe zu erhalten. Neben herausnehmbaren Apparaturen  und Plastikschienen eignen sich auch sogenannte geklebte Lingual-Retainer. Diese sollten mindestens 1 Jahr getragen werden.

[Weiterführendes]

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Quick Facts

  • Bei mehr als 20 Milchzähnen oder mehr als 32 bleibenden Zähnen spricht man von Hyperdontie

  • Eher seltene Zahnanomalie

  • In den meisten Fällen treten deformierte Zahnformen zwischen den oberen mittleren Schneidezähnen, als Zwillingszähne oder als Verwachsungen auf

  • Sonderform: bei der unechten Hyperodontie wächst ein bleibender Zahn am Milchzahn vorbei

  • Das Entfernen überzähliger Zähne und das Schließen von Lücken ist im Jugendalter meist problemlos möglich